W.J. Maryson:

"Vloch - Das Schwert der Riesen"

(Die Legende vom Meistermagier 3)
OT: Vloch
Ü: Volker Cremers
NL 1998
411 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 20369, ISBN 3-404-20369-0, DM 14,90)
- erschienen: Oktober 1999 -

Das Ende der Welt scheint nah. Immer weiter rücken die dunklen Truppen von Yrroth vor, Tod und Verderben mit sich bringend. Währenddessen zieht D'Anjal mit seinen Gefährten los, um das Erzschwert der Riesen Vloch zu erlangen; damit wollen sie versuchen, dem Sieg über das Dunkle einen Schritt näherzukommen. Auf seiner Reise muß D'Anjal sich mit vielen alten Legenden und ebenso alten Lebewesen auseinandersetzen, die irgendwo in diesem Spiel (das über Jahrtausende geht) einen Platz haben - auch wenn dieser nicht auf den ersten Blick klar ersichtlich ist.

Das Böse macht die Welt unsicher, und das Gute muß nun fünf bestimmte Schwerter sammeln, damit der prophezeite Erlöser damit die Welt retten kann. Klingt nicht neu, ist nicht neu, und wird auch nicht neu. Werfen wir doch zunächst mal einen Blick auf den Umschlag. "Ganz im Stil von Tolkien gehalten, mit einer frischen (unamerikanischen) Note für alle, die Fantasy mit Zwergen, Trollen, Riesen und Zauberschwertern mögen."
Nun - in der Tat haben wir hier eine ganz eigene Erzählweise der klassischen Rassen, die durchaus Spaß macht. Maryson ist es tatsächlich gelungen, den alten, bekannten Rassen ein eigenes Gewand zu geben, unter dem man allerdings noch erkennt, was hier denn dargestellt werden soll.
Auf der anderen Seite hat er sich dann doch ein wenig zu stark an Tolkien orientiert. Maryson hat versucht, seiner Geschichte einen Atem zu geben, welcher der Stimmung des ausgehenden "Herrn der Ringe" ähnelt. Diesmal gilt aber: Manchmal klaut man lieber nicht. In meinen Augen sind die Anleihen sehr deutlich, aber in den wichtigen Punkten, die dem Roman seine Faszination geben könnten, übertreibt er. Maryson personifiziert das Böse, gibt ihm einen Körper und macht es auf diese Weise nicht zu einem unberechenbaren Faktor, sondern (auch durch die Handlung) zu einem - allem Anschein nach - recht hilflosen Protagonisten. Auch in anderen Charakteren zeigt sich, daß der Roman einfach zu überladen ist. Marysons Charaktere schmeißen mit den Jahrtausenden nur so um sich. 5000 Jahre hier, 3000 Jahre da. Hinzu kommt dann noch einen Vielzahl von Charakteren, die ihr Alter noch nicht in Jahrtausenden zählen; und bald hat man kaum mehr eine Ahnung, wer jetzt wohin gehört. So ganz nebenbei werden dann auch noch eine Menge Handlungsschauplätze in die Handlung gebracht, die aber teilweise noch nicht oder nicht mehr in die Geschichte eingreifen. Auf der anderen Seite sollen sie aber auch nur zeigen, wie die Bösen arbeiten, und davon haben wir auf der Hauptebene schon genug Beweise. Nur dafür hätte man die ganzen Sachen nun wirklich nicht gebraucht.
Was bleibt, ist eine Geschichte, eine Reise erzählt, die angefangen hat und irgendwann enden wird. Nebenbei sind eine ganze Menge Episoden eingestreut, die mehr oder weniger nichts Neues, aber auch nichts besonders Einfallsreiches erzählen. Und wie großartig der Held D'Anjal ist, kann ich langsam auch nicht mehr hören.

Fazit:
Eine harmlose Geschichte mit einigen wenigen positiven Ansätzen, die aber leider in der Belanglosigkeit versinken. Der Roman schließt sich da nahtlos an seine Vorgänger an.
7 Punkte

Alexander Haas


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