Wolfgang Hohlbein:

"Die Schatten des Bösen"

(527 Seiten, Hardcover im Taschenbuchformat, Bastei Lübbe 28319, ISBN 3-404-28319-8, DM 26,90)
- erstmals erschienen: 1992 -
- erschienen: November 1999 -

Vivian und ihr Mann sind auf Geschäftsreise in New York. Als Vivian von der Frau eines Geschäftspartners ihres Mannes zu einer Seance eingeladen wird, macht sie eine grausame Entdeckung. In New York gehen seltsame Geschehnisse vor. Ein alter Mann tauscht Stück für Stück wichtige Persönlichkeiten gegen Spiegelbilder derselben aus, die ihm sklavisch ergeben sind. Sein Konkurrent züchtet derweil im Untergrund eine Armee von grausigen Kreaturen. Beide wollen nur eines: Macht und den Tod des anderen, auch wenn sie sich für den Moment verbündet haben. Aber beide wollen auch Vivian, die von einem alten Geheimnis an beide Männer gebunden ist. Da jedoch beide ein anderes, aber jeweils unfreundliches Schicksal für sie vorgesehen haben, befindet sie sich auf einer Flucht, ohne wirklich zu wissen, wovor sie flieht. Und ihm Hintergrund liefern sich die beiden Feinde einen Krieg, der auf vielen Ebenen ausgefochten wird...

"Schon in diesem frühen Werk...." Nun, 1992 nenne ich nicht unbedingt ein Frühwerk für einen Autor, der mir schon aus meinen frühen Kindertagen bekannt ist - auch wenn ich noch nicht zu den Oldies gehöre. Aber dennoch gibt mir dieser Kommentar zu denken. Was will uns der Autor damit sagen? Ganz einfach, hier soll versucht werden, aus dem momentanen Boom an Romanen mit dunklen und finsteren Elementen ein wenig Profit herauszuschlagen. Und das mit einem Roman, der ganz bestimmt nicht zum Besten gehört, was Bastei zu bieten hat. Aber sehen wir uns die Sache mit einem weiteren Seitenblick auf den Klappentext einmal an. Dort bekommen wir weiterhin zu lesen: "Fantasy goes Horror". Nun, ein wenig Horror haben wir tatsächlich relativ bald; dann bekommt aber eher der Leser beim Lesen einen Horroranfall, und alle weiteren Elemente müssen fast bis zum Ende warten, an dem der Autor noch mit ein paar Ekelelementen aufwarten will, die aber allenfalls lächerlich wirken. Der eigentliche Horror liegt, wie gesagt, eher beim Leser, der gar nicht glauben kann, was der Autor uns hier auftischt. Dabei merkt man durchaus, daß der Autor weiß, wie man einen Roman aufbaut. Hier gibt es Charaktere in einem Maß, in dem sie ihren Zweck erfüllen, aber trotzdem nicht die Übersicht nehmen. Das geht recht gut; man weiß eigentlich immer, wer was, wie und wo etwas zu tun, zu sagen oder zu machen hat. Aber damit wäre auch schon alles Positive über den Roman gesagt.
Die Geschichte ist so konstruiert, daß sie gekonnt an jeder Spannung vorbeigeht. Ein New Yorker Großstadtgefühl kommt zu keiner Zeit auf. So plätschert denn die Handlung zwischen einer Intrigengeschichte und einer Monstergeschichte dahin, und ein wenig Zauberei haben wir dann auch noch dabei. Die in diesem Kreis enthaltenen Fantasy-Elemente fallen dann auch kaum noch auf.
Für mich ist beim Lesen eines Romans sehr wichtig, daß er mich mitreißt und fasziniert, aber genau das ist hier nicht passiert.

Fazit:
Die Wiederauflage eines Klassikers, der keiner ist. Nichts für Horror-Fans, nichts für Fantasy-Fans - und Hohlbein-Fans werden das Ding eh schon besitzen.
5 Punkte

Alexander Haas


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