Veldenhovv
ist ein Vlatschi - und ein Meisterdieb. Als solcher kann er den sog.
Blinden Fleck im Auge von Lebewesen nutzen und sich darin
"verstecken". Wie viele seiner Gilde ist er in diesen Zeiten des
Krieges unterwegs, um reiche Beute zu machen; aber auf Gunjal, der
Heimatwelt der Wlatschiden, versagt sein Glück ebenso wie sein
Können, und er wird gefangengenommen. Nur das Schicksal kann ihn
jetzt noch vor einem schnell ausgeführten Todesurteil retten;
eben jenes erscheint ihm in Form von Vredentaich, dem Hüter. Er
offenbart Veldenhovv, daß er auserwählt worden ist, dem
Anführer der Algioten die Kristallblume der Wlatschiden zu
überbringen. Er selbst darf als Hüter den Planeten nicht
verlassen. Veldenhovv wehrt sich zwar mit Händen und
Füßen dagegen, aber wie das Leben halt so mit
Auserwählten spielt, ist er dann auf einmal doch auf dem Weg zu
Vil an Desch. Es gelingt ihm, an Bord von Ganzettas GANIRANA zu
gehen, wo er dem Wlatschiden auch die traurige Nachricht vom Tod des
Hüters überbringen muß. Ganzetta selbst berichtet,
daß die Algioten in den letzten Tagen einige wichtige
militärische Erfolge erzielen konnten. So macht man sich also
nun in aller Eile auf, um die Rebellen der Algioten zu suchen. Vil an
Desch selbst steht dem unbekannten Veldenhovv mißtrauisch
gegenüber. Es ist nur Ganzettas berühmter Name, der ihn das
Geschenk überhaupt annehmen läßt, aber dann ist er um
so begeisterter. Die Blume enthält eine mentale Botschaft
Nisaarus und scheint allein für Vil an Desch gemacht zu sein.
Nun ist Veldenhovvs Aufgabe endlich erfüllt, und kaum hat er die
Blume übergeben, macht er sich wieder daran, seiner Berufung als
Meisterdieb nachzugehen. Bald schon erfährt Ganzetta von dem
seltsamen Verschwinden von Gegenständen bei den Algioten.
Veldenhovv kehrt nach Gunjal zurück. Hier zeigt sich, daß
Vredentaich ihn als neuen Hüter auserkoren hat, doch wieder
wehrt er sich gegen sein Schicksal. Mit aller Kraft verteidigt er
sich gegen die Mittel, die ihn in seine Aufgabe zwingen wollen, doch
er ahnt nicht, daß er sich damit in eine viel schlimmere
Zukunft manövriert. Da kann ihm auch die Nachricht nicht mehr
helfen, daß die Schlacht der Schlachten geschlagen worden ist -
und Dro ga Dremm eine vernichtende Niederlage einstecken
mußte.
Währenddessen geht der Konflikt am Sonnentresor in seine
entscheidende Phase. Die Haluter versuchen, ein Gitter um die
zentrale Sonne zu legen, um damit ein Entkommen der Sonnenwürmer
zu verhindern; diese sollen nämlich einmal den Energiehaushalt
von Thoregon regeln, wie immer das auch aussehen mag. Der Yaronag
funktioniert unter diesen Bedingungen allerdings nicht besonders gut,
und so versucht Myles Kantor mittels der von Vincent Garron
erstellten Hyperraumblase, zwischen den einzelnen Stationen zu
vermitteln und so die Feinkoordination zu verbessern. Allerdings
müssen sie sich hier Phänomenen stellen, die selbst ein
Genie wie Kantor sich in seinen kühnsten Träumen nicht
hätte ausdenken können; und mehrfach stehen sie an der
Schwelle des Todes.
Für die außerhalb des Sonnentresors stehende Flotte sieht
es so aus, als ob sich die Schiffe hier durch ein immer
größer werdendes Inferno kämpfen müssen, das
noch viel schlimmer wird, als die zentrale Sonne planmäßig
gezündet wird. Von außen wirkt es so, als ob die
beteiligten Schiffe mit einem großen Schlag vernichtet worden
sind, auch wenn die Computer sagen, daß sie eventuell
überlebt haben könnten. Und in der Tat sind Myles Kantor
und Co. auf der Reise nach Thoregon.
Noch drei Bände bis Thoregon, quasi nur noch wenige Tage bis
Mainz, und weiterhin werden wir hier auf Sparflamme gehalten,
erfahren nicht mehr, als daß sich die Ereignisse auf den Punkt
hin konzentrieren, daß die Hohen Mächte mal wieder gar nix
sagen wollen - und diejenigen, die die ganze Drecksarbeit leisten
müssen (und diejenigen, die das alles lesen müssen), werden
mal wieder an der kurzen Leine gehalten. Es muß schon arg
frustrierend sein, etwas Wichtiges mit absoluter Konzentration tun zu
müssen, ohne zu wissen, wofür man das eigentlich tut. Ich
kann mir kaum vorstellen, daß das in unser heutigen Zeit
funktionieren könnte.
