Band 1987: „Der Mörderprinz“

Autor: Robert Feldhoff

Prinz Samaho ist der designierte Herrscher der Crozeiren. Mit großem Gefolge ist er unterwegs in die Berge - er will zum Kloster der Druu. Hier soll er zum König gekrönt werden. Dann betritt er auf dem Gipfel den Saal des Orakels. In diesem Raum befindet sich die Statue des Orakels sowie die der Torr, der Mörder. Was die Torr genau waren, erfährt er von dem Orakel. Es erzählt ihm von der Zeit, als die Crozeiren von ihrem Krieg mit den Streitern gegen das GESETZ schwer angeschlagen waren. Als ihre Zahl unter 10.000 fiel, stieg jedoch ihre Menta-Quote des Einzelnen (die psychische Kraft der Crozeiren, die relativ konstant ist). Dadurch wurden sie zu parapsychisch begabten Monstren, die zuerst ihre Feinde und danach jedes erreichbare Opfer vernichteten. Doch dann erkannten sie die Ausmaße ihrer Taten und bereuten. Selbstmord konnten sie nicht begehen, denn das hätte alles noch verschlimmert. Also mußten sie dafür sorgen, daß die Menta-Quote wieder sank...
Samaho ist sehr geschockt von dieser Geschichte; sie war bei seinem Volk in Vergessenheit geraten. Noch geschockter reagiert er aber auf die Tatsache, daß er derjenige sein soll, der seinem Volk die Vernichtung bringt, weswegen ihm auch die Krönung verweigert wird.
Samaho weiß aber auch, daß das Volk von dieser Prophezeiung nicht unbedingt etwas erfahren muß; und so befiehlt er dem Orakel zu sterben, bevor er sich auf den Weg nach draußen macht. Zwar sind seine Untertanen geschockt, denn plötzliche Veränderungen sind ihnen zuwider, aber dennoch wird Prinz Samaho Herrscher seines Volkes.
Als neuer Herrscher beginnt er ein genetisches Programm, das die Bevölkerungszahl in die Höhe treiben soll, um die Menta-Quote des einzelnen Corzeiren niedrig zu halten.
Als in der Nachbargalaxis ein Krieg ausbricht, der alles Leben vernichten wird, fliegt Samaho dorthin, um sich davon zu überzeugen, daß seinem Volk keine Gefahr droht. Am Ziel erfährt er von einem Überlebenden (einem Ritter der Tiefe), daß hier ein Krieg zwischen Kosmokraten und Chaotarchen tobt, die um die Herrschaft im Universum kämpfen. Die Chaotarchen zerstörten einen Dom der Ritter und hatten lange die Oberhand, bis die Kosmokraten ihre kosmischen Fabriken aussandten.
Auf dem Planeten 66-Scheimeramant trifft Prinz Samaho Cairol, den Abgesandten der Kosmokraten. Samaho hat von dem Ritter der Tiefe erfahren, daß die Fabriken keine Kommandanten mehr haben, und er will einer der neuen sein. Doch Cairol lehnt ihn als zu schwach und unterentwickelt ab. Samaho ist zutiefst getroffen, doch er weiß bereits die Lösung für sein Problem. Leider ist Cairol auch bereits wieder abgereist, und Samaho muß warten.
Jahrelang wartet Samaho. Voller Verachtung sieht er auf sein Volk hinab. Er sieht in ihnen kein Leben - nur das Dahinvegetieren mit der Angst vor Veränderungen. Das einzige, das ihn selbst am Leben erhält, ist die Prophezeiung, an die er ständig denken muß.
Dann, eines Tages, ist es endlich soweit. Cairol ist zurückgekehrt, und umgehend ruft Samaho sein gesamtes Volk zusammen. Dann verlangt er Gomberach von ihnen, den rituellen Selbstmord der Crozeiren. Als letzter der Crozeiren - als Torr Samaho - kehrt er zu Cairol zurück. Er will nun endlich das Kommando über eine Fabrik der Kosmokraten, und er verlangt MATERIA. Cairol akzeptiert ihn, und Torr Samaho sieht sich am Ende seiner Wünsche. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt, und er ist absolut geschockt, als er erfährt, daß er seinen Körper für einen anderen aufgeben muß. Kurzerhand befindet er sich in einem häßlichen Zyklopenkörper wieder. Er ist nun einer der acht Diener der Materie.
Auf einer zweiten Ebene trifft man auf den Zyklopen Guantamari Sailent. Er fischt im terminalen Ozean auf einem Planeten nahe der Materiequelle Gourdel in Erranternohre. Doch er verliert sein Boot, und nun sind er und seine Frauen vom Hungertod bedroht. Doch dann taucht Cairol auf. Er bietet den Frauen die Rettung an, wenn Sailent mit ihm kommt. Dieser willigt ein und wird von dem Roboter in eine Glasröhre gesperrt. Hier muß er warten, bis „sein Zeitpunkt gekommen ist“. Es stellt sich heraus, daß sein Körper für einen der neuen Hüter der Materie bestimmt ist und sein Geist ihn solange am Leben erhalten soll.

