Seit
Wochen wartet die Flotte der Virtuellen Schiffe in der unmittelbaren
Nähe des Kessels darauf, daß irgend etwas passiert, und
auch die an Bord gekommenen Gestalter geben keinen Mucks von sich.
Die Piloten können lediglich ein wenig in der Gegend
herumfliegen und das Chaos in der Galaxis beobachten. Ein wenig
Abwechslung bringt ein nicht identifizierbares Flugobjekt, das in der
Nähe auftaucht, sich aber nicht weiter verfolgen
läßt. Gucky vermutet später, daß es sich
hierbei um eine der Kosmischen Fabriken handelt.
Als das Warten schließlich ein Ende hat, springen die Piloten
nicht gerade vor Freude in die Höhe. Es handelt sich um Wanderer
(mit all seinen Passagieren), den sie innerhalb von 10 Tagen in den
Kessel transportieren müssen. Die Einweisung kommt
persönlich und von ganz oben. ES selbst klärt Alaska
über die Bedingungen des Auftrages auf und versorgt ihn mit dem
notwendigen Wissen. Die Virtuellen Schiffe sollen ein Feld bilden, in
dem Wanderer in den Kessel transportiert wird. Die SI's werden mit
ihren Kräften dafür sorgen, daß das Feld stabil
bleibt. Außerhalb wird Alaska den Vorgang koordinieren. Dazu
bekommen die Piloten einige Helfer zur Seite gestellt, die aus den
verschiedenen Mächtigkeitsballungen stammen und nicht alle
"lebendig" sind. So bekommt Alaska neben Gucky und Blo Rakane auch
noch Illtu und Harno (waren in ES aufgegangen) als Hilfe zugewiesen,
während sich auf den anderen die komplette "Alt-Mutanten-Clique"
breitmacht. Gucky ist von den Socken, als er seine verschwundene Frau
wiedertrifft, und für ihn ist die Rettung von Thoregon auf
einmal nicht mehr so wichtig. Iltu erzählt ihm, daß die
Mausbiber in ES aufgegangen sind, von dort aus auch nicht mehr
zurückkehren werden, dies also vermutlich ihr letztes
Zusammentreffen ist. Allerdings kann sie nicht sagen, ob es nicht
doch noch irgendwo im Universum lebende Mausbiber gibt.
Doch nicht nur Alaska und Gucky müssen sich mit den Schatten der
Vergangenheit auseinandersetzen. Überall an Bord der SOL tauchen
auf einmal seltsame Gestalten auf. So diskutiert Tautmo Aagenfeld auf
einmal mit Arno Kulap und Geoffry Waringer über die
hyperphysikalischen Phänomene dieser Umgebung; Reginald Bull
trifft auf den alten Cowboy von Wanderer und den Neandertaler Lord
Zwiebus; der Bordrechner SENECA erhält seltsamen Besuch -
Tatcher a Hainu und Dalmian Rorvic - und Mondra wird von Rhodans
früherer Frau Mory Susan Abro aufgesucht.
Dann beginnt der große Flug in den Kessel. Während Alaska
und seine Helfer alle Hände voll zu tun haben und mit immer
größer werdenden Schwierigkeiten fertig werden
müssen, wird auch bald die Situation an Bord der SOL
unerträglich. Das Carit reagiert auf den Flug. Es sorgt
dafür, daß die Besatzungmitglieder glauben, daß sich
die Temperatur in immer größere Höhen schraubt. Bald
gibt es auch die ersten Toten. Der Evakuierungsbefehl wird gegeben,
und man verläßt das Raumschiff. Nun hat man aber ein
anderes Problem, denn nun ist man in einer richtigen Wüste
gelandet, und die nächste Oase ist weit entfernt. Es ergibt sich
jedoch ungeahnte Hilfe. ES hat ein paar Mutanten abgestellt, die die
Flüchtlinge mit Wasser versorgen und sie in kleinen Gruppen zur
Oase transportieren. Nur Bully wird zurückgeschickt. Er hat sich
auf Befehl von ES wieder in der SOL einzufinden; und auf dem Weg
dorthin macht er im Wüstensturm ein ganz eigenes Martyrium
durch. Dann ist er auf einmal wieder an Bord der SOL - und mit ihm
alle, die das Raumschiff zuvor verlassen haben. Sie befinden sich
offensichtlich im Inneren des Kessels. Hier finden sie einen Pilzdom
- mit einer Größe von 104 km.
Da wären wir nun also - mitten im Kessel. Jetzt ist auch klar,
warum Shabazza da unbedingt hineinwollte. Hier befindet sich
offensichtlich das Zentrum von Thoregon, das sich in der Form eines
gigantischen Pilzdomes manifestiert. (* Hat denn nicht vor
längerer Zeit irgendeiner von unseren (damals noch etwas
zahlreicheren?) Perry-Rezensenten einen Pilzdom im Kessel vermutet?
Oder verwechsle ich das doch noch mit etwas anderem?
Grübelgrübel... Heike) Nun stellt sich mir aber
folgende Frage: Wer in aller Welt hat das Ding hier gebaut? Wir haben
ja schon gesehen, daß selbst das Kollektiv von sechs
Superintelligenzen extreme Schwierigkeiten hatte, hierher zu
gelangen. Wenn es sich hier um die Station hinter dem Proto-Tor
handelt, dann fallen einem ja ganz schnell die Helioten ein, aber die
sahen mir eigentlich nicht wie jemand aus, der so ein Ding bauen
kann. Ganz unter dem Gesichtspunkt der körperlichen
Voraussetzungen. Ist es etwa das Werk eines anderen, bereits
existierenden Thoregon, und sind die Helioten eher die Boten einer
kollektiven Vereinigung dieser Gebilde? In dem Fall läge nahe,
Thoregon für eine Art Superintelligenzen-Gewerkschaft zu halten.
