Professor Zamorra

Band 660: "Gefangene der Zeit"

Das Sternenschiff unter dem ERHABENEN Yared Salem steht kurz davor, die Erde anzugreifen. In Zamorras Arbeitszimmer auf Chateau Montagne diskutiert man, wie man die Vernichtung der Erde verhindern kann. Dabei kommt man zu dem Entschluß, daß Ted Ewigk und Nicole Duval durch die Regenbogenblumen in die Vergangenheit reisen sollen, um dort auf dem Heimatplaneten der Ewigen Sid Amos und Professor Zamorra davon abzuhalten, Magnus Friedensreich Eysenbeiß als Betrüger zu entlarven. Somit würde die Vergangenheit geändert: Da Yared Salem nicht befreit werden würde, würden die Expansionsgelüste der Ewigen unterbunden.
Gesagt, getan. Allerdings folgt Fooly ihnen, der zwar die Idee zu dem Experiment hatte, aber dennoch im Chateau bleiben sollte. Ihn lassen sie bei den Regenbogenblumen zurück, wo er jedoch von einer Patrouille entdeckt und attackiert wird. Er flüchtet in die Regenbogenblumen und landet aufgrund nur diffuser Vorstellungen an einem fremden Ort.
Nicole und Ted können Sid und Zamorra von ihrem Tun abhalten, ohne daß sie genauere Erklärungen abliefern müssen, dann kehren sie zurück in ihre Zeit.
Im Chateau hofft Zamorra unterdessen, daß alles klappt. Von einem der Türme betrachtet er das Flüchtlingslager am kahlgeschlagenen Hang der Burg, als ein Adjutant erscheint und ihn zu einer Lagebesprechung ruft.
Gleichzeitig tauchen Ted und Nicole auf. Letztere wird von wachhabenden Soldaten festgenommen, Ted kann sich mit einem Trick dem Zugriff entwenden.
In der Hölle erstatten fünf Dämonen der Höllenfürstin Bericht über den Stand des Angriffs auf die Erde. Asmodis taucht dabei ungebeten auf und rät Stygia von ihrem Tun ab. Er erklärt ihr, daß die Dämonen die Menschen brauchen, auf sie angewiesen sind. Stygia lacht Asmodis jedoch nur aus und befiehlt den Sturm auf Chateau Montagne.
Dort wird Nicole in den Besprechungsraum geführt und als eine Feindin angesehen. Denn Nicole Duval ist schon lange tot.
Fooly ist in Florida gelandet, im früheren Stammsitz von Robert Tendyke, Tendyke's Home, in dessen Keller sich eine Schüler-Baseball-Mannschaft und deren Trainer vor der Armee des Bösen geflüchtet hat. Im Garten findet er die Gräber von Robert Tendyke, Nicole Duval sowie Uschi und Monica Peters.
Der Versuch von Nicole, sich dadurch zu legitimieren, daß sie MERLINS STERN zu sich ruft, scheitert aus unerfindlichen Gründen. Ihre Hinrichtung wird nur verhindert, weil die Attacke der Dämonen einsetzt.
Das Gespräch zwischen Asmodis und Stygia wurde von einem rangniederen Dämon aufgezeichnet und einem Fremden zugespielt, der ihm zugesichert hatte, ihn vom Joch Stygias zu erlösen. Der Fremde ist der ERHABENE der Dynastie, Magnus Friedensreich Eysenbeiß. Der Krieg auf der Erde ist für ihn eine günstige Gelegenheit, einzugreifen. Mit dem neuen Sternenschiff befiehlt er die Invasion Gaias.
Ted Ewigk wird von Zamorra mit zur Front genommen, wo er mit dem Machtkristall einen Angriff von Zombies abwehren kann. Von Gryf zum nächsten Kampfplatz teleportiert, muß er auch hier gewaltige Kräfte des Machtkristalls freisetzen.
Nicole Duval wird von Pascal Lafitte bewacht. Trotz seines großen Mißtrauens erzählt er ihr, daß sie und die drei anderen bei einem Sturm der Dämonen auf Tendyke's Home, auf dessen Anwesen sich nicht zum ersten Mal viele Flüchtlinge eingefunden hatten, ums Leben kamen. Gryf hatte damals, fast am Ende seiner Kräfte, die Wahl: entweder den verletzten Zamorra oder Nicole Duval aus der Gefahrenzone zu retten. Für beide reichten seine Kräfte nicht. Die Entscheidung für Zamorra bedeutete den Tod Nicoles. Und das Ende der Freundschaft von Gryf und Zamorra.
Fooly weiß, daß die Kinder und ihr Trainer den Angriffen der Zombies nicht mehr lange standhalten können, und so beschließt er, nachdem die Zombies erneut versucht hatten, in den Keller einzudringen, sie mit zum Chateau zu nehmen, wohin er zunächst nur allein gehen wollte.
An der Front drohen die Zombies durchzubrechen. Ted wird zum Chateau geschickt, um die Evakuierung durch die Regenbogenblumen einzuleiten, die sie nach Schottland bringen sollen.
Diese Chance nutzt er aber, um Nicole zu befreien um mit ihr zu den Regenbogenblumen zu flüchten.
Auf dem Weg dorthin sieht sie jedoch, wie Zamorra vor dem Schloß mit Stygia kämpft, die ihren größten Widersacher selber erledigen möchte. Ted macht sich auf dem Weg zu den Blumen, wo gerade Fooly mit den Jungs auftaucht.
Draußen ist Nicole Zamorra zu Hilfe geeilt. Nicht zum ersten Mal schießt sie mit einem Blaster auf Stygia und erwischt sie, woraufhin sie vom Himmel direkt vor Zamorra fällt.
Gryf droht, Nicole zu töten, doch Zamorra befiehlt ihm, die Finger von ihr zu lassen.
Im gleichen Moment schiebt sich ein riesiges Sternenschiff über das Firmament. Die Ewigen sind da, und der ERHABENE befiehlt die Invasion.
Zamorra schickt Nicole und Ted zu den Regenbogenblumen.
Und der Sternenkreuzer eröffnet das Feuer...

