Band 1985: "Ein Köder für MATERIA"

Autor: Arndt Ellmer

Eine Gruppe des Cameloter Geheimdienstes ist unterwegs, um einen Überläufer der Galactic Guardians zu übernehmen. Jerome Pennsylvanier war drei Jahre lang Mitglied bei den Guardians, bevor er sich nun dazu entschloß, auszusteigen. Der Überläufer ist nicht nur für diejenigen interessant, die sich direkt mit ihm beschäftigen. Er erweckt auch Bewegung auf höchster Cameloter Ebene. Reginald Bull ist nämlich dabei, mit Gucky für die neuesten Pläne Camelots zu werben. Einer davon besagt, MATERIA ein faules Ei ins Nest zu legen. Dieses Ei soll die bis oben mit Sprengstoff gefüllte SOL sein. Rhodan will aber keineswegs „seine“ SOL opfern, sondern er will eine neue bauen; zumindest eine, die von außen genauso aussieht. Dafür benötigt er aber die Hilfe von anderen. Bully und Gucky sollen nun Cistolo Khan überzeugen. Zum einen muß ein alter Raumer der Galaxisklasse aufgekauft werden, der im Moment als Museumsschiff dient, und die Terraner sollen auch das Mittelstück der SOL bauen. Zudem sollen sie sich nun endgültig an einer Großflotte gegen MATERIA beteiligen. Währenddessen ist ein weiteres Kommando unterwegs, um den Galactic Guardians einen Galaxisklasse-Raumer abzujagen, den diese in ihren Besitz gebracht haben. Ein Kommando mit Monkey, Bull, Gucky und anderen landet auf einem Planeten, den die Guardians häufig anfliegen. Dort wartet man. Als der Raumer gelandet ist, schleicht sich das Kommando an Bord und macht sich mit einen alten Kommandocode daran, das Schiff zu übernehmen und mittels vorgetäuschter Selbstzerstörung die Besatzung von Bord zu scheuchen. Das gelingt aber nur mit einem Teil, und so muß der Rest mit handgreiflichen Mitteln vertrieben werden. Das ist insofern ein Problem, da der Kommandant ein Oxtorner ist und sich mit Monkey ein wahres Duell liefert; der Ex-LFT-Agent gewinnt jedoch schließlich, und sein Gegner begeht daraufhin Selbstmord. Dann bedarf es nur noch ein wenig technischer Unterstützung aus dem Weltall, und das neue Teilstück der „Schein-SOL“ ist fertig.
Etwa einen Monat später bekommt Perry Rhodan auf der SOL seltsamen Besuch. Es handelt sich um den Chef des arkonidischen Geheimdienstes persönlich, der Perry Rhodan zu einer persönlichen Unterredung mit Arkons Imperator Bostich bittet. Unter großem Aufwand wird Rhodan auf das neue Flaggschiff der Arkoniden gebracht, die ARK’IMPERION. Das Treffen selbst findet in respektvoller Atmosphäre statt. Bostich bietet Rhodan endlich seine galaktische Flotte - gegen die Entmachtung Camelots. Er verlangt, daß Camelot keine Großraumschiffe mehr baut - und daß die GILGAMESCH nach ihrer Rückkehr an die Arkoniden übergeben wird. Dazu ist Rhodan nicht bereit; er akzeptiert die GILGAMESCH aber als Wachschiff über Mirkandol. Kaum ist dieser Handel abgeschlossen, tauchen in der Nähe der SOL auch schon Großraumschiffe aller wichtigeren galaktischen Völker auf. Akonen, Springer, Terraner, Blues... alle sind mit dabei, um sich Rhodan im Kampf gegen MATERIA anzuschließen.

