Freitag,
17.12.1999Na also, die wichtigsten Dinge sind erledigt (Rezi zum Band 2000
geschrieben und im Hotel eingecheckt), dann kann der World-Con nun
endlich beginnen.
Den ersten wirklichen Raum, den man betritt, ist der
Händlerraum. Hier darf jeder rein und schauen, was so los ist;
dahinter verbirgt sich das Allerheiligste, der Con-Ort der
Rheingoldhalle. Das Einchecken geht ein wenig langsam voran, und alle
jammern über die Massen. Ein wenig seltsam in Anbetracht dessen,
daß man doch eigentlich 3000 Leute erwartet und im Vorfeld nur
Drei-Tages-Karten verkauft hat.
Und dennoch: Während der "normale" Fan im Gedränge wartet,
erweist sich die "Prominenz" unerwartet aufgeschlossen. Klaus N.
Frick wuselt über das Gelände und drückt jedem die
Hand, dessen Gesicht er zu kennen glaubt, und auch die Autoren, die
man schon auftreiben kann, sind in Gesprächen sehr
entgegenkommend und frühen Autogrammwünschen ganz und gar
nicht abgeneigt.
Der erste eigentliche Con-Raum wird von den Clubs dominiert, und
davon haben sich nicht wenige nach Mainz locken lassen. Zwar jammert
der eine oder andere über zuwenig Platz, aber irgendwie hat man
sich arrangiert und kann den angereisten Fans eine Menge an Material
und Auskunft bieten. So, wie es mir vorkam, wurden bereits am ersten
Tag durchaus einige neue Fänge für das fannische Leben
gemacht.
Ein wenig
schade fand ich, daß der Con-Betrieb dann in aller Ruhe und
Stille vonstatten ging. Man blickte einfach irgendwann ganz harmlos
auf die Uhr und stellte fest, daß die ersten Programmpunkte
bereits vorbei sein mußten. In dem ganzen Trubel vermochte man
kaum zu glauben, daß sich das Programm bereits in Gang gesetzt
hat. Aber nix wars damit, alles schien recht pünktlich
angelaufen zu sein. Ich konnte mich selbst davon überzeugen,
daß bereits etliche Teilnehmer zu den Vorträgen
strömten und so alles seinen Gang nehmen konnte.
Das erste Highlight des Abends: Autogrammstunde. Hieraus ergeben sich
in meinen Augen zwei Vorteile. Zum einen werden die Autoren ein wenig
geschont und haben sich heute schon einen ganzen Schwung an
Autogrammjäger von Hals geschafft; und dadurch, daß man
sich allgemein schon in Geberlaune befunden hat, dürfte der
ganze Streß sowieso ein wenig geringer verlaufen sein. Dennoch
war die Sache erst einmal sehr chaotisch. Einige Autoren kamen und
begannen sofort zu schreiben. Selbstverständlich war sofort die
Hölle los, und es bedurfte einiger Koordinierung, bis endlich
alle schön brav in einer Schlange standen und so die Reihe der
Autoren ablaufen konnten.
Danach folgte dann mit ein wenig Verspätung der
angekündigte "Bunte Abend". Hierunter ist ein Gemisch aus
musikalischen und im wesentlichen komödiantischen Nummern zu
verstehen. Musikalisch wurde einmal mehr Filk geboten. (Für
alle, die es noch nicht wissen: Filk entsteht aus den Begriffen Folk
Music und Fantasy und SF, ist also Folk Music mit SF- und/oder
Fantasy-Texten) Die Künstler hatten sogar einen Perry
Rhodan-Song geschrieben (da so etwas in diesem Genre bisher noch
nicht vorgekommen war), der von den anwesenden Fans frenetisch
bejubelt wurde. Nach einer Weile gab es eine kleine Pause, in der man
die Sorte der Sprechenden Fans ans Wort lief, die von Hermann Ritter
moderiert wurden.
Von gerade
diesen Elementen war ich doch ein wenig (aber positiv)
überrascht, denn dieses fannische Element hatte ich auf dem Con
eigentlich nicht erwartet.
Alles in allem muß ich sagen, daß bereits der erste Tag
doch recht gelungen war, obwohl noch nicht viel geboten wurde.
Bestimmt wurde er von allem von den Fans, und das Nichtangebot von
Programm bot viele Gelegenheiten, alte Bekanntschaften wieder
aufzufrischen bzw. einige neue zu schließen, so daß man
sich gut und in aller Gemütlichkeit auf den nächsten Tag
vorbereiten konnte.
