Zum
Inhalt:
1903: Cendrine Muck tritt ihre neue Arbeitsstelle als Lehrerin im
Haus Kaskaden in der Nähe von Windhuk in Südwestafrika an,
wo sie neben ihren beiden Schützlingen und deren Eltern auch auf
den tauben Valerian Kaskaden trifft. Anfangs läuft alles wie
geplant, doch schon bald stößt sie auf ein düsteres
Geheimnis des Hauses - und uralte Mythen und Riten bahnen sich
langsam den Weg in ihr Leben...
Kai Meyer hat es wieder einmal geschafft, einen historischen Roman
von höchsten Lesevergnügen zu verfassen, der den Leser von
der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Fängt die Geschichte noch recht harmlos und beschaulich an,
verwickelt der Autor seine Hauptperson immer stärker in die
geheimnisvollen Geschehnisse, in die er die afrikanischen Mythen
geschickt einbaut, mit fremden Elementen verbindet und so dem Leser
einen Blick in eine faszinierende Welt ermöglicht. Gerade seine
Sichtweise der Mythen in Bezug auf die abendländische Kultur
(naja - wohl eher das Christentum), die Ähnlichkeiten und die
Art, wie beides unter einen Hut gebracht wird, ist fast schon
einzigartig zu nennen. Jedenfalls ist es hochinteressant und spannend
zu lesen.
Dabei macht Kai Meyer nun auch nicht den Fehler, angesichts der Zeit
und des Ortes, an dem er seine Geschichte spielen läßt,
den Zeigefinger zu heben und die abgrundtief böse Behandlung der
schwarzen Bevölkerung durch die weiße Oberschicht
anzuprangern. Vielmehr bleibt er mehr oder weniger auf neutralem
Boden (nun gut, ab und zu schimmert der Zeigefinger durch, paßt
jedoch immer in die Handlung), was der Stimmung des Romans nur
guttut. Man fühlt sich hier buchstäblich an den Anfang
dieses Jahrhunderts zurückversetzt - was nicht zuletzt auch an
der hervorragenden Recherche des Autors liegt.
Aber Kai Meyer versteht es nicht nur, seine Phantasie wie
selbstverständlich in eine faszinierende Geschichte umzusetzen,
sondern diese auch mit einer Virtuosität zu schildern, wie man
es selten zu lesen bekommt. Es macht einfach nur Spaß, Romane
von diesem Autor zu lesen - vor allem, wenn sie eine solche
Faszination ausüben wie "Göttin der Wüste".
In Sachen historischer Romane mit Phantastik-Elementen gehört
Kai Meyer jedenfalls eindeutig zur absoluten Spitzenklasse der
Autoren. Zwar hat man über manche Strecken durchaus das
Gefühl, eher in einem sanften Frauen-Grusler gelandet zu sein,
doch trügt dieser Eindruck. Kai Meyer versteht es durchaus, auch
"härtere" Szenen in seine Romane einzubauen, die z.B. in einem
"Mitternachtsroman" oder "Gaslicht"-Heft sicherlich nichts verloren
haben. (Abgesehen davon, daß sich die Auflösung der
Handlung in diesem Buch weit von dem entfernt, was in solchen Reihen
toleriert werden würde...) Gerade in "Göttin der
Wüste" versteht es der Autor, weniger durch Horror-Elemente als
eher durch solche der Phantastik, den Leser an die Geschichte zu
binden, auf daß sie ihn nicht mehr losläßt.
Viele Worte für ein Buch, das eigentlich nur eines Wortes
bedarf: Kaufen! Für jeden, der teilweise ruhiger verlaufende
Phantastik mag, ist dieser Roman ein Leckerbissen.
Fazit:
Ein historisch-phantastischer "Schinken" bester Machart. Der Leser
wird bereits auf den ersten Seiten von dem Buch "gefangengenommen"
und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Romane solcher Qualität
könnte man sich glatt öfter wünschen.
14 Punkte.