Vivian Vande Velde:

"Der Wolfsprinz"

OT: The Challenging Prince
Ü: Christine Strüh
(237 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9048, ISBN 3-453-15630-7, DM 14,90)
- erschienen: September 1999 -

In den Bergen wohnt auf einer einsamen Burg die Hexe Daria. Viele Tiere aus ihrer Umgebung zwingt sie unter ihren Willen, verwandelt sie in Tiermenschen und sorgt so dafür, daß sie einen ständigen Nachwuchs an Dienern hat.
Eines Tages beschließt sie, ihre einsame Welt zu verlassen und in die Stadt zu ziehen. Anführer ihrer Diener ist der Wolfsmensch Weiland. Anführer bei Daria zu sein, ist nicht gerade ein besonders beliebter Job, denn es heißt erst recht, ihrer (Un)Gnade und ihren Launen ausgeliefert zu sein. Dennoch gelingt es Weiland, auch außerhalb des Herrschaftshauses Bekanntschaften zu schließen. Durch sein Wissen wird ihm bald klar, was Daria vorhat und wer sie früher war. Dieses Wissen bringt ihn in einen argen Wissens- und Gewissenskonflikt gegenüber seiner Herrin, seinen Freunden und den Menschen dieser Stadt...

„Der Wolfsprinz“ ist mit seinen knapp 240 Seiten kaum der Größe einer Kurzgeschichte entwachsen und hat auch fast eher den Charme einer solchen. Im Mittelpunkt steht der Wolfsgeborene Weiland, der in einer harten Welt lebt und die Launen seiner Herrin ertragen muß - und diese haben selten angenehme Folgen für den armen Wolf.
Interessant an dieser Geschichte ist, daß sie fast ausschließlich aus einer einzigen Perspektive geschrieben ist, nämlich aus der von Weiland. Auf diese Weise erhält der Leser einen vielfältigen Eindruck von seiner Gedanken- und Gefühlswelt. Damit wären wir jedoch aber auch schon bei dem faszinierendsten Punkt angekommen. Die Handlung selbst bleibt recht unspektakulär, aber auf keinen Fall schlecht. Die Autorin macht nicht den Fehler, auf den paar Seiten gleich die ganze Welt retten zu wollen, sondern beschränkt sich auf ein nettes kleines Komplott - was dem Leser aber schnell klar wird und daher wenig Spannung und Überraschung bereithält. Lediglich am Ende haben wir noch ein, zwei Wendungen, die so ganz und gar nicht zu erwarten waren. Dies besonders, da die Welt - je weiter der Roman fortschreitet - starke Ähnlichkeit mit der unsrigen bekommt.

Fazit:
Ein netter kleiner Roman, mit dem man nicht viel falsch machen kann, an den man aber auch keine zu großen Ansprüche stellen sollte.
8 Punkte

Alexander Haas


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