Band 1994: "Das Ende des Sonnentresors"

Autor: Arndt Ellmer

Veldenhovv ist ein Vlatschi - und ein Meisterdieb. Als solcher kann er den sog. Blinden Fleck im Auge von Lebewesen nutzen und sich darin "verstecken". Wie viele seiner Gilde ist er in diesen Zeiten des Krieges unterwegs, um reiche Beute zu machen; aber auf Gunjal, der Heimatwelt der Wlatschiden, versagt sein Glück ebenso wie sein Können, und er wird gefangengenommen. Nur das Schicksal kann ihn jetzt noch vor einem schnell ausgeführten Todesurteil retten; eben jenes erscheint ihm in Form von Vredentaich, dem Hüter. Er offenbart Veldenhovv, daß er auserwählt worden ist, dem Anführer der Algioten die Kristallblume der Wlatschiden zu überbringen. Er selbst darf als Hüter den Planeten nicht verlassen. Veldenhovv wehrt sich zwar mit Händen und Füßen dagegen, aber wie das Leben halt so mit Auserwählten spielt, ist er dann auf einmal doch auf dem Weg zu Vil an Desch. Es gelingt ihm, an Bord von Ganzettas GANIRANA zu gehen, wo er dem Wlatschiden auch die traurige Nachricht vom Tod des Hüters überbringen muß. Ganzetta selbst berichtet, daß die Algioten in den letzten Tagen einige wichtige militärische Erfolge erzielen konnten. So macht man sich also nun in aller Eile auf, um die Rebellen der Algioten zu suchen. Vil an Desch selbst steht dem unbekannten Veldenhovv mißtrauisch gegenüber. Es ist nur Ganzettas berühmter Name, der ihn das Geschenk überhaupt annehmen läßt, aber dann ist er um so begeisterter. Die Blume enthält eine mentale Botschaft Nisaarus und scheint allein für Vil an Desch gemacht zu sein. Nun ist Veldenhovvs Aufgabe endlich erfüllt, und kaum hat er die Blume übergeben, macht er sich wieder daran, seiner Berufung als Meisterdieb nachzugehen. Bald schon erfährt Ganzetta von dem seltsamen Verschwinden von Gegenständen bei den Algioten.
Veldenhovv kehrt nach Gunjal zurück. Hier zeigt sich, daß Vredentaich ihn als neuen Hüter auserkoren hat, doch wieder wehrt er sich gegen sein Schicksal. Mit aller Kraft verteidigt er sich gegen die Mittel, die ihn in seine Aufgabe zwingen wollen, doch er ahnt nicht, daß er sich damit in eine viel schlimmere Zukunft manövriert. Da kann ihm auch die Nachricht nicht mehr helfen, daß die Schlacht der Schlachten geschlagen worden ist - und Dro ga Dremm eine vernichtende Niederlage einstecken mußte.
Währenddessen geht der Konflikt am Sonnentresor in seine entscheidende Phase. Die Haluter versuchen, ein Gitter um die zentrale Sonne zu legen, um damit ein Entkommen der Sonnenwürmer zu verhindern; diese sollen nämlich einmal den Energiehaushalt von Thoregon regeln, wie immer das auch aussehen mag. Der Yaronag funktioniert unter diesen Bedingungen allerdings nicht besonders gut, und so versucht Myles Kantor mittels der von Vincent Garron erstellten Hyperraumblase, zwischen den einzelnen Stationen zu vermitteln und so die Feinkoordination zu verbessern. Allerdings müssen sie sich hier Phänomenen stellen, die selbst ein Genie wie Kantor sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausdenken können; und mehrfach stehen sie an der Schwelle des Todes.
Für die außerhalb des Sonnentresors stehende Flotte sieht es so aus, als ob sich die Schiffe hier durch ein immer größer werdendes Inferno kämpfen müssen, das noch viel schlimmer wird, als die zentrale Sonne planmäßig gezündet wird. Von außen wirkt es so, als ob die beteiligten Schiffe mit einem großen Schlag vernichtet worden sind, auch wenn die Computer sagen, daß sie eventuell überlebt haben könnten. Und in der Tat sind Myles Kantor und Co. auf der Reise nach Thoregon.

