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Inhalt:
Der Archäologe John Kenton entdeckt in einem alten Felsblock von
einer Ausgrabungsstätte bei Babylon (den ihm ein Kollege
geschickt hat, da Kenton selber leider nicht an der Expediton
teilnehmen konnte) ein seltsames Schiff und wird in eine unwirkliche
Welt geschleudert, wo er sich bald als Rudersklave auf einer Galeere
wiederfindet, die von den Göttern verflucht ist. Doch er
weiß, er ist dazu bestimmt, das Kommando über das Schiff
zu übernehmen - ebenso wie die unnahbar erscheinende Priesterin
Sharane einmal ihm gehören wird. Und so wird aus dem
schmächtigen Gelehrten ein muskelstrotzender Mannskerl, der sich
zwischen den Kampf zweier Götter stellt...
Ach, das kommt jetzt jemandem bekannt vor? Richtig, dieser Roman ist
bereits (mindestens) einmal auf Deutsch erschienen - wenn ich mich
nicht irre, war das Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre in der
Taschenbuch-Reihe Terra Fantasy, die zwar unwidersprochen durchaus
gute Romane hervorgebracht hat, zu denen dieser jedoch m.E. definitiv
nicht gehört.
Auch die wiederholte Lektüre mit einem Abstand von rund 20
Jahren kann nicht verhehlen, daß es sich bei der "Insel der
Zauberer" keineswegs um einen "unübertroffenen Höhepunkt
der internationalen Fantasy-Literatur" handelt, wie uns der
Klappentext weismachen will. Denn wie in der Fantasy der 40er Jahre
nicht unüblich, verzichtet Merritt weitestgehend auf jegliche
Chrakterisierungen seiner Personen, schiebt statt dessen Schablonen
der meistgelesenen Art davor - und all dies vor einer Handlung, der
man heutzutage sicherlich statt "fesselnder Spannung" (O-Ton
Klappentext) bestenfalls noch "langanhaltende Gähnanfälle"
(O-Ton Rezensent) entlocken kann. Wie war das noch mit Sharane?
Zuerst heißt es sinngemäß: "Schafft mir diesen
ekelhaften Fremdling aus den Augen". Als Kenton dann Muskeln
entwickelt: "Irgendwie zieht er mich an." Und als er
schließlich das Schiff übernimmt, kommt der große
Umschwung aus heiterem Himmel, und die beiden sind das
größte vorstellbare Liebespaar. Das kann man heutzutage
noch nicht einmal einem Leser/einer Leserin von Liebesromanen mehr
vorsetzen... (* Och, man könnte wohl theoretisch schon, aber
selbst die würden heutzutage halt nicht mehr drauf abfahren...
Heike)
Denn nicht nur, daß die Story inzwischen vielhundertfach in
allen Abarten geklont wurde und die Figuren bestenfalls
zweidimensional zu nennen sind, zumindest in der deutschen
Übersetzung quillt die Story nur so vor sich hin, erweist sich
als schwülstiger Brei, den der Leser nur mit sehr viel gutem
Willen schlucken kann - und selbst dann noch nach der Lektüre
das Gefühl hat, dringendst ein Bad nehmen zu müssen, um
sich den ganzen schleimigen Schmalz abzuwaschen, der sich
während der Lektüre angesetzt hat.
Mehr Worte über diesen "Roman" zu verlieren, wäre eindeutig
eine Verschwendung von Ressourcen. Schade eigentlich, daß die
beiden ersten Romane der neuen Hardcover-Reihe des Blitz-Verlags nun
so unvereinbar gegensätzlich ausfallen mußten. Die beim
Leser angesammelten Sympathiepunkte von Brian Hodges "Rune"
schmelzen, kaum aufgebaut, auch schon wieder dahin. Die Reihe
hätte eindeutig einen besseren zweiten Roman verdient gehabt als
ein scheintotes Wortgebilde, das schon lange unter der Erde ruhte.
Mit dieser "Ausgrabung" hat man sich sicherlich keinen Gefallen
getan.
Fazit:
Bestenfalls für den Liebhaber schwülstiger, schmalziger,
eindimensionaler Uralt-Fantasy geeignet. Alle anderen: Hänge
weg! Daß dieser Roman so langsam in Vergessenheit geraten ist,
hatte er eindeutig verdient - die Exhumierung war hier nun wirklich
nicht notwendig. Um es mit den Worten der Kollegen von der Perry
Rhodan Perspektive zu sagen: "Nur für Sammler" - oder halt im
Flash-Stil: Saubere, glatte, wohlverdiente
0 Punkte.
(* Falsch, das ist kein Jim B... äh, ups... kein Flash-Stil.
Das ist Ritchie-Stil! ;-) Heike)