Jane Routley:

"Die Engel des Feuers"

(Dion von Moria - Band 2)
OT: Fire Angels
Ü: Barbara Röhl
1998
(596 Seiten, Hardcover im Taschenbuchformat, Bastei Lübbe 28318, ISBN 3-404-28318-X, DM 26,90)
- erschienen: Oktober 1999 -

Zum Inhalt:
Jahre nachdem sich Dion in die Einsamkeit zurückgezogen hat und ihr Dasein als Heilerin bestreitet - da sie immer noch von Schuldgefühlen geplagt wird, weil sie den Dämon, den sie vernichtete, erst selbst in die Welt geholt hat - wird sie von zweien ihrer Brüder besucht, die sie eigentlich gar nicht wirklich kennt. Denn sie wurde im Alter von vier Jahren zu einem Magier gegeben, der sie in den Künsten der Magie schulen sollte. Doch nicht nur hierin hat er sie ausgebildet, sondern er hat ihr auch ein reichlich schwaches Selbstbewußtsein mit auf den Weg gegeben, unter dem sie immer noch leidet.
Ihre Brüder bitten sie, nach Moria zurückzukommen, obwohl sie wissen, daß hier immer noch die Kirche der brennenden Hand herrscht, die jegliche Magie verboten hat - es sei denn, sie würde von Priestern ausgeübt. Und in Moria werden immer noch Magier und Heiler verbrannt, wenn sie ihre Begabung einsetzen. Doch ihre Schwester ist verschwunden, und nicht nur ihre Geschwister träumen nachts schlecht, sondern auch Dion wird seit einiger Zeit von Alpträumen heimgesucht. Ihre Brüder bitten sie, auf magischem Weg nach ihrer Schwester zu suchen. Und schließlich willigt Dion ein, nach Moria zurückzukehren - daß sie dabei auch ins Rampenlicht der Ereignisse zurückkehrt, das sie nun überhaupt nicht mag, ist ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewußt. Und es stellt sich heraus, daß Moria eine viel größere Gefahr droht, als man zunächst annehmen konnte...

"Die Engel des Feuers" stellt wieder einmal einen mehr "klassischen" Fantasy-Roman dar. Wir haben hier die magisch begabte Frau in einer Welt, in der eigentlich nur Männer die "wirkliche" Magie ausüben dürfen, Frauen bestenfalls als Heilerinnen taugen und ansonsten gefälligst zuhause bleiben sollen.
An sich also überhaupt nichts neues, doch Jane Routley versucht, dieses Konzept mit höfischen Intrigen und einer Liebesgeschichte zu garnieren, um wenigstens ein bißchen Interesse beim Leser zu schüren. Leider wäre dieser Roman dann auch besser in der Ecke der "Frauenromane" aufgehoben denn in der Phantastik - wäre da nicht der Fantasygehalt der Geschichte. Jane Routley versucht hier den Spagat zwischen Fantasy-, Liebes- und Königshofroman - und scheitert größtenteils an der selbst gestellten Aufgabe.
Dies liegt vor allem an den teilweise stark schwülstig geratenen Liebesroman-Szenen, ebenso aber auch an den höfischen Intrigen, die irgendwann einfach nur noch langweilig, weil viel zu breit ausgewalzt, erscheinen. Und hier liegt dann auch der Haupt-Schwachpunkt des Romans: Die Autorin erscheint viel zu sehr verliebt in all ihre Beschreibungen der Intrigen, der höfischen Zustände, der Liebesszenen, um sich früh genug von ihnen lösen zu können, bevor sie den Leser zu langweilen beginnen.
Dabei ist die Story an sich gar nicht so schlecht, und wenn der Roman im letzten Viertel dann endlich Fahrt aufnimmt, kommt auch eine recht ansehnliche Geschichte dabei heraus. Doch bis man diesen Punkt erreicht hat, ist viel harte (Lese-)Arbeit vonnöten, bei der man sich förmlich durch den Roman hindurchbeißen muß. Insgesamt ist das dann doch ein bißchen zu wenig, um den Leser bei der Stange zu halten bzw. ihn zum Kauf des Romans zu überreden. Der Zyklus abgeschlossener Romane um "Dion von Moria" mag zwar durchaus seine Käufer finden - doch stellt sich die Frage, aus welcher Zielgruppe diese denn kommen sollen. Denn die Phantastik-Leser dürften mit diesen ausufernden, in weiten Teilen an die sogenannten "Frauenromane" erinnernden Schilderungen recht wenig anzufangen wissen, da diese zu stark aufgebauscht werden und die Autorin hier kein Ende zu finden scheint, während die Zielgruppe der "Frauenroman-Leser(innen)" wohl weniger im Phantastik-Regal des Buchhändlers herumsuchen wird.
Insgesamt bleibt festzustellen, daß Jane Routley wohl besser rund ein Drittel an Umfang weniger geschrieben hätte, dann wäre ein wesentlich besserer Roman dabei herausgekommen. So wirkt die Handlung jedenfalls zu stark ausgewalzt und verfügt stellenweise über beträchtliche Längen, was die Lektüre nicht gerade erleichtert.

Fazit:
Von der Grundhandlung her eigentlich gar nicht mal so schlecht, verliert sich Jane Routley zusehends in der Schilderung höfischer Intrigen und Liebesgeschichten, die um einiges zu breit ausgewalzt werden. Hier gilt dann einmal mehr: Weniger wäre mehr gewesen.
4 Punkte.

Winfried Brand


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