Dann könnte man aber auch annehmen, daß die noch nicht
entdeckten bzw. noch nicht benutzten Brückenübergänge
nicht nur in ferne und unerforschte Bezirke des Universums gehen,
sondern speziell in Bereiche, in denen sich die SI's von den
Kosmokraten abgesetzt haben. Auf diese Weise würde aber die
Wahrscheinlichkeit sinken, daß sich die hier versammelten
Thoregon-SI's zu einem einzigen neuen Wesen vereinigen. Vermutlich
würden sie eher einen real existierenden Rat bilden, der
über seinen Einflußbereich wacht (von welchem ich dann
auch ganz gerne mal wissen würde, wie groß er eigentlich
ist, denn ES gibt sich ja schließlich auch nicht mit nur einer
Galaxie zufrieden). Aber das geht alles zu sehr in den spekulativen
Bereich. Fest steht, daß wir die Lösung bald in unseren
Händen halten werden; und ich vermute, daß die nun
kommenden Ereignisse in und um Terra da noch die uninteressanteren
werden, da ja jeder wissen will, wie es denn nun endlich in diesem
elenden Kessel weitergeht. (* Kochendheiß? ;-) Oder
wenigstens mit 'ner Freßorgie...! :-))) Heike)
Allein die Reise hierher war ja schon ein wirklich abgefahrenes
Abenteuer. Besonders die "Alten" mußten eine Menge durchmachen,
wobei Gucky mir noch am meisten leidtut. Zwar weiß er nun
über das Schicksal seiner Mausbiber Bescheid, doch
glücklich dürfte ihn das kaum machen. Ich fand es
eigentlich auch schade, daß die Ilts nun für immer in ES
aufgegangen sind. Mir hätte es doch besser gefallen, wenn man
sich die Option auf einen Ilt-Planeten offengelassen hätte
(zugegeben, man hat sich ja noch diese eine kleine Hintertür
offengehalten, aber gerade diese Art hat mir nun gar nicht gefallen.
Besser hätte ich es gefunden, wenn man ihm einen Hinweis auf den
Verbleib seines Volkes gegeben oder die Sache einfach auf sich
beruhen lassen hätte). Ansonsten hat mich das kollektive
Auffahren der verschiedensten Gestalten aus der Vergangenheit
geradezu begeistert. Nun hat sich wenigstens einmal dieses ganze
Hickhack um ES ausgezahlt, denn auf diese Art konnte man all die
Gestalten ohne Probleme für ein paar Zeilen aus der
Vergangenheit holen - und wenn es auch scheinbar nur für einen
völlig sinnlosen, aber herrlichen Auftritt war, wie der von a
Hainu und Rorvic. (* War die Kaffeekanne, die eigentliche
'Hauptperson' damals, auch dabei? >:-))) Heike)
In meinen Augen hat Rainer Castor es hier geschickt verstanden, dem
Leser klarzumachen, in was für einer Umgebung sich die aktuelle
Handlung abspielt. Daß dabei nicht alles bierernst bleiben
muß und sich das dann auch noch wirklich gut liest, ist eine
hervorragende Sache. Dabei wählt Castor einmal mehr den
komplizierten Weg, denn es dauert eine ganze Weile, bis man die
verschiedenen Ebenen in einen Zusammenhang setzen kann. Dies gilt vor
allem für die Bully-Ebene, die sich zunächst in gar kein
Bild einordnen lassen will, sondern erst ganz am Ende klar wird. Auf
diese Weise geht der Autor ein großes Wagnis ein, denn schnell
kann so etwas in der Unübersichtlichkeit enden, doch hier wird
spätestens am Ende alles zu einer recht umfangreichen
Zufriedenheit aufgelöst.
Nicht ganz faßbar fand ich jedoch den Flug durch den Kessel,
der zwar auch auf seine Weise zeigte, durch was für ein Terrain
man sich bewegt, aber so richtig ansehnlich war er dann doch nicht.
Mit der Ebene um Alaska konnte ich mich allerdings generell nicht so
richtig anfreunden (auch wenn sich Castor offensichtlich recht
intensiv mit der Haut beschäftigt hat, besonders, was ihre
Position angeht).
Fazit:
Ein absolut faszinierender Roman, mit - in meinen Augen - wenigen und
deshalb vernachlässigbaren Schwächen. Es scheint mir,
daß hier ein kleines Experiment mit der Vergangenheit
stattgefunden hat, das wunderbar funktionierte. Allerdings warne ich
davor, das zu sehr und zu oft zu wiederholen.
In Bezug auf den großen Rahmen frage ich mich nun aber bereits,
was jetzt noch kommen kann. Ich hoffe, daß jetzt NICHT erst
einmal fünf Romane lang gestreckt werden muß.
14 Punkte
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Da ist man jetzt also mit diesem Band in der Mitte des
Kessels angelangt - und findet dort einen riesigen Pilzdom.
Ich muß sagen: Das hat was. Auch wenn sich nun
unwillkürlich die Frage stellt, wer denn nun dazu in
der Lage war, diesen mitten in den Kessel hinzubauen.
Immerhin war schon der Einflug in den Kessel selbst für
das Thoregon-Sechserpack nicht so einfach zu bewältigen
und wäre fast danebengegangen. |