Noch drei Bände bis Thoregon, quasi nur noch wenige Tage bis Mainz, und weiterhin werden wir hier auf Sparflamme gehalten, erfahren nicht mehr, als daß sich die Ereignisse auf den Punkt hin konzentrieren, daß die Hohen Mächte mal wieder gar nix sagen wollen - und diejenigen, die die ganze Drecksarbeit leisten müssen (und diejenigen, die das alles lesen müssen), werden mal wieder an der kurzen Leine gehalten. Es muß schon arg frustrierend sein, etwas Wichtiges mit absoluter Konzentration tun zu müssen, ohne zu wissen, wofür man das eigentlich tut. Ich kann mir kaum vorstellen, daß das in unser heutigen Zeit funktionieren könnte.
Was bleibt in Chearth? Die Algioten sind vermutlich weg, und der Sonnentresor kann nun seinem Schicksal folgen und sich in Energie auflösen. Bleibt nur die Frage, was das seltsame Geschenk an Vil an Desch sollte und wieso man dafür eine komplette Ebene aufbauen mußte - und dann Ganzettas großen Traum, die Schlacht aller Schlachten, in einem kleinen Nebensatz abhandelte. Da baut man über viele Bände einen gigantischen Krieg auf, und dann bekommt der Leser noch nicht einmal gezeigt, wie dieser ausgeht. Also, in meinen Augen paßt das nicht ganz so zusammen. Dazu einen eigenen Band zu verwenden, wäre auch nun wirklich zu viel gewesen, aber ein eigenes kleines Kapitel hätte man dafür nun schon verschwenden können. Statt dessen bekommen wir eine streckenweise nicht uninteressante, aber dennoch recht seltsame Ebene über den Meisterdieb und den Hüter der Kristallblume, deren Bedeutung für die Handlung ich noch nicht verstanden habe. Aber ich habe so den Verdacht, daß dieser Zusammenhang auch nie auftauchen wird. Umso mehr frage ich mich dann, wozu dies nun diente. Zugegeben, Arndt hat sich hier einmal recht gut ins Zeug gelegt, um das Bild des Auserwählten einmal von der anderen Seite zu zeigen. Meist hat man ja einen Auserwählten, der sich nur anfangs sträubt, hinterher aber die Welt rettet. Veldenhovv hier allerdings wehrt sich bis zum bitteren Ende. Das allerdings gefiel mir dann schon wieder. Das klang so nach: 'Und lege dich nicht mit den Hohen Mächten an, denn sonst wird es dir sehr schlecht ergehen!' Und es wird ihm sehr schlecht ergehen. Vielleicht bin ich ja ein wenig weichherzig, aber ich hätte mir für den armen Veldenhovv doch ein friedlicheres Ende gewünscht. Er hätte es bei seiner undankbaren Aufgabe in meinen Augen schon verdient.
Aber noch ein paar Worte zur Bedeutung. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, daß sich hier noch einmal ein Bogen spannen lassen wird. Die Schlacht um Chearth ist entschieden und wäre auch entschieden worden, wenn die Blume nicht überreicht worden wäre. Vil an Desch war schon längst auf der Seite der Verteidiger, bereit, seinen Konkurrenten Dro ga Dremm zu bekämpfen. Nach der nun geschlagenen Schlacht wird er vermutlich die übriggebliebenen Truppen sammeln und bald nach Algion zurückkehren. Ich glaube auch nicht, daß hier noch viel über Reparationen oder etwas ähnliches verhandelt werden wird. Ich denke einmal, daß die Chearther recht froh sein werden, die verrückten Algioten wieder los zu sein, und diese werden ebenso froh sein, wieder nach Hause zurückkehren zu dürfen. Hier würde mich aber interessieren, wie die da wieder aufgenommen werden, denn als strahlende Sieger werden sie nicht kommen. Es wäre wirklich nett, wenn jemand vom Autorenteam mal einen Gedanken daran verschwenden könnte. Das wäre mal ein Thema für einen (für die Handlung) völlig sinnlosen, aber vielleicht trotzdem schönen Füllroman. Das klappt dann aber auch nur, wenn hier ein wirklich überzeugendes Konzept vorliegt, denn sonst wird die Kritikergilde wieder ganz fürchterlich drauflosschlagen (aber das ist halt das schlimme Los der Autoren ;-) ).
Aber da fällt mir doch ein, daß da ja auch noch eine andere Ebene war, die ich fast vergessen hatte, die in meinen Augen allerdings auch nicht viel zu bieten hatte. Hier hatten wir mal wieder das übliche Problem Technik-Gesülze, das im STAR TREK Universum bekannterweise Technobabble heißt. Das heißt, eine Ebene frei nach dem Motto: Viel reden, dumm gucken, nicken, nix verstehen! Aber wenigstens haben wir hier ein brauchbares Fazit (auch wenn die meisten der mitgereisten Galaktiker die Unsterblichenclique mal wieder ausgerottet sehen): Die Ereignisse laufen wenigstens einigermaßen so, wie es sich die vergeistigten hohen Köpfe oben ausgedacht haben. Ansonsten gibt es wirklich nicht viel, das hängenblieb. Myles Kantor hüpft zwischen den Teilschiffen hin und her; hin und wieder stört mal ein kleiner Hypersturm die Hyperraumblase; und dann kann Kantor auch mal wieder an seinen eigenen Forschungen herummessen. Alles in allem recht unspektakulär, bis auf den großen Knall am Ende, aber auch nicht wirklich schlecht.

