Band 1995: "Der Tod auf Terra"

Autor: Hubert Haensel

Die PAPERMOON steht am Rand des Sol-Systems und sammelt die Reste der großen Abwehrschlacht gegen die kosmische Fabrik WAVE ein. Die Nerven aller sind extrem angespannt, denn im Moment ist unklar, wie die Situation auf der Erde ist.
Innerhalb des Sperrgürtels, den WAVE um das System gelegt hat, ist die Situation noch katastrophaler. Als die PAPERMOON durchdringt, trifft sie auf viele, die einfach nur wegwollen oder froh sind, wenn sie unbehelligt auf irgendeinem Planeten des Systems landen können. Mit Widerstand haben sie zur Zeit nichts am Hut.
Zu allem Überfluß gibt es auch noch eine Menge schlechter Nachrichten von der Erde. Hier treten auf einmal unheimliche Todesfälle auf. Hunderte sterben einfach so und ohne erkennbare Ursache. Daraufhin beschließt Perry Rhodan, zur Erde zurückzukehren, um herauszufinden, was "seine" Terraner umbringt.

Unterdessen wandelt in aller Seelenruhe der Kommandant von WAVE - Ramihyn - über die Erde. Er trägt den Anzug der Vernichtung, der allen Lebewesen, die in seinen Einflußbereich kommen, die Lebensenergie entzieht. Ramihyn ist der Tod, der auf Terra wandelt. In aller Ruhe sieht er sich auf der Erde um und ist von einigen Dingen wirklich beeindruckt, jedoch verliert er nie ganz sein Ziel aus den Augen: Perry Rhodan zu finden.

Dieser ist mittlerweile auf der Erde angekommen und ganz geschockt von dem, was er hier vorfindet. Bedrückt steht er vor den Überresten des HQ-Hanse, einem Komplex, der für ihn mit vielen Emotionen und Erinnerungen verbunden ist.
Rhodan erfährt, daß der seltsame Tod eine Schneise von 1,5 km Breite schlägt, innerhalb der alles stirbt und an deren Rand die Menschen immer noch schwer mitgenommen werden. Perry beschließt, die Hilfe von Behörden in Anspruch zu nehmen. Nun muß er allerdings feststellen, daß er wohl schon eine Weile nicht mehr hier war, denn die erste Stelle, an der er sich meldet, glaubt ihm einfach seine Identität nicht; und so ist das Gespräch kurzerhand wieder beendet. Daraufhin kehrt er zum HQ-Hanse zurück. Er will Klarheit über die Mitglieder der Regierung. So dringt er mit einem Rettungsteam des TLD, das er hier getroffen hat, in das zerstörte Gebäude ein. Mitten in den Trümmern findet er den 17jährigen Startac, der hier nach seinen Eltern sucht.
Die Suche kann jedoch nicht in aller Ruhe vonstatten gehen. Auf einmal spürt Perry Rhodan ein seltsames Gefühl, und Funkkontakte nach außen bestätigen nach kurzer Zeit, daß Ramyhin wohl hier durchgezogen ist und so nebenbei fast das ganze "Rettungsteam" getötet hat. Schließlich trifft Rhodan die Entscheidung, sich dem Zyklopen zu stellen, auch wenn seine Begleiter das für absolut unratsam halten. Zu Recht wie sich herausstellt. Alle Pläne Rhodans versagen, und nur Glück rettet ihm das Leben. Ramihyn hat schon fast die Kontrolle über den Unsterblichen gewonnen, als der kleine Startac auftaucht und Rhodan rettet. Er ist nämlich ein Teleporter - und farbenblind. Zusammen fliehen beide vor dem Diener der Materie, der ihnen hart an den Fersen klebt. Rhodan flieht per Transmitter und versucht den Pilzdom zu erreichen. Er weiß, daß er nur noch diese Chance hat, Hilfe von außen zu holen, doch kurz vor dem Erreichen seines Zieles sind die Schiffe von WAVE im Orbit um Trokan und beschießen den Pilzdom - und Perry Rhodan ist verschwunden. Sein Tod scheint sicher zu sein.

