Jane Welch:

"Der Kreis von Abalone"

(Runenzauber 7)
OT: The Lament of Abalone, Chapter 1-13
Ü: Jörn Ingwersen
GB 1998
(303 Seiten, Taschenbuch, Knaur 70149, ISBN 3-426-70149-9, DM 15,90)
- erschienen: Dezember 1999 -

Drei Jahre sind seit der vaalakanischen Invasion in den Süden vergangen. Auf Torra Alta ist man mittlerweile fast gänzlich wieder zum alten Glauben zurückgekehrt, wie fast überall in Belbedia.
Hal, mittlerweile mit Brid verlobt, ist unterwegs, um die Provinz seines Bruders vor dem König zu vertreten. Gemeinsam mit einigen anderen Adeligen wird er ausgewählt, um die zukünftige Gemahlin des Königs aus dem entfernten Celothia nach Belbedia zu begleiten.
Daheim in Torra Alta herrscht inzwischen eine Wolfsplage. Große, schreckliche Kapuzenwölfe machen das Land unsicher, und die Jäger beschränken sich nur auf die einfach zu jagenden heimischen Wölfe. Als ein Jäger ein Muttertier tötet, ziehen Spar und Brid aus, um die Jungen zu retten. Dabei geraten sie durch ein Tor in die Welt der Unsterblichen, aus der es für sie kein Zurück mehr geben kann...

Offensichtlich ist Jane Welch von ihrer eigenen Welt so angetan, daß sie an die Geschichte um die Vaalaker noch ein Kapitel anhängen will. Allerdings weiß ich nicht, warum man das ganze unter demselben Zyklusnamen laufen läßt, denn mit den vorherigen Büchern hat es nun absolut nichts mehr zu tun - außer den Charakteren. Aber hier scheint sich nicht viel getan zu haben. Zwar sind die drei Jahre an Caspar, Brid und Hal nicht spurlos vorübergegangen, aber wirklich viel gelernt haben die drei nicht. Hal ist immer noch ein wenig größenwahnsinnig und starrt jedem Rock hinterher, Brid ist immer noch dieselbe Jungfrau und Teil der Trinität, und Spar ist immer noch unsterblich in Brid verliebt, obwohl er ein wenig mit einem Mädchen auf der Burg herumtändelt. Es herrschen also dieselben Konflikte wie zuvor. Neu ist allerdings, daß wir zwei völlig voneinander getrennte Handlungsebenen haben. Hal ist zusammen mit Ceowulf auf der Mission, die Prinzessin nach Hause zu bringen; Brid und Spar sind auf der Suche nach den Wölfen. Allerdings muß Spar sich hier zum ersten Mal als Anführer eines kleinen Trupps beweisen, was natürlich prompt in die Hose geht, und so stehen bald alle ganz allein da. Dadurch erreichen wir einen recht angenehmen Grad von Komplexität, die aber nie unübersichtlich wird.
Ich nehme an, daß alle Handlungsebenen irgendwann wieder zusammenlaufen werden. Das dürfte aber noch eine Weile dauern, da uns der Knaur-Verlag einmal mehr einen schön geteilten Roman präsentiert. Im Gegensatz zu Band 6 hat man sich diesmal auf die unglaubliche Seitenanzahl von 300 eingelassen. Das macht allerdings nicht viel wett; und so hat man am Ende wieder einmal einen halbvollständigen Roman in den Händen, mit dem allein so nicht viel anzufangen ist. Nun denn, aber damit müssen die Leser halt leben.
Was bleibt, ist die andere Welt, auf der sich Spar und Brid auf einmal wiederfinden. Hier herrschen seltsame Unsterbliche über eine Ebene zwischen Tod und Leben, und wer sie betreten hat, darf sie nicht wieder verlassen. Es ist just jener Teil des Buches, der erst recht spät anfängt und deshalb am meisten durch die Trennung des Romans zu leiden hat. Im Moment wirkt er recht unausgegoren. Ich habe den Eindruck, daß hier noch einige Dinge im Aufbau sind. Ständig erfährt der Leser etwas Neues, und bevor man sich wirklich ein schlüssiges Bild machen kann, ist es auch schon wieder vorbei. Man weiß eigentlich nur, daß Brid und Spar eine einzige Waffe besitzen, von der man aber noch keinerlei Ahnung hat, wie sie ihnen helfen könnte. Zugegeben, dadurch wird ein kleiner Moment der Spannung erzeugt. Allerdings muß man dazu sagen, daß die Autorin auch hier nicht so richtig auf den Punkt kommen mag und immer wieder neue Elemente einfließen läßt, deren Nützlichkeit ich doch bezweifeln möchte.

Fazit:
Ein neues Kapitel aus der Runenzauber-Saga, das eine Menge Verwicklungen und durchaus interessante Handlungsstränge aufbaut, die aber alle auf halber Strecke liegenbleiben. Ein Schicksal, das dieser Roman nicht als erster erleiden muß. Die Erfahrung hat gezeigt, daß der Folgeband um einiges besser werden wird.
7 Punkte

Alexander Haas


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