Chris Bunch:

"Der dunkle Thron"

(Der Magier von Numantia 1)
OT: The Seer King
Ü: Bernhard Schmid
USA 1997
(633 Seiten, Taschenbuch, Blanvalet 24899, SIBN 3-442-24899-X, DM 19,90)
- erschienen: November 1999 -

Damastes á Cimabue ist, so könnte man sagen, vom Landadel. Wie es für seinen Stand gehört, tritt er der Armee bei; und nach seiner Ausbildung tritt er seinen Dienst bei den Lanciers an, einem Kavallerie-Regiment an der Grenze. Leider ist ihm eine große Karriere hier nicht vergönnt, und so wird er auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Er soll den Seher Laish Tenedos zu den kriegerischen Kaitern begleiten und hier für dessen Sicherheit sorgen. Der Seher macht ihm bald klar, daß ihre Vorgesetzen es am liebsten sähen, wenn sie ihren Auftrag nicht überleben würden, denn besonders Tenedos hat sich mit seiner Regimekritik in der Hauptstadt viele Feinde gemacht. Er will den korrupten Zehnerrat gegen einen starken alleinigen Herrscher austauschen.
Entgegen der Hoffnungen ihrer Feinde überstehen Tenedos und Damastes alle Gefahren, Attentate und die Begegnung mit der mysteriösen Tovieti-Sekte, die den Dämon Thak verehrt. Als Helden kehren sie in die Heimat zurück, doch auch der Feind folgt ihnen; und so ist ihr beider Aufstieg mit vielen blutigen Ereignissen verbunden.

Es mag zwar seltsam erscheinen, aber im Falle dieses Buches soll mir ein Ausblick auf dessen Rückseite erlaubt sein. Hier steht folgender Satz, von Publishers Weekly geschrieben: "Dramatisch - rasant - genial. Chris Bunch weiß, wie man Helden schmiedet!" Warum ich auf diese Zeile zugreife? Weil sie das Buch kaum treffender beschreiben könnte. Man merkt schnell, daß sich Bunch eine Menge vorgenommen hat. Im Mittelpunkt seiner Erzählung steht der Krieger Damastes. Er erzählt als alter Mann aus dem Gefängnis die Geschichte seines Lebens; dabei wird im ersten Kapitel direkt eine Menge über das Ende des Buches geschrieben, so daß man sich fast fragen muß, ob hier nicht zuviel verraten wird. Die Antwort wird einem jedoch schnell klar, und sie lautet eindeutig: Nein. Die paar Sachen behindern den Autor ganz und gar nicht. Viel zu viel Material hat er mit seinen beiden Akteuren, denn schnell wird Laish Tenedos eine der wichtigsten Personen im Leben. Dabei erhält man über den Erzählstil einen unglaublich tiefen Blick in die Welt des Damastes á Cimabue. Bunch bedient sich nämlich der heutzutage recht selten vorkommenden Ich-Perspektive und läßt seinen Hauptprotagonisten oft und intensiv über die Welt, Geschehnisse und sich selbst nachdenken. Aber wir haben es hier auch nicht mit einem pseudophilosophischen Text zu tun, sondern vielmehr mit einem spannenden und actionreichen Fantasyroman, mit großen Helden und blutigen Schlachten. Ohne die Übersichtlichkeit zu verlieren, schildert Bunch Krieg und Frieden, Liebe und Intrige, Aufstieg und Fall. Die Handlung verläuft auch nicht gradlinig, sondern wird von Geschichten aus der Vergangenheit und Rückblenden von Damastes unterbrochen. Auf diese Weise nimmt Bunch sich die Zeit, seine Welt langsam aber sicher vorzustellen und die Leser auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten, denn mit den über 600 Seiten sind Damastes und Tenedos noch lange nicht am Ende. "Der dunkle Thron" ist nicht immer so ganz einfach zu lesen. Das liegt dann an der Struktur, die, wie schon erwähnt, nicht ganz so ist, wie man sie meistens vorgesetzt bekommt. So ist der Roman ja schon an sich als Rückblende aufgebaut, doch durch die verschiedenen Blenden während der Geschichte muß man hin und wieder ein wenig aufpassen, wo man sich denn nun befindet. Das macht den Roman aber auf keinen Fall weniger empfehlenswert, sondern im Gegenteil eher wird er dadurch noch viel reizvoller.

Ein wenig unpassend ist jedoch der Titel, der dem Leser ein falsches Bild des Romans vorgaukelt. Es handelt sich nämlich keineswegs um einen Vertreter der Dark Fantasy, wie man sie zur Zeit recht häufig findet (obwohl wir hin und wieder mit ein paar Dämonen zu tun haben), sondern es ist eher Sword and Sorcery im klassischen und besten Sinne.

Fazit:
Ein gelungener Auftakt mit sympathischen, wenn auch nicht perfekten Helden. Vielleicht ein bißchen viel Sex, aber ansonsten spannend und mitreißend. Ich erwarte die weiteren Bände mit großer Vorfreude.
12 Punkte

Alexander Haas


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