Rainer Castor:

"Monde des Schreckens"

(Atlan Band 15)
D 1999
(396 Seiten, Hardcover, Moewig, ISBN 3-8118-1514-8, DM 24,80)
- erschienen: Oktober 1999 -

Zum Inhalt:
Die Gefahr durch die Tekteronii sorgt sogar dafür, daß selbst die Báalol sich loyal zu Arkons Imperator erklären, dessen Name bekanntlich zu dieser Zeit Atlan lautet.
Im Kolafton-System versucht man sich derweil an der Verhaftung des Tato Jahaq Garr, die jedoch mehr oder weniger mißlingt und zwei der teilnehmenden Feuerfrauen in die Gewalt der Tekteronii gelangen läßt - oder so ähnlich... Beide verschwinden jedenfalls durch deren Fluchttransmitter, der ihnen praktisch unter dem Hintern hinwegexplodiert; und eine von ihnen ist Tanja - Atlans Gefährtin...

Rainer Castor setzt uns mit diesem zweiten Band der "Arkon-Trilogie" recht schwer verdauliches Futter vor. Die sehr interessante Handlung schweift immer mehr in fantasyhafte Bereiche ab, was vor allem die Gijathrako und Zhy-Famii betrifft - aber auch die arkonidische Dagor-Schule hält immer wieder eine Überraschung für den Leser bereit, der aufgrund der Perry-Serie eigentlich davon ausging, daß bei den Arkoniden Parabegabungen nicht gerade als Allerweltsfähigkeiten angesehen sind.
Womit wir dann auch gleich ohne große Vorrede in die Vollen gehen und zu den beiden großen Problemen dieses Romans kommen, die insgesamt jedoch immer mehr auch für die gesamte Trilogie zu gelten scheinen: Fantasy und schwammige Beschreibungen. Beides existiert hier im Einklang miteinander und baut sich gegenseitig auf, so daß ein nur schwer verständlicher, teilweise in seiner Vermischung mit den üblichen Zutaten des Perry- oder auch Atlan-Universums sehr verwirrender Roman dabei herauskommt.
Castor bezieht sich hier zwar durchgehend auf Para-Kräfte, die aus irgendwelchen Quellen schöpfen (schon reichlich schwammig), liefert jedoch keinerlei Erklärungen, was das Ganze denn nun soll. Da haben wir einen Atlan, der aufgrund seiner psionischen Fähigkeiten, die er unter anderem durch die Große Feuermutter erhalten hat, eine Art Zweitkörper schaffen kann - nebenbei netterweise mehr oder weniger überall, ohne selber anwesend zu sein (großartige Grenzen sind hier nicht gesetzt). Aber natürlich kann der große Imperator mit Hilfe der (ebenfalls sehr schwammigen, nicht wirklich erklärten) Großen Feuermutter auch mal eben zum "Millionenäugigen" mutieren, der sich beliebige Punkte seines Reiches herauspickt und hier nachschauen kann. Dummerweise funktioniert dies eben nicht in den Sonnensystemen, in denen die "Schreckensmonde" aktiviert sind.
Und gerade diese als willkürlich und vollkommen undefiniert wirkenden PSI-Kräfte (die man eigentlich gar nicht mehr als solche bezeichnen kann), machen aus diesem Roman dann auch eher einen Fantasy- denn einen SF-Roman, dessen Handlungssprüngen wohl nur noch der Autor selber zu folgen vermag. Wer Band PR 1993, "Vorstoß in den Kessel", gelesen hat, weiß, wie verwirrend Rainer Castor schreiben kann. Und doch, dieses Heft ist nichts gegen das vorliegende Hardcover. Hier werden ganze Handlungsstränge praktisch beendet, ohne daß der Leser erst einmal überhaupt etwas davon mitbekommt. Rätselhafte PSI-Kräfte schlagen zu, ohne daß man wirklich merkt, daß sie die Bedrohung zurückschlagen - erst Seiten später, wenn man sich auf dem Weg zum nächsten Gefahrenpunkt befindet, erfährt der Leser wirklich, daß sich das eben noch gelesene bereits erledigt hat.
Allerdings mag dies auch daher rühren, daß viele Beschreibungen Rainer Castors einfach zu ausführlich geraten sind. Noch wesentlich stärker als im ersten Band der Trilogie hat man nicht das Gefühl, daß hier eine Handlung, die vielleicht für drei oder vier Taschenbücher gereicht hätte, zwischen die Buchdeckel gepreßt wurde, sondern findet hier eine Handlungsmenge, die vielleicht gerade mal für eines gereicht hätte - und die mit Hilfe von Füllmechanismen der unterschiedlichsten Arten aufgebläht wurde. Dies verführt dann selbst den aufmerksamsten Leser dazu, ganze Abschnitte nur querzulesen, und ich muß zugeben, ich bin zeitweilig dieser Versuchung erlegen, da Rainer Castors Stil in diesem Roman auch nicht gerade zum aufmerksamen Lesen anregt. Zu ausschweifend werden die Worte auf diesen Seiten, zu unwichtig wirken die teils dann doch wichtigen Aspekte der Handlung, als daß man sich wirklich darauf konzentrieren möchte. Und hierbei ist "möchte" absichtlich als Wort gewählt, da die verschwommenen Fantasy-Elemente der Handlung mitsamt ihrer immer wieder dazwischengeschobenen sachbuchartigen Einschübe das Lesen dieses Romans nicht gerade zu einer Freude machen, eher schon zu harter Arbeit.
Dabei ist dieser Roman eigentlich gar nicht so schlecht, wie die ganzen vorhergehenden Zeilen glauben machen mögen. Rainer Castor ist auch hier in der Lage, eine durchaus faszinierende Geschichte aufzubauen - doch die erwähnten Probleme, die seine Erzählweise dem Leser in diesem Buch bereitet, erschweren den Lesegenuß manchmal doch recht heftig. Will man versuchen, all das zu verstehen und wirklich zu verarbeiten, was Rainer Castor hier "verzapft" hat, sollte man durchaus die rund fünffache Zeit einplanen, die man sonst für einen Roman dieses Umfangs braucht - denn ein fünffaches Lesen so ziemlich jeder Passage ist sicherlich notwendig, und die damit einhergehenden Zwänge zur Lesepause beinhalten eigentlich auch schon, daß man danach den kompletten bereits gelesenen Roman erneut überfliegt und die letzten Seiten gar nochmals komplett liest, bis man sich an neue Teile des Textes wagt. Insgesamt kann man sich also hier sicherlich nicht über das Preis-/Leistungsverhältnis beschweren, denn die gebotene Lesezeit steht eigentlich in einem absolut ungeschlagenen Verhältnis zum Preis des Romans. Ob man allerdings bereit ist, die angesprochenen Mühen auf sich zu nehmen, steht dann auf einem anderen Blatt.

Fazit:
Ein wenig mehr Klarheit hätte diesem Roman sicherlich nicht geschadet. Die "Arkon-Trilogie" entwickelt sich immer mehr in Richtung unverständlicher Para-Gaben des alten Arkoniden, die insgesamt aufgrund der unzureichenden und unfaßbaren Erklärungen in Richtung Magie mutieren - und damit den SF-Bereich in Richtung Fantasy verlassen.
Trotz allem hat dieser Roman durchaus seine Faszination und Vorzüge, die sich vor allem demjenigen erschließen werden, der ihn nicht nur einfach durchzulesen, sondern förmlich durchzuarbeiten bereit ist.
7 Punkte.

Winfried Brand


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