Dies ist
eine Geschichte, die im 12. Jahrhundert nach Christus beginnt und
deren Auswirkungen sich bis in unsere Zeit ziehen.
Der junge Dichter Gwyn Thomas aus Wales nimmt eine Stelle als
Resident Poet (eine Lehrstelle zur Ausbildung von jungen
Schriftstellern und wohl eben Poeten - vielleicht zu übersetzen
mit dem am Ort befindlichen oder ortsansässigen Dichter, aber
das ist eher wortwörtlich) an der Brockham Universität in
New York an. Dort lernt er schließlich die junge Jane Pridden
kennen, die eine Assistentenstelle an der gleichen Universität
innehat und für Gwyns Professor Duane Jewell eine
Kunstzeitschrift herausgibt. Wie nicht anders zu erwarten, verlieben
sich Gwyn und Jane unsterblich, und es könnte sich die
glücklichste Beziehung einstellen, wenn da nicht folgendes
wäre:
Auf dem Flug von Wales nach Amerika hat Gwyn zum ersten Mal
angefangen, von der Geschichte der Ceinwen Maelgwyn zu träumen.
Diese, ein einfaches junges Mädchen aus dem kleinen Ort Cynfael
in Wales, begegnete eines Tages dem Prinzen Madoc ap Owein ap
Gruffydd, in den sie sich sodann unsterblich verliebte. Und seit dem
Zusammentreffen mit Gwyn träumt nun auch Jane von Madoc und
Ceinwen.
Madoc hat ein großes Ziel: zum zweiten Mal nach Ynys Llyr zu
gelangen, dem fernen Land im Westen. Beim ersten Mal hat Madoc einen
Gast oder auch Gefangenen mitgebracht - läßt sich nicht so
genau sagen, bei den damaligen Sitten - nämlich den Krieger
Glesig Dog. (na, welchem Volk wird der wohl angehören,
wenigstens in großem Rahmen?) Mit Glesigs Hilfe will er erneut
nach Ynys Lyr und dabei eine große Anzahl Menschen mitnehmen,
um dort eine neue Nation zu gründen und den ewigen Kämpfen
mit seinen Brüdern und anderen Feinden (nette Familie, oder?!)
zu entgehen.
Irgendwann beginnt Gwyn, über diese Geschichte zu schreiben, und
zwar in Form von alten Versen der Walliser. Jane wird durch ihre
Träume über Ceinwen und Madoc immer mehr in einen Sog
gerissen, der auch ihre Realität bedroht.
Liane Jones hat hier ein umfangreiches Werk geschaffen, obwohl 650
Seiten heute nicht mehr unbedingt etwas Besonderes sind. Jones hat
sich intensiv mit den walisischen Sagen und Mythen um Madoc
beschäftigt; und wenn sich jemand die Mühe macht, kann er
anhand dieses Buches bestimmt perfekt dessen Weg in Nordamerika
nachverfolgen. Madocs Volk trifft im Roman auf die Mandaner, einen
indianischen Volksstamm, von dem ich immerhin weiß, daß
ein Mandan-District in North-Dakota existiert; also gibt's oder gab
es auch den zugehörigen Stamm.
Realität und Phantasie finden sich hier in perfekter
Verknüpfung wieder.
Die Geschichte baut sich langsam und gemächlich auf, die
Darsteller entwickeln sich gezielt weiter, und man wird mit vielen
Details verwöhnt. Dieser langsame Aufbau ist die Stärke
oder auch die Crux des Buches. Wenn man Action und spannende Handlung
erwartet, muß man sich hier lange gedulden; wer detaillierte
Beschreibungen und gut gezeichnete Charaktere liebt, ist hier gut
bedient. Als King-Leser gefallen mir natürlich auch lange
Umschreibungen, nur gibt es da natürlich auch die
gewünschte Spannung und Action. Trotz der unzweifelhaften
Qualität des Buches mußte ich mich manchmal schon sehr
durchbeißen.
Das Phantastische kommt für mich in diesem Buch auch etwas
schwach weg. Zuviel verraten darf ich natürlich nicht, aber bei
der Auflösung sind Liane Jones wohl ein wenig die Ideen
ausgegangen. Vielleicht gefällt die Lösung anderen Lesern
ja besser.
Gut zu lesen ist der Roman ganz zweifellos; mit dem weiteren
Fortschreiten der Handlung machten sich bei mir jedoch mehr und mehr
zwiespältige Gefühle bemerkbar, wodurch er für mich
auch nur eine mittelmäßige Benotung verdient.
9 Punkte