Nun geht
"Star Vision" also in die zweite Runde. Nachdem das erste Heft schon
recht gute Ansätze zeigte, zu einem wirklich interessanten
Magazin zu werden, ist ein Blick auf die zweite Ausgabe
natürlich zwingend vorgeschrieben.
Daß bereits im Vorwort steht, daß die erste Ausgabe
aufgrund des Star Wars-Verrisses reichlich negative Leserbriefe
hervorgerufen hat, mag an sich nicht verwundern - eher wohl der Mut
der Redaktion, sich in dieser Ausgabe schwerpunktmäßig dem
Thema Star Trek kritisch zu nähern. Hierfür ebenso wie
für die wirklich kritische, aber dafür durchaus
konstruktive (was von Media-Fans gerne übersehen wird) Kritik
gebührt der Redaktion größter Respekt.
Nun aber zum Inhalt.
Nach den üblichen Infos, die sich hauptsächlich mit der
visuellen Umsetzung der Phantastik beschäftigen (und die man,
einen Internetanschluß vorausgesetzt, schon lange vorher bei
phantastik.de gelesen hat - jaja, ich weiß, dies ist ein
Printmagazin mit Vorlauf; trotzdem mache ich mit Freuden immer wieder
Werbung für diesen Newsletter, der ohne Zweifel der
umfangreichste und bestinformierte der deutschen Phantastik-Szene
ist.), begibt man sich auf das heiße Pflaster Star Trek. Nun
ja, "heiß" ist dieses Pflaster nur, wenn man ein paar kritische
Worte hierzu äußert (* ...wie wir ja aus erster Hand
wissen... :-))) Heike) und gleich ganze Entwicklungen der letzten
Zeit ablehnend beleuchtet. Da hilft wahrscheinlich auch alle
Konstruktivität nicht mehr - die Trekkies werden jetzt schon
überlegen, wie sie am einfachsten Briefbomben zusammenbasteln
können. Der Artikel selber ist jedenfalls sehr gelungen (auch
wenn ich Holger Fach nicht in allen Punkten zustimmen kann, so bietet
er doch einige überdenkenswerte Ansätze), und man merkt ihm
an, daß der Autor durchaus Fan der Serie ist. Diese Seiten
jedoch dürften wohl dafür sorgen, daß auch ein
Großteil der Trek-Fans sich nun von diesem Magazin
verabschiedet. Leider ist es nun mal so, daß die Leute, die
sich die Toleranz am größten auf die Fahne schreiben, auf
Kritik (und sei sie auch konstruktiv) am intolerantesten reagieren -
zumindest sagt mir dies meine Erfahrung mit diversen Trekkies. Aber
wir wollen hier nicht in meine Vergangenheit abschweifen, sondern uns
weiter dem Magazin widmen.
Weiter geht's mit dem Bericht zum Ende von DSN - wieder recht
kritisch und von Ralph Sander (immerhin gilt dieser Name etwas im
Trek-Fandom - vielleicht lassen sie ihm dies ja durchgehen)
kritisch-konstruktiv beleuchtet. Es bleibt nur zu befürchten,
daß Ralph Sander bei Heyne solch kritische Worte nicht
äußern darf - obwohl sie nötig sind...
Als nächstes folgt dann der ultimative Beweis, daß dieses
Magazin dringendst einen Lektor nötig hat. (Kleiner Hinweis:
Heike stände hier wohl zur Verfügung... Ähm... Ups...
<evil grin>) (* Ich? Zur Verfügung? Was ist
"Verfügung"? Und vielleicht kannst Du mir ja mal erklären,
wie ich ohne einen 30-Stunden-Tag Zeit für irgendwelche
Vergnü... äh, Verfügungen haben soll, wenn ich
zwischendurch trinken, essen, schlafen und sonstiges muß?