Fazit:
Ein irgendwie seltsamer Roman, von dem ich nicht so richtig weiß, was ich von ihm halten soll. Irgendwie größtenteils sinnlos, aber durchaus gut zu lesen. Warum auch mal nicht - ich hab hier wirklich schon Schlimmeres vorgesetzt bekommen.
8 Punkte

Alexander Haas

"Das Ende des Sonnentresors" stellt nicht nur hoffentlich nun das endgültige Ende der Chearth-Handlungsebene dar (wenn man nach Band 2000 nochmals hierhin zurückschaltet, könnte es geschehen, daß ein Rezensent Amok läuft...), sondern auch das Ende der Rezensenten-Qualen.
Dieser Abschlußroman der Ebene mag zwar vielleicht darunter zu leiden haben, daß die Handlungsebene selber insgesamt zu einer der schwächsten der neueren PR-Geschichte gehört, doch kann man auch mit dieser "Entschuldigung" im Hinterkopf nicht verhehlen, daß auch dieser Band wieder einmal eine Enttäuschung darstellt. Zu keinem Zeitpunkt verfällt der Leser in eine Art Spannung, die Handlung plätschert vor sich hin und lädt zum Querlesen ein. Arndt Ellmer schafft es einfach nicht, diesem Exposé auch nur den Hauch von etwas Geheimnisvollem zu entringen.
Nun gut, die Würmchen sind unterwegs - daß sie es am Ende des Bandes sein würden, war ja eigentlich schon im Voraus wenn schon nicht wirklich bekannt, so doch vorgezeichnet, da konnte man gar nichts anderes erwarten. Die Schilderungen des Aufbruchs stecken dann jedoch leider auch voller Langweiler, die nun wirklich keinen mehr interessieren. Selbst das Schicksal der Aktivatorträger plätschert am Interesse des Lesers vorbei. Auf Dramatik wartet man die kompletten 60 Seiten hindurch vergebens, es baut sich noch nicht einmal so etwas wie leises Interesse auf.
Dabei bietet die Handlung selber durchaus Möglichkeiten, den Leser an den Roman zu fesseln. Arndt Ellmer umgeht diese Punkte jedoch gekonnt, erwähnt sie in Nebensätzen oder überhaupt nicht. Zusätzlich gibt er sich allergrößte Mühe, jedwede Handlungsperson zu einem Abziehbild ihrer selbst zu degradieren - was ihm auch bestens gelingt. Selten haben wir so flach geschilderte Personen erlebt wie in diesem Roman. Selbst der Vlatschi Feldhoff - ähm, sorry, Veldenhovv verkommt zu einem Klischee sondergleichen. Der Meisterdieb, der unwillentlich zum Boten wird - ja, genau, darauf baut man einen Roman auf, wenn man den Leser abschrecken will. Und die Aktivatorträger? Wird Myles wenigstens ab und zu noch erwähnt, kann jedoch keinerlei Profil gewinnen, so tauchen viele von ihnen bestenfalls in Nebensätzen auf. Da hätte man sie auch gleich ganz aus der Handlung streichen können. Selbst von Atlan ist nur zwei- oder dreimal der Name zu lesen - und der alte Arkonide ist immerhin der Oberbefehlshaber der Galaktiker in Chearth. Aber warum sollte er in einem solchen Band auch erwähnt werden? Hier geht es schließlich nur um den Abzug der Würmchen und die Beendigung der Handlungsebene. Da ist nun wirklich kein Grund zu sehen, auf solch unwichtige Figuren der Handlung einzugehen...
