Zum
Inhalt:
Maziroc ist mit einer Guppe Getreuer unterwegs, um Helfer gegen eine
Bedrohung zu finden, die die Welt Arcana schon vor rund 1.000 Jahren
heimgesucht hat: Die Damonen, die aus einer anderen Welt stammen und
nun wieder versuchen, Arcana zu überrennen und niederzumachen.
Damals konnte Maziroc mit einigen Freunden die Gefahr abwehren, doch
in diesen Zeiten stehen viele wichtige Verbündete ihnen nicht
mehr zur Verfügung, da die Elben und Zwerge in dem
vorhergehenden Krieg fast ausgerottet wurden.
Was hier anklingt, ist die Vorgeschichte zu zwei Romanen, die - dem
Nachwort zu entnehmen - bereits in den 80er Jahren im Goldmann-Verlag
erschienen sind und so etwas wie "Romane zu einer Fernsehserie, nur
daß es die Fernsehserie nicht gibt" darstellen sollten -
dünn und actionbetont. Nun ja, dieses Buch ist jedenfalls nicht
besonders dünn geraten, sondern bewegt sich so im Mittelfeld der
zur Zeit erscheinenden Romane - zumindest von seinem Umfang her.
Was jedoch die Qualität angeht, so vermag die Beschreibung
"Roman zur Fernsehserie" kaum noch zutreffender zu sein. Hier reiht
sich Beschreibung an Beschreibung, ohne sich großartig um
wirkliche Handlungslogik zu kümmern - geschweige denn um so
etwas Unwichtiges wie eine Entwicklung oder auch nur nähere
Betrachtung der Charaktere, die in der Handlung auftauchen. Statt
dessen verwendet Rehfeld hierüber weite Strecken der Handlung
platteste Schablonen, wie sie zweidimensionaler kaum sein
könnten.
Noch dazu, wie schon von diversen Serienromanen her gewohnt, schreckt
Rehfeld auch nicht davor zurück, immer wieder Wendungen in die
Handlung einzuführen, die durch keinerlei Aktionen im Vorverlauf
gerechtfertigt sind - geschweige denn, daß er auch nur im
Geringsten darauf hingearbeitet hätte. Daraus ergibt sich eine
Folge von Ereignissen, die daran krankt, daß die Protagonisten
über reichliche Informationen verfügen, jedoch in keinem
Fall nach diesen handeln, da ja der Leser zunächst noch auf die
Zusammenhänge gestoßen werden muß. Ist dies dann
jedoch erst einmal geschehen, kennen die Handlungsschablonen auch
keine Hemmungen mehr und konfrontieren den Leser unverblümt mit
den erstaunlichsten Entwicklungen.
Vor allem fällt dies auf, da der Autor den Roman auf zwei
Zeitebenen angesiedelt hat - zum einen die Ebene des früheren
Auftauchens der Damonen, zum anderen die des zweiten Auftauchens.
Dabei wechselt er sich (bis auf ein Kapitel - dazu später mehr)
durchgehend von Kapitel zu Kapitel zwischen den Ebenen ab. Zwischen
diesen liegen zwar 1.000 Jahre, doch sorgt Rehfeld beim Leser
dafür, daß dieser zu Anfang damit dann doch leichte
Probbleme hat, da die Handlungspersonen teilweise gleich sind -
weshalb diese dann jedoch so lange leben, und wieso überhaupt;
nun, auf die Beantwortung dieser Frage muß der Leser lange
warten, was anfangs zu einer ziemlichen Verwirrung führt.
Doch hat der Leser einmal dieses Schema verdaut, wird er im letzten
Kapitel dann wieder konsequent vor den Kopf gestoßen, wenn der
Endkampf auf beiden Ebenen nicht nur innerhalb diese Kapitels
erledigt wird, sondern hier dann auch gleich bei jedem Sinnabschnitt
zwischen den Ebenen herumgesprungen wird. Sicherlich nicht die feine
Englische...
Dabei bietet die Handlung durchaus interessante Aspekte und ist
ingesamt auch nicht wirklich unspannend zu nennen, doch bleiben auch
hier diverse Probleme offen, was vor allem die Grundhandlung an sich
betrifft. Denn hier erinnern die Damonen doch recht stark an die
eroberungswütigen Wesen aus "Sliders" (und da haben wir dann
doch eine real existierende TV-Serie), ebenso wie die Beschreibung
des Weltentores zur titelnden "Dämmerschmiede". Und auch der
versuchsweise geheimnisvolle Kenran'Del (dessen Name aus der
Heftserie StarGate - derzeitige Neuauflage beim Blitz-Verlag -
entliehen und verfremdet ist), erinnert in seiner Geschichte eher an
einen "Slider" als an alles andere. Da hilft es dann auch nicht mehr,
wenn die Weltenbresche vielleicht eher an "TimeTunnel" erinnert - das
Gebotene sind wenig neue, viele alte und ein Haufen von geborgt
wirkenden Ideen, was der Handlung zusätzlich Abbruch tut. Und
auch der gegen Ende des Romans endlich verschämt auftauchende
Hinweis auf die Überleitungen zu den nächsten Bänden
ist bestenfalls als lächerlich zu bezeichnen. Auch wenn Rehfeld
im Nachwort erwähnt, daß dies nur eine Vorgeschichte
darstellen soll, hätte eine Erwähnung der Prophezeiung
bezüglich des "Kindes zweier Welten, das zur Jahrtausendwende
geboren wird" (woher kommt mir dies nun schon wieder bekannt vor???)
(* Frank Rehfeld wird doch wohl nicht noch die Bibel zu Rate
gezogen haben??? Heike) der Atmosphäre im Allgemeinen
sicherlich gutgetan - anstatt dies dann gegen Ende aus dem Hut zu
zaubern...
