Band 1989: "Countdown für Chearth"

Autorin: Susan Schwartz

In Chearth bricht Dao-Lin-H'ay auf, um einen Gefangenenaustausch durchzuführen. Es sollen einige Algioten gegen ein paar gefangene Maahks ausgetauscht werden. Das Ganze läuft zwar unter großer Anspannung, aber doch recht friedlich ab. Das Schlimmste ist dann auch nicht der Austausch, sondern die Gefangenen selbst. Die ansonsten so gefühlskalten Maahks loben und preisen in höchsten Tönen die Religion der Algioten. Diese haben ihnen erzählt, daß sie genau den richtigen Gott für sie haben. Ghodam ist der Wanderer durch das Universum und den Wesen des Wasserstoffs zugetan.
Doch es gibt auch noch anderer Ereignisse, die den Galaktikern in Chearth Kopfschmerzen bereiten. Auf einmal ziehen sich alle Belagerungseinheiten um Thagarum zurück und verschwinden im Weltraum.
Die Galaktiker nutzen diese Atempause zu einer großangelegten Besprechung mit den Chearthern während eines neuen Flottenaufmarsches, der sich um die halutische SHE'HUAN formiert. Doch es zeigt sich, daß die Algioten sich nicht lange ausruhen wollten. Sie greifen mit nahezu 100.000 Schiffen die Flotte der Verteidiger an. Sie springen in großen Zahlen ins System und schießen aus allen Rohren. Darauf haben die Haluter nur gewartet; sie stürzen sich mit ihren 800 Schiffen auf die Angreifer. Doch 800 macht nicht viel gegen 100.000, und so ziehen sich die Verteidiger geordnet zurück, was bei der augenblicklichen Taktik der Algioten nicht schwerfällt.
Dro ga Dremm wertet diese Schlacht als einen großen Sieg, und nur ein paar, die schon lange unzufrieden sind, ahnen, daß hinter diesem Rückzug mehr steckt als bloße Flucht.
Zu den Unzufriedenen zählen unter anderem Corr re Venth und Illus an Sick. Corr re Venth neidet Dro ga Dremm, daß er zum Anführer der Algiotischen Wanderer gewählt wurde. Er selbst war einer der glühendsten Verehrer von Nan er Ovan, der die Algioten nach Chearth führte, und mußte sich schon Vil an Desch geschlagen geben. Zusammen mit ein paar weiteren ist er davon überzeugt, daß Dro ga Dremm nicht gut für die Algioten ist. So schmieden sie Pläne, um ihn zu diskreditieren. Ihnen ist aber auch bewußt, was für ein gefährlicher Gegner der oberste Scoctore ist; und als sie zu einem Elcoxol-Bad eingeladen werden, ist ihnen bewußt, daß sie hier ebenso gut abserviert werden könnten. Doch Dro ga Dremm ist viel zu überzeugt von sich selbst. Er verkündet angesichts der neuen Verstärkung für die Chearther eine neue massive Offensive. Seine Berater sind größtenteils dagegen. Sie wollen sich auf die Befreiung Gaintanus aus dem Sonnentresor konzentrieren, Dro ga Dremm aber will die gesamte Galaxis unter seine Kontrolle bekommen.
Der erste Teil der neuen Kämpfe vertreibt die neue Flotte der Verteidiger. Dro ga Dremm jubelt. Corr re Venth aber weiß um die wahren Fakten der Schlacht, und ihm ist auch das neue Großraumschiff nicht geheuer, das auf große Distanz ohne Probleme ganze Kampfschiffe vernichten kann. Bei einem anschließenden Bad erleben die anwesenden Scoctoren eine gemeinsame Vision, die Dro ga Dremm als Bestätigung für sein Handeln auslegt.

Nachtrag:
Nachdem sich die Galaktiker aus der Schlacht zurückgezogen haben, hat Vincent Garron auf einmal einen Anfall, der anscheinend eine neue Persönlichkeit hervorbringt, die sich als Sirku vorstellt...

