Manfred Weinland / Timothy Stahl:

„Die achte Plage“

(Das Volk der Nacht („Vampira“) - Band 2)
(346 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Zaubermond-Verlag, ISBN 3-931407-16-0, DM 29,80)
- erschienen: September 1999 -

Zum Inhalt:
In Israel findet eines der Kinder Rahels mit seinen Dienerkreaturen auf dem Hof einer Großfamilie eine seltsame Truhe - natürlich nachdem man die Bewohner erst einmal fröhlich gemeuchelt hat.
Währenddessen kämpft Lilith in Australien mit der Schuld, die sie aufgrund ihrer Rolle im Entstehungsprozeß der neuen Vampire auf sich geladen hat, wobei sie zwischenzeitlich offensichtlich ihr Selbst zu verlieren droht. Doch auf dem Dachboden des Hauses ist immer noch das seltsame Netz, durch das Esben Storm verschwunden ist, nachdem er ihren Symbionten gestohlen hat, und das auch sie irgendwann erwartet, dem sie sich stellen muß. Doch erst einmal wird sie von Erinnerungen geplagt - Erinnerungen, die die Geschichte ihrer Eltern betreffen...

ACHTUNG! Diese Rezension enthält massive Spoiler hinsichtlich des Inhalts dieses Romans. Leider war dies entgegen aller Gepflogenheiten des Flash hier nicht anders machbar. Wer den Roman also noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht nehmen lassen will, sollte bestenfalls noch auf den Anfang der Rezension sowie die Punktewertung schauen und sich den Rest dieser Rezension nach der Lektüre des Romans zu Gemüte führen!

Mit reichlich Verspätung (Warum haben Autoren eigentlich solche Schwierigkeiten, Termine einzuhalten? Naja, eigentlich eine dumme Frage, ich sehe ja selber, wie es mit den Rezensenten so läuft... <grins>) ist nun der zweite Band des „Volks der Nacht“ erschienen - angesichts der Dramatik der Ereignisse (soviel möchte ich einmal vorwegnehmen) bleibt nur zu hoffen, daß sich dies in nächster Zeit besser einspielen wird, da der Leser ansonsten wirklich Probleme bekommen wird, die Wartezeit zu überstehen, ohne beim Verlag einzubrechen und verzweifelt nach Manuskripten zu suchen - ähem... Angesichts der unlöblichen Entscheidung, „Die Wölfin“ als Subserie innerhalb der Hauptserie zu veröffentlichen, dürfen wir jetzt nämlich gleich ein halbes Jahr auf den nächsten Band warten - bei den Geschehnissen dieses Bandes eigentlich ein unhaltbarer Zustand...
Aber kommen wir nun endlich zum Roman selber, bei dem sich die Autoren offensichtlich so langsam an die neue Form gewöhnt haben. Die verwirrende Vielfalt der Einmal-Charaktere ist weitgehend verschwunden, und auch die eigentliche Geschichte wirkt eher zusammengehörig und mit einem durchgehenden Spannungsbogen versehen, nicht so episodenhaft wie das letzte Buch.
Inhaltlich führen die beiden Autoren den begonnenen Weg konsequent fort, steigern die Dramatik der Ereignisse noch in neue Höhen, die den Leser das Buch förmlich verschlingen lassen. Die Reihe hat mit diesem Band sicherlich einen Punkt erreicht, der weit über dem Spannungsniveau der Heft- und auch der Taschenheftserie liegt. Doch dies deutete sich ja bereits in den letzten zehn Taschenheften sowie dem ersten Hardcover an - was jedoch den Verdienst der Autoren nicht weiter schmälern sollte. Dieser Roman zählt in Sachen Dramatik und Spannung sicherlich zum Besten, was in letzter Zeit in Sachen deutschsprachiger Phantastik auf den Markt gekommen ist.

(ACHTUNG! Hier beginnen die Spoiler!)

