Mhogena
ist in einer verzwickten Lage. Die Haluter wollen einer scheinbar
unwichtigen Mission nachgehen. Sie wollen die Gombrianischen
Hyperraumhügel enträtseln, die vor Jahrtausenden von den
Meistern des Grauen Sandes versiegelt worden sind. Nach langen
Bedenken erlaubt er zwei Schiffen den Einflug. Doch vorher muß
er zusammen mit Atlan noch etwas erledigen. Beide betreten einen Teil
des gestohlenen Tiefenbahnhofs, der am Eingang der Hügel liegt.
Hier liegen in Kälteschlafkammern die 12 Meister des Grauen
Sandes, die mit ihren geistigen Fähigkeiten das Siegel um die
Hügel aufrechterhalten, damit hier keine weiteren Schiffe
verschwinden. Sie liegen nackt in ihren Kammern. Manche ihrer
natürlichen Körperteile wurden durch künstliche
ersetzt, um die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Ihr Verfall
läuft sehr seltsam ab. Ihre Körper scheinen zu verfallen,
sie lösen sich anscheinend auf. Atlan wagt hier kaum zu glauben,
was er sieht. In Andromeda bekämpfen die Maahks die
Entwicklungen, die zur Entstehung der Schattenmaahks führen
könnten, und hier in Chearth arbeiten die Gharrer unbewußt
an deren Förderung.
Mhogena löst das Siegel der Gombrianischen Hyperraumhügel
und erlaubt nun den Halutern den Einflug.
Kurz nach dem Start verschwinden sie. Mhogena macht sich schreckliche
Vorwürfe. Er kommt sich wie ein Mörder vor. Doch die
Haluter sind aus einem anderen Holz geschnitzt, und bald sind sie
alle unverletzt wieder zurück. Mit dem hier gewonnen Wissen
bereiten die Galaktiker die "Operation Christie" vor. Sie wollen
versuchen, Dro ga Dremm die große finale Schlacht
vorzuschlagen, um ihn dann in die Falle der Hügel zu locken.
Mhogena ist von der Kaltblütigkeit der Galaktiker geschockt;
dennoch läßt er sich zunächst auf den Plan ein. So
ganz nebenbei legen auch die Haluter endlich richtig los. Sie
beginnen die Schaltstationen um den Sonnentresor herum zu befreien,
um die Kontrolle über das Gefängnis der Sonnenwürmer
wiederzuerlangen. Doch damit sieht es schlecht aus. Zu sehr ist das
Gefüge schon durcheinandergeraten. Das Ziel lautet nun also, das
System so lange aufrechtzuerhalten, bis man den Yaronag auf die
Sonnenwürmer feinjustiert hat.
Auf der anderen Seite ist Dro ga Dremm währenddessen geradezu
begeistert. Er nimmt das Angebot der Verteidiger gern an. Er brennt
regelrecht auf die letzte Schlacht. Wieder zeigt sich die
unterschiedliche Interpretation der Algioten. Die Führer haben
eine Vision, die ihnen vom Gan Grango Ranka erzählt, das nicht
hier, aber in jedem Fall stattfinden wird. Dro ga Dremm sieht darin
seine Bestätigung und formiert seine Truppen zur Schlacht,
während andere in der Zentrale die Sache eher mit gemischten
Gefühlen sehen. Und so stehen 120.000 Angreifer
schließlich 20.000 Verteidigern gegenüber.
Der Plan der Verteidiger geht auf, und zu Tausenden stürzen die
Algioten in die Gombrianischen Hyperraumhügel, während sich
die Sonne Wlaschos im Sonnentresor nun endgültig in ein Black
Hole verwandelt. Die Haluter sind verzweifelt. Sie haben ihr Ziel
verfehlt und sehen sich gescheitert. In diesem Moment beginnt Vincent
Garron sich unter dem Einfluß von Sirku zu verändern. Am
Ende gibt er bekannt, daß die Sonnenwürmer für die
Koalition Thoregon eine wichtige Rolle zu spielen haben.
Im gleichen Moment verläßt Mhogena die Schlacht an den
Hügeln; und so, wie es mir erschien, ist damit auch das Siegel
wieder intakt, die Vernichtung der Algioten also vertagt.
Das berührt Mhogena aber nicht. Er hat in den letzten Stunden
Millionen von Algioten in den Tod geschickt, und mehr denn je
fühlt er sich nun wie ein Massenmörder.
