Mark Anthony:

"Der Fahle König"

(Die letzte Rune 2)
OT: The Last Rune: Beyond the Pale, Part 2
Ü: Andreas Decker
USA 1998
(448 Seiten, Taschenbuch, Knaur 70144, ISBN 3-426-70144-8, DM 16,90)
- erschienen: Oktober 1999 -

Zum Inhalt:
Grace Beckett und Travis Wilder befinden sich weiterhin auf Eldh - der Welt, die vom Fahlen König bedroht wird. Doch die Herrscher der Domänen nehmen die Gefahr nicht so ernst, wie es vonnöten wäre. Statt beim Rat der Könige Einheit zu demonstrieren, verstrickt man sich untereinander in Ränkespielen. Auch Falkens Auftritt beim Rat sorgt zwar für Aufsehen, kann jedoch die Könige und Königinnen nicht überzeugen. Und so müssen Falken und seine Freunde genauso wie Grace weiterhin versuchen, stichhaltige Beweise heranzubringen, daß die Rückkehr des Fahlen Königs wirklich bevorsteht und nicht nur ein Ammenmärchen darstellt, mit dem man kleine Kinder erschreckt. Allerdings ahnen auch sie nicht, in wie nahe Zukunft diese Rückkehr bereits gerückt ist...

Dies war nun wieder einer der Romane, dessen Erscheinen ich praktisch schon entgegengefiebert habe - und ich stelle fest, die Erwartungshaltung wurde von Mark Anthony fast gänzlich erfüllt. Bietet "Die letzte Rune" rein handlungsmäßig zwar nicht der Weisheit oder gar Originalität letzten Schluß, so gelingt es Mark Anthony doch meisterhaft, seine Geschichte auf subtil humorvolle Weise zu erzählen - in einer Art, die dann doch das Prädikat "originell" verdient hat.
Hier macht es einfach nur Spaß, die Handlung um die beiden Erdenmenschen zu verfolgen, die in eine andere Welt hineingeworfen wurden und sich hier mehr schlecht als recht behaupten. Dafür hier jedoch Beispiele zu bringen, ist so gut wie unmöglich, da Anthonys subtiler Humor einfach kaum zu beschreiben ist. Es ist auf jeden Fall jedem Fantasy-Fan nur anzuraten, in der Buchhandlung einmal in den Zyklus hineinzulesen.
Handlungsmäßig unterscheidet sich dieser zweite Band dann vor allem dadurch vom ersten ("Das Ruinentor" - Rezension in Flash Nr. 62), daß wir uns durchgehend auf Eldh befinden, was jedoch schon zu erwarten war, da im vorhergehenden Teil auch nur die Einleitung auf der Erde gespielt hat. Hier bleibt jedoch zu hoffen, daß Anthony im nächsten Band die Ebenen wieder stärker verzahnt, da auch die Entwicklung auf der Erde durchaus interessant erscheint - und der Leser fragt sich sowieso schon seit dem letzten Band, wie es hier nun mit den "Eisenherzen" weitergeht. Allerdings ist von einer zweigleisigen, ja eigentlich schon zweiweltigen Handlung für zumindest den nächsten Band wieder auszugehen, wenn man sich das Ende dieses Romans ansieht. Doch hier möchte ich nicht zu viel verraten, um dem Leser die Spannung nicht zu nehmen.
So hat der Leser nach diesen beiden Bänden (die im Original einen einzigen Band darstellten) jedoch auch eine halbwegs abgeschlossene Geschichte vor sich - und ist trotzdem sehr gespannt auf den nächsten Teil, der jedoch leider noch ein wenig auf sich warten lassen wird, da der zweite Originalband noch nicht erschienen ist. Allerdings überlege ich inzwischen krampfhaft, ob ich mir diesen Zyklus nicht auch im Original zulegen sollte. Dabei könnte es jedoch so gehen wie bei John Marcos "Imperium von Nar": Knaur hat es dort geschafft, den ersten Teil des zweiten Bandes vor der Originalveröffentlichung bereits auf Deutsch vorliegend zu haben. Das ist dann allerdings auch der erste Grund, der einmal für das Splitting spricht. Abgesehen davon, daß auch die "Letzte Rune" durchaus sinnvoll geteilt, der Leser nicht zu stark im Regen stehengelassen wurde.

Fazit:
Mark Anthony setzt mit "Der Fahle König" auf der Qualität des ersten Bandes auf - vor allem sein teils sehr subtiler Humor macht diesen Zyklus wirklich lesenswert. Daß er dazu auch noch spannend ist, läßt ihn so langsam in Richtung "Meisterwerk" rutschen - doch hierfür fehlt letztendlich dann doch ein wenig bei der Originalität.
13 Punkte.

Winfried Brand


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