OT: Reckoning Infinity
Ü: Thomas Schichtel
1997
(445 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 23216, ISBN
3-404-23216-X, DM 14,90)
- erschienen: September 1999 -
Zum
Inhalt:
Durch einen Zusammenstoß eines Shuttles mit der Orbitalstation
Tokio wird Alis Nussem zu einer halben Androidin, da viele ihrer
Körperteile, bis hin zu den Augen, duch künstliche Produkte
ersetzt werden müssen. Sie erholt sich nur schwer von diesem
Schock, und als sie auf die Ranger überwechselt, sieht sie sich
hier ihrem Alptraum gegenüber: Karl Stanton, dem Piloten des
Unglücksshuttles, an dessen Unschuld sie nicht glauben kann.
Sie zwingt sich zu einem kollegialen Umgang mit Karl, vor allem, als
das Schiff ein Objekt ortet, das mit 3% Lichtgeschwindigkeit in das
Sonnensystem eintritt. Dieses Objekt hat mit 100 km Durchmesser die
Größe eines kleinen Mondes und ist so
regelmäßig gearbeitet, daß es eigentlich keinen
natürlichen Ursprung haben kann. Steht der Besatzung der Ranger
ein Erstkontakt bevor?
Um diese Frage zu beantworten, wird ein kleines Team von sechs
Personen unter dem Befehl Alis Nussems auf die Oberfläche des
Objekts geschickt, wo sich Überreste von außerirdischen
Sonden befinden. Doch als das Team durch einen Schacht in das Innere
des seltsamen Objekts eindringt, finden sie etwas vor, mit dem sie
nicht rechnen konnten...
Mit Die Grenzen der Unendlichkeit beschreitet John E.
Stith ein Territorium, das eigentlich schon als so ziemlich abgegrast
bezeichnet werden darf. Ich weiß nicht, wie viele seltsame
Objekte, die in das Sonnensystem eindringen und den ersten Kontakt
mit Außerirdischen versprechen, die SF bereits hervorgebracht
hat - in Schrift wie auch im Bild.
Doch dieser Roman hebt sich deutlich von allen ähnlichen
Handlungen ab. Der Autor vermag es recht schnell, den Leser an seine
Story zu fesseln, wenn sie auch am Anfang zwar mit einem Knalleffekt,
insgesamt jedoch eher durchschnittlich, weil altbekannt, daherkommt -
viel mehr als ein mittelmäßiges Interesse aufgrund des gut
zu lesenden Stils ist hier nicht herauszuholen.
Auch die Ankunft des kleinen Mondes kann zunächst
nicht besonders begeistern, doch spätestens wenn sich das
Außenteam auf dessen Oberfläche abgesetzt hat, beginnt der
Roman, so richtig an Fahrt zuzulegen, um dann mit dem Eindringen
unter die Schale eine dermaßen fesselnde und spannende
Beschreibung der Ereignisse zu erreichen, die mich dieses Buch kaum
noch aus der Hand legen ließ.
Hier schlägt dann der vielbeschworene sense of
wonder so richtig zu, steht der Leser staunend vor den
Entdeckungen des Teams, versucht zu spekulieren, und wird doch immer
wieder vom Autor überrascht. Ein wenig erinnert der Roman an
diesen Stellen an den Film-Klassiker Die Reise ins Ich,
was vor allem die Faszination der Handlung, aber auch die Erkundung
des kleinen Mondes selber angeht. Wirklich Parallelen
zwischen den beiden kann man jedoch nicht ziehen, dafür sind das
Buch und der klassische Film einfach viel zu verschieden
voneinander.
Fazit:
Die Grenzen der Unendlichkeit beginnen eher
klassisch und vorhersehbar, doch sobald man sich weiter
in das Buch eingelesen hat, bietet John E. Stith dem Leser eine
Fülle faszinierender Bilder, die den alten sense of
wonder auf besten Niveau wiederbeleben. Ein Roman der
Spaß macht und zum Staunen einlädt.
12 Punkte.
![]()