Zum
Inhalt:
Nach dem Tod von Hannon Fuller wird Douglas Hall zum Technischen
Leiter der Test-AG, die sich mit der Entwicklung einer
Simulationselektronik beschäftigt, die
Wahrscheinlichkeitsvoraussagen hinsichtlich des Massengeschmacks
durchführen soll. Dies ist recht sinnvoll, da per
Verfassungszusatz die Meinungsforscher Zutritt zu fast jedem Bereich
der Privatsphäre haben und auf Antworten auf ihre Fragen
bestehen können. Doch bei der Feier seiner Beförderung
taucht plötzlich Morton Lynch, der Sicherheitsverantwortliche
der Test-AG, auf, deutet Hall gegenüber an, daß der Tod
Fullers kein Unfall gewesen sei und verschwindet von einem auf den
anderen Moment vor Halls Augen. Es mehren sich die Anzeichen,
daß die Entwicklung der Simulektronik gestört und der
Simulator "Simulacron-3" sabotiert werden soll. Doch schon einen Tag
später will niemand mehr Lynch kennen, der ehemalige
Sicherheitsleiter scheint nie existiert zu haben. Dafür macht
Hall die Bekanntschaft einer Frau, die behauptet, Fullers Tochter
Jane zu sein. Des weiteren verschwindet eine anscheinend wichtige
Aufzeichnung aus Fullers ehemaligem Büro, die für Hall
bestimmt war. Dieser konnte einen kurzen Blick auf sie werfen, doch
als er sich ihr wieder zuwendet, ist es so, als hätte es sie nie
gegeben. Anhand seiner vagen Hinweise versucht Hall, das Rätsel
seines ermordeten Kollegen sowie des Verschwundenen zu
lösen...
Zuallererst ist hier positiv zu bemerken, daß wir es bei diesem
Buch nicht mit einem "Roman zum Film" zu tun haben, sondern mit dem
Originalroman, nach dessen Motiven der Film entstanden ist -
erweitert um einen Bericht zur Entstehung des Films. Zudem ist der
Emmerich/Rusnak-Film nicht die erste Verfilmung des klassischen
Romans von Galouye. Bereits 1973 wurde im Deutschen Fernsehen ein
Zweiteiler mit dem Titel "Welt am Draht" ausgestrahlt, wobei damals
Rainer Werner Fassbinder Regie führte (der eine oder andere
Leser des Flash dürfte diese Verfilmung wohl noch kennen). Da
dieser Roman jedoch ein gedankliches Konzept bietet, das selbst mit
einem Zweiteiler kaum aufgefangen werden kann, lasse ich
Spekulationen bezüglich des aktuellen Films lieber direkt ganz
bleiben und wende mich dem Roman selber zu (immerhin geht's in dieser
Rezension nun auch überhaupt nicht um irgendwelche
Verfilmungen)...
Galouyes "Simulacron-3" bietet einen fesselnden und unterhaltsamen
Roman um die Frage nach dem Sein und der Wirklichkeit der Welt
insgesamt. Nicht daß dieses Konzept auch in der dargestellten
Form heutzutage noch besonders originell wäre; jedoch sollte man
auch den Zusammenhang sehen, in dem der Roman entstanden ist und
sicherlich den einen oder anderen Autoren inspiriert hat, der sich
dem Thema auf ähnliche Weise genähert hat.
Wir erschaffen praktisch eine neue Welt innerhalb eines Computers,
füllen diese mit Personen, die sich selber als existent
betrachten, die sehen, fühlen, riechen, schmecken - auch wenn
sie vordergründig nichts anderes als Daten sind, so ist diese
Welt doch für die Bewohner selber realer als alles andere. Doch
wenn wir in der Lage sind, eine solche Welt zu erschaffen, wer gibt
uns die Sicherheit, daß nicht wir selber in einer
ähnlichen Welt leben?
Galouye nähert sich diesem Thema mit Hilfe der Kontaktpersonen,
die sich ihres Zustands als Datenansammlung bewußt sind und die
als Melder dienen, wenn in dem System unerwünschte Tendenzen
auftreten, die dem angestrebten Effekt entgegenlaufen - Tendenzen,
die man sonst nur per Zufall erkennen könnte.
Douglas Hall nun, der als Protagonist dient, nimmt einerseits Kontakt
mit dieser Kontaktperson innerhalb seiner eigenen Entwicklung auf,
kommt dabei jedoch recht schnell auf den Gedanken, daß nicht
nur der Tod seines Kollegen Fuller, sondern auch das Verschwinden
Lynchs eigentlich nur einen Grund haben: Daß diese dem
Geheimnis auf die Spur gekommen sind, daß ihre eigene Welt
ebenfalls nur eine Simulation ist. Doch wer ist die
Kontaktperson?
In dieser Konstellation bietet Galouyes Roman sicherlich mehr als nur
das reine Lesevergnügen. Der Autor lädt den Leser zum
Nachdenken ein - über sich und die Welt, über die Frage,
was denn nun wirklich Realität ist. Ob der aktuelle Film hier
mithalten kann, wird der deutsche Kinogänger wohl irgendwann
Ende November/Anfang Dezember 1999 (ich habe den Starttermin jetzt
nun wirklich nicht im Kopf) beurteilen können.
Fazit:
Wenn auch schon etwas älteren Datums, kann Galouyes Roman
durchaus überzeugen und vermag so manchen "Nachfolgeroman" des
Grundthemas durchaus zu übertreffen. Aber nicht nur für
denjenigen, der sich mit der recht philosophischen Frage nach dem
Wesen der Realität überhaupt beschäftigen möchte,
bietet dieser Roman durchaus gute Unterhaltung.
13 Punkte.