Zum
Inhalt:
Grace Beckett und Travis Wilder befinden sich weiterhin auf Eldh -
der Welt, die vom Fahlen König bedroht wird. Doch die Herrscher
der Domänen nehmen die Gefahr nicht so ernst, wie es
vonnöten wäre. Statt beim Rat der Könige Einheit zu
demonstrieren, verstrickt man sich untereinander in
Ränkespielen. Auch Falkens Auftritt beim Rat sorgt zwar für
Aufsehen, kann jedoch die Könige und Königinnen nicht
überzeugen. Und so müssen Falken und seine Freunde genauso
wie Grace weiterhin versuchen, stichhaltige Beweise heranzubringen,
daß die Rückkehr des Fahlen Königs wirklich
bevorsteht und nicht nur ein Ammenmärchen darstellt, mit dem man
kleine Kinder erschreckt. Allerdings ahnen auch sie nicht, in wie
nahe Zukunft diese Rückkehr bereits gerückt ist...
Dies war nun wieder einer der Romane, dessen Erscheinen ich praktisch
schon entgegengefiebert habe - und ich stelle fest, die
Erwartungshaltung wurde von Mark Anthony fast gänzlich
erfüllt. Bietet "Die letzte Rune" rein handlungsmäßig
zwar nicht der Weisheit oder gar Originalität letzten
Schluß, so gelingt es Mark Anthony doch meisterhaft, seine
Geschichte auf subtil humorvolle Weise zu erzählen - in einer
Art, die dann doch das Prädikat "originell" verdient hat.
Hier macht es einfach nur Spaß, die Handlung um die beiden
Erdenmenschen zu verfolgen, die in eine andere Welt hineingeworfen
wurden und sich hier mehr schlecht als recht behaupten. Dafür
hier jedoch Beispiele zu bringen, ist so gut wie unmöglich, da
Anthonys subtiler Humor einfach kaum zu beschreiben ist. Es ist auf
jeden Fall jedem Fantasy-Fan nur anzuraten, in der Buchhandlung
einmal in den Zyklus hineinzulesen.
Handlungsmäßig unterscheidet sich dieser zweite Band dann
vor allem dadurch vom ersten ("Das
Ruinentor" - Rezension in Flash Nr. 62), daß wir uns
durchgehend auf Eldh befinden, was jedoch schon zu erwarten war, da
im vorhergehenden Teil auch nur die Einleitung auf der Erde gespielt
hat. Hier bleibt jedoch zu hoffen, daß Anthony im nächsten
Band die Ebenen wieder stärker verzahnt, da auch die Entwicklung
auf der Erde durchaus interessant erscheint - und der Leser fragt
sich sowieso schon seit dem letzten Band, wie es hier nun mit den
"Eisenherzen" weitergeht. Allerdings ist von einer zweigleisigen, ja
eigentlich schon zweiweltigen Handlung für zumindest den
nächsten Band wieder auszugehen, wenn man sich das Ende dieses
Romans ansieht. Doch hier möchte ich nicht zu viel verraten, um
dem Leser die Spannung nicht zu nehmen.
So hat der Leser nach diesen beiden Bänden (die im Original
einen einzigen Band darstellten) jedoch auch eine halbwegs
abgeschlossene Geschichte vor sich - und ist trotzdem sehr gespannt
auf den nächsten Teil, der jedoch leider noch ein wenig auf sich
warten lassen wird, da der zweite Originalband noch nicht erschienen
ist. Allerdings überlege ich inzwischen krampfhaft, ob ich mir
diesen Zyklus nicht auch im Original zulegen sollte. Dabei
könnte es jedoch so gehen wie bei John Marcos "Imperium von
Nar": Knaur hat es dort geschafft, den ersten Teil des zweiten Bandes
vor der Originalveröffentlichung bereits auf Deutsch vorliegend
zu haben. Das ist dann allerdings auch der erste Grund, der einmal
für das Splitting spricht. Abgesehen davon, daß auch die
"Letzte Rune" durchaus sinnvoll geteilt, der Leser nicht zu stark im
Regen stehengelassen wurde.
Fazit:
Mark Anthony setzt mit "Der Fahle König" auf der Qualität
des ersten Bandes auf - vor allem sein teils sehr subtiler Humor
macht diesen Zyklus wirklich lesenswert. Daß er dazu auch noch
spannend ist, läßt ihn so langsam in Richtung
"Meisterwerk" rutschen - doch hierfür fehlt letztendlich dann
doch ein wenig bei der Originalität.
13 Punkte.