Zum
Inhalt:
Die Gefahr durch die Tekteronii sorgt sogar dafür, daß
selbst die Báalol sich loyal zu Arkons Imperator
erklären, dessen Name bekanntlich zu dieser Zeit Atlan
lautet.
Im Kolafton-System versucht man sich derweil an der Verhaftung des
Tato Jahaq Garr, die jedoch mehr oder weniger mißlingt und zwei
der teilnehmenden Feuerfrauen in die Gewalt der Tekteronii gelangen
läßt - oder so ähnlich... Beide verschwinden
jedenfalls durch deren Fluchttransmitter, der ihnen praktisch unter
dem Hintern hinwegexplodiert; und eine von ihnen ist Tanja - Atlans
Gefährtin...
Rainer Castor setzt uns mit diesem zweiten Band der "Arkon-Trilogie"
recht schwer verdauliches Futter vor. Die sehr interessante Handlung
schweift immer mehr in fantasyhafte Bereiche ab, was vor allem die
Gijathrako und Zhy-Famii betrifft - aber auch die arkonidische
Dagor-Schule hält immer wieder eine Überraschung für
den Leser bereit, der aufgrund der Perry-Serie eigentlich davon
ausging, daß bei den Arkoniden Parabegabungen nicht gerade als
Allerweltsfähigkeiten angesehen sind.
Womit wir dann auch gleich ohne große Vorrede in die Vollen
gehen und zu den beiden großen Problemen dieses Romans kommen,
die insgesamt jedoch immer mehr auch für die gesamte Trilogie zu
gelten scheinen: Fantasy und schwammige Beschreibungen. Beides
existiert hier im Einklang miteinander und baut sich gegenseitig auf,
so daß ein nur schwer verständlicher, teilweise in seiner
Vermischung mit den üblichen Zutaten des Perry- oder auch
Atlan-Universums sehr verwirrender Roman dabei herauskommt.
Castor bezieht sich hier zwar durchgehend auf Para-Kräfte, die
aus irgendwelchen Quellen schöpfen (schon reichlich schwammig),
liefert jedoch keinerlei Erklärungen, was das Ganze denn nun
soll. Da haben wir einen Atlan, der aufgrund seiner psionischen
Fähigkeiten, die er unter anderem durch die Große
Feuermutter erhalten hat, eine Art Zweitkörper schaffen kann -
nebenbei netterweise mehr oder weniger überall, ohne selber
anwesend zu sein (großartige Grenzen sind hier nicht gesetzt).
Aber natürlich kann der große Imperator mit Hilfe der
(ebenfalls sehr schwammigen, nicht wirklich erklärten)
Großen Feuermutter auch mal eben zum "Millionenäugigen"
mutieren, der sich beliebige Punkte seines Reiches herauspickt und
hier nachschauen kann. Dummerweise funktioniert dies eben nicht in
den Sonnensystemen, in denen die "Schreckensmonde" aktiviert
sind.
Und gerade diese als willkürlich und vollkommen undefiniert
wirkenden PSI-Kräfte (die man eigentlich gar nicht mehr als
solche bezeichnen kann), machen aus diesem Roman dann auch eher einen
Fantasy- denn einen SF-Roman, dessen Handlungssprüngen wohl nur
noch der Autor selber zu folgen vermag. Wer Band PR 1993,
"Vorstoß in den Kessel", gelesen hat, weiß, wie
verwirrend Rainer Castor schreiben kann. Und doch, dieses Heft ist
nichts gegen das vorliegende Hardcover. Hier werden ganze
Handlungsstränge praktisch beendet, ohne daß der Leser
erst einmal überhaupt etwas davon mitbekommt. Rätselhafte
PSI-Kräfte schlagen zu, ohne daß man wirklich merkt,
daß sie die Bedrohung zurückschlagen - erst Seiten
später, wenn man sich auf dem Weg zum nächsten
Gefahrenpunkt befindet, erfährt der Leser wirklich, daß
sich das eben noch gelesene bereits erledigt hat.
Allerdings mag dies auch daher rühren, daß viele
Beschreibungen Rainer Castors einfach zu ausführlich geraten
sind. Noch wesentlich stärker als im ersten Band der Trilogie
hat man nicht das Gefühl, daß hier eine Handlung, die
vielleicht für drei oder vier Taschenbücher gereicht
hätte, zwischen die Buchdeckel gepreßt wurde, sondern
findet hier eine Handlungsmenge, die vielleicht gerade mal für
eines gereicht hätte - und die mit Hilfe von
Füllmechanismen der unterschiedlichsten Arten aufgebläht
wurde. Dies verführt dann selbst den aufmerksamsten Leser dazu,
ganze Abschnitte nur querzulesen, und ich muß zugeben, ich bin
zeitweilig dieser Versuchung erlegen, da Rainer Castors Stil in
diesem Roman auch nicht gerade zum aufmerksamen Lesen anregt. Zu
ausschweifend werden die Worte auf diesen Seiten, zu unwichtig wirken
die teils dann doch wichtigen Aspekte der Handlung, als daß man
sich wirklich darauf konzentrieren möchte. Und hierbei ist
"möchte" absichtlich als Wort gewählt, da die
verschwommenen Fantasy-Elemente der Handlung mitsamt ihrer immer
wieder dazwischengeschobenen sachbuchartigen Einschübe das Lesen
dieses Romans nicht gerade zu einer Freude machen, eher schon zu
harter Arbeit.
Dabei ist dieser Roman eigentlich gar nicht so schlecht, wie die
ganzen vorhergehenden Zeilen glauben machen mögen. Rainer Castor
ist auch hier in der Lage, eine durchaus faszinierende Geschichte
aufzubauen - doch die erwähnten Probleme, die seine
Erzählweise dem Leser in diesem Buch bereitet, erschweren den
Lesegenuß manchmal doch recht heftig. Will man versuchen, all
das zu verstehen und wirklich zu verarbeiten, was Rainer Castor hier
"verzapft" hat, sollte man durchaus die rund fünffache Zeit
einplanen, die man sonst für einen Roman dieses Umfangs braucht
- denn ein fünffaches Lesen so ziemlich jeder Passage ist
sicherlich notwendig, und die damit einhergehenden Zwänge zur
Lesepause beinhalten eigentlich auch schon, daß man danach den
kompletten bereits gelesenen Roman erneut überfliegt und die
letzten Seiten gar nochmals komplett liest, bis man sich an neue
Teile des Textes wagt. Insgesamt kann man sich also hier sicherlich
nicht über das Preis-/Leistungsverhältnis beschweren, denn
die gebotene Lesezeit steht eigentlich in einem absolut
ungeschlagenen Verhältnis zum Preis des Romans. Ob man
allerdings bereit ist, die angesprochenen Mühen auf sich zu
nehmen, steht dann auf einem anderen Blatt.
Fazit:
Ein wenig mehr Klarheit hätte diesem Roman sicherlich nicht
geschadet. Die "Arkon-Trilogie" entwickelt sich immer mehr in
Richtung unverständlicher Para-Gaben des alten Arkoniden, die
insgesamt aufgrund der unzureichenden und unfaßbaren
Erklärungen in Richtung Magie mutieren - und damit den
SF-Bereich in Richtung Fantasy verlassen.
Trotz allem hat dieser Roman durchaus seine Faszination und
Vorzüge, die sich vor allem demjenigen erschließen werden,
der ihn nicht nur einfach durchzulesen, sondern förmlich
durchzuarbeiten bereit ist.
7 Punkte.
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Und wieder befinden wir uns in der Anfangszeit des Perry
Rhodan-Universums. |