Nochmals
absoluter Klappentextalarm: Diesmal sind die Angaben völlig
verdreht - und umfassen den KOMPLETTEN Roman... dies
glücklicherweise so vage, daß es möglicherweise doch
nicht so viel ausmacht, den Klappentext vorher zu lesen. Ich hab ihn
mir aber sicherheitshalber erst nachher angeschaut und war ganz froh
drüber.
Peter, der junge Wandler, ist der Sohn von Mavin Vielgestalt. Der
Zauberer Himaggery und der alte Seher Windlow wollen ihn
überzeugen, daß er und sein Talent (bzw. die Talente der
Spielfiguren von Barish, die Peter in einer Ruine gefunden hatte)
ihnen bei einem besonderen, schwierigen und wichtigen Vorhaben von
großem Nutzen sein könnten. Es geht um mächtige
Spieler, die spurlos verschwinden, aber anscheinend nicht gestorben
sind, denn die Nekromanten können ihre Geister nicht finden.
Himaggery und Windlow sagen Peter jedoch nicht alles, was dieser
eigentlich wissen müßte. So hält er es für
wichtiger, sich zunächst einmal auf die Suche nach seiner Mutter
zu machen. Dies ist ebenfalls nicht die leichteste Sache der Welt, da
Mavin Vielgestalt zwar mal hier ist und mal dort, aber immer
äußerst zurückgezogen lebt und möglichst
unauffindbar zu bleiben versucht. Ein Rätsel, das sein
Thalan Mertyn ihm mit auf den Weg gibt, soll Peter helfen,
Mavin zu finden...
Zunächst einmal eine grundsätzliche Sache. Peter wird in
diesem Buch sehr häufig als Nekromant bezeichnet, aber ich hatte
den Eindruck, daß er dieses Talent nur aus einer seiner
Spielfiguren herausgeklaubt hätte. Naja, sei's drum - ein
Wandler ist er auf jeden Fall. Das bedeutet, daß er sich
(zumindest theoretisch) in alle möglichen anderen Lebewesen und
Dinge umformen könnte - wenn er denn nur wollte, aber gerade
damit hat er anfangs noch so seine Probleme.
Jedenfalls ist dieser Roman Sheri S. Tepper wieder mal brillant
gelungen, wie ich finde. Es ist zwar keine 'reine' Fantasy-Geschichte
- wie auch schon der 'Monströse Welten'-Zyklus meiner Meinung
nach keine reine SF darstellte - aber mir macht das absolut nichts
aus. Im Gegenteil! Der Aufbau dieser so merkwürdigen Welt, ihrer
absolut merkwürdigen Bewohner und der ein wenig
märchenhaften Handlung darumherum ist schlichtweg genial. Sheri
S. Teppers Stil ist - mit einem Wort - grandios. Besonders gut
gefällt mir, daß Band 2, genauso wie auch schon Band 1,
komplett in der Ich-Form verfaßt ist. Es werden zwar auch schon
mal Dinge 'sächlich', objektiv beschrieben, aber es ist immer zu
erkennen, daß es Peter ist, der sie sieht und uns davon
berichtet.
Da ich nicht zuviel vorwegnehmen möchte - immerhin gibt es da ja
noch einen dritten Band, der auch noch Spaß machen soll, und
das nicht nur mir - höre ich hier auch schon mit dem Rezensieren
auf: Die Bücher um "Das Wahre Spiel" muß man einfach
selbst gelesen haben. Fehlt eigentlich nur noch, daß die
Autorin im dritten Band noch ein paar mehr Rätsel löst,
statt weiterhin neue aufzubauen.
Nur zwei Sachen noch: Ich habe wieder einiges an Schreibfehlern
gefunden, auch die eine oder andere Formulierung, die mir unlogisch
vorkam, aber ich zähle sie diesmal nicht gesondert auf. Ich habe
mich beim Lesen schon zu sehr über diese Schlamperei (anders
kann man's ja wohl nicht nennen) geärgert. (Dafür schlag'
ich dann wahrscheinlich bei Band drei wieder so richtig zu... :-(
Heike) - Leider sind in diesem Roman dann auch keine Landkarten
enthalten, und die Ahnenliste des ersten Buches ist ebenfalls nicht
drin. Ob das so beabsichtigt war? Ich hab nachgeschaut - im dritten
Band ist alles wieder vorhanden... Dafür gibt es hier in Band 2
auf Seite 30/31 eine Liste mit Springseilreimen um die Ahnen bzw. die
Spielfiguren von Barish - auch nicht schlecht. So wird eine
Vielschichtigkeit erzeugt, die mir inzwischen schon sehnsüchtige
Träume von der Welt des "Wahren Spiels" beschert... Ja, lacht
nur und nennt mich sentimental oder auch verrückt, ganz nach
Belieben. Wer Sheri S. Teppers märchenhafte Schreibe mag, wird
sich gewiß ebenso gern und vollständig wie ich von der
magischen Atmosphäre dieser Geschichte einfangen lassen.
Fazit:
Hat Sheri S. Tepper die Fantasy neu erfunden? Nun, das vielleicht
nicht - aber eine überaus faszinierende, vielschichtige Story
mit interessanten Details hat sie allemal hinbekommen. Trotz der
ärgerlichen Fehler gebe ich
14 Punkte.