<even more evil grin> Heike)
Joachim Körbers Seiten über das Werk Ursula K. LeGuins sind
zwar faszinierend, interessant und kompetent geschrieben (hat
vielleicht irgendjemand ernsthaft etwas anderes erwartet?), doch
finden sich hier auch die schlimmsten Fehler dieses Heftes, die das
Verständnis des Artikels doch teilweise stark erschweren. Zwar
wimmelt dieses Heft im Vergleich zur Erstausgabe regelrecht von
fehlenden Wörtern und irregulären Satzstellungen
(anscheinend hat hier wirklich niemand mehr korrekturgelesen), aber
hier wird das Ganze dann schon regelrecht sinnentstellend. Joachim
Körber widmet sich hier unter anderem LeGuins Roman "Planet der
Habenichtse" (The Dispossessed). Dieser Roman handelt von jemandem,
der seine Heimatwelt Anarres verläßt, die als Mond um
Urras kreist, um auf den Planeten zu wechseln. Bei der Beschreibung
der jeweiligen Gesellschaftssysteme ist hier jedoch einiges
durcheinandergeraten. Da lesen wir zuerst, daß auf Anarres eine
anarchistische Gesellschaft vorherrscht; dann erfahren wir, daß
Urras kapitalistisch geführt wird. Kurze Zeit später
heißt es jedoch: "Weder die anarchistische Gesellschaft auf
Urras noch die kapitalistische auf Anarres..." Noch im gleichen
Absatz geht es weiter: "Urras ist kapitalistisch..." und "Ganz ohne
Reglementierung kommt hingegen auch die herrschaftsfreie Gesellschaft
auf Urras nicht aus..." Dazu lesen wir dann im nächsten Absatz:
"...und auch wenn die Verfasserin erkennen läßt, daß
sie dem romantisch verklärten Anarchismus auf Urras den Vorzug
gibt,..." Also, das ist nun wirklich eine Verwirrung des Lesers hoch
drei. Dabei ist Joachim Körber hier noch nicht einmal der
wirkliche Vorwurf zu machen; wer einen Text verfaßt, kann und
darf sich durchaus einmal verhaspeln, was vollkommen normal ist. Doch
das Fehlen eines Lektors bzw. Korrekturlesers seitens des Verlages
wirkt sich hier so langsam zu einer Katastrophe aus, die an dieser
Stelle zwar ihren Höhepunkt erreicht, sich mit Hilfe schlicht
und einfach fehlender Wörter sowie falscher Grammatik und
Satzstellung durch das ganze Magazin zieht, wenn auch
zugegebenermaßen nicht mehr so sinnentstellend wie in dieser
Textspalte...
Nach einem Poster von Quark (Deep Space Nine), das nicht nur
überflüssig, sondern auch noch von äußerst
schlechter Qualität ist (* Ach, das liegt aber ganz bestimmt
an Quark selbst... ;-) Heike) und wirkt, als ob es von einem Dia
hochgezogen worden wäre (wenn schon Poster, dann wenigstens ein
"scharfes" Motiv und nicht dieses herumschwimmende Etwas), kommen wir
dann zum Nachschlag für all die Star Wars-Fans, die die erste
Ausgabe noch nicht abschrecken konnte. Hier legt Ralf Bauer anhand
von sieben Punkten dar, weshalb "Episode 1" relativ schlecht ist.
Daß er dabei mit Verbesserungsvorschlägen nicht spart,
dürfte jedoch kaum einen SW-Fan wirklich interessieren. "Hier
gibt's Kritik - hier will ich nicht sein" ist bei einem nicht zu
verachtenden Teil der Fans leider wohl das Motto. Schade eigentlich,
denn die Kritikpunkte sind bei aller Polemik, die auch schon den
Verriß in der ersten Ausgabe durchsetzte, fundiert und sachlich
nachvollziehbar. Genau so muß Kritik aussehen, damit sie auch
den Leser interessiert. Und: Kritiken sind schließlich immer
subjektiv. Wer das nicht versteht...
Zur Beruhigung der letzten entnervten Star Wars-Fans gibt es danach
dann noch ein aus dem US-Starlog übernommenes Interview mit Ian
McDiarmaid, dem alten und neuen Darsteller des Imperators Palpatine.
Dieses gestaltet sich dann Starlog-typisch unkritisch und könnte
glatt noch den einen oder anderen erbosten SW-Fan wieder in
Wohlwollen verfallen lassen.
Die Frage, was denn die folgende Ankündigung einer Leserreise
zum Episode 1-Set in Tunesien hier zu suchen hat, muß ich jetzt
einfach stellen. Es dürfte immerhin kaum noch SW-Fans geben, die
dies lesen - und allen anderen SF-Fans ist dies wohl ziemlich
egal...
Nach dem (recht umfassenden) Con-Kalender geht's dann weiter mit
Ralph Sanders erstem Teil der Betrachtung über Sex in der SF.
Der Artikel ist wieder gewohnt sachkenntnisreich verfaßt, doch
stellt sich die Frage, ob diese Thematik wirklich auf einer Breite
von 6 Seiten ausgewalzt werden muß. Schließlich wissen
wir alle zur Genüge, daß der Sex in der optischen Science
Fiction praktisch nicht vorkommt. Es bleibt also nur eine recht lahme
und kaum anregende Berichterstattung über alte Filme, die man
zur Genüge kennt. (Und: Glaubt wirklich jemand daran, daß
wir bei Star Trek mal eine Sexszene zu sehen bekommen???) (*
Immerhin wurde schon mal 'ne echte Schwangerschaft "verarbeitet" -
wenn das kein Schritt in die richtige Richtung ist... >;-)
Heike)
Weiter geht's dann mit Buchbesprechungen von Joachim Körber (wie
immer kompetent und interessant - nur leider zu wenig) und der
Perry-Ecke, die der Layouter im ersten Heft irrtümlicherweise
auch Joachim Körber zugeschrieben hat, für die aber
eigentlich wohl Jürgen Borngiesser zuständig ist. Neben
einem kapitalen Layout-Fehler (Anfang zweites Thema) findet sich hier
für den Inhaber eines Internet-Anschlusses (ersatzweise reicht
ein Con-Besuch in den letzten Wochen auch aus) nichts Neues. Es wird
auf den Weltcon 2000 verwiesen, auf den Vurguzz-Likör (Hallo,
Jürgen! Nicht etwa ein Perry-Autor - in diesem Fall wohl H.G.