Grandios!
Auf Anhieb fällt mir kein besserer PZ-Roman ein, den ich jemals gelesen habe, und eingestiegen bin ich um Band 200.
Hier wurde ein Szenario entworfen, das schrecklicher nicht sein kann: Ist etwas schlimmeres als die Invasion durch Außerirdische vorstellbar? Eine Invasion durch Außerirdische, während auf der Erde ein furchtbarer Krieg zwischen den Armeen der Menschen und der Dämonen ausgetragen wird...
Nie waren die Charaktere so ausgefeilt. Zamorra und Gryf so "fertig", Stygia so boshaft, hinterhältig und kriegslüstern, Pascal so hart - und die Rückkehr von Eisenbeiß mehr als unerwartet.
Der Titel "Gefangene der Zeit" stimmt zwar, aber "Hölle auf Erden" wäre noch passender gewesen.
Aber dann wäre der Inhalt keine Überraschung mehr gewesen.
Wie die Auflösung sein wird, weiß ich beim besten Willen nicht, nach diesem Band muß man mit allem rechnen.
Monica sowie Uschi Peters und Nicole Duval werden in dieser Zeitlinie wohl wirklich tot sein. Robert Tendyke hingegen könnte sich über Avalon gerettet haben; da die vier zu unterschiedlichen Zeiten starben, ist es unwahrscheinlich, daß er sie - wie damals in einem ähnlich gelagertem Fall - hat retten können.
650 hat er mit Leichtigkeit getoppt, 659 auch. Jetzt aber kommt das Problem mit den Punkten: Christoph Zuber hat es sich einfach gemacht. Da das Flash-Bewertungssystem auf einem richtigen System beruht, kann ich schlecht einen Punkt drauflegen. Verdient hätte er es aber.
15 Punkte.