Samstag,
18.12.1999:Nun denn, es ist vorüber; und alle, die da waren, halten
endlich den langersehnten Band 2000 ihren Händen. Ein Band, der
die Leser wohl schon jetzt spaltet, denn ich habe schon viel Kritik
an ihm vernommen, doch weiß ich, daß gerade die
Flash-Rezensionen wohl alle recht positiv ausgefallen sein sollen.
Aber nun was zum Con an sich.
Samstag ist, wie sollte es auch anders sein, der Haupttag des Cons.
Bereits von Anfang zeigt sich, daß man versucht, nicht einfach
nur eine große Show zu Band 2000 aufzufahren, sondern man kann
fast den Eindruck gewinnen, auf einer Reise durch die Zeit zu sein.
Viele Programmpunkte gehen weit in die Vergangenheit oder
beschwören diese zumindest. Als Beispiel sei hier etwa die von
Klaus N. Frick moderierte Runde mit den Witwen Mahn (ehemals Voltz)
und Scheer. Zwar wirkte Frau Mahn ein wenig distanziert, dafür
erwies sich Frau Scheer allerdings umso mitteilsamer, so daß
dadurch wie auch durch Fricks enthusiastischen Fragestil von beiden
dann doch eine ganze Menge netter und häufig auch lustiger
Geschichten und Anekdoten aus den Anfangstagen der Serie ans
Tageslicht kamen. Ebenfalls im Rahmen der Historie stand auch der
Programmpunkt mit dem großen ausländischen Star Forrest
Ackerman. Hierdurch sollte wohl ein internationales Flair geschaffen
werden. Doch leider erwies sich die ganze Show als sehr zäh und
äußerst unglücklich. Eigentlich ging hier (bis auf
die Technik) so alles schief, was koordinatorisch bei so einem Punkt
nur schiefgehen kann. Das begann schon bei der fehlenden Einleitung,
die dann mitten im Interview nachgeholt wurde (bzw. abgelesen
wurde!!!!!!), gefolgt von der schlechten Übersetzung, die sich
die drei Kommentatoren auf der Bühne gegenseitig
hinüberschoben und keiner so richtig wollte. Entschuldigt wurde
das Ganze dann mit den Worten "wir sind halt keine Profis", aber ein
wenig peinlich wirkte es schon. Mittendrin stand dann ein (in meinen
Augen) durch das Chaos etwas verunsicherter Forrest Ackerman, der
zwar Lustiges zu erzählen hatte, dies aber in eben jenen
erwähnten Punkten doch arg unterging. Aber ich schätze mal,
daß das einfach unter die Rubrik 'übliche und
unvermeidbare Pannen' fällt; ich will den "Verantwortlichen"
weder Unfähigkeit noch Absicht unterstellen. Ich schätze,
so etwas passiert ab und an einfach. Allgemein kann ich nur sagen,
daß gerade der Samstag keine wesentlichen organisatorischen
Schwächen hatte, die wirklich auffällig gewesen wäre.
Das Programm war sehr vielfältig. Es gab Punkte zu den Ebenen:
Wissenschaft, Perry Rhodan (Vergangenheit und Zukunft), Technik und
eine recht große und umfangreiche Ebene, die sich mit dem Thema
Fans und ihre Projekte befaßte. Hier durften sich unter anderem
die im Saal vertretenen Fan-Clubs vorstellen, oder es wurde über
die internationale Fan-Szene berichtet.
Unumstrittener
Höhepunkt des Abends war jedoch die Präsentation von Band
2000. Nachdem die "feierliche Eröffnung" ein eher langweiliges
Procedere war, wurde hier schon einiges aufgefahren. Eine schöne
Animation präsentierte in Kurzform noch einmal die
Höhepunkte und Geschichte der Serie, in dem unter dem Schatten
eines Counters alle Jubiläumsbände erschienen und aus
verschiedenen Elementen sich dann das Cover von Band 2000
herausschälte. Nun folgte noch ein wenig das übliche
Blabla, dann wurde endlich die auf 5000 Exemplare limitierte Ausgabe
unter das sehnsüchtig wartende Volk gestreut. Unzählige
Helfer durchliefen die Reihen der Rheingoldhalle und verteilten den
Roman, der sich durch ein schwarzes und recht schlicht gehaltenes
Übercover von der Kioskausgabe unterscheidet. In meinen Augen
ist das Cover schlicht, aber schön. Dennoch hätte man nicht
so einen Wind darum machen sollen, denn dafür ist die Aufmachung
wirklich nicht so überragend (sondern wirklich simpel - man
hätte sich eher das Geld für den völlig deplazierten
Gast-Moderator Jo Müller sparen und lieber in die Aufmachung
investieren können), nachdem sich die Contasche schon als recht
unspektakulär erwiesen hat.
