Drei Jahre
sind seit der vaalakanischen Invasion in den Süden vergangen.
Auf Torra Alta ist man mittlerweile fast gänzlich wieder zum
alten Glauben zurückgekehrt, wie fast überall in
Belbedia.
Hal, mittlerweile mit Brid verlobt, ist unterwegs, um die Provinz
seines Bruders vor dem König zu vertreten. Gemeinsam mit einigen
anderen Adeligen wird er ausgewählt, um die zukünftige
Gemahlin des Königs aus dem entfernten Celothia nach Belbedia zu
begleiten.
Daheim in Torra Alta herrscht inzwischen eine Wolfsplage.
Große, schreckliche Kapuzenwölfe machen das Land unsicher,
und die Jäger beschränken sich nur auf die einfach zu
jagenden heimischen Wölfe. Als ein Jäger ein Muttertier
tötet, ziehen Spar und Brid aus, um die Jungen zu retten. Dabei
geraten sie durch ein Tor in die Welt der Unsterblichen, aus der es
für sie kein Zurück mehr geben kann...
Offensichtlich ist Jane Welch von ihrer eigenen Welt so angetan,
daß sie an die Geschichte um die Vaalaker noch ein Kapitel
anhängen will. Allerdings weiß ich nicht, warum man das
ganze unter demselben Zyklusnamen laufen läßt, denn mit
den vorherigen Büchern hat es nun absolut nichts mehr zu tun -
außer den Charakteren. Aber hier scheint sich nicht viel getan
zu haben. Zwar sind die drei Jahre an Caspar, Brid und Hal nicht
spurlos vorübergegangen, aber wirklich viel gelernt haben die
drei nicht. Hal ist immer noch ein wenig größenwahnsinnig
und starrt jedem Rock hinterher, Brid ist immer noch dieselbe
Jungfrau und Teil der Trinität, und Spar ist immer noch
unsterblich in Brid verliebt, obwohl er ein wenig mit einem
Mädchen auf der Burg herumtändelt. Es herrschen also
dieselben Konflikte wie zuvor. Neu ist allerdings, daß wir zwei
völlig voneinander getrennte Handlungsebenen haben. Hal ist
zusammen mit Ceowulf auf der Mission, die Prinzessin nach Hause zu
bringen; Brid und Spar sind auf der Suche nach den Wölfen.
Allerdings muß Spar sich hier zum ersten Mal als Anführer
eines kleinen Trupps beweisen, was natürlich prompt in die Hose
geht, und so stehen bald alle ganz allein da. Dadurch erreichen wir
einen recht angenehmen Grad von Komplexität, die aber nie
unübersichtlich wird.
Ich nehme an, daß alle Handlungsebenen irgendwann wieder
zusammenlaufen werden. Das dürfte aber noch eine Weile dauern,
da uns der Knaur-Verlag einmal mehr einen schön geteilten Roman
präsentiert. Im Gegensatz zu Band 6 hat man sich diesmal auf die
unglaubliche Seitenanzahl von 300 eingelassen. Das macht allerdings
nicht viel wett; und so hat man am Ende wieder einmal einen
halbvollständigen Roman in den Händen, mit dem allein so
nicht viel anzufangen ist. Nun denn, aber damit müssen die Leser
halt leben.
Was bleibt, ist die andere Welt, auf der sich Spar und Brid auf
einmal wiederfinden. Hier herrschen seltsame Unsterbliche über
eine Ebene zwischen Tod und Leben, und wer sie betreten hat, darf sie
nicht wieder verlassen. Es ist just jener Teil des Buches, der erst
recht spät anfängt und deshalb am meisten durch die
Trennung des Romans zu leiden hat. Im Moment wirkt er recht
unausgegoren. Ich habe den Eindruck, daß hier noch einige Dinge
im Aufbau sind. Ständig erfährt der Leser etwas Neues, und
bevor man sich wirklich ein schlüssiges Bild machen kann, ist es
auch schon wieder vorbei. Man weiß eigentlich nur, daß
Brid und Spar eine einzige Waffe besitzen, von der man aber noch
keinerlei Ahnung hat, wie sie ihnen helfen könnte. Zugegeben,
dadurch wird ein kleiner Moment der Spannung erzeugt. Allerdings
muß man dazu sagen, daß die Autorin auch hier nicht so
richtig auf den Punkt kommen mag und immer wieder neue Elemente
einfließen läßt, deren Nützlichkeit ich doch
bezweifeln möchte.
Fazit:
Ein neues Kapitel aus der Runenzauber-Saga, das eine Menge
Verwicklungen und durchaus interessante Handlungsstränge
aufbaut, die aber alle auf halber Strecke liegenbleiben. Ein
Schicksal, das dieser Roman nicht als erster erleiden muß. Die
Erfahrung hat gezeigt, daß der Folgeband um einiges besser
werden wird.
7 Punkte