„Der Mörderprinz“ ist also der erste Teil über die Geschichte Torr Samahos, des Mörders seines Volkes. Ein passender Titel, und ich glaube, daß Samaho - so wie er sein Volk gecancelt hat - ein guter Vertreter der Kosmokraten werden wird, bis... ja, bis er am Ende auf Perry Rhodan trifft. Getrieben von seinem Ehrgeiz, seiner Verachtung für sein Volk und dieser mysteriösen Prophezeiung, hat er kaum eine andere Wahl, als sein Volk in den Tod zu treiben. Fast scheint die Begegnung mit Cairol eine Erlösung für ihn zu sein. Auch wenn die Arroganz, mit der der Roboter durch die Welt geht, mal wieder erschreckend zeigt, was die Kosmokraten über diese Seite der Materiequellen denken. Um so spekulativer wird der PULS bzw. die Veränderung, die dieser auslösen wird. Kommt die Veränderung vielleicht ganz anders zum Tragen, als bisher angenommen wurde? Bisher glaubte ich, daß sich mit Thoregon nun der bzw. irgendein dritter Weg endgültig etablieren wollte. Könnte es statt dessen sein, daß die Rebellion der Superintelligenzen gegen die Kosmokraten viel bedrohlicher ist als befürchtet? Und sind die Rebellen vielleicht doch bereit, eine ganze Galaxis dafür zu opfern? Damit wären sie aber mal wieder nicht unbedingt besser als die Vertreter der alten Ordnung, die hier erneut keine Hemmungen zeigen, das zu benutzen, was ihnen gerade nötig erscheint. So ist es z.B. nun mal gar nicht fein, ein Wesen in eine Glasröhre zu sperren, ihm auch noch mitzuteilen, wann es wahnsinnig wird - und dann einfach wegzugehen.
Das Ganze ist dann auch noch von Robert Feldhoff recht gut in Szene gesetzt. Besonders die eiskalte Arroganz von Cairol kommt perfekt rüber und kann den Leser schon von sich aus in den Wahnsinn treiben. Cairol ist in den Händen Feldhoffs einfach das perfekte Werkzeug der Kosmokraten. Eiskalt und bei jedem Schritt absolut überzeugend. Dagegen hatte ich mit Torr Samaho so meine Probleme. Im Gegensatz zu Cairol fand ich ihn einfach nicht ganz so überzeugend und konnte seine Gedanken und Motivationen nicht immer nachvollziehen. Allerdings gebe ich auch zu, daß ein Torr Samaho, so wie ich ihn mir denken würde, schnell die Dimensionen eines Perry-Bandes sprengen würde. Aber irgendwie hat ihm einfach etwas gefehlt. So konnte ich z.B. dem Sprung vom positiven Regenten hin zum verachtungsvollen Herrscher nicht unbedingt folgen. Hier hätte ich mir doch etwas mehr erhofft, um die Motivationen und Gedanken Samahos darzustellen.
Rein handlungstechnisch haben wir dann mal wieder das Übliche, was so ein wichtiger Hintergrundroman zu bieten hat. Viele Informationen, aber keine wirklich spannende Handlung. Zwar überlegt man am Anfang, wie sich denn die Prophezeiung auswirken könnte, aber auch das ist spätestens mit dem Auftauchen Cairols klar.
Ein wenig verwirrend fand ich auch die Ebene um den Zyklopen-Fischer. Hier hätte ich dann doch noch ganz gerne ein paar weitere Beschreibungen - sofern wir mal darauf zurückkommen, was ich aber eigentlich nicht glaube.

