Frank Rehfeld:

"Die Dämmerschmiede"

(Die Legende von Arcana - Band 1)
D 1999
(489 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 20373, ISBN 3-404-20373-9, DM 16,90)
- erschienen: Dezember 1999 -

Zum Inhalt:
Maziroc ist mit einer Guppe Getreuer unterwegs, um Helfer gegen eine Bedrohung zu finden, die die Welt Arcana schon vor rund 1.000 Jahren heimgesucht hat: Die Damonen, die aus einer anderen Welt stammen und nun wieder versuchen, Arcana zu überrennen und niederzumachen. Damals konnte Maziroc mit einigen Freunden die Gefahr abwehren, doch in diesen Zeiten stehen viele wichtige Verbündete ihnen nicht mehr zur Verfügung, da die Elben und Zwerge in dem vorhergehenden Krieg fast ausgerottet wurden.

Was hier anklingt, ist die Vorgeschichte zu zwei Romanen, die - dem Nachwort zu entnehmen - bereits in den 80er Jahren im Goldmann-Verlag erschienen sind und so etwas wie "Romane zu einer Fernsehserie, nur daß es die Fernsehserie nicht gibt" darstellen sollten - dünn und actionbetont. Nun ja, dieses Buch ist jedenfalls nicht besonders dünn geraten, sondern bewegt sich so im Mittelfeld der zur Zeit erscheinenden Romane - zumindest von seinem Umfang her.
Was jedoch die Qualität angeht, so vermag die Beschreibung "Roman zur Fernsehserie" kaum noch zutreffender zu sein. Hier reiht sich Beschreibung an Beschreibung, ohne sich großartig um wirkliche Handlungslogik zu kümmern - geschweige denn um so etwas Unwichtiges wie eine Entwicklung oder auch nur nähere Betrachtung der Charaktere, die in der Handlung auftauchen. Statt dessen verwendet Rehfeld hierüber weite Strecken der Handlung platteste Schablonen, wie sie zweidimensionaler kaum sein könnten.
Noch dazu, wie schon von diversen Serienromanen her gewohnt, schreckt Rehfeld auch nicht davor zurück, immer wieder Wendungen in die Handlung einzuführen, die durch keinerlei Aktionen im Vorverlauf gerechtfertigt sind - geschweige denn, daß er auch nur im Geringsten darauf hingearbeitet hätte. Daraus ergibt sich eine Folge von Ereignissen, die daran krankt, daß die Protagonisten über reichliche Informationen verfügen, jedoch in keinem Fall nach diesen handeln, da ja der Leser zunächst noch auf die Zusammenhänge gestoßen werden muß. Ist dies dann jedoch erst einmal geschehen, kennen die Handlungsschablonen auch keine Hemmungen mehr und konfrontieren den Leser unverblümt mit den erstaunlichsten Entwicklungen.
Vor allem fällt dies auf, da der Autor den Roman auf zwei Zeitebenen angesiedelt hat - zum einen die Ebene des früheren Auftauchens der Damonen, zum anderen die des zweiten Auftauchens. Dabei wechselt er sich (bis auf ein Kapitel - dazu später mehr) durchgehend von Kapitel zu Kapitel zwischen den Ebenen ab. Zwischen diesen liegen zwar 1.000 Jahre, doch sorgt Rehfeld beim Leser dafür, daß dieser zu Anfang damit dann doch leichte Probbleme hat, da die Handlungspersonen teilweise gleich sind - weshalb diese dann jedoch so lange leben, und wieso überhaupt; nun, auf die Beantwortung dieser Frage muß der Leser lange warten, was anfangs zu einer ziemlichen Verwirrung führt.
Doch hat der Leser einmal dieses Schema verdaut, wird er im letzten Kapitel dann wieder konsequent vor den Kopf gestoßen, wenn der Endkampf auf beiden Ebenen nicht nur innerhalb diese Kapitels erledigt wird, sondern hier dann auch gleich bei jedem Sinnabschnitt zwischen den Ebenen herumgesprungen wird. Sicherlich nicht die feine Englische...
Dabei bietet die Handlung durchaus interessante Aspekte und ist ingesamt auch nicht wirklich unspannend zu nennen, doch bleiben auch hier diverse Probleme offen, was vor allem die Grundhandlung an sich betrifft. Denn hier erinnern die Damonen doch recht stark an die eroberungswütigen Wesen aus "Sliders" (und da haben wir dann doch eine real existierende TV-Serie), ebenso wie die Beschreibung des Weltentores zur titelnden "Dämmerschmiede". Und auch der versuchsweise geheimnisvolle Kenran'Del (dessen Name aus der Heftserie StarGate - derzeitige Neuauflage beim Blitz-Verlag - entliehen und verfremdet ist), erinnert in seiner Geschichte eher an einen "Slider" als an alles andere. Da hilft es dann auch nicht mehr, wenn die Weltenbresche vielleicht eher an "TimeTunnel" erinnert - das Gebotene sind wenig neue, viele alte und ein Haufen von geborgt wirkenden Ideen, was der Handlung zusätzlich Abbruch tut. Und auch der gegen Ende des Romans endlich verschämt auftauchende Hinweis auf die Überleitungen zu den nächsten Bänden ist bestenfalls als lächerlich zu bezeichnen. Auch wenn Rehfeld im Nachwort erwähnt, daß dies nur eine Vorgeschichte darstellen soll, hätte eine Erwähnung der Prophezeiung bezüglich des "Kindes zweier Welten, das zur Jahrtausendwende geboren wird" (woher kommt mir dies nun schon wieder bekannt vor???) (* Frank Rehfeld wird doch wohl nicht noch die Bibel zu Rate gezogen haben??? Heike) der Atmosphäre im Allgemeinen sicherlich gutgetan - anstatt dies dann gegen Ende aus dem Hut zu zaubern...
