Glen Cook:

"Die Rückkehr des Bösen"

(Die Schwarze Schar 3)
OT: The White Rose
Ü: Heiko Langhans
USA 1995
(473 Seiten, Taschenbuch, Blanvalet 24896, ISBN 3-442-24896-5, DM 16,90)
- erschienen: Dezember 1999 -

Der Gatte der Lady ist in Juniper erneut besiegt worden, und die Überlebenden der Schar haben sich von ihrer Chefin zurückgezogen; drei Jahre lang waren sie auf der Flucht vor ihr. Sie haben sich schließlich im Zentrum einer großen Steppe verschanzt, wo sie sich im sogenannten Nullfeld ihrer Anführerin Darling aufhalten. Innerhalb dieses Feldes kann keine Art von Magie gewirkt werden. Von hier aus baut Darling genau die Rebellenorganisation wieder auf, die von der Schar im Auftrag der Lady lange Zeit bekämpft worden war. Aber auch diese ist nicht untätig. Aus ihren Unterworfenen hat sie wieder eine Truppe um sich gesammelt, die sie nun mobilisiert, um die Rebellen und die Schar zu vernichten.
Währenddessen arbeitet der Heiler und Chronist der Schar, Croaker, an den erbeuteten Dokumenten, in denen sich der Schlüssel zur Vernichtung der Lady befinden soll. Croaker ist überrascht, als er merkt, daß er auch an anderer Stelle Freunde hat, die für ihre Sache arbeiten - und daß dort Dinge passieren, von denen eigentlich niemand Ahnung haben will.

Zwar war nirgendwo etwas von einer Trilogie angegeben, aber nach dem Ende dieses Buches kann ich mir nicht vorstellen, daß die Geschichte noch irgendeine Fortsetzung erfahren wird. Schade, sehr schade sogar, denn wie schon in den vorherigen Büchern ist es Cook auch hier wieder gelungen, seine Welt mit einer einzigartigen Atmosphäre aus Krieg, Trostlosigkeit und Verzweiflung zu kreieren, diesmal allerdings mit einem guten Schuß Hoffnung.
Langsam wird dann deutlich, wie genau Cook die Atmosphäre seiner Geschichte kontrolliert; was in "Nacht über Juniper" noch als bloße Abweichung bezeichnet wurde, ist jetzt deutlich als logische, ja sogar notwendige Entwicklung zu beobachten. Nun ist die Schwarze Schar nicht mehr einfach nur ein Werkzeug einer der beiden Seiten, die sie so hartnäckig bekämpft hat. Jetzt ist sie selbst eine Seite - und zwar am ganz anderen Ende. Bekämpften sie zu Beginn noch die Rebellion, so sind sie diese Rebellion nun selbst. Hier wird dann eine harte Konsequenz im Erzählstil deutlich, denn wieder handeln die Charaktere auf ihre eigene ganz besondere Art. Diese erscheint manchmal ungewöhnlich, gar grausam; für die Charaktere ist sie aber ganz normal, da sie auf diese Weise auf die Welt reagieren, die sie prägte und deren Teil sie sind. Auf diese Weise vermischen sich einmal mehr die klassischen Gut-Böse-Relationen, und man kann nur zwei Seiten beim Kampf zusehen. Von keiner läßt sich wirklich sagen, ob sie dem einen oder dem anderen entsprechen (und besonders auf Seiten der Lady leben viele Menschen in Ruhe und Frieden, und niemandem von jenen würde es auch nur im entferntesten in den Sinn kommen, auf der Seite des Bösen zu stehen). (* Diktaturen, um nur ein Beispiel zu nennen, haben das schon mal so an sich, daß sie Frieden, Sicherheit und Stabilität vorgaukeln - "gut" sind sie deshalb noch lange nicht... Heike)
Auf dieser Ebene ist alles beim alten geblieben. Gleich bleibt auch die Erzählperspektive. Eine Ebene erzählt von Croakers geheimnisvollem Freund und seinen Nachforschungen, die andere erzählt (in der Ich-Form und aus der Perspektive von Croaker) die Geschehnisse um das Zentrum der Rebellion.
Cook baut seine Handlung sehr schön übersichtlich und verständlich auf. Dennoch ist sie so komplex und kompliziert, daß man beim Lesen konzentriert sein muß - wodurch man aber auch bei der Handlung bleibt. Der Leser weiß immer, was wo passiert, sobald er erst einmal die wichtigeren Zusammenhänge verstanden hat.

Fazit:
"Die Rückkehr des Bösen" hält mühelos das Niveau der Vorgängerbände, übertrifft es aber auch nicht. Es setzt konsequent die Linie des Zyklus fort und enthüllt einige Zusammenhänge, die man so nie vermutet hätte. Für mich gehört die Trilogie um die Schwarze Schar zu einem der besten Fantasy-Zyklen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Die Charaktere strahlen eine sehr große Tiefe und Komplexität aus, die aber nicht für jedermann zugänglich ist, da hier mit einer Welt gespielt wird, die zum großen Teil Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Düsterheit mit sich bringt. Doch wer sich darauf einlassen möchte, der wird sich mit einer unglaublich starken und fesselnden Faszination auseinanderzusetzen haben.
13 Punkte

Alexander Haas


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