Fazit:
Trotz des ganzen Gejammers am Ende haben wir hier endlich mal wieder eine gute Portion kosmisches Flair - und das macht den Roman zu einem schönen Erlebnis.
13 Punkte

Alexander Haas

Robert Feldhoffs Roman "Der Mörderpinz" macht es dem Rezensenten sehr schwer, ihn zu beurteilen, was nicht nur daran liegt, daß dies der erste Teil eines Doppelbandes um Torr Samahos Lebensgeschichte ist.
Zusätzlich deutet Robert hier Entwicklungen an, die erst in späterer Zeit ihre Höhepunkte finden werden - so läßt z.B. die Erwähnung der DRITTEN FRAGE die Leser hellhörig werden. Sollte man sich wirklich an diesen Komplex heranwagen, könnte dieser Roman zum einen der Auftakt zu einer großartigen Entwicklung, zum anderen jedoch auch genau das Gegenteil darstellen. Eine Lösung dieser Frage bietet sich zu Band 2.000 zwar an, doch ob die Autoren sich hiermit einen Gefallen tun würden, darf schwerstens bezweifelt werden. (Zur Zeit schwebt mir durchaus eine Möglichkeit im Kopf herum, wie man dieses alte Rätsel in die aktuelle Handlung nicht nur einbauen, sondern es auch lösen könnte, ohne sich mit bekannten Fakten zu beißen - doch ist diese Möglichkeit dann auch gleich wieder zu dämlich, als daß man sich hiermit nicht mehr als einfach nur blamieren würde.) Die DRITTE FRAGE ist als Mysterium im Hintergrund eigentlich genau richtig aufgehoben; alles andere kann der Serie eigentlich nur schaden. Dieses Geheimnis ist zwar von ganz anderem Kaliber, was die Bedeutung seiner Lösung für den Reiz der Serie insgesamt ausmacht, jedoch durchaus vergleichbar mit der Frage nach einem eventuellen Mausbiberplaneten. Immer einmal wieder eingestreut, erzeugt solch eine ungeklärte Frage ein Gefühl des Geheimnisvollen - einmal aufgeklärt, dürfte es sich jedoch als katastrophal für die weitere Entwicklung der Serie darstellen.
So, nun aber genug der Vorrede. Trotz dieser insgeheimen Befürchtungen gilt es immerhin, diesen Roman als einzelnes wie auch im Gesamtzusammenhang mit den bisherigen 1986 Bänden zu bewerten - und nicht in Verbindung mit dem, was sich hieraus später noch entwickeln könnte.
Robert Feldhoff gelingt hier ein durchweg interessantes und faszinierendes Portrait eines Prinzen mit Namen Samaho, der durch die Umstände von einer recht harmlosen Figur zum Mörder seines Volkes wird, bis er schließlich sein Ziel erreicht und unter dem Namen Torr Samaho MATERIA befehligt.
Dabei bleiben jedoch ein paar Punkte ein wenig schwammig zurück. Zum einen wäre hier die Frage, was Samaho nun wirklich dazu getrieben hat, von der machtablehnenden Haltung zu einem machtgierigen Wesen zu werden. Sicherlich, Macht korrumpiert - und wahrscheinlich auch Samaho - aber hier wären ein paar erklärende Worte vielleicht nicht schlecht gewesen. Ich rede hier jetzt nicht von der Besessenheit von MATERIA, sondern von einem viel früheren Zeitpunkt - nämlich dem zwischen dem Verlassen des Orakels und dem nächsten Umschalten auf diesen Teil der Handlung. Samaho wirkt hier doch zu stark verändert. Man hätte sich durchaus wünschen können, hier zumindest ein bißchen mehr von diesem Charakterwandel zu erfahren.