Guido Latz

Puh, was bin ich froh, daß ich nicht in Guidos Haut stecke... Als ob ich es geahnt hätte, habe ich im letzten Flash die Wertung für den Vorgängerband noch unterhalb des Höchstwertes gehalten, eine Entscheidung, die sich jetzt schon auszahlt. (Ähm, Guido, ich warte immer noch darauf, wie Du mir "16 Punkte" beibringen willst; naja, vielleicht steht's ja schon hier drüber in der Hauptrezi ;-). Allerdings: 15 Punkte sind immerhin eine Spanne von ca. 98-100% - da sind Unterschiede zwischen Romanen durchaus noch drin...)
Was Werner Kurt Giesa hier jedenfalls aufführt, übertrifft den Vorgängerband noch locker. Habe ich dort noch von selten gelesenen Gefühlen und tragischen Ereignissen im Heftroman geschrieben, so steigert er dies hier noch fast um eine Zehnerpotenz. Die Tragik der Ereignisse setzt sich nicht nur fort, sondern nimmt sogar noch zu. Den absoluten Höhepunkt stellt in meinen Augen die Konfrontation Zamorras mit Nicole dar, die in dieser Zeitlinie gestorben ist. Der verhärtete Professor mit der leisen Hoffnung, hier würde sich doch noch alles zum Guten wenden, und seine herbe Enttäuschung. Ebenfalls aber Nicole selber, die mit der Tatsache konfrontiert wird, daß der Rettungsplan zu einem noch schrecklicheren Szenario geführt hat, das nicht nur den Tod vieler Mitglieder des Teams, sondern auch ihren eigenen beinhaltet. Die Schilderung all dieser Gefühle, all dieser Tragik ist Werner Kurt Giesa so hervorragend gelungen, daß der Leser diesen Roman sicherlich nicht aus den Händen legen wird, solange er nicht wirklich die letzte Zeile verschlungen hat. Und dann beginnt das endlose Warten auf den nächsten Band - eine Zeit, die angesichts der bisherigen zwei Teile dieses Dreiteilers von zwei objektiven Wochen auf mindestens zwei subjektive Jahrtausende anwächst. Eigentlich sollte sowas verboten gehören! ;-)
Eine Kleinigkeit noch am Rande: Wie zum Hohn bemerkt C.W. Bach auf der Leserseite des in der gleichen Woche erschienenen Hellmann-Romans, daß er schließlich pro Woche einen Roman zu schreiben habe (wer's glaubt... MH ist immerhin mit rund 99%iger Sicherheit so etwas ähnliches wie Teamarbeit - wobei man jedoch den Aspekt vergessen sollte, daß ein Team zusammenarbeitet und die Arbeit untereinander abstimmt...), so daß ihm nur selten Möglichkeiten zur Recherche bleiben, kleine Fehler also leider immer vorkommen werden. Werner Kurt Giesa meint nun auf der Leserseite dieses Zamorra auf die Frage, weshalb denn PZ nicht wöchentlich erscheinen kann, daß er auch noch an anderen Projekten arbeiten würde, die es ihm - neben der notwendigen Recherche für die PZ-Romane - einfach unmöglich machen würden, jede Woche einen Roman zu schreiben. Dies macht dann wohl den Unterschied aus - zwischen einer Serie, die inzwischen seit 1.320 Wochen auf dem Markt ist und einer, die nach 56 Wochen wieder verschwindet... (Natürlich ist es um jede Heftromanserie schade, die sich vom Markt entfernt, denn ein Mißlingen schwächt die Position der Phantastik im Allgemeinen - und schließlich hängen auch Arbeitsplätze daran - jedoch war das Ende von MH eigentlich schon vorauszusehen.) Werner macht vor, wie man es besser machen kann. Es bleibt zu hoffen, daß die Maddrax-Autoren aus der Geschichte beider Serien lernen... Aber ich schweife vom Thema ab. Kommen wir also zum

Fazit:
Dieser Dreiteiler entwickelt immer mehr eine selten im Heftroman gelesene Tragik und Dramatik, die dem Leser unter die Haut geht. DAS ist Spannung, DAS ist eine gekonnte Handlungsführung. Um einen ähnlich guten Roman der letzten Zeit zu finden, muß man glatt zu Perry Rhodan wechseln. Denn nur hier findet sich mit Andreas Eschbachs Band 1936 "Gesang der Stille" ein mit den ersten beiden Bänden dieses Dreiteilers qualitativ und vor allem in der Intensität der Handlung vergleichbares Werk. Hier fehlt jetzt nur noch der krönende Abschluß mit dem nächsten Band - und ich bin mehr als nur zuversichtlich, daß Werner Kurt Giesa hier die Qualität halten kann.
15 Punkte.

Winfried Brand

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