Wow - kann ich hier nur sagen. Kaum ein Romanende der letzten Zeit
dürfte so für Diskussion sorgen wie das Ende des
vorliegenden Bandes. Es ist schon schwierig, wenn die Entscheidung
über Millionen von Leben auf den Schultern weniger Individuen
liegt - vor allem aber, wenn sie auf den Schultern eines Pazifisten
ruht. Gerade hier lag eine famose Differenzierung zwischen den
Gharrern und den Galaktikern. Sie sind hier, um ein Problem zu
lösen. Dieses Problem sind die Algioten, die Unheil und Leid
über eine ganze Galaxis bringen. Hier herrscht Krieg, und Krieg
bedeutet, daß Lebewesen getötet werden - mit Vorzug
natürlich die der anderen. Eine kalte, aber klare und logische
Einstellung, mit der Atlan und die Haluter hier an die Angelegenheit
herangehen. Auf der anderen Seite steht der 5. Bote von Thoregon. Der
Bote einer Galaxis, in der ein vielleicht einzigartiger Friede in der
Koalition geschaffen wurde. Mhogena lebt für die Koalition, er
lebt für seine Galaxis und damit auch für seine
Philosophie, und die heißt Pazifismus. Ich kann nicht sagen, ob
er sich richtig oder falsch entschieden hat; ich möchte sogar
sagen, daß es in dieser Situation kaum ein 'richtig' oder
'falsch' geben kann. Ich weiß aber ganz bestimmt, daß ich
niemals zu einer derartigen Entscheidung gezwungen sein will. Egal,
ob ich die anderen oder meine eigenen Leute in den Tod schicke,
Alpträume hat man trotzdem - sofern man über so etwas wie
ein Gewissen verfügt. Mhogena ist hier auch nicht der erste, der
dieses Problem hat. Ich kann mich noch an Szenen erinnern, in denen
Perry Rhodan seine Mitstreiter und Leser in den Wahnsinn trieb, weil
er einfach nicht schießen wollte, sondern wartete, bis man die
Situation anders lösen konnte. Daher finde ich diesen Ansatz
mehr als interessant. Auch wenn ich nicht weiß, ob man diese
Möglichkeit im Sinne der Nachvollziehbarkeit später nicht
zurücksehnt, so finde ich es auf jeden Fall sehr gut, daß
man dieses Problem einmal aufgeworfen hat. So werden die Leute sich -
bei aller Sehnsucht nach mehr Action und mehr Raumschlachten -
hoffentlich auch einmal Gedanken darüber machen, was da
eigentlich passiert.
Doch kann man so etwas eigentlich in einem Umfang diskutieren, den
ein Perry Rhodan-Band vorgibt, und danach einen guten Perry-Roman
daraus machen? Uwe Anton geht eben jenes auf eine recht abgefahrene
Art an, nämlich eigentlich fast gar nicht, und beweist damit,
daß weniger manchmal einfach mehr ist. Ein sehr intensives
Kapitel am Anfang und eins am Ende. Jetzt muß man eigentlich
nur noch Mhogena dabei zusehen, wie ihm die Klappe
herunterfällt, als er erfährt, was die Galaktiker vorhaben
- und fertig ist die ganze Angelegenheit. Nun hat der Autor alle Zeit
der Welt, sich mit dem Rest der Geschichte zu beschäftigen. Die
Schlacht an sich wird z.B. schön und umfangreich vorbereitet,
und ein wenig Extrasinn-Gelaber gibt es auch noch. Auf der anderen
Ebene haben wir dann den Sonnentresor sowie die an sich und der
Galaxis verzweifelnden Haluter. Diese müssen nun endgültig
einsehen, daß sie zu spät gekommen sind. Auch wenn sie
sich auf anderer Ebene endlich so in Szene setzen, wie man das von
ihnen erwartet. Zum einen macht der Großtender einen guten
Eindruck, ebenso ihre Kampffähigkeit bei der Befreiung der
Kontrollstationen. Zwar wird das nicht so direkt beschrieben, aber
ich kann mir das ganz gut vorstellen. Und letztlich kann man nicht
absolut alles in einen Roman packen; Action haben wir hier ja
schließlich auch mittlerweile eine ganze Menge.
Dazu kommt noch, daß sich mit Vincent Garron einiges tut, und
auch dieses "Problem" wird sich in absehbarer Zeit erledigen.
Allgemein kann ich zu dem Roman sagen, daß er geschickt eine
ganze Menge unterbringt, ohne daß hier übertrieben oder
untertrieben wird. Dabei bedient Anton sich geschickt der Vorarbeiten
der früheren Bände, was in meinen Augen zeigt, daß er
diese Exposés intensiv studiert hat. Da wäre z.B. die
Szene mit der Vision der Algioten, die stark auf die Badeszene
verweist. Aber auch die Sache mit den Hyperraumhügeln und die
Rückgriffe auf die Tiefe waren geschickt eingearbeitet.
Dennoch fehlt dann bei aller Dramatik doch ein wenig die Spannung. Im
Endeffekt bleibt die bei aller Beschreibung ein wenig am Rande,
zumindest, was den einzelnen Roman betrifft. Für den kompletten
Zyklus ist der Roman ein kräftiger Anheizer.
Fazit:
Umfangreich, gut, 13 Punkte.
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Puh, was ein Glück, die Hoffnung hat nicht getrogen:
Uwe Anton ist immer noch der einzige Autor, der in der Lage
ist, anscheinend jeglichen Chearth-Roman zu einem
Meisterwerk zu gestalten. |