Hach ja, sind wir mal wieder soweit, daß Rhodan seiner angeblichen Vernichtung nicht entkommen ist, und wieder einmal will ein superfieser Bösewicht dies auf seine Fahnen schreiben. Aber ich fürchte, da wird nix draus werden, denn schließlich wird die Serie auch nach Band 2000 noch Perry Rhodan heißen - nicht Mondra Diamond oder Tautmo Aagenfelt.
Die Frage ist nur, wie Rhodan seiner Vernichtung entkommen ist. Das Naheliegendste wäre, wenn die Galornentechnik so gut ist, daß er in den ganzen Explosionen einfach durchspaziert ist. Ich könnte mir aber auch vorstellen, daß hier höhere Technik am Werk war, die im Pilzdom nur darauf gewartet hat, eingreifen zu können. Schließlich waren die an Thoregon beteiligten SI's bisher ja ganz allgemein recht übersichtlich, was die Gründung der Koalition betrifft. Ich könnte mir also vorstellen, daß ein Heliote oder etwas in dieser Richtung als Eingreiftruppe bereitstand. Gleichzeitig hat man Perry Rhodan jetzt genau da, von wo er am besten zur Gründung eilen kann. So werden wir ihn in vier Wochen wohl durch den großen Pilzdom im Kessel schreiten sehen, und Ramihyn dürfte ganz schön dumm aus der Wäsche gucken, wenn er sein Ziel verfehlt sieht. Ich denke mal, daß sich mit der Gründung von Thoregon auch die Kosmische Fabrik erledigt haben dürfte. Auch wenn die neuen Ankündigungen für den neuen Zyklus etwas über Terra ankündigen, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß die Kosmokraten sich im Fall der Gründung mit der einfachen Versklavung der Terraner zufriedengeben würden. Ich denke einmal, daß hier eher die totale Vernichtung angesagt wäre. Also wird's meiner Meinung nach eher auf etwas Neues hinauslaufen.
Bis dahin müssen wir uns aber erst einmal mit dem herumschlagen, was wir schon haben. Und das ist ein recht großspuriger Diener der Materie auf der Erde. Philosophierend zieht er seine Kreise und hinterläßt eine Spur der Vernichtung. In diesem Zuge ist Hubert Haensel ein schön anschauliches Bild zwischen großangelegter Vernichtung und einzelnen Schicksalen gelungen. Es ist weder die große blutige Schlachterei noch das überdramatisierte tragische Schicksal, das im Vordergrund steht, sondern eher der Gegensatz zwischen dem "spazierengehenden" Ramihyn und dem trauernden Perry Rhodan, der einmal mehr mit dem Schicksal seiner Erde hadert. Dazwischen sind nun einige Episoden eingebaut, die veranschaulichen, was die Menschen auf der Erde dieser Tage mitmachen müssen. Alles in allem eine recht gelungene Sache, auch wenn mich ein wenig das Medium des Reporters stört. Da sind wir im letzten Roman Katie Joanne gerade losgeworden, und - zack! - haben wir auch schon einen neuen Pressevertreter, der Bericht erstattet. Also ein wenig mehr Abwechslung wäre hier schon ganz nett gewesen, aber ich schiebe das einfach mal auf den Zufall, auf das unterschiedliche und nicht zusammenhängende Abgeben der Romane.
Am Ende haben wir dann sogar noch ein paar richtig spannende Elemente, als Rhodan sich definitiv auf der Flucht befindet. Außerdem, hat es eigentlich etwas zu bedeuten, daß wir hier schon wieder einem farbenblinden Mutanten begegnen? Also, langsam kann ich nicht mehr an einen Zufall glauben, besonders, da Vincent Garron im entfernten Chearth immer mehr an kosmischer Bedeutung gewinnt. Handelt es sich eventuell um einen weiteren Schachzug der Superintelligenzen? Tja, auch dies wird die Zeit zeigen.

Fazit:
Was bleibt, ist ein recht gelungener Roman, der die Ereignisse weiter auf das Ende des Zyklus konzentriert. Zwar kann ich der Erde im Moment als Handlungsschauplatz nicht so richtig etwas abgewinnen, aber das liegt vermutlich daran, daß die Ereignisse im Kessel schon viel zu weit fortgeschritten sind und ich mich viel zu sehr zu dieser Ebene hingezogen fühle.
11 Punkte

