Professor Zamorra

Band 664: "Der Vampir von Denver"

In Denver reißt ein Vampir seine Opfer. Detective Jack O'Neill in Los Angeles erfährt davon und informiert Zamorra und Nicole, die er bei einer Vampirjagd in seiner Heimatstadt kennengelernt hatte.
Und in der Tat braut sich in Colorado einiges zusammen: Fu Long, dem damals aus Los Angeles die Flucht gelang, hat seine Zelte in Denver aufgeschlagen. Ihm dicht auf den Fersen, vom Vampir-Oberhaupt L.A.'s ausgesandt, ist Mors, ein Vampir, der im Auftrag von Sippen-Oberhäuptern Vampire tötet. Da seine Trefferquote bei hundert Prozent liegt, wußte bislang niemand von seiner Existenz.
In Denver selbst ist eine Sekte auf Fu Long aufmerksam geworden und zwingt die junge Chinesin Jin Mei, sich bei ihm einzunisten.
Vor Ort angekommen, tappen Zamorra und Nicole in eine Falle. In einer Seitenstraße werden sie von hunderten (von Mors ausgesandten) Ratten attackiert. Fu Long, der dies sieht, zwingt Jin Mei, den beiden zu helfen.
Gleichzeitig beginnt aber in Denver Kuang-shi zu erwachen, ein uralter Dämon, der schläft und der von vier Priestern unter Kontrolle gehalten wird. Damit dies so bleibt, wird Jin Mei als Opfer für Kuang-shi auserkoren.
Im Haus von Fu Long treffen Mors und Zamorra aufeinander, wobei Mors den Schauplatz des Kampfes durch Teleportation in ein Waldgebiet außerhalb von Denver verlegt. Außer MERLINS STERN hat Zamorra keine Waffe dabei, und das Amulett ist durch die Abwehr der Ratten-Armee geschwächt. Also ergreift Zamorra erst einmal die Flucht, schnitzt aus einem Ast einen Pflock, greift zu einer List und durchbohrt Mors' "Herz" damit.
Doch die Wirkung hält nur kurz an: Dadurch, daß er die Kräfte der von ihm getöteten Vampire aufgenommen hat, kann Mors sich regenerieren. Wieder greift Mors Zamorra an. Da greift Fu Long ein - und ergreift Partei für Zamorra. Der Auftrag Don Diegos lautete nicht nur Fu Long, sondern auch die vermutlich neu erschaffene Familie zu töten. Da er deren Aufenthaltsort nicht kennt, verzieht sich der Vampirkiller.
Fu Long läßt den bewußtlos gewordenen Dämonenjäger in Ruhe, verschwindet mit ihm vom Ort des Geschehens.
Und der doch arg geschwächte Mors, auf der Suche nach Blut, schnappt sich Jin Mei. Als dies kurze Zeit später Fu Long merkt, kann er nicht anders. Er hatte sie schon, als sie noch ein Mensch war, sympathisch gefunden. Jetzt nimmt er sie in seine Familie auf...
Kurze Zeit zuvor hatten die Priester versucht, Jin Mei zu entführen, doch ihr war noch die Flucht gelungen. Dafür hatten sie Nicole Duval entführt, um sie ihrem Dämon zu opfern.
Zamorra, von Nicoles Verschleppung nichts ahnend, findet in Fu Longs Haus den Fetzen einer Karte, mit dem ein Taxifahrer etwas anfangen kann. Er bringt ihn zu einer alten Mine außerhalb der Stadt.
Dorthin hat Fu Long auch Jin Mei gebracht, auf der Spur der Vampirkiller. In den Stollen sucht und findet Fu Long schlafende Vampire. Mitglieder der Sippe, die vor vielen, vielen Jahren spurlos verschwunden waren. Geschaffen von ihrem Oberhaupt Alexander Lewis, den Fu Long getötet hatte, um dann zu verschwinden. Zehn Vampire erweckt Fu Long nun. Seine Vampire.
Die von den meisten Bewohnern Chinatowns besuchte Besänftigung des Dämons, den ihre Vorfahren einst aus China mitbrachten, damit er dort nicht erneut Opfer reißen konnte, treibt ihrem Höhepunkt entgegen. Nicole gelingt es, sich zu befreien und an den Dhyarra-Kristall zu gelangen, wobei jedoch ein Priester sein Leben verliert, da Kuan-shi erwacht. Einer der Priester rät ihr zur Flucht, er würde sich um den Dämon kümmern.
Nicole trifft ausgerechnet auf den Taxifahrer, der auch Zamorra zur Mine gefahren hat. Da ihr Ziel das Hotel ist, von dem der Taxifahrer Zamorra abgeholt hat, kommen sie ins Reden, und letztlich läßt Nicole sich zur Mine fahren.
In der Mine treffen derweil Zamorra und Mors aufeinander. Der Paralyse-Strahl des Blasters verletzt den Vampir nicht einmal, also schaltet er auf Laser um und vernichtet Mors mit Dauerfeuer.
Die Zeit nutzt Fu Long. Gemeinsam mit den erweckten Vampiren beschwört er die Mächte der Hölle. Und Astaroth erfüllt ihm diesen Wunsch. Fu Long erhält den Staat Colorado als seinen Machtbereich zugesprochen.
Als Nicole auftaucht und ihn erschießen will, greift Zamorra ein. Er begleicht die Schuld und läßt Fu Long laufen.