Was bleibt in Chearth? Die Algioten sind vermutlich weg, und der
Sonnentresor kann nun seinem Schicksal folgen und sich in Energie
auflösen. Bleibt nur die Frage, was das seltsame Geschenk an Vil
an Desch sollte und wieso man dafür eine komplette Ebene
aufbauen mußte - und dann Ganzettas großen Traum, die
Schlacht aller Schlachten, in einem kleinen Nebensatz abhandelte. Da
baut man über viele Bände einen gigantischen Krieg auf, und
dann bekommt der Leser noch nicht einmal gezeigt, wie dieser ausgeht.
Also, in meinen Augen paßt das nicht ganz so zusammen. Dazu
einen eigenen Band zu verwenden, wäre auch nun wirklich zu viel
gewesen, aber ein eigenes kleines Kapitel hätte man dafür
nun schon verschwenden können. Statt dessen bekommen wir eine
streckenweise nicht uninteressante, aber dennoch recht seltsame Ebene
über den Meisterdieb und den Hüter der Kristallblume, deren
Bedeutung für die Handlung ich noch nicht verstanden habe. Aber
ich habe so den Verdacht, daß dieser Zusammenhang auch nie
auftauchen wird. Umso mehr frage ich mich dann, wozu dies nun diente.
Zugegeben, Arndt hat sich hier einmal recht gut ins Zeug gelegt, um
das Bild des Auserwählten einmal von der anderen Seite zu
zeigen. Meist hat man ja einen Auserwählten, der sich nur
anfangs sträubt, hinterher aber die Welt rettet. Veldenhovv hier
allerdings wehrt sich bis zum bitteren Ende. Das allerdings gefiel
mir dann schon wieder. Das klang so nach: 'Und lege dich nicht mit
den Hohen Mächten an, denn sonst wird es dir sehr schlecht
ergehen!' Und es wird ihm sehr schlecht ergehen. Vielleicht bin ich
ja ein wenig weichherzig, aber ich hätte mir für den armen
Veldenhovv doch ein friedlicheres Ende gewünscht. Er hätte
es bei seiner undankbaren Aufgabe in meinen Augen schon verdient.
Aber noch ein paar Worte zur Bedeutung. Ich kann mir nicht wirklich
vorstellen, daß sich hier noch einmal ein Bogen spannen lassen
wird. Die Schlacht um Chearth ist entschieden und wäre auch
entschieden worden, wenn die Blume nicht überreicht worden
wäre. Vil an Desch war schon längst auf der Seite der
Verteidiger, bereit, seinen Konkurrenten Dro ga Dremm zu
bekämpfen. Nach der nun geschlagenen Schlacht wird er vermutlich
die übriggebliebenen Truppen sammeln und bald nach Algion
zurückkehren. Ich glaube auch nicht, daß hier noch viel
über Reparationen oder etwas ähnliches verhandelt werden
wird. Ich denke einmal, daß die Chearther recht froh sein
werden, die verrückten Algioten wieder los zu sein, und diese
werden ebenso froh sein, wieder nach Hause zurückkehren zu
dürfen. Hier würde mich aber interessieren, wie die da
wieder aufgenommen werden, denn als strahlende Sieger werden sie
nicht kommen. Es wäre wirklich nett, wenn jemand vom Autorenteam
mal einen Gedanken daran verschwenden könnte. Das wäre mal
ein Thema für einen (für die Handlung) völlig
sinnlosen, aber vielleicht trotzdem schönen Füllroman. Das
klappt dann aber auch nur, wenn hier ein wirklich überzeugendes
Konzept vorliegt, denn sonst wird die Kritikergilde wieder ganz
fürchterlich drauflosschlagen (aber das ist halt das schlimme
Los der Autoren ;-) ).
Aber da fällt mir doch ein, daß da ja auch noch eine
andere Ebene war, die ich fast vergessen hatte, die in meinen Augen
allerdings auch nicht viel zu bieten hatte. Hier hatten wir mal
wieder das übliche Problem Technik-Gesülze, das im STAR
TREK Universum bekannterweise Technobabble heißt. Das
heißt, eine Ebene frei nach dem Motto: Viel reden, dumm gucken,
nicken, nix verstehen! Aber wenigstens haben wir hier ein brauchbares
Fazit (auch wenn die meisten der mitgereisten Galaktiker die
Unsterblichenclique mal wieder ausgerottet sehen): Die Ereignisse
laufen wenigstens einigermaßen so, wie es sich die
vergeistigten hohen Köpfe oben ausgedacht haben. Ansonsten gibt
es wirklich nicht viel, das hängenblieb. Myles Kantor hüpft
zwischen den Teilschiffen hin und her; hin und wieder stört mal
ein kleiner Hypersturm die Hyperraumblase; und dann kann Kantor auch
mal wieder an seinen eigenen Forschungen herummessen. Alles in allem
recht unspektakulär, bis auf den großen Knall am Ende,
aber auch nicht wirklich schlecht.
Fazit:
Ein irgendwie seltsamer Roman, von dem ich nicht so richtig
weiß, was ich von ihm halten soll. Irgendwie
größtenteils sinnlos, aber durchaus gut zu lesen. Warum
auch mal nicht - ich hab hier wirklich schon Schlimmeres vorgesetzt
bekommen.
8 Punkte
|
"Das Ende des Sonnentresors" stellt nicht nur hoffentlich
nun das endgültige Ende der Chearth-Handlungsebene dar
(wenn man nach Band 2000 nochmals hierhin
zurückschaltet, könnte es geschehen, daß ein
Rezensent Amok läuft...), sondern auch das Ende der
Rezensenten-Qualen. |