Alexander Haas

Wie schon zu erwarten war, geht es in diesem Roman weiter abwärts mit Terra.
Immerhin ist Perry inzwischen im Sonnensystem aufgetaucht und begibt sich natürlich sofort auf die Erde (etwas anderes hätten wir von ihm sowieso nicht erwartet...)
Hubert Haensel bringt nun diese Erkundung Terras durch Perry gekonnt zu Papier, wenn er es dabei auch nicht zur wirklichen Meisterschaft bringt - dafür bleiben einzelne Passagen einfach zu flach, entwickeln keine wirklich GROSSE Dramatik. Sicherlich, die Terraner sterben durch den Anzug Ramihyns wie die Fliegen, doch bleibt Haensel bei seinen Beschreibungen teilweise weit hinter den Zahlen zurück, die der Leser aufgrund der Bevölkerungsdichte Terras vor allem in den Großstädten hätte erwarten müssen. Wenn der Diener der Materie diverse Großstädte heimgesucht hat, dann sollte die Menge der Opfer eigentlich wohl über einer fünfstelligen Zahl liegen... (Nein, ich bin nun wirklich nicht militaristisch oder sonstwie geartet, ich hätte nur gerne realistische Zahlen - dies hier erinnert schon fast an die "Geschichtsverharmlosung", die in den Silberbänden betrieben wurde...)
Ansonsten löst Hubert Haensel seine Aufgabe dieses Romans jedoch bravourös. Der Tod in Terras Hallen läßt den Leser durchaus schon einmal nach Luft schnappend innehalten.
Allerdings sollte man mit dem "Vielleicht-Tod" Perrys am Ende wohl etwas vorsichtiger umgehen. Sicherlich wird Rhodan nicht gestorben sein, immerhin trägt die Serie seinen Namen. Es ist also davon auszugehen, daß er vielleicht mit Hilfe des Passantums und aufgrund der Nähe zur Brücke gerettet wurde, der Pilzdom ihn mehr oder weniger zu schützen in der Lage war.
Allerdings wäre auch ein anderes Szenario denkbar, in dem Perry wirklich das Zeitlich gesegnet hat, sein Geist jedoch gerettet und in seinen Sohn transferiert wurde. Allerdings paßt solches einfach nicht zu Perry - wäre jedoch in der einen oder anderen Serie durchaus denkbar...
Etwas unglücklich wirkt jedoch in diesem Roman die Entscheidung Hubert Haensels, seinen Reporter Gloom Bechner eine Rolle in der Handlung einzuräumen. Der Leser ist immer noch zu sehr genervt von Katie Joannes Auftreten im letzten Band, als daß er weitere Reporter zur Zeit akzeptieren könnte. Allerdings ist dies wohl einfach nur als unglücklicher Zufall zu werten, da beide mit Sicherheit nicht voneinander wußten, welche Nebenfiguren sie jeweils einzusetzen gedachten.
Davon abgesehen gelingt es Haensel recht gut, den Leser über den kompletten Roman und darüber hinaus im Unklaren zu lassen, was denn nun mit Terra geschehen wird. Hier ist durchaus noch denkbar, daß die Terraner einen "Totalverlust" zu beklagen haben werden - der Zeitsprung von knapp 20 Jahren in Band 2000 könnte auch dafür gebraucht werden, die Erde neu zu bevölkern.
Allerdings spielt diese Vermutung nun einfach in die reine Spekulations-Ecke, ein Ort, den man seit gut einem Monat endlich wieder ohne fast schon feststehende Vorahnungen aufsuchen kann - immerhin war innerhalb der letzten knapp vier Jahre fast immer im voraus klar, wohin die Handlung führen würde. Endlich gibt es hier auch mal wieder eine gewisse Nebelzone...
Vor allem Perrys Schicksal ist hier von Interesse (daß er überleben wird, sollte außer Frage stehen). Wir warten eigentlich nur noch auf die Antwort, ob er erst in Band 2000 oder bereits einen Band früher wieder in der Handlung auftauchen wird. Immerhin dürfte er durch den Pilzdom entkommen sein - und ein Gegenstück hierzu steht mitten im Kessel. Perry könnte also durchaus bereits bei den nächsten Whirlpool-Bänden wieder dabeisein (Band 1998 und 1999). Aber lassen wir uns überraschen - das Lesen der Serie macht jedenfalls zur Zeit wirklich wieder Spaß.
Der Leser jedoch darf gespannt sein, was noch auf ihn zukommt, denn wenn der eventuelle Tod Perrys vier Bände vor Zyklusende erfolgt und im Folgenden nicht mehr auf diese Ebene umgeblendet werden wird, deutet dies darauf hin, daß die nächsten Bände noch einige andere "Hämmer" vorzuweisen haben...

Fazit:
Terra im Würgegriff des Dieners der Materie - diese Ereignisse sind von Hubert Haensel durchaus adäquat geschildert worden. Der Zyklus schreitet unbestreitbar seinen Höhepunkt entgegen. Die Dramatik der Handlung ist durchaus vorhanden, doch wirken Elemente wie die Nebenfigur des Reporters ein wenig langweilig - allerdings kann Hubert Haensel nun wirklich nichts dafür, daß im Vorgängerband bereits ein gewisses Gewicht auf einen anderen Reporter-Protagonisten gelegt wurde.
12 Punkte.

Winfried Brand

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