Terry Bisson:

"Talking Man"

OT: Talking Man
Ü: Irene Bonhorst
USA 1986
(189 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9067, ISBN 3-453-16224-2, DM 12,90)
- erschienen: Dezember 1999 -

Zum Inhalt:
Talking Man ist ein Zauberer und betreibt einen Schrottplatz, wo er zusammen mit seiner Tochter Crystal in einem Wohnwagen lebt. Als Hendrick Williams mit seinem Mustang vorbeikommt, den er von seinem Vetter geliehen hat und an dem ihm die Windschutzscheibe entzweigegangen ist, repariert Talking Man diese mittels einer seltsamen Paste, die wie Matsch aussieht. Wenige Tage später vernimmt Crystal einen Schuß, sieht eine fremde Frau davonfahren - und Talking Man ist verschwunden. Zufälligerweise kommt Williams vorbei, der ihr suchen hilft - eine Suche, die die beiden quer durch ein seltsames, sich ständig veränderndes Amerika und darüber hinaus führt.

Daß Terry Bisson ein Meister der schrägen, skurrilen Ideen ist, konnte man schon in dem Storyband "Die Bären entdecken das Feuer" feststellen (Rezension in Flash Nr. 45). Auch in "Talking Man" versteht er es wieder hervorragend, dem Leser die Skurrilität der Ereignisse als etwas vollkommen Normales, geradezu langweilig Gewöhnliches nahezubringen, und das in einer Art von trockenem Humor, der nur selten von einem Autor erreicht wird.
Was Crystal und Willliams auf ihrer Suche nach Crystals Vater erleben, die Landstriche, die sie durchqueren, die plötzlich auftauchenden Berge, die es vorher nie gegeben hat, die jetzt aber vollkommen normal sind - all dies macht diesen Roman liebenswert. So liebenswert und sympathisch, daß die eigentliche Handlung fast schon zur Nebensache verkommt. Bissons skurriler Humor allein reicht schon aus, den Leser hier bei der Stange zu halten.
Dabei führt die Handlung den Leser an nichts Geringeres heran als die Rettung der Welt, wie wir sie kennen. Denn das Ungewesene freizusetzen, ist das Ziel von Talking Mans ewiger Gegenspielerin.
Wer jetzt allerdings bei all dem Gerede über Zauberer vermutet, bei diesem Roman handele es sich um eine Fantasy-Erzählung, der liegt vollkommen falsch. Jedoch ist auch der Begriff SF nicht ganz passend - vielmehr handelt es sich bei "Talking Man" um eines der besten Beispiele phantastischer Literatur, das Elemente aus beiden Gattungen zu etwas Neuem vereint.
Und etwas "Neues" ist Talking Man durchaus. In einer Zeit, in der es manchmal so scheint, als ob inzwischen so ziemlich alle Ideen für Romane ausgeschöpft wären, gelingt es Terry Bisson, tatsächlich einen eigenständigen Roman zu verfassen, der an keiner Stelle so wirkt, als ob er sich an irgendwelche anderen Romane anlehnen würde. Und in seinen fast schon abstrusen Ideen und seinem stilistischen Können ist Terry Bisson immer noch fast unübertroffen. Von daher wundert es den deutschen Leser doch sehr, daß von ihm außer der erwähnten Kurzgeschichtensammlung nur noch ein Roman, nämlich "Mars Live", bei Heyne auf Deutsch erschienen ist. Sollte irgendeiner der Leser hier jedoch Informationen über weitere Romane des Autors besitzen, wäre ich für einen kleine Hinweis äußerst dankbar.
Terry Bisson schreibt Phantastik auf hohem Niveau, mit skurrilen, teils abstrusen Ideen, die den Leser zum Lachen, Lächeln, aber auch zum Nachdenken reizen. Was will man eigentlich mehr? Richtig: Weitere Romane dieses Autors (der übrigens auch für einige der herrlich abgefahrenen Einfälle im "Fünften Element" verantwortlich ist - vielleicht ist dieser Film auch gleichzeitig ein gutes Beispiel für den Humor Bissons, zeichnet er hier doch für das Drehbuch verantwortlich).

Fazit:
Wer trockenen, skurrilen Humor, stilistisch hervorragend erzählt, mag, sollte hier fast schon unbesehen zugreifen. Es ist eigentlich unglaublich, daß von Bissons Werk bisher nur so wenig den Weg nach Deutschland gefunden hat. "Talking Man" jedenfalls ist in seiner Abgehobenheit, seiner Liebenswürdigkeit, seiner Skurrilität nur wärmstens zu empfehlen.
14 Punkte.

Winfried Brand


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.


home...