Na, bitte - das nenne ich Versöhnung auf großgalaktischer Ebene. Camelot versöhnt sich mit dem Erzgegner Arkon, und schon sind wir in puncto Einheit des Galaktikums einen Schritt weiter. Aber mein Tonfall täuscht hier. Gerade diesen Punkt der Handlung finde ich keineswegs schlecht. Er zeigt vielmehr, wie stark und wichtig Arkon in letzter Zeit geworden ist und daß die Terraner hier aufpassen müssen, um nicht den Anschluß zu verlieren. Es mag zwar vielleicht mal wieder ein wenig übertrieben sein, daß auf einmal wirklich alle da sind, um sich Rhodan anzuschließen, aber im großen und ganzen ist das schon in Ordnung.
Genau in diesem Sinne ist das Treffen Rhodans mit Bostich Arndt Ellmer eigentlich recht gut gelungen. Die Atmosphäre und die Umgebung passen recht gut zum neuen Selbstverständnis der Arkoniden und ihres Imperators. Rhodan und Bostich lassen klar erkennen, daß sie einander als große Staatschefs anerkennen, und das ist für beide von großer psychologischer Bedeutung. Zwar läßt sich Camelot militärische Fesseln anlegen, aber das war noch nie ihre Stärke, und Rhodan wird der politische Kontakt mit Arkon sowieso viel wichtiger sein. Und auf der anderen Seite kann Arkon effektiv einen großen politischen Sieg erringen. Bisher war ja nur viel Säbelrasseln zu erkennen, aber kein Zeichen davon, daß die neuen Arkoniden wirklich in der Lage sind, auch politisch eine Großmacht zu sein - mal von der Errichtung und Etablierung von Mirkandol abgesehen.
Bei der zweiten Ebene weiß ich dann nicht mehr so genau, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite ist die Idee ja gar nicht schlecht, den Guardians einfach so ein Raumschiff unter den Fingern wegzuklauen. Aber irgendwie konnten mich die Einzelkampfszenen an Bord nicht ganz so umhauen. In meinen Augen wirkte das meiste davon doch ein bißchen klischeehaft und wenig plastisch. Zum anderen finde ich es schon etwas seltsam, daß es hier allgemein akzeptiert wird, daß eine galaxisweit als Verbrecher anerkannte Organisation einfach mit einem 2,5 km durchmessenden Kugelraumschiff durch die Gegend fliegen kann, ohne daß hier bisher eingegriffen worden ist - zumal besonders die Terraner in der Vergangenheit als erklärte Guardianfeinde aufgetreten sind. Es will mir einfach nicht so recht in den Kopf, daß diese Möglichkeit noch nicht genutzt worden ist, hier einzuschreiten. Zum anderen meine ich, mich daran zu erinnern, daß die Guardians an sich zur Zeit recht ruhig gewesen sein sollen, und der Besitz gehört für mich eigentlich nicht dazu.

Fazit:
Eigentlich gar kein so schlechter Roman, der zeigt, daß Ellmer sich durchaus macht (und es endlich gelernt hat, seine Unterebenen mit Überschriften zu versehen). Ein akzeptabler Ebenenwechsel.
9 Punkte

