Damastes
á Cimabue ist, so könnte man sagen, vom Landadel. Wie es
für seinen Stand gehört, tritt er der Armee bei; und nach
seiner Ausbildung tritt er seinen Dienst bei den Lanciers an, einem
Kavallerie-Regiment an der Grenze. Leider ist ihm eine große
Karriere hier nicht vergönnt, und so wird er auf ein
Himmelfahrtskommando geschickt. Er soll den Seher Laish Tenedos zu
den kriegerischen Kaitern begleiten und hier für dessen
Sicherheit sorgen. Der Seher macht ihm bald klar, daß ihre
Vorgesetzen es am liebsten sähen, wenn sie ihren Auftrag nicht
überleben würden, denn besonders Tenedos hat sich mit
seiner Regimekritik in der Hauptstadt viele Feinde gemacht. Er will
den korrupten Zehnerrat gegen einen starken alleinigen Herrscher
austauschen.
Entgegen der Hoffnungen ihrer Feinde überstehen Tenedos und
Damastes alle Gefahren, Attentate und die Begegnung mit der
mysteriösen Tovieti-Sekte, die den Dämon Thak verehrt. Als
Helden kehren sie in die Heimat zurück, doch auch der Feind
folgt ihnen; und so ist ihr beider Aufstieg mit vielen blutigen
Ereignissen verbunden.
Es mag zwar seltsam erscheinen, aber im Falle dieses Buches soll mir
ein Ausblick auf dessen Rückseite erlaubt sein. Hier steht
folgender Satz, von Publishers Weekly geschrieben: "Dramatisch -
rasant - genial. Chris Bunch weiß, wie man Helden schmiedet!"
Warum ich auf diese Zeile zugreife? Weil sie das Buch kaum treffender
beschreiben könnte. Man merkt schnell, daß sich Bunch eine
Menge vorgenommen hat. Im Mittelpunkt seiner Erzählung steht der
Krieger Damastes. Er erzählt als alter Mann aus dem
Gefängnis die Geschichte seines Lebens; dabei wird im ersten
Kapitel direkt eine Menge über das Ende des Buches geschrieben,
so daß man sich fast fragen muß, ob hier nicht zuviel
verraten wird. Die Antwort wird einem jedoch schnell klar, und sie
lautet eindeutig: Nein. Die paar Sachen behindern den Autor ganz und
gar nicht. Viel zu viel Material hat er mit seinen beiden Akteuren,
denn schnell wird Laish Tenedos eine der wichtigsten Personen im
Leben. Dabei erhält man über den Erzählstil einen
unglaublich tiefen Blick in die Welt des Damastes á Cimabue.
Bunch bedient sich nämlich der heutzutage recht selten
vorkommenden Ich-Perspektive und läßt seinen
Hauptprotagonisten oft und intensiv über die Welt, Geschehnisse
und sich selbst nachdenken. Aber wir haben es hier auch nicht mit
einem pseudophilosophischen Text zu tun, sondern vielmehr mit einem
spannenden und actionreichen Fantasyroman, mit großen Helden
und blutigen Schlachten. Ohne die Übersichtlichkeit zu
verlieren, schildert Bunch Krieg und Frieden, Liebe und Intrige,
Aufstieg und Fall. Die Handlung verläuft auch nicht gradlinig,
sondern wird von Geschichten aus der Vergangenheit und
Rückblenden von Damastes unterbrochen. Auf diese Weise nimmt
Bunch sich die Zeit, seine Welt langsam aber sicher vorzustellen und
die Leser auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten, denn mit den
über 600 Seiten sind Damastes und Tenedos noch lange nicht am
Ende. "Der dunkle Thron" ist nicht immer so ganz einfach zu lesen.
Das liegt dann an der Struktur, die, wie schon erwähnt, nicht
ganz so ist, wie man sie meistens vorgesetzt bekommt. So ist der
Roman ja schon an sich als Rückblende aufgebaut, doch durch die
verschiedenen Blenden während der Geschichte muß man hin
und wieder ein wenig aufpassen, wo man sich denn nun befindet. Das
macht den Roman aber auf keinen Fall weniger empfehlenswert, sondern
im Gegenteil eher wird er dadurch noch viel reizvoller.
Ein wenig unpassend ist jedoch der Titel, der dem Leser ein falsches
Bild des Romans vorgaukelt. Es handelt sich nämlich keineswegs
um einen Vertreter der Dark Fantasy, wie man sie zur Zeit recht
häufig findet (obwohl wir hin und wieder mit ein paar
Dämonen zu tun haben), sondern es ist eher Sword and Sorcery im
klassischen und besten Sinne.
Fazit:
Ein gelungener Auftakt mit sympathischen, wenn auch nicht perfekten
Helden. Vielleicht ein bißchen viel Sex, aber ansonsten
spannend und mitreißend. Ich erwarte die weiteren Bände
mit großer Vorfreude.
12 Punkte