Allerdings wird dieses Plus vielleicht ein wenig teuer erkauft - nämlich eventuell auf Kosten des guten Geschmacks und ein wenig auch der Achtung vor Religionen. Es mag zwar viele Leute geben, die sich nicht an dieser Handlung stören werden, doch gehen Weinland und Stahl m.E. ein wenig zu weit. Selbst ich, der ich mit den christlichen Religionen (ebenso wie auch den anderen) recht wenig anfangen kann und mich für einen Atheisten halte, habe langsam ein paar kleine Probleme mit der Handlung. Denn diese wirkt mit ihrem Fortschreiten dann doch teilweise ein wenig zu abgehoben, wobei ich vor allem auf den „bösen Bruder“ Jesu anspielen möchte.
Aber auch die Tatsache, daß die neuen Vampire von Gott geschaffen wurden, um die verruchte Menschheit mit einer neuen Plage zu strafen, sowie Liliths Auftrag, Jesu vor dem Tod am Kreuz zu bewahren und ihn in die Jetztzeit zu bringen, damit er hier den Erlöser spielen kann, ist doch mehr als abgehoben. Wie gesagt: Das geht selbst mir ein wenig zu weit. Manfred Weinland und Timothy Stahl können jedenfalls froh sein, daß sie sich hierfür nicht den Islam ausgesucht haben. (Salman Rushdie Nr. 2 und 3 wären vorprogrammiert gewesen...) Die katholische Kirche bestraft im Höchstfall mit Exkommunizierung - hoffen wir also, daß die beiden nicht katholisch sind... <grins>
Vor diesem Hintergrund bleibt dann also ein ziemlicher Wermutstropfen im allgemeinen Eindruck des Romans zurück, der die Bewertung dann doch geringfügig nach unten drückt, da diese Hintergründe selbst für Religionsverächter doch ein bißchen schwer zu verdauen sind. Manfred Weinland meint hierzu dann auch ganz richtig im beiliegenden Zaubermond-Lesermagazin „Mystery Press“, daß solches im Heft und Taschenheft nicht möglich gewesen wäre. Recht hat er! Ob es im Hardcover aber wirklich sein muß? Ich glaube, dies sollte jeder für sich selbst entscheiden.
Kommen wir noch kurz auf die „Mystery Press“ zu sprechen.
Dieses Magazin ist sicherlich eine sehr interessante Einrichtung und bietet vor allem dem Vampira-Fan wieder eine Leserseite, die von Monster-Mike Schönenbröcher betreut wird. Was haben wir ihn vermißt! Aber auch sonst ist dieses Magazin äußerst gelungen. Ich persönlich würde jedoch dafür plädieren, nach der vorliegenden „0“-Nummer nicht auf DIN A5 umzusteigen, sondern das hier verwendete Format beizubehalten - es ist einfach sehr angenehm zu lesen und paßt auch problemlos in das Buch.
Inhaltlich vermag das Magazin jedenfalls voll zu überzeugen, nicht zuletzt wegen der Interviews, von denen dasjenige mit Ernst „DerNameistunaussprechlich“ Vlcek teilweise auch in die Perry Rhodan-News dieser Flash-Ausgabe Einlaß gefunden hat. Die Mischung und Aufmachung ist jedenfalls sehr schön und läßt kaum Verbesserungswünsche aufkommen. Weiter so!

Fazit:
Für religiöse Menschen eventuell nur schwer verdaulich, bietet „Die achte Plage“ jedoch einen Spannungsbogen, der bisher in der Serie noch kaum erreicht wurde. Das halbe Jahr bis zum nächsten regulären Band der Serie wird jedenfalls sehr, sehr lang. Ein bißchen weniger „Abgehobenheit“ in der Handlung hätte dem Buch jedoch besser zu Gesicht gestanden. Manches wirkt dann doch zu seltsam.
12 Punkte.

Winfried Brand


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