Kristine Kathryn Rusch:

"Die Felsenwächter"

(Das 1. Buch der Fey)
OT: The First Book of the Fey: The Sacrifice / Part 1
Ü: Gerald Jung und Sabine Reinhardus
USA 1995
(463 Seiten, Taschenbuch, Knaur 70168, ISBN 3-426-70168-5, DM 16,90)
- erschienen: November 1999 -

Der Untertitel "Das erste Buch der Fey" verrät es schon: Dieses Buch ist der Beginn eines Romanzyklus. Laut Verlag sind die ersten drei Bände schon erschienen, weitere seien in Vorbereitung. Die Vor- und Nachteile eines Zyklus brauche ich wohl nicht weiter zu erläutern.

Alles beginnt mit einer Vision, die Rugar, der Sohn des schwarzen Fey-Königs, hat: Er sieht seine Tochter Jewel im Palast der blauen Insel als offensichtliche Herrin. Da die kriegerischen Fey nach der Eroberung des Kontinents Nye langsam ungeduldig werden und die blaue Insel ein Stützpunkt für die nächsten Kriegszüge sein könnte, beginnt Rugar die Offensive gegen die Insel.
Auch Jewel hat eine Vision: Sie sieht sich selbst verwundet und in Gegenwart eines Inselbewohners. Rasch stellt sich heraus, daß dies Nicholas ist, der Sohn des Inselkönigs.
Der Krieg beginnt, und zuerst sieht es so aus, als würden die Fey auch diesmal kampflos gewinnen - doch dann scheint sich das Blatt zu wenden, und die Zukunft der blauen Insel ist ungewiß...

Für dieses Buch braucht man viel Zeit - nicht nur, weil der Band immerhin an die 460 Seiten umfaßt, sondern auch, weil es eine Weile dauert, bis man mit den Charakteren und der Handlung warm wird.
Die Autorin benutzt mehrere Hauptpersonen, die von Kapitel zu Kapitel wechseln. Man muß sich also immer erneut zurechtfinden, und das erste Drittel des Romans ist man damit beschäftigt, zu rekapitulieren, wer denn nun wer ist. Zudem ist die Vorgeschichte, die in diesem Drittel erzählt wird, alles andere als spannend.
Wenn man jedoch geduldig ist, dann wird man mehr und mehr in die Welt hineingezogen, die Kristine K. Rusch detailreich und liebevoll schildert. Sie unterscheidet sich zwar nicht so sehr von den üblichen Fantasy-Welten, doch sie besticht durch einige neue Ideen. Tierreiter, die entweder komplett menschlich oder eine Mischform zwischen Tier und Mensch sind, Gestaltwandler, hier Doppelgänger gennant, - nur zwei Beispiele dieses Ideenreichtums. Was mir besonders aufgefallen ist, ist die Einbindung einer Religion, die deutliche Züge der Römisch-Katholischen trägt. Was natürlich dem einen oder anderen Leser etwas merkwürdig anmuten wird, aber diese Religion ist so dezent und geschickt in den Roman eingebaut, daß sie kein Stein des Anstoßes ist.
Der Nachteil dieses Bandes ist der fehlende Schluß. Es ist natürlich eine Marketing-Strategie, die einen veranlassen soll, möglichst rasch den nächsten Band zu kaufen. Wobei zu bemerken ist, daß dies laut Originaltitel der erste Teil eines einzigen Romanes zu sein scheint. Offenbar hat der deutsche Verlag entschieden, das in zwei Bücher zu packen. Nun, wie gesagt, das ist eine reine Marketing-Strategie und schmälert den Lesegenuß doch ein wenig. Dennoch - nachdem man das letzte Kapitel zu Ende gelesen hat, hängt man als Leser etwas in der Luft.

Fazit:
Wer sehr detailreiche und ausführlich geschilderte Welten a la "Herr der Ringe" oder "Das Rad der Zeit" mag, wird diesen Roman mögen. Allerdings braucht man ein wenig Geduld. Dann aber lohnt es sich durchaus.
10 Punkte

Christian Spließ


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.


home...