Daniel F. Galouye:

"The 13th Floor"

OT: Simulacron-3
Ü: Anna Lynn
USA 1964
Mit einem Nachwort zur Entstehung des Films von Stephen Molstad (Ü: Viola Platte)
(240 Seiten, Paperback, Kiepenheuer & Witsch Kiwi 540, ISBN 3-462-02826-X, DM 18,90)
- erschienen: Dezember 1999 -

Zum Inhalt:
Nach dem Tod von Hannon Fuller wird Douglas Hall zum Technischen Leiter der Test-AG, die sich mit der Entwicklung einer Simulationselektronik beschäftigt, die Wahrscheinlichkeitsvoraussagen hinsichtlich des Massengeschmacks durchführen soll. Dies ist recht sinnvoll, da per Verfassungszusatz die Meinungsforscher Zutritt zu fast jedem Bereich der Privatsphäre haben und auf Antworten auf ihre Fragen bestehen können. Doch bei der Feier seiner Beförderung taucht plötzlich Morton Lynch, der Sicherheitsverantwortliche der Test-AG, auf, deutet Hall gegenüber an, daß der Tod Fullers kein Unfall gewesen sei und verschwindet von einem auf den anderen Moment vor Halls Augen. Es mehren sich die Anzeichen, daß die Entwicklung der Simulektronik gestört und der Simulator "Simulacron-3" sabotiert werden soll. Doch schon einen Tag später will niemand mehr Lynch kennen, der ehemalige Sicherheitsleiter scheint nie existiert zu haben. Dafür macht Hall die Bekanntschaft einer Frau, die behauptet, Fullers Tochter Jane zu sein. Des weiteren verschwindet eine anscheinend wichtige Aufzeichnung aus Fullers ehemaligem Büro, die für Hall bestimmt war. Dieser konnte einen kurzen Blick auf sie werfen, doch als er sich ihr wieder zuwendet, ist es so, als hätte es sie nie gegeben. Anhand seiner vagen Hinweise versucht Hall, das Rätsel seines ermordeten Kollegen sowie des Verschwundenen zu lösen...

Zuallererst ist hier positiv zu bemerken, daß wir es bei diesem Buch nicht mit einem "Roman zum Film" zu tun haben, sondern mit dem Originalroman, nach dessen Motiven der Film entstanden ist - erweitert um einen Bericht zur Entstehung des Films. Zudem ist der Emmerich/Rusnak-Film nicht die erste Verfilmung des klassischen Romans von Galouye. Bereits 1973 wurde im Deutschen Fernsehen ein Zweiteiler mit dem Titel "Welt am Draht" ausgestrahlt, wobei damals Rainer Werner Fassbinder Regie führte (der eine oder andere Leser des Flash dürfte diese Verfilmung wohl noch kennen). Da dieser Roman jedoch ein gedankliches Konzept bietet, das selbst mit einem Zweiteiler kaum aufgefangen werden kann, lasse ich Spekulationen bezüglich des aktuellen Films lieber direkt ganz bleiben und wende mich dem Roman selber zu (immerhin geht's in dieser Rezension nun auch überhaupt nicht um irgendwelche Verfilmungen)...
Galouyes "Simulacron-3" bietet einen fesselnden und unterhaltsamen Roman um die Frage nach dem Sein und der Wirklichkeit der Welt insgesamt. Nicht daß dieses Konzept auch in der dargestellten Form heutzutage noch besonders originell wäre; jedoch sollte man auch den Zusammenhang sehen, in dem der Roman entstanden ist und sicherlich den einen oder anderen Autoren inspiriert hat, der sich dem Thema auf ähnliche Weise genähert hat.
Wir erschaffen praktisch eine neue Welt innerhalb eines Computers, füllen diese mit Personen, die sich selber als existent betrachten, die sehen, fühlen, riechen, schmecken - auch wenn sie vordergründig nichts anderes als Daten sind, so ist diese Welt doch für die Bewohner selber realer als alles andere. Doch wenn wir in der Lage sind, eine solche Welt zu erschaffen, wer gibt uns die Sicherheit, daß nicht wir selber in einer ähnlichen Welt leben?
Galouye nähert sich diesem Thema mit Hilfe der Kontaktpersonen, die sich ihres Zustands als Datenansammlung bewußt sind und die als Melder dienen, wenn in dem System unerwünschte Tendenzen auftreten, die dem angestrebten Effekt entgegenlaufen - Tendenzen, die man sonst nur per Zufall erkennen könnte.
Douglas Hall nun, der als Protagonist dient, nimmt einerseits Kontakt mit dieser Kontaktperson innerhalb seiner eigenen Entwicklung auf, kommt dabei jedoch recht schnell auf den Gedanken, daß nicht nur der Tod seines Kollegen Fuller, sondern auch das Verschwinden Lynchs eigentlich nur einen Grund haben: Daß diese dem Geheimnis auf die Spur gekommen sind, daß ihre eigene Welt ebenfalls nur eine Simulation ist. Doch wer ist die Kontaktperson?
In dieser Konstellation bietet Galouyes Roman sicherlich mehr als nur das reine Lesevergnügen. Der Autor lädt den Leser zum Nachdenken ein - über sich und die Welt, über die Frage, was denn nun wirklich Realität ist. Ob der aktuelle Film hier mithalten kann, wird der deutsche Kinogänger wohl irgendwann Ende November/Anfang Dezember 1999 (ich habe den Starttermin jetzt nun wirklich nicht im Kopf) beurteilen können.

Fazit:
Wenn auch schon etwas älteren Datums, kann Galouyes Roman durchaus überzeugen und vermag so manchen "Nachfolgeroman" des Grundthemas durchaus zu übertreffen. Aber nicht nur für denjenigen, der sich mit der recht philosophischen Frage nach dem Wesen der Realität überhaupt beschäftigen möchte, bietet dieser Roman durchaus gute Unterhaltung.
13 Punkte.

Winfried Brand


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