Der
Untertitel "Das erste Buch der Fey" verrät es schon: Dieses Buch
ist der Beginn eines Romanzyklus. Laut Verlag sind die ersten drei
Bände schon erschienen, weitere seien in Vorbereitung. Die Vor-
und Nachteile eines Zyklus brauche ich wohl nicht weiter zu
erläutern.
Alles beginnt mit einer Vision, die Rugar, der Sohn des schwarzen
Fey-Königs, hat: Er sieht seine Tochter Jewel im Palast der
blauen Insel als offensichtliche Herrin. Da die kriegerischen Fey
nach der Eroberung des Kontinents Nye langsam ungeduldig werden und
die blaue Insel ein Stützpunkt für die nächsten
Kriegszüge sein könnte, beginnt Rugar die Offensive gegen
die Insel.
Auch Jewel hat eine Vision: Sie sieht sich selbst verwundet und in
Gegenwart eines Inselbewohners. Rasch stellt sich heraus, daß
dies Nicholas ist, der Sohn des Inselkönigs.
Der Krieg beginnt, und zuerst sieht es so aus, als würden die
Fey auch diesmal kampflos gewinnen - doch dann scheint sich das Blatt
zu wenden, und die Zukunft der blauen Insel ist ungewiß...
Für dieses Buch braucht man viel Zeit - nicht nur, weil der Band
immerhin an die 460 Seiten umfaßt, sondern auch, weil es eine
Weile dauert, bis man mit den Charakteren und der Handlung warm
wird.
Die Autorin benutzt mehrere Hauptpersonen, die von Kapitel zu Kapitel
wechseln. Man muß sich also immer erneut zurechtfinden, und das
erste Drittel des Romans ist man damit beschäftigt, zu
rekapitulieren, wer denn nun wer ist. Zudem ist die Vorgeschichte,
die in diesem Drittel erzählt wird, alles andere als
spannend.
Wenn man jedoch geduldig ist, dann wird man mehr und mehr in die Welt
hineingezogen, die Kristine K. Rusch detailreich und liebevoll
schildert. Sie unterscheidet sich zwar nicht so sehr von den
üblichen Fantasy-Welten, doch sie besticht durch einige neue
Ideen. Tierreiter, die entweder komplett menschlich oder eine
Mischform zwischen Tier und Mensch sind, Gestaltwandler, hier
Doppelgänger gennant, - nur zwei Beispiele dieses
Ideenreichtums. Was mir besonders aufgefallen ist, ist die Einbindung
einer Religion, die deutliche Züge der Römisch-Katholischen
trägt. Was natürlich dem einen oder anderen Leser etwas
merkwürdig anmuten wird, aber diese Religion ist so dezent und
geschickt in den Roman eingebaut, daß sie kein Stein des
Anstoßes ist.
Der Nachteil dieses Bandes ist der fehlende Schluß. Es ist
natürlich eine Marketing-Strategie, die einen veranlassen soll,
möglichst rasch den nächsten Band zu kaufen. Wobei zu
bemerken ist, daß dies laut Originaltitel der erste Teil eines
einzigen Romanes zu sein scheint. Offenbar hat der deutsche Verlag
entschieden, das in zwei Bücher zu packen. Nun, wie gesagt, das
ist eine reine Marketing-Strategie und schmälert den
Lesegenuß doch ein wenig. Dennoch - nachdem man das letzte
Kapitel zu Ende gelesen hat, hängt man als Leser etwas in der
Luft.
Fazit:
Wer sehr detailreiche und ausführlich geschilderte Welten a la
"Herr der Ringe" oder "Das Rad der Zeit" mag, wird diesen Roman
mögen. Allerdings braucht man ein wenig Geduld. Dann aber lohnt
es sich durchaus.
10 Punkte