Gont liegt
im Norden von Erdsee. Hier ist das Leben rauh, hier sind die Menschen
einfach. Unter ihnen lebt Duny, von dem bekannt ist, daß er
über magische Fähigkeiten verfügt. Was kein Wunder
ist, denn Gont ist auch bekannt für seine Magier. Duny selbst
bekommt von einer Kräuterfrau eine grobe und einfache
Ausbildung, bis eines Tages der einsame Magier Ogion erscheint und
ihm am Tag seiner Namensgebung seinen wahren Namen nennt: Ged. Er
nimmt Ged zu sich, aber unter seiner Ausbildung wird der Junge nicht
glücklich. Er lernt immer noch nicht, so mit seinen
Fähigkeiten so umzugehen, wie er das möchte. Also sendet
Ogion ihn auf die Insel Rok, die Insel der Magier. Hier lernt Ged
endlich das, wonach er sich immer gesehnt hat, und schnell entdecken
seine Lehrmeister, daß in ihm sehr große Kräfte
schlummern. Nach seiner Ausbildung zieht Ged durch die Welt, auf der
Flucht vor einem Fehler seiner Jugend. Aber er wird ihn besiegen und
der größte Magier von Erdsee werden. Er wird die Aufgabe
angehen, Erdsee die Symbole der Vergangenheit wiederzugeben (Die
Gräber von Atuan) und er wird auf eine Reise gehen, die so weit
gehen wird, daß er seine größten und tiefsten
Kräfte nutzen muß, um zu überleben und damit die
Existenz der Welt zu bewahren (Das ferne Ufer). Und schließlich
wird er sich aufgeben, um Erdsee die Zukunft zu bringen (Tehanu).
"Erdsee" gilt als einer der Klassiker der Fantasy, und nachdem ich
diese vier Romane gelesen habe, kann ich nur sagen: zu Recht! Und
dabei hat Heyne mal ein wirklich gutes Werk getan. Nicht nur sind
hier vier Romane auf einen Schlag versammelt, sondern das Ding kostet
auch nur 15 DM (und das für gut 1000 Seiten exzellente
Fantasy).
Zugegeben, für Leute, die das Ding eh schon im Schrank haben,
ist das nicht zu empfehlen. Für sie ist es lediglich eine neue
Ausgabe von Erdsee, und nicht einmal jeder Sammler wird hier
zugreifen wollen. Aber für diejenigen, die es noch nicht gelesen
haben (soll tatsächlich vorkommen), ist dieses Buch ein wahres
Geschenk (raffiniertes Wort - so kurz vor Weihnachten).
Aber jetzt mal im Ernst: Ich will einmal mehr einen Blick auf den
Klappentext werfen, denn hin und wieder stehen hier wirklich kleine
Wahrheiten verborgen. Hier also nun folgendes: "LeGuin ist eine
Romantikerin mit bezwingenden Träumen von menschlicher
Würde und Einheit". Na ja, also unter Träumen von
menschlicher Würde und Einheit mag sich jeder vorstellen, was er
will, aber das mit der Romantikerin hat mich während der
Lektüre ständig verfolgt. Es mag wirklich selten eine
passendere Charakterisierung für eine Autorin geben als diese.
Die Protagonisten sind von einer sehr starken Tiefe und werden in
aller Ruhe dargestellt. Das hat zwar zur Folge, daß die
Geschwindigkeit der ganzen Handlung teilweise sehr langsam wird, aber
das wird durch die Verzauberung der Geschichte wieder mehr als
wettgemacht (meistens zumindest). Wir haben hier keine Fantasy Marke
Sword and Sorcery. Große Kämpfe sind hier fehl am Platz,
und sogar funkensprühende Magierduelle sind in der Minderheit.
Davon wird das meiste in Erzählungen und Gedanken gelegt. Ich
möchte sogar sagen, daß es sich hier um kleine Geschichten
handelt, deren Effekte aber auf die ganze Welt wirken. Ged ist keine
Person, die aller Welt beweisen muß, wie toll er denn nun ist.
Vielmehr zieht er sich lieber zurück und läßt die
Welt passieren, läßt geschehen, was geschehen muß.
Im seltensten Fall wird er sich seiner magischen Fähigkeiten
bedienen. Aber hin und wieder ist dies einfach notwendig. Dann
muß er die Welt mit seinen Visionen bekanntmachen und wird sich
von nichts aufhalten lassen. Ged kommt allerdings auch nicht einfach
daher und macht alles gut. Er kommt ganz leise und wunderbar und
zieht den Leser mit in eine Welt voller Wunder, Zauberer und Drachen,
in der man sich verlieren kann; eine Welt, die einfacher, aber
fesselnder als vieles andere ist, das die Welt seit Erdsee gesehen
hat.
Fazit:
Phantastische Fantasy für Träumer, Romantiker und Liebhaber
von Zauberern.
14 Punkte