Nun gerät also auch die Chearth-Ebene in Aufbruchstimmung. Die Algioten gehen in eine neue Offensive und drohen die Verteidiger aufgrund ihrer großen Übermacht zu zerdrücken. Da tut es gut, daß die Haluter, nachdem sie angekommen sind, sich erst einmal zum großen Teil (immerhin 98000 von 100.000) auf eine Extremwelt zurückziehen, um hier in aller Ruhe der Drangwäsche nachzugehen und ein paar Ein-Haluter-Jäger zu bauen, mit denen sie dann vermutlich den Algioten ganz schön einheizen werden (ich möchte eigentlich gar nicht wissen, was fast einhunderttausend Haluter in der Drangwäsche aus einem Planeten machen können). Ich frage mich bloß, ob man daran nicht schon auf dem Flug hätte arbeiten können. Ich kann mich noch an die Bemerkung erinnern, daß viele Haluter den Flug im Tiefschlaf erlebt haben, weil es nichts mehr zu tun gab, während die Leutchen in Chearth händeringend auf ihre Ankunft warteten.
Wenn ich mir also die Haluter in Chearth so ansehe, dann ist die Sache bisher ziemlich gefloppt. Erst dieser ganz unsägliche Flugroman, und dann solche Sachen. Einzig verständlich war, daß die Haluter sich im Angesicht der Schlacht wie wild auf den Feind stürzen; und daß man eine Waffe wie die SHE'HUAN im Hintergrund hält, kann ich in dieser Situation auch verstehen. Denn schließlich will man sich von den Algioten nichts diktieren lassen, und im Hinblick auf die neue Situation kann man den Großraumer bestimmt noch besser einsetzen.
Das ganze Volk der Haluter auf den Weg zu schicken, war von vornherein eine riskante Angelegenheit, in die ich aber sehr große Hoffnungen gesetzt hatte. Daß das ganze aber solche Formen annehmen würde, hatte ich mir eigentlich nicht träumen lassen. Eigentlich hatte ich eher befürchtet, daß die Haluter kurzerhand die Algioten aus Chearth prügeln würden. Daß sie so langsam und träge wie Friedensstifter vorgehen würden, hätte ich nun wirklich nicht gedacht.
Da sind die Algioten auf der anderen Seite schon ganz anders. Hier dreht Dro ga Dremm langsam wirklich am Rad seiner Zurechnungsfähigkeit. Er will nun nicht mehr einfach nur seinen Gott befreien, sondern so ganz nebenbei auch noch eine ganze Galaxis beherrschen. Da ist die Perspektive gar nicht schlecht, daß es auch in den Reihen der Tazolen Widerstände gibt. Die Widerständler müssen allerdings aufgrund Dremms diktatorischer Position sehr vorsichtig sein, und am Ende verlieren sie ja auch ganz nebenbei einen wichtigen Charakter. Auf diese Weise zeigt Dremm auf die klassische Art, daß er noch nicht gar so abgedreht ist und doch noch recht gut mitbekommt, was um ihn herum passiert.
Diese kleine Ebene ist zwar interessant und trägt ein paar gute Ansätze (z.B. wie man die Position Dro ga Dremms ankratzen könnte); dennoch kommt auch sie hier nicht über den Ansatz hinaus und beschäftigt sich mehr mit dem Beschreiben von Elcoxol-Bädern als mit den Intrigen gegen den Anführer der Algioten. Allein Dro ga Dremm als größenwahnsinniger Diktator überzeugt, aber hierzu sind die Grundlagen auch schon deutlich gelegt, und man braucht keine großartigen Anstrengungen mehr zu unternehmen, um den Wahnsinn in seinen Augen aufleuchten zu lassen.
Alles in allem zieht auch diese Ebene sich mehr, als es für die Lesbarkeit gut ist.
Aber am Ende haben wir dann ja noch den Anfall von Vincent Garron. Also, langsam kann der einem wirklich leid tun. Ich hoffe ganz stark, daß er jetzt von einem anderen Wesen übernommen worden ist. Wenn es sich hier nämlich wieder nur um eine seiner Persönlichkeiten handelt, dann können seine Ärzte eigentlich wohl nicht viel mehr tun, als ihn in ein Stasis-Feld zu legen - denn irgendwann muß der einfach als hoffnungsloser und gefährlicher Fall gelten. Ansonsten sag ich hier nichts mehr zu.

