Professor Zamorra

Band 662: "Wächter der Knochengruft"

In den Sümpfen Floridas, in einer unterirdischen Ruine, beschützt seit tausenden von Jahren ein Wächter das legendäre Zauberschwert Salonar, eines der drei Schwerter, mit denen der Schwarz-Zauberer Amun-Re getötet werden kann.
Commander Nick Bishop, neuer Anführer des Ssacah-Kultes, ist in Schriften auf dieses Schwert gestoßen und hat es darauf abgesehen. Er schickt seine Dienerin Mary-Ann Cantor zu dem Ort, die eine Messing-Kobra in den Kammern hinterläßt.
Aber auch der Erzdämon Astaroth ist hinter dem Schwert her; sein Diener vor Ort ist der Magier Franco. Um zu verhindern, daß Astaroth das Schwert findet, schickt Bishop drei Kleinkriminelle in die Wohnung des Magiers, um das Pergament mit den Hinweisen zum Versteck des Schwertes zu stehlen.
Doch der Magier dreht den Spieß um und bringt die drei unter seine Kontrolle. Unter den dreien bricht Streit aus; einer wird erschossen, was Sheriff Bancroft auf den Plan ruft. Da der Mord in unmittelbarer Nähe von Francos Wohung geschah - vor einigen Monaten bekamen es Bancroft und Nicole Duval mit ihm zu tun - wird er mißtrauisch.
Mary-Ann Cantor hat einen Autounfall. Schwer verletzt wird sie ins Krankenhaus eingeliefert, wo bei einer Untersuchung eine Anomalie festgestellt wird. Der Sheriff - mittlerweile kurz zu Tendykes Home gefahren, um in dem Mordfall Rat zu erhalten - fährt mit Nicole zunächst zum Tatort. Anschließend statten sie Francos Wohung einen Besuch ab. Dieser hat sich jedoch abgesetzt. Als er sieht, daß Nicole "magisch etwas einrichtet", damit sie erfährt, wenn Franco zurückkehrt, baut Franco seinerseits eine magische Bombe in den Polizeiwagen Bancrofts ein; die Explosion überleben die beiden nur durch Glück.
Esteban und Su, die beiden unter der Kontrolle des Magiers stehenden Sklaven Bishops, machen sich auf dem Weg in die Sümpfe und finden den Einstieg in den unterirdischen Bereich.
Ebenfalls in den Everglades unterwegs ist Monica Peters - mit einer Gruppe Bewohner der Straße der Götter, die auf Tendkyes Home Zuflucht gefunden haben. Dabei stoßen sie zufällig auf den Wagen der beiden Kriminellen. Und auf die unterirdische Anlage.
Telepathisch informiert Monica ihre Schwester Uschi davon, so daß auch Zamorra davon in Kenntnis gesetzt wird.
Im Krankenhaus nehmen Nicole und Jeronimo sich gleich Mary-Ann vor, die bei einer näheren Untersuchung zu einer menschengroßen Kobra wird und kurze Zeit später dahinscheidet.
In der unterirdischen Anlage überschlagen sich die Ereignisse: der Wächter unterliegt der Kobra, und ein schwarzes Skelett kann unerkannt entkommen, das unzählige andere Skelette zum Leben erweckt hat.
Franco erhält von Astaroth einen Kraftschub, der den letzten Funken Menschlichkeit in ihm hinfortwischt.
Als Zamorra, nachdem Su und Esteban außer Gefecht gesetzt wurden, die unterirdische Kammer betreten will, springt ihm die Kobra, mit Salonar bewaffnet, entgegen. Im gleichen Moment schiebt sich Franco dazwischen. Magisch aufgeputscht, entreißt er der Kobra das Schwert, tötet diese und will auch Zamorra umbringen. Doch die Wunden, die Salonar gerissen hat, sind zu tief; Franco stirbt.
In Washington wird Rob Tendyke, der Papiere für die Flüchtlinge der Straße der Götter organisiert, von einem Fremden angesprochen. Ihm wird angeboten, eine Expedition in die Antarktis zu begleiten, um deren Teilnehmer zu beschützen...

