Der Gatte
der Lady ist in Juniper erneut besiegt worden, und die
Überlebenden der Schar haben sich von ihrer Chefin
zurückgezogen; drei Jahre lang waren sie auf der Flucht vor ihr.
Sie haben sich schließlich im Zentrum einer großen Steppe
verschanzt, wo sie sich im sogenannten Nullfeld ihrer Anführerin
Darling aufhalten. Innerhalb dieses Feldes kann keine Art von Magie
gewirkt werden. Von hier aus baut Darling genau die
Rebellenorganisation wieder auf, die von der Schar im Auftrag der
Lady lange Zeit bekämpft worden war. Aber auch diese ist nicht
untätig. Aus ihren Unterworfenen hat sie wieder eine Truppe um
sich gesammelt, die sie nun mobilisiert, um die Rebellen und die
Schar zu vernichten.
Währenddessen arbeitet der Heiler und Chronist der Schar,
Croaker, an den erbeuteten Dokumenten, in denen sich der
Schlüssel zur Vernichtung der Lady befinden soll. Croaker ist
überrascht, als er merkt, daß er auch an anderer Stelle
Freunde hat, die für ihre Sache arbeiten - und daß dort
Dinge passieren, von denen eigentlich niemand Ahnung haben will.
Zwar war nirgendwo etwas von einer Trilogie angegeben, aber nach dem
Ende dieses Buches kann ich mir nicht vorstellen, daß die
Geschichte noch irgendeine Fortsetzung erfahren wird. Schade, sehr
schade sogar, denn wie schon in den vorherigen Büchern ist es
Cook auch hier wieder gelungen, seine Welt mit einer einzigartigen
Atmosphäre aus Krieg, Trostlosigkeit und Verzweiflung zu
kreieren, diesmal allerdings mit einem guten Schuß
Hoffnung.
Langsam wird dann deutlich, wie genau Cook die Atmosphäre seiner
Geschichte kontrolliert; was in "Nacht über Juniper" noch als
bloße Abweichung bezeichnet wurde, ist jetzt deutlich als
logische, ja sogar notwendige Entwicklung zu beobachten. Nun ist die
Schwarze Schar nicht mehr einfach nur ein Werkzeug einer der beiden
Seiten, die sie so hartnäckig bekämpft hat. Jetzt ist sie
selbst eine Seite - und zwar am ganz anderen Ende. Bekämpften
sie zu Beginn noch die Rebellion, so sind sie diese Rebellion nun
selbst. Hier wird dann eine harte Konsequenz im Erzählstil
deutlich, denn wieder handeln die Charaktere auf ihre eigene ganz
besondere Art. Diese erscheint manchmal ungewöhnlich, gar
grausam; für die Charaktere ist sie aber ganz normal, da sie auf
diese Weise auf die Welt reagieren, die sie prägte und deren
Teil sie sind. Auf diese Weise vermischen sich einmal mehr die
klassischen Gut-Böse-Relationen, und man kann nur zwei Seiten
beim Kampf zusehen. Von keiner läßt sich wirklich sagen,
ob sie dem einen oder dem anderen entsprechen (und besonders auf
Seiten der Lady leben viele Menschen in Ruhe und Frieden, und
niemandem von jenen würde es auch nur im entferntesten in den
Sinn kommen, auf der Seite des Bösen zu stehen). (*
Diktaturen, um nur ein Beispiel zu nennen, haben das schon mal so an
sich, daß sie Frieden, Sicherheit und Stabilität
vorgaukeln - "gut" sind sie deshalb noch lange nicht...
Heike)
Auf dieser Ebene ist alles beim alten geblieben. Gleich bleibt auch
die Erzählperspektive. Eine Ebene erzählt von Croakers
geheimnisvollem Freund und seinen Nachforschungen, die andere
erzählt (in der Ich-Form und aus der Perspektive von Croaker)
die Geschehnisse um das Zentrum der Rebellion.
Cook baut seine Handlung sehr schön übersichtlich und
verständlich auf. Dennoch ist sie so komplex und kompliziert,
daß man beim Lesen konzentriert sein muß - wodurch man
aber auch bei der Handlung bleibt. Der Leser weiß immer, was wo
passiert, sobald er erst einmal die wichtigeren Zusammenhänge
verstanden hat.
Fazit:
"Die Rückkehr des Bösen" hält mühelos das Niveau
der Vorgängerbände, übertrifft es aber auch nicht. Es
setzt konsequent die Linie des Zyklus fort und enthüllt einige
Zusammenhänge, die man so nie vermutet hätte. Für mich
gehört die Trilogie um die Schwarze Schar zu einem der besten
Fantasy-Zyklen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Die
Charaktere strahlen eine sehr große Tiefe und Komplexität
aus, die aber nicht für jedermann zugänglich ist, da hier
mit einer Welt gespielt wird, die zum großen Teil Verzweiflung,
Hoffnungslosigkeit und Düsterheit mit sich bringt. Doch wer sich
darauf einlassen möchte, der wird sich mit einer unglaublich
starken und fesselnden Faszination auseinanderzusetzen haben.
13 Punkte