Sheri S. Tepper:

"Der Nekromant"

(Zweiter Roman der Trilogie "Das Wahre Spiel")
OT: The True Game: Necromancer Nine
Ü: Christian Lautenschlag
USA 1996
(253 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9044, ISBN 3-453-15612-9, DM 12,90)
- erschienen: September 1999 -

Nochmals absoluter Klappentextalarm: Diesmal sind die Angaben völlig verdreht - und umfassen den KOMPLETTEN Roman... dies glücklicherweise so vage, daß es möglicherweise doch nicht so viel ausmacht, den Klappentext vorher zu lesen. Ich hab ihn mir aber sicherheitshalber erst nachher angeschaut und war ganz froh drüber.

Peter, der junge Wandler, ist der Sohn von Mavin Vielgestalt. Der Zauberer Himaggery und der alte Seher Windlow wollen ihn überzeugen, daß er und sein Talent (bzw. die Talente der Spielfiguren von Barish, die Peter in einer Ruine gefunden hatte) ihnen bei einem besonderen, schwierigen und wichtigen Vorhaben von großem Nutzen sein könnten. Es geht um mächtige Spieler, die spurlos verschwinden, aber anscheinend nicht gestorben sind, denn die Nekromanten können ihre Geister nicht finden. Himaggery und Windlow sagen Peter jedoch nicht alles, was dieser eigentlich wissen müßte. So hält er es für wichtiger, sich zunächst einmal auf die Suche nach seiner Mutter zu machen. Dies ist ebenfalls nicht die leichteste Sache der Welt, da Mavin Vielgestalt zwar mal hier ist und mal dort, aber immer äußerst zurückgezogen lebt und möglichst unauffindbar zu bleiben versucht. Ein Rätsel, das sein Thalan Mertyn ihm mit auf den Weg gibt, soll Peter helfen, Mavin zu finden...

Zunächst einmal eine grundsätzliche Sache. Peter wird in diesem Buch sehr häufig als Nekromant bezeichnet, aber ich hatte den Eindruck, daß er dieses Talent nur aus einer seiner Spielfiguren herausgeklaubt hätte. Naja, sei's drum - ein Wandler ist er auf jeden Fall. Das bedeutet, daß er sich (zumindest theoretisch) in alle möglichen anderen Lebewesen und Dinge umformen könnte - wenn er denn nur wollte, aber gerade damit hat er anfangs noch so seine Probleme.
Jedenfalls ist dieser Roman Sheri S. Tepper wieder mal brillant gelungen, wie ich finde. Es ist zwar keine 'reine' Fantasy-Geschichte - wie auch schon der 'Monströse Welten'-Zyklus meiner Meinung nach keine reine SF darstellte - aber mir macht das absolut nichts aus. Im Gegenteil! Der Aufbau dieser so merkwürdigen Welt, ihrer absolut merkwürdigen Bewohner und der ein wenig märchenhaften Handlung darumherum ist schlichtweg genial. Sheri S. Teppers Stil ist - mit einem Wort - grandios. Besonders gut gefällt mir, daß Band 2, genauso wie auch schon Band 1, komplett in der Ich-Form verfaßt ist. Es werden zwar auch schon mal Dinge 'sächlich', objektiv beschrieben, aber es ist immer zu erkennen, daß es Peter ist, der sie sieht und uns davon berichtet.
Da ich nicht zuviel vorwegnehmen möchte - immerhin gibt es da ja noch einen dritten Band, der auch noch Spaß machen soll, und das nicht nur mir - höre ich hier auch schon mit dem Rezensieren auf: Die Bücher um "Das Wahre Spiel" muß man einfach selbst gelesen haben. Fehlt eigentlich nur noch, daß die Autorin im dritten Band noch ein paar mehr Rätsel löst, statt weiterhin neue aufzubauen.
Nur zwei Sachen noch: Ich habe wieder einiges an Schreibfehlern gefunden, auch die eine oder andere Formulierung, die mir unlogisch vorkam, aber ich zähle sie diesmal nicht gesondert auf. Ich habe mich beim Lesen schon zu sehr über diese Schlamperei (anders kann man's ja wohl nicht nennen) geärgert. (Dafür schlag' ich dann wahrscheinlich bei Band drei wieder so richtig zu... :-( Heike) - Leider sind in diesem Roman dann auch keine Landkarten enthalten, und die Ahnenliste des ersten Buches ist ebenfalls nicht drin. Ob das so beabsichtigt war? Ich hab nachgeschaut - im dritten Band ist alles wieder vorhanden... Dafür gibt es hier in Band 2 auf Seite 30/31 eine Liste mit Springseilreimen um die Ahnen bzw. die Spielfiguren von Barish - auch nicht schlecht. So wird eine Vielschichtigkeit erzeugt, die mir inzwischen schon sehnsüchtige Träume von der Welt des "Wahren Spiels" beschert... Ja, lacht nur und nennt mich sentimental oder auch verrückt, ganz nach Belieben. Wer Sheri S. Teppers märchenhafte Schreibe mag, wird sich gewiß ebenso gern und vollständig wie ich von der magischen Atmosphäre dieser Geschichte einfangen lassen.

Fazit:
Hat Sheri S. Tepper die Fantasy neu erfunden? Nun, das vielleicht nicht - aber eine überaus faszinierende, vielschichtige Story mit interessanten Details hat sie allemal hinbekommen. Trotz der ärgerlichen Fehler gebe ich
14 Punkte.

Heike Brand


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