Alexander Haas

Wie zu erwarten: Kaum wechselt die Handlungsebene, werden die Romane auch gleich merklich besser. Wenn Arndt Ellmer zwar auch kein Highlight der Serie gelingt (dies kann man nun auch nicht wirklich allen Ernstes jede Woche erwarten), so legt er mit „Ein Köder für MATERIA“ jedoch immerhin einen soliden PR-Roman vor, der es vor allem inhaltlich in sich hat - was besonders für die letzten Seiten gilt.
Vorher erfahren wir vordringlich, in welch geheimer Mission nun Bully und Co. losgeschickt wurden - auch wenn das Ziel der Mission doch ein wenig skeptisch betrachtet werden darf. Immerhin stellt sich die Frage, wie man MATERIA mit einer Pseudo-SOL foppen will, wenn man dieser keinen Carit-Überzug verpassen kann. Goldfarbe kann es ja wohl nicht sein; immerhin dürfte das Carit auch ganz eigene Emissionen von sich geben, die angemessen (und somit auch von den Ortern der Fabrik erfaßt) werden können. Emissionen, die wahrscheinlich von den Galaktikern noch nicht einmal festgestellt werden können, weil sie sich in höherdimensionalen Gefilden verstecken...
Nun ja, in dieser Hinsicht sollten wir wohl besser erst einmal abwarten, was Rainer Castor diesbezüglich im nächsten Roman von sich gibt. Vielleicht ist ihm ja ein Weg eingefallen, wie man dies halbwegs lösen kann.
Die fast zur Sicherheit mutierende Vermutung, daß man MATERIA mit einer sprengstoffgefüllten SOL nicht gerade großartig ankratzen kann, bleibt jedoch vorerst noch bestehen. Allerdings gab uns der letzte Band dieser Ebene ja schon einen Lösungsansatz: Wir bringen den Fingerhut Ultimaten Stoff in die Nähe der Fabrik und versuchen, ihm ein kleines Löchlein zu verpassen. Es darf bezweifelt werden, daß MATERIA mit diesem Zeugs auch noch fertig wird.
Insgesamt jedenfalls bleibt die Schilderung der Ereignisse auf solidem, wenn auch nicht unbedingt wirklich hohem Niveau, bis... ja, bis Perry zur Audienz mit Bostich gerufen wird.
Hier kommt es dann doch zu einigen recht heftigen Entwicklungen, die in dieser Form sicherlich nicht zu erwarten waren und den Leser wirklich überraschen.
Daß die Arkoniden immer mehr erstarken, war ja schon seit einiger Zeit zu merken. Daß sie jedoch so einflußreich sind, daß sie gleich eine Galaktische Flotte offerieren können, kommt iner mittleren Überraschung gleich. Da paßt es dann ins Bild, daß Bostich mal eben als „Entlohnung“ praktisch die Entmachtung Camelots verlangt, mit der GILGAMESCH als Geschenk gleich obenauf. Es sieht so aus, als ob die Autoren die Geschicke Perrys und der Unsterblichen in nächster Zeit wohl doch wieder näher an das Galaktikum binden wollen (die Terraner wollen ihn und seine Bande ja wohl immer noch nicht so richtig wiederhaben, womit eine solche Möglichkeit sich fast schon von selbst verbietet) - mit einem Sechsten Boten, der für die ganze Galaxis stehen soll, ist dies sicherlich sinnvoll.
Auch, daß die GILGAMESCH an sich eine Fehlentwicklung darstellte (großartig angekündigt und dann erstmal fast 150 Romane lang mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden, ist sie sowieso schon fast in Vergessenheit geraten, bevor sie die ungeliebten Chearth-Romane zugeschanzt bekam), scheint von den Expokraten erkannt worden zu sein, und so darf sie nun als Luftballon über’m Galaktikum hängen, wenn der nächste Tausender beginnt. Gut so.
Insgesamt bleibt also der Eindruck eines soliden Perry-Romans, der am Ende die Sicht auf eine Machtverteilung innerhalb der Galaxis andeutet, wie sie vor ein paar Jahrtausenden schon einmal der Fall war: Das Kristallimperium als führende Kraft, die alle anderen Mächte überstrahlt. Da deutet sich eine interessante Entwicklung an, die wahrscheinlich demnächst eingeläutet wird. Und nächste Woche geht’s dann wohl MATERIA an den Kragen - wir können gespannt sein, auch wenn die endgültige Lösung schon fast klar zu sein scheint, da von ES eigentlich kaum mehr als eine Hilfestellung zu erwarten ist. Schließlich kann sich die SI noch nicht einmal wirklich gegen die Fabrik verteidigen - wie soll sie da wirkungsvoll und vernichtend angreifen können (auch wenn sie Perry einen Termin und Ort nennt)? Da wird dann wohl doch der Fingerhut das Zünglein an der Waage werden. Aber lassen wir uns überraschen...

Fazit:
Ein durchaus solider PR-Roman mit keinen nennenswerten Schwächen oder wirklichen Höhen, sieht man vom Ende einmal ab, das einige überraschende Entwicklungen andeutet. Insgesamt eine gute Einleitung zu Rainer Castors Band der nächsten Woche, in dem es wohl MATERIA an den Kragen gehen wird.
9 Punkte.

Winfried Brand

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