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Inhalt:
New York 1999: In der Stadt leben über 34 Millionen Bewohner -
weit mehr, als diese auszuhalten in der Lage ist. Einer dieser
Bewohner ist der Kriminalbeamte Andy Rusch, der in den unteren
Dreckschichten der Stadt wühlen muß. An allem herrscht
Mangel, und wer eine Wohnung oder sogar einen Job hat, ist mehr als
nur zu beneiden. Während sich die Reichen mit Leibwächtern
und gesicherten Wohnungen durchschlagen, erlebt der Rest der
Bevölkerung ein Desaster.
In dieser Welt gelingt es dem Asiaten Billy Chung, ein Paket mit
Sojabohnensteaks zu klauen, die er gegen Bargeld verkaufen kann, um
sich das Pfandgeld der Telegrammgesellschaft leisten zu können.
Da es nur noch wenig Papier gibt, werden Telegramme auf versiegelte
Tafeln geschrieben, für die der Bote ein Pfand hinterlegen
muß. Bei seinem ersten Auftag entdeckt er
Sicherheitslücken in der Wohnung eines Reichen und
beschließt, diesem einen Besuch abzustatten, der ihm weiteres
Bargeld bringen soll. Doch es läuft nicht so, wie Billy es
geplant hat, und er wird überrascht, was zu einem Mord
führt. Dummerweise jedoch war der Ermordete ein mittelhohes Tier
in der Gangsterhierarchie der Stadt, weshalb mit erhöhtem
Nachdruck nach dem Täter gefahndet wird. Mit den Ermittlungen
beauftragt man Andy Rusch, der neben seinem normalen Dienst nun auch
noch diesen Fall aufklären muß, da Vorgesetzte ein
gesteigertes Interesse daran haben. Doch er verliebt sich in die
ehemalige Freundin des Ermordeten...
Harry Harrisons Distopie über die Bevölkerungsexplosion
wurde bereits 1966 veröffentlicht - und der Autor beweist
hiermit einen ziemlichen Weitblick, denn die geschilderten
Verhältnisse in diesem Roman wurden inzwischen in der Dritten
Welt bereits durchaus überholt.
Seine Vision der drangvollen Enge, der versiegenden Nachschübe,
der diesen Entwicklungen hilflos gegenüberstehenden Menschen
erweist sich als interessanter Spiegel zu Gegenwart - und ist von
Heyne, nebenbei gesagt, durchaus geschickt veröffentlicht, da
sich der Handlungszeitraum des Romans über die Jetztzeit
hinzieht.
Ganz im Gegensatz zu seinen späteren Romanen bleibt Harrison in
diesem Frühwerk sehr ernst, läßt den Leser betroffen
der Handlung folgen, die in keiner Weise auch nur zu etwas
ähnlichem wie einem befriedigenden Ende führt, sondern
statt dessen eher wie eine Kurzgeschichte einen "kurzen" Abschnitt
der Geschichte herausreißt und ins Rampenlicht stellt.
Richard Fleischer hat dann auch diesen Roman als Vorlage für
seinen Film "Soylent Green" (dt.: "Jahr 2022 - die überleben
wollen...") genommen, ihn jedoch so ziemlich von jeglicher
Zivilisationskritik gesäubert und mit dem tragenden Element der
Verarbeitung der Toten zu Nahrungsmitteln noch weit über diesen
Roman hinausentwickelt. Von Harrisons kritischer Vorlage ist in dem
(durchaus ziemlich guten Film) nicht mehr besonders viel zu
spüren.
Dabei bietet dieses Buch eigentlich alles, was einen wirklich guten
Roman ausmachen kann, der in die Richtung einer Distopie zielt. "New
York 1999" ist zwar sicherlich nicht so bekannt wie z.B. "1984" oder
"Schöne neue Welt", trägt jedoch auch durchaus Ansätze
dieser Richtung in sich. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich
eine Entwicklung von Harrisons Roman in die Gesellschaft der totalen
Kontrolle vorzustellen.
Daß in Harrisons Roman natürlich auch diverse
Jahr-2000-Jünger daherkommen, die ihrer Vision des Endes des
tausendjährigen Reiches nachhängen, sollte eigentlich nicht
verwundern (daß wir nebenbei sowieso keine Ahnung haben, wann
jemals ein "Jahrtausendwechsel" stattfindet, sei dabei dahingestellt;
diesen jedoch auf einen Zeitpunkt zu legen, dessen Zeitschreibung auf
einem willkürlich gewählten Datum basiert... Nun ja,
vielleicht ist die Menschheit doch nicht so weit von der letzten
"Jahrtausendwende" entfernt, wie sie manchmal annimmt (* Wie? Du
meinst also wirklich, die Menschheit HÄTTE sich bereits davon
entfernt? Nee, kann nicht sein. Solange es noch Kriege gibt, sind
für mich alle Menschen Neandertaler. Heike) - auch dies
kommt in Harrisons Roman durchaus zwischen den Zeilen zur
Sprache...)
Fazit:
Harrisons "New York 1999" bietet dem Leser eine hervorragend
geschilderte Distopie, die ihn erschauern läßt. Wer jedoch
auf des Autors spätere Romane steht, sollte sich bewußt
sein, daß die augenzwinkernde Ironie dieser Werke hier in
keinem Maße zu spüren ist. Vielmehr herrscht hier eine
bedrückende, ja gar ängstigende Atmosphäre vor, die
nur selten durchbrochen wird. Harrisons Vision einer
überfüllten Stadt ist schließlich an manchen Stellen
dieser Welt der Wirklichkeit schon wesentlich näher, als man
wahrhaben möchte.
13 Punkte.