Hinzu kommt, daß Rehfeld anscheinend der Meinung ist, daß
eine Handlung in sich nicht unbedingt logisch zu sein braucht. Viele
kleine Unstimmigkeiten reihen sich hier aneinander, die zusammen mit
der fehlenden Charakterentwicklung ein recht übles Bild auf das
Ergebnis werfen.
Zudem hat sich der Autor offenbar nicht viel Mühe bei der
Entwicklung des gesamten Romans gegeben. Immer wieder greift er
Geschehnisse aus der Luft, von denen der Leser bei einem normalen
Verlauf schon lange hätte wissen müssen - zumindest, wenn
man so etwas ähnliches wie eine Charakterbeschreibung
vonnöten gehalten hätte. Daß dem jedoch nicht im
geringsten so ist, merkt der Leser spätestens an der Stelle,
wenn Maziroc mit den anderen in die Dämmerschmiede eintritt und
dort einer Truggestalt seiner "einzigen großen Liebe" begegnet,
die er verloren hat. Nicht nur, daß seine Handlungsschablone
diese "große Liebe" bisher vollkommen vergessen zu haben
scheint (denn erwähnt wird diese vorher nicht) - die
verschenkten Möglichkeiten im Bereich der Atmosphäre des
Romans sind hier mannigfaltig.
Atmosphäre überhaupt - wie der Leser dieser Rezension schon
erahnen kann, ist selbige in diesem Roman praktisch nicht vorhanden.
Die Ereignisse reihen sich halt aneinander, die Figuren agieren vor
sich hin - und das war's dann eigentlich auch schon.
Was an sich sehr schade ist - hatte ich mich auf diesen Roman doch
durchaus gefreut, da mir Rehfelds Name unter anderem von den
Heftserien "Der Hexer" und "Star Gate" in recht guter Erinnerung war.
Doch was der Co-Autor Hohlbeins hier fast schon verbricht, kann man
bestenfalls noch bei einem Heftroman durchgehen lassen. Bei einem
Taschenbuch sieht die Sache schon ganz anders aus - auch wenn diverse
Redakteure von Heftromanserien dies nicht gern lesen werden und
teilweise immer wieder das Gegenteil behaupten. Im Gegensatz zum
Heftroman bietet das Taschenbuch, erst recht aber der gebundene
Roman, ganz andere Möglichkeiten, eine Geschichte zu
erzählen - Möglichkeiten, die ausgenutzt werden wollen.
Geschieht das nicht, kommt ein Roman dabei heraus, der sich
ähnlich liest wie dieser. Wer jemals einen Tad Williams, einen
Glen Cook, einen Mark Anthony, einen Andreas Eschbach oder einen Kai
Meyer gelesen hat und die Romane dieser Autoren für gut
befindet, wird sich mit diesem Werk wohl kaum anfreunden können.
Denn Rehfeld bietet hier schnellesigen Stoff, der nicht weiter zum
Nachdenken, ja noch nicht einmal dazu einlädt, sich in die
Charaktere der Handlung auch nur im Geringsten hineinzuversetzen.
Denn diese bieten an keiner Stelle so etwas ähnliches wie
Identifikationsmöglichkeiten. Selbst jeder noch so geringe
Versuch, sich ihnen anzunähern, ist von vornerherein zum
Scheitern verurteilt, da man über die Gedankenwelt dieser
Schablonen nicht das Geringste erfährt. Das kann man vielleicht
im Heftroman so regeln - in einem umfangreicheren Roman ist dies
jedoch kaum zu akzeptieren.
Und das ist eigentlich sehr schade, da der Roman ansonsten durchaus
stellenweise zeigen kann, wozu Rehfeld in der Lage ist, wenn er denn
Lust (oder den Auftrag?) dazu hat. So jedoch erinnert der Roman im
Aufbau an diverse Bastei-Heftromanserien der letzten Jahre - von
denen jedoch nicht eine einzige wirklich aufzugehen in der Lage war.
Oder hat vielleicht eine der Phantastik-Serien überlebt, ohne
daß ich es bemerkt habe? "Vampira" bot Ansätze - und lebt
auch noch. Aber sonst? Auch wenn all die toten Heftromanserien einen
gewissen Erfolg in der Taschenbuchneuveröffentlichung haben -
ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß das
Publikum der Taschenbuchleser hierauf nun anspringt. Immerhin
erscheinen diese Romane nicht in der Allgemeinen Reihe - und der
Phantastik-Taschenbuchleser ist weitaus besseres gewohnt. Auch in
diesem Verlag...
Fazit:
Wenn auch an manchen Stellen spannend, so ist dieser Roman doch nicht
in der Lage, den Leser wirklich zu interessieren, geschweige denn
mitzureißen. Zu sehr bleiben die Charaktere der Handlung
schablonenhaft, werden nirgendwo wirklich charakterisiert. Der
Handlungsverlauf wirkt ebenfalls nicht geplant, sondern in weiten
Teilen wie gerade erdacht und auch nach diesem Prinzip eingebaut.
Wenn auch auf Romanen zu Fernsehserien schon ziemlich herumgeritten
wird, so untertrifft dieser Roman zu einer nichtexistenten
Fernsehserie diese stellenweise noch um Längen. Der Roman vermag
ein gewisses Interesse bei dem Leser zu wecken, der sich die Zugfahrt
mit einer recht anspruchslosen Lektüre vertreiben will, bei der
er nicht weiter in die Handlung eintauchen muß oder kann. Zwar
nicht weniger - jedoch auch keinesfalls mehr bietet "Die
Dämmerschmiede".
3 Punkte.