Hinzu kommt, daß Rehfeld anscheinend der Meinung ist, daß eine Handlung in sich nicht unbedingt logisch zu sein braucht. Viele kleine Unstimmigkeiten reihen sich hier aneinander, die zusammen mit der fehlenden Charakterentwicklung ein recht übles Bild auf das Ergebnis werfen.
Zudem hat sich der Autor offenbar nicht viel Mühe bei der Entwicklung des gesamten Romans gegeben. Immer wieder greift er Geschehnisse aus der Luft, von denen der Leser bei einem normalen Verlauf schon lange hätte wissen müssen - zumindest, wenn man so etwas ähnliches wie eine Charakterbeschreibung vonnöten gehalten hätte. Daß dem jedoch nicht im geringsten so ist, merkt der Leser spätestens an der Stelle, wenn Maziroc mit den anderen in die Dämmerschmiede eintritt und dort einer Truggestalt seiner "einzigen großen Liebe" begegnet, die er verloren hat. Nicht nur, daß seine Handlungsschablone diese "große Liebe" bisher vollkommen vergessen zu haben scheint (denn erwähnt wird diese vorher nicht) - die verschenkten Möglichkeiten im Bereich der Atmosphäre des Romans sind hier mannigfaltig.
Atmosphäre überhaupt - wie der Leser dieser Rezension schon erahnen kann, ist selbige in diesem Roman praktisch nicht vorhanden. Die Ereignisse reihen sich halt aneinander, die Figuren agieren vor sich hin - und das war's dann eigentlich auch schon.
Was an sich sehr schade ist - hatte ich mich auf diesen Roman doch durchaus gefreut, da mir Rehfelds Name unter anderem von den Heftserien "Der Hexer" und "Star Gate" in recht guter Erinnerung war. Doch was der Co-Autor Hohlbeins hier fast schon verbricht, kann man bestenfalls noch bei einem Heftroman durchgehen lassen. Bei einem Taschenbuch sieht die Sache schon ganz anders aus - auch wenn diverse Redakteure von Heftromanserien dies nicht gern lesen werden und teilweise immer wieder das Gegenteil behaupten. Im Gegensatz zum Heftroman bietet das Taschenbuch, erst recht aber der gebundene Roman, ganz andere Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen - Möglichkeiten, die ausgenutzt werden wollen. Geschieht das nicht, kommt ein Roman dabei heraus, der sich ähnlich liest wie dieser. Wer jemals einen Tad Williams, einen Glen Cook, einen Mark Anthony, einen Andreas Eschbach oder einen Kai Meyer gelesen hat und die Romane dieser Autoren für gut befindet, wird sich mit diesem Werk wohl kaum anfreunden können. Denn Rehfeld bietet hier schnellesigen Stoff, der nicht weiter zum Nachdenken, ja noch nicht einmal dazu einlädt, sich in die Charaktere der Handlung auch nur im Geringsten hineinzuversetzen. Denn diese bieten an keiner Stelle so etwas ähnliches wie Identifikationsmöglichkeiten. Selbst jeder noch so geringe Versuch, sich ihnen anzunähern, ist von vornerherein zum Scheitern verurteilt, da man über die Gedankenwelt dieser Schablonen nicht das Geringste erfährt. Das kann man vielleicht im Heftroman so regeln - in einem umfangreicheren Roman ist dies jedoch kaum zu akzeptieren.
Und das ist eigentlich sehr schade, da der Roman ansonsten durchaus stellenweise zeigen kann, wozu Rehfeld in der Lage ist, wenn er denn Lust (oder den Auftrag?) dazu hat. So jedoch erinnert der Roman im Aufbau an diverse Bastei-Heftromanserien der letzten Jahre - von denen jedoch nicht eine einzige wirklich aufzugehen in der Lage war. Oder hat vielleicht eine der Phantastik-Serien überlebt, ohne daß ich es bemerkt habe? "Vampira" bot Ansätze - und lebt auch noch. Aber sonst? Auch wenn all die toten Heftromanserien einen gewissen Erfolg in der Taschenbuchneuveröffentlichung haben - ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß das Publikum der Taschenbuchleser hierauf nun anspringt. Immerhin erscheinen diese Romane nicht in der Allgemeinen Reihe - und der Phantastik-Taschenbuchleser ist weitaus besseres gewohnt. Auch in diesem Verlag...

Fazit:
Wenn auch an manchen Stellen spannend, so ist dieser Roman doch nicht in der Lage, den Leser wirklich zu interessieren, geschweige denn mitzureißen. Zu sehr bleiben die Charaktere der Handlung schablonenhaft, werden nirgendwo wirklich charakterisiert. Der Handlungsverlauf wirkt ebenfalls nicht geplant, sondern in weiten Teilen wie gerade erdacht und auch nach diesem Prinzip eingebaut. Wenn auch auf Romanen zu Fernsehserien schon ziemlich herumgeritten wird, so untertrifft dieser Roman zu einer nichtexistenten Fernsehserie diese stellenweise noch um Längen. Der Roman vermag ein gewisses Interesse bei dem Leser zu wecken, der sich die Zugfahrt mit einer recht anspruchslosen Lektüre vertreiben will, bei der er nicht weiter in die Handlung eintauchen muß oder kann. Zwar nicht weniger - jedoch auch keinesfalls mehr bietet "Die Dämmerschmiede".
3 Punkte.

Winfried Brand


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