Nachdem das
also nun gegessen war, kam für die Autoren bzw. für Klaus
und den jetzigen Expo-Alleinherrscher Robert Feldhoff die leidige
Aufgabe, wieder einmal ein paar Infos über den neuen Zyklus
auszuplaudern. Ich habe schon erlebt, daß das arg peinlich
wurde, aber an diesem Tag sahen die hohen Herren sich in ihrer
Verantwortung und erzählten einiges, was über die Handlung
von Band 2000 hinausging. Details kann ich mir hier ersparen, denn
das was ich jetzt wiedergeben könnte, wird schon viel
früher und ausführlicher in den zahlreichen Mailinglisten
zu lesen gewesen sein. Ich kann bloß kommentieren, daß
ich diesen Punkt als sehr gelungen ansehe und viel Lust auf das
bekommen habe, was in den nächsten Monaten und Jahren auf uns
zukommen wird.
Damit war der Abend für mich "fast" schon gelaufen. Fast
gelaufen deshalb, weil ich mich dazu überreden ließ, mich
mit meinem so kostbaren Sonderband in die lange Reihe der
Autogrammjäger einzureihen und diesen durch einige
Unterschriften noch zu exklusivieren. Die reine Standzeit kam dann
auf weit über 2 Stunden, doch wurde die sonst so langweilige
Wartezeit durch viele nette Leute verkürzt, die in meiner
Umgebung standen und so für mich die Zeit schon fast wie im Flug
verging. Ich möchte alle jene, die sich hiervon angesprochen
fühlen, hier noch einmal herzlich grüßen und
auffordern, sich doch der unter meinem Namen verbergenden
E-Mail-Adresse zu bedienen. Ich würde mich über einige
Kontakte sehr freuen.
Nachdem ich
meinen Roman dann mit Unterschriften hatte füllen lassen, war
der Tag für mich dann wirklich gelaufen. Er war interessant,
lustig, aufregend und anstrengend. Im großen und ganzen gab es
in meinen Augen nicht viel zu kritisieren. Natürlich war nicht
alles perfekt, und nicht alles hat wirklich funktioniert, aber das
liegt nun einmal in der Natur der Dinge. Die Organisatoren haben sich
sichtlich Mühe gegeben, einen tollen Event auf die Beine zu
stellen, und ich gehöre auf jeden Fall zu denen, die Mainz am
Sonntag mit dem glücklichen Gefühl verließen,
daß ihre Erwartungen nicht enttäuscht worden sind.
Der Freitag
war vor allen Dingen der Anreise, dem Umschauen und dem Kennenlernen
gewidmet. Überrascht hat mich der "bunte" Abend, der mit
allerlei Programm der Fans bestritten wurde. Sonntag war den meisten
dann doch schon etwas die Müdigkeit anzusehen, aber dennoch war
auch dieser Tag noch reichlich voll und hier wurde bereits heftig
über den Con und Band 2000 diskutiert und gestritten. Eines
hätte man sich an diesem Tag aber wirklich sparen können:
die Schlußzeremonie. Das war genau dasselbe wie die
Eröffnung, nur daß Sabine Bretzinger diesmal einen
Co-Kommentator mit Ahnung neben sich hatte (Klaus N. Frick), der eine
nicht ganz so peinliche Figur abgab wie Jo Müller tags zuvor,
sondern vielmehr durch sein Show-Talent glänzte.
Ich kann für meinen Teil sagen, daß es mir wirklich sehr
gut gefallen hat. Ich hatte viel Spaß und habe mich nicht
gelangweilt. Es gab Phasen, da konnte man sich einfach nur in eine
Ecke setzen und die Show-Elemente genießen (Präsentation
von Band 2000 oder die "feierliche Eröffnung"). An dieser Stelle
ein Lob an die Leute vom PROC, die viele schöne Animationen
beisteuerten und die Veranstaltung so auch optisch aufwerteten.
Gerade das hat mir sehr gut gefallen. Es wurde so nämlich
versucht, so viele Fans wie möglich in den Con einzubinden (so
auch z.B. die unzähligen Clubtische, extra Programm zu vielen
Dingen von Fans für Fans und auch das Programm des "bunten"
Abends).
Fazit:
Also, ich bin erschöpft, aber sehr zufrieden aus Mainz
heimgekehrt, mit einem Band 2000 voller Unterschriften und mit vielen
Programmpunkten im Gepäck, die ich mir während der drei
Tage angesehen habe. Gut, ich freue mich auch auf den einen oder
anderen "kleinen" Con im nächsten Jahr, aber ebenso freudig sehe
ich dem nächsten WeltCon entgegen. Auf alle Fälle!