Ewers - sondern ein Fan aus dem süddeutschen Raum hat dieses
Getränk erfunden. Die erste scherzhafte Anzeige für dieses
hochprozentige Produkt findet sich Mitte der 50er Jahre in Munich
Round-Up - oder war's doch beim SFCD???), das baldige Erscheinen des
Bandes 2000 der Heftserie (wer hätte das gedacht?!?) und die
Raumschiffmodelle. (Welche nebenbei immer noch äußerst
selten im Fachhandel zu erhalten sind, obwohl sie vor zwei Monaten
auf den Markt kamen - Abhilfe verschaffen hier Spezialversender aus
dem SF-Bereich...)
Den Abschluß bieten dann ein Artikel über Star
Trek-Computerspiele (passend zum Schwerpunkt), ein Gewinnspiel, bei
dem man einen Platz zur vorher erwähnten Leserreise gewinnen
kann (zwei wären angemessen und üblich gewesen - was mache
ich mit Heike, wenn ich daran teilnehmen und gewinnen würde?
(* Keine Ahnung. Sag mal, gibt's eigentlich
verschiedengeschlechtliche (zweieiige?) verbundene Zwillinge? ;-) Ich
meine jetzt, außer bei Sheri S. Tepper... :-) Heike)), zwei
Leserbriefe mit einer wunderbaren Antwort von Saskia Klöckner
auf den zweiten, der sich mit ihrem Artikel zu Episode 1 in der
vorhergehenden Ausgabe befaßt, sowie zwei Seiten
Comic-Rezensionen.
Den Abschluß bietet dann ein weiteres Highlight des Magazins -
die artikelmäßige Würdigung der Raumschiff
Promet-Ausgabe des Blitz-Verlags von Manfred Rückert und Roman
Sander. Hier wird nicht nur sachlich und kompetent über die
Ausgabe berichtet, sondern dem Leser auch gleich noch Appetit auf
diese Serie (egal ob Classic oder Neue Abenteuer) gemacht. Und
daß mindestens die Neuen Abenteuer diese Publicity verdient
haben, wissen wir ja schon seit langem. Es bleibt zu hoffen,
daß dieser Artikel auch den einen oder anderen neuen Leser
für die Serie bringt. Und ich bin sowieso schon gespannt auf die
nächsten beiden Bände, die wohl innerhalb der nächsten
Woche bei mir auftauchen dürften.
Abgeschlossen wir dieses rundum gelungene Magazin dann durch die
"letzten Worte HALs". (* "David (oder wie hieß der?), ich
hab ja soooo'n Hals!"? >:-) Heike)
Abschließend läßt sich sagen, daß die Mischung
zwischen Media- und Literatur-SF in dieser Ausgabe wesentlich besser
gelungen ist als in der ersten. Allerdings hatte diese natürlich
auch mit dem großen Manko zu kämpfen, daß Episode 1
vor der Tür stand und man sich damit beschäftigen
mußte. Der wohltuend erfrischende Stil der ersten Ausgabe wurde
jedenfalls beibehalten, die Kritik ist weiterhin trotz aller Polemik
konstruktiv - genau so, wie es sein sollte. Wenn man jetzt noch
vielleicht die eine oder andere Story eines deutschen Autors
hineinbringen würde, wäre der Schritt zum wirklich
empfehlenswerten Magazin locker getan. (Vorausgesetzt, man schafft
sich einen Lektor an...) (* Guck mich nicht so an. Ich komm
einfach nicht dazu. - Ist denn Deine Zeit-Maschine IMMER noch nicht
fertig??? Heike)
Problematisch jedoch dürften die Verkaufszahlen werden. Durch
die Verärgerung der SW- und jetzt auch der ST-Fans bleibt nur zu
hoffen, daß es genügend Käufer gibt, die dieses
lesenswerte Magazin am Leben erhalten. Der Versuch, ein kritisches
Magazin am Markt zu etablieren, verdient jedenfalls jegliche
Unterstützung, die fan zu leisten imstande ist. (* Ja, Leute!
Kauft's Euch immer gleich im praktischen Hunderterpack! Öhm...
Heike)
Fazit:
Die Mischung stimmt immer besser. "Star Vision" entwickelt sich immer
mehr zum wirklich kompetenten, kritischen, aber auch konstruktiven
Magazin für SF im Media und Literatur. Allerdings ist weiterhin
der fiktionale Teil weit unterrepräsentiert bzw. nicht
vorhanden. Ein oder zwei Stories (national oder international)
würden diesem Magazin ebenso zur Spitze verhelfen wie die
Einstellung eines Lektors... (* Die sollen Nick oder Mike fragen.
Heike)
10 Punkte.