Nach dieser Stelle ist die Schilderung der Charakterwerdung Torr Samahos durchaus durchdacht und gut an den Leser weitergegeben, so daß dieser sie wirklich nachvollziehen kann.
Allerdings bleiben trotzdem noch ein paar Kleinigkeiten, die der Leser so zuerst einmal hinnehmen muß, die zwar vielleicht im nächsten Band zumindest teilweise geklärt werden, die einen aber zur Zeit noch stutzen lassen.
So wäre da zum einen die Frage, um was es sich bei diesem geheimnisvollen "Menta" der Crozeiren handelt. Sicher, es ist die geistige Kraft dieses Volkes - doch wie hat sie Samaho nun verändert, was kann er vielleicht mehr, ist er geistig stabiler? "Mächtig" ist hier ein doch ziemlich schwammiger Begriff. Superintelligenzen sich schließlich auch "mächtig", haben jedoch sicherlich mehr geistige Fähigkeiten als Samaho - zumindest soweit wir bisher wissen.
Allerdings bleibt auch die andere Handlungsebene dieses Romans in einigen Teilen recht schwammig. Viel zu spät wird dem Leser eigentlich erst präsentiert, wo sich der Planet Thekarou den nun wirklich befindet. Bis zu diesem Zeitpunkt vermutete man ihn nämlich ein ganzes Stück näher an der Materiequelle, wenn nicht sogar fast schon darin.
Nun gut, all dies sind vielleicht Kleinigkeiten, die jedoch den Genuß des Romans beeinflussen. Es ist durchaus möglich, daß im nächsten Band einiges in Sachen Menta erklärt wird - für diesen Roman ist es jedoch dann ein bißchen zu spät. Und genau dies macht diesen Roman so schwer zu rezensieren: Für sich allein genommen bietet er zu viele schwammige Erklärungen (wenn denn überhaupt). Hier liegt eindeutig die erste Hälfte eines Romans vor, und das im besten Sinn des Wortes. Es deuten sich zu viele Sachen an, die wahrscheinlich (hoffentlich) im zweiten Teil aufgegriffen werden, als daß man sich über diese anhand des vorliegenden Bandes irgendwelche Urteile erlauben könnte.
Eines jedoch dürfte ziemlich klar sein: Weshalb Samaho unbedingt MATERIA kommandieren wollte, und weshalb MATERIA etwas Besonderes ist. Schließlich dürften Superintelligenzen nicht die einzigen sein, die über die Zeiten hinweg planen. Und wenn diese Fabrik ein Produkt der Kosmokraten ist, bzw. diesen unterstellt, dürften sie auch schon im voraus für die jetzt eingetretene Konfrontation mit ES geplant haben. Soviel sollte sicher sein.

Fazit:
Selten lebte in der PR-Serie ein erstes Heft eines Doppelbandes so sehr von seinem Nachfolger, gerade was die Bewertung angeht. Es deutet sich hier etwas Geniales an, das jedoch auch noch viel verlieren kann. Der vorliegende Band ist allerdings hervorragend dazu geeignet, den PR-Fan Richtung Rastatt ziehen und die Lagerhalle VPMs plündern zu lassen.
13 Punkte.

Winfried Brand

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