Fazit:
Ein Roman, der viele bestätigen wird, die Chearth als Handlungsebene ablehnen. Mich enttäuscht er vor allem wegen der Haluter. Aber ich vermisse auch die tiefe und begeisternde Atmosphäre, die Susan Schwartz im Moment anscheinend verloren hat. Wenn ich mir die Romane so ansehe, die in letzter Zeit gekommen sind, dann möchte man fast annehmen, daß sich ihre anfängliche Freude an Perry Rhodan gelegt hat - und das fände ich sehr schade
5 Punkte

Alexander Haas

Zurück in Chearth - leider. Auch Susan Schwartz gelingt es nämlich nicht, dieser Handlungsebene einen wirklich guten Roman abzuringen - auch wenn sie sich sichtlich bemüht hat. Dies liegt - wie schon so oft - schlicht und ergreifend daran, daß diese Handlungsebene einfach kein Interesse wecken kann. Allerdings kann man dies durchaus in den Verantwortungsbereich der Expokraten abschieben.
Da hätten wir zum Beispiel die heißerwarteten Haluter, von denen nun tatsächlich gerade mal noch 2.000 an Bord der SHE'HUAN sind - den Rest haben wir schleunigst abgesetzt, als wir Chearth erreichten, weil wir eine Drangwäsche befürchteten. Der Gedankengang, der dahintersteckt, ist schon recht schräg. Immerhin befinden wir uns im Krieg - und womit wäre uns wohl besser gedient als mit einer Masse Haluter (die immerhin die kampfkräftigsten Wesen der Milchstraße sind), die sich vielleicht auch noch in der Drangwäsche befinden? Nun gut - dann hätte vielleicht sogar ich angefangen, die Algioten zu bemitleiden... Diesen zurückgelassenen Halutern jedoch auch noch Material für Ein-Mann-Jäger zurückzulassen, schließt sich so langsam wie ein Treppenwitz an die vorhergehende Entscheidung an. Also, irgendwie...
Dabei gibt es aber auch allemal interessante Aspekte in diesem Roman. Da hätten wir zum Beispiel die Algioten, deren Führer Dro ga Dremm sich an die Macht gemogelt hat und in deren Führungsspitze eine durchaus ernstzunehmende Gegenkraft existiert. Leider wird hierauf dann zu wenig eingegangen - und zwar schon seit diversen Heften dieses Handlungszyklus. Denn im Zusammenhang mit dieser Information ist doch schon erstaunlich, daß die Algioten wirklich so uneinsichtig sein sollen, wie sie bisher geschildert wurden.
Etwas seltsam mutete auch der Gefangenaustausch an. Nachdem wir letztens noch eine minutiös geplante Aktion haben erleben dürfen, werden all die Sicherheitsvorkehrungen, die wir als galaktischen Standard kennengelernt haben, ausgerechnet von Dao-Lin-H'ay praktisch über Bord geworfen. Was? Wir überprüfen vorher möglichst die Identität derer, die man uns schickt? Warum denn das? Das hätte man vielleicht durchgehen lassen können - jedoch nicht nach der letzten Aktion mit dem Wlatschiden...
Daß bei dem Ganzen dann auch die Raumschlacht zwischen Algioten und den alliierten Kräften nicht zu den Glanzlichtern des Romans gehört, war jedoch schon von vornherein abzusehen. Schließlich ist dies nun wahrlich nicht das Gebiet, in dem sich Susan hervorzutun in der Lage ist - dies liegt ihr einfach nicht und hat ihr auch noch nie gelegen. Dafür hat sie sich allerdings noch recht gut aus der Affäre gezogen.
Bleibt also noch ein wirklich interessanter Aspekt des Romans zurück: "Sirku" und "Gan Grango Ranko". Da regt sich im Leser nun doch noch einmal ein wenig Interesse, und er beginnt sich zu fragen, weshalb diese Wesenheit (um eine weitere Persönlichkeit Garrons kann es sich ja wohl kaum handeln, da diese Worte auch beim Bad der Tazolen auftauchten) sich gleich beiden Parteien offenbart. Handelt es sich nun vielleicht um eine weitere SI? Doch auch dies dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein, da diese sich dann in der falschen Galaxis befinden würde. Oder sollte sie vielleicht aufgetaucht sein, weil sie die Würmchen abholen will, da diese in Whirlpool gebraucht werden, um den PULS entstehen zu lassen? Naja, wir werden es wohl noch lesen. Ob dies allerdings noch in der Lage ist, diese Handlungsebene zu retten, darf getrost bezweifelt werden.

Fazit:
Susan Schwartz schreibt weiterhin unter ihrem Normalniveau - was allerdings eher am Expo liegen dürfte als an ihr selbst. Chearth allein ist ja schon so langsam eine Strafe für einen Autoren. Ihr dann aber auch noch einen Roman mit einer heftigen Raumschlacht aufzudrücken - solches zu schildern, war Susan eigentlich noch nie wirklich in der Lage. Ihre Stärken liegen doch eindeutig auf anderen Bereichen. Dafür jedoch hat sie sich noch recht achtbar geschlagen.
6 Punkte.

Winfried Brand

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