Nach der Trilogie landen wir wieder auf dem Boden der "Realität".
"Wächter der Knochengruft" ist ein Roman mit vielen Protagonisten - dennoch ist er nicht überladen, die Story an sich ist relativ "flach" und paßt nicht zum Knaller des Wiederentdeckens von Salonar, dem Zauberschwert.
Für mich persönlich waren auch viel zu viele Zufälle eingebaut: Alle finden zufällig den Lageort des Schwertes, zufällig stößt man in den Everglades auf die Anlage. Nee, das war ein bißchen zuviel des Guten. Die Storyline um den Wächter, von Anfang bis Ende, zog sich auch wie Kaugummi - es passierte in der Gruft eigentlich nichts, man stand sich 55 Seiten lang gegenüber...
Außerdem: Wieso nimmt Nicole einen Dhyarra 4. Ordnung mit, wieso nicht den der 8. Ordnung...?
Als Nicole in Francos Wohnung eine "Falle" stellt, wirkt dies genauso unausgegoren wie die Stelle, an der das schwarze Skelett aus der Gruft verschwindet.
Positiv anzumerken ist eigentlich nur die Schlußszene: Schon jetzt wirkt alles auf den Fünfteiler hin.
Ansonsten war der Roman noch nicht einmal schlecht, man wurde eben nur ein bißchen abrupt aus den Höhen der Trilogie zurückgerissen.
7 Punkte.

Guido Latz

Nach dem dreibändigen Ausflug in die SF kehrt Zamorra also wieder zum Horror zurück. Nun, ich muß zugeben, Horror-Heftromane sind nicht unbedingt mein Fall, und mein letzter Ausflug in diesen Teil des Genres ist mit Mark Hellmann zum Fiasko geraten...
Nun ja, immerhin haben wir es hier mit Zamorra zu tun, nicht mit diesem unsäglichen 56bändigen Machwerk, und so war ich dann doch etwas gespannter, nachdem die vorhergehenden SF-Romane mehr als nur ansprechend gestaltet waren.
Und Werner Kurt Giesa enttäuscht mit diesem Roman sicherlich niemanden.
Gekonnt baut er den Spannungsbogen von Anfang an auf, verstärkt ihn von Seite zu Seite und kommt zum finalen Höhepunkt. Guido hat nicht nur einmal geschrieben, daß er mit dem Ssacah-Kult nichts anfangen kann (* Hat Guido etwa das 'Indiana-Jones-Syndrom'? ("Warum müssen es ausgerechnet Schlangen sein?!?" oder so... >:-) Heike) - allerdings, so ohne die Schlange als Führer gefällt mir die ganze Sache doch recht gut.
Und nebenbei dürften wir uns hier nun bereits in der Vorgeschichte zum mit Band 666 beginnenden Fünfteiler befinden. Es deuten sich jedenfalls auch hier schon die ersten Ausläufer der dramatischen Ereignisse im PZ-Universum an. Die drei Schwerter sind jedenfalls wieder vereint - und warten auf Amun-Re. Allerdings dürfte schon jetzt klar sein, daß Zamorra das eine oder andere Schwert in den nächsten drei Bänden noch abhanden kommen wird - sonst wäre der 5teiler einfach zu leicht zu lösen. Nick Bishop als Schwertdieb - auf etwas ähnliches wird es dann wohl herauslaufen. Der Leser darf gespannt sein und sich jetzt schon auf die nächsten Romane freuen.

Fazit:
Der "Wächter der Knochengruft" erweist sich als spannender und rasanter Horror-Roman, der die kommenden Ereignisse langsam einläutet. Unterhaltungslektüre der besseren Art - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
12 Punkte.

Winfried Brand

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