Auch das auf dem Cover versprochene "Geheimnis der Wlatschiden" verkommt zu einer Art Fleurop-Dienst. Da überbringt man Vil an Desch ein Blümchen, und dieser ist entzückt und haut ab, um Algion den Frieden zu bringen. - na, wirklich klasse. Das ist doch genau das, was wir schon immer lesen wollten. Vielleicht sollte man sich mal überlegen, statt Soldaten einen Blumenstrauß in die Krisengebiete dieser Welt zu senden - vielleicht hilft's ja. (* Also, da müßten das wohl ein paar mehr Blumensträuße sein - notfalls könnten die Leute das Gemüse dann nämlich immer noch essen... Rosen, Veilchen, soweit ich weiß auch Stiefmütterchen und Lavendel sind eigentlich ohne große Umstände eßbar und sogar gesund (solange man sich damit nicht überfrißt). Aber wie gesagt, da müssen dann etwas größere Portionen aufgefahren werden. Heike)
Nun gut, Vil wollte sowieso verschwinden - aber das ist nur noch lächerlich...
Und dann war da die große Entscheidungsschlacht zwischen den zerstrittenen Algioten. Passenderweise erfahren wir von ihrem Ausgang gerade mal in einem Nebensatz - viel mehr Platz scheint dem Autor dieses Ereignis nicht wert gewesen zu sein. Wäre Arndt Ellmer doch mit allen Geschehnissen diese Bandes so verfahren, der Leser hätte sich rund 55 Seiten Langeweile ersparen können, denn die Handlung selber hätte man problemlos auf diese Art auch innerhalb von 5 Seiten zusammenfassen können, ohne daß dem Leser auch nur der kleinste Aspekt entgangen wäre. Stellt sich nur die Frage, wie man den Roman dann hätte füllen sollen... (* Mit Krisen-Kochrezepten? Heike)
Immerhin wären uns dann solche Peinlichkeiten erspart geblieben wie die am Tresor stationierten Robotschiffe, die ihre Beobachtungen weitergeben - wo man doch in der Nähe des Tresors mit Botenschiffen arbeiten muß, da der Funk nicht "funk"tioniert. Es stellt sich da unwillkürlich die Frage, wie man denn die Botschaften der Robotschiffe empfängt. Hier und auch an anderen Stellen bleibt dem Leser nur ein verzweifeltes Lächeln und die Hoffnung, daß es das jetzt nun endgültig war auf dieser Handlungsebene...

Fazit:
Arndt Ellmer gelingen Handlungsträger, bei denen der Vorwurf der Zweidimensionalität glatt noch als Kompliment zu werten ist. Dazu plätschert die Handlung nur so vor sich hin, ohne daß der Leser auch nur das geringste Interesse an ihr zeigt. Glücklicherweise ist mit der magischen Nr. 1997 diese Handlungsebene nun endlich zu Ende - es bleibt ausnahmsweise einmal zu hoffen, daß die Expo-Redaktion alle hier offenstehenden Fragen einfach übergeht und das große Tuch des Schweigens darüberdeckt.
1 Punkt.

Winfried Brand

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