Ups, ziemlich viele Handlungsstränge. Ein immer sympathischer werdender Fu Long, der über viele Jahre warten kann, ehe er eine Ernte einfährt. Ein alter, chinesischer Dämon, der von eigentlich "guten" Priestern bewacht wird, die aber dennoch Blut zu vergießen bereit sind, um ihn nicht erwachen zu lassen. Und ein Vampirkiller, der mindestens genauso gut charakterisiert war wie Fu Long; das Katz- und Maus-Spiel zwischen Mors und Zamorra hat beim Lesen einen Mordsspaß gemacht... Schade, daß Mors' Stein bereits wieder vom Spielfeld genommen wurde.
Und dann haben wir noch die Verhandlungen zwischen Ted Ewigk und seinem geheimnisvollen Unbekannten in Florida.

Ein überaus interessanter, gut zu lesender Zamorra.
Und damit Winy auch noch was einfällt, hier gleich die Punkte:
12

Guido Latz

Nach Band 660 bietet dieses Heft bereits wieder einen Roman aus der Feder Claudia Kerns, und so sind die Erwartungen natürlich recht hochgesteckt, stellte Band 660 doch m.E. den absoluten Höhepunkt der "besten Zamorra-Romane aller Zeiten" (eine Einschätzung, die auf Lesermeinungen beruht, die ich als mehr oder weniger "Neueinsteiger" mit gerade dieser Trilogie also nur schwer einschätzen kann). Eine schwere Bürde also.
Und Claudia Kern kommt (natürlich) an ihr bisheriges Meisterwerk nicht heran - was man nun allerdings auch ernsthaft nicht wirklich erwarten konnte, so ganz ehrlich gesagt. Schließlich läuft dieser Roman unter ganz anderen Voraussetzungen als der Mittelpunkt der Trilogie, ist von daher eigentlich auch gar nicht damit zu vergleichen.
Dafür bietet Claudia in diesem Roman eine solide Vampir-Story, die mit den Zamorra-typischen Elementen aufgelockert wird. Interessant ist hier vor allem, daß Fu Long wieder erscheint, der dem Flash-Leser, der die PZ-Rezis aufmerksam verfolgt hat, sicherlich kein Unbekannter mehr sein sollte. Seinen Weg zum Sippenoberhaupt schildert die Autorin spannend und adäquat, wenn auch manchmal ein paar Effekte zu stark darauf aufzubauen scheinen, den Leser weiter bei der Stange zu halten. Dabei hätte an diesen Stellen die stilistische Qualität des Textes durchaus auch ausgereicht, ohne daß auf solche Spannungssteigerungen zurückgegriffen wird, die eher die Qualität des Textes wieder zurückfallen lassen. Vor allem in der Szene vor der Hintertür des Antiquitätengeschäftes hätte man durchaus auf solch "spannungssteigernde" Merkmale verzichten können...
Ein paar kleinere Fragen ergeben sich auch aus den verwendeten Dhyarra-Kristallen, bzw. deren Ordnungsstufe. Weshalb man auf den 8. Ordnung verzichtet, ist wohl ein wenig schwer erklärbar - aber nun ja. Die Story stimmt an sich, von daher sollte man sich hier sicherlich nicht weiter beschweren. Und interessant und spannend ist dieser Roman mit Sicherheit. Dies läßt uns dann doch hoffen, daß Werner K. Giesa noch öfters mal ein wenig kürzer tritt und Claudia Kern an die vordere Front läßt (ohne gegen WKG jetzt etwas sagen zu wollen - die Vielfalt ist's halt, die das Interesse wachhält...)

Fazit:
Ein guter Roman mit kleineren Holprig- und Unstimmigkeiten bezüglich der Gesamthandlung. Aber spannend und interessant - was will man eigentlich mehr?
Und dem Band 666-5teiler hat er auch noch kleine Impulse aus Richtung Robert Tendykes gegeben...

10 Punkte.

Winfried Brand

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