Malte S. Sembten u.a.:

"Die Handgranate Gottes"

(Murphy - Band 3)
D 1999

1) Al Wallon & Marten Munsonius: "Das Geheimnis des Rummels, den es nicht gab"

2) Jack Eden: "Mitternachtsruinen"

3) Antje Ippensen: "Der Orden des Feuers Wildnis - Blut in den Flammen"

4) Michael Siefener: "Haus der Dämonen"

5) Wilfried A. Hary: "Der Sauger"

6) Malte S. Sembten: "Die Handgranate Gottes"

(346 Seiten, Paperback, Blitz-Verlag, ISBN 3-932171-52-7, DM 29,80)
- erschienen: Oktober 1999 -

Man erinnere sich an das Ende von Murphy Band 2: David und seine Begleiter - Luc Dumont sowie die mysteriöse Kate - sind der schwarzen Hölle mit Mühe und Not entkommen und wollen sich nunmehr auf den Weg zur Abtei nach Clairmont machen. Doch ein fremdes Wesen ist ihnen gefolgt und versucht David zu töten, indem es ihn an einer Tankstelle in der Nähe von Paris mit einem Motorrad anfährt.
Schwerverletzt wird David ins Krankenhaus eingeliefert und kommt nur knapp mit dem Leben davon. In den darauffolgenden Tagen wird er von allerlei Träumen und Erinnerungen geplagt...

Al Wallon & Marten Munsonius: "Das Geheimnis des Rummels, den es nicht gab"
Ganz Pertus Hills freut sich auf den Jahrmarkt, der an diesem Wochenende ansteht. Bei einer der Attraktionen handelt es sich um ein Spiegelkabinett, das - wie sich herausstellt - nichts weiter als eine erneute Falle der Dämonenjünger ist. Diese versuchen den Dämonen der Dämmerung durch Menschenopfer ein Tor in unsere Welt zu öffnen.

Eine typische, von den Hauptautoren der Serie verfaßte Murphy-Story, blutig und obszön wie immer, jedoch auf keinen Fall in unnötiger Weise. Verglichen mit dem ersten Band von Murphy erhalten die Gewalt- und "Sex"-Szenen in dieser Story durch den Geschichtsverlauf ihre Rechtfertigung und werden nicht um ihrer selbst willen präsentiert - auch wenn's mal wieder von masturbierenden Dämonen und notgeilen Normalos nur so wimmelt.
Die Geschichte kommt zu Beginn sehr verworren daher, wechselt ständig die Protagonisten, dementsprechend die Perspektiven und teilweise auch die Zeitebene. Gerade das macht die Spannung der Story aus, führt aber auch zu jeder Menge Fragen, die auch am Ende unbeantwortet bleiben. (* Ah, wenigstens bin ich also doch nicht die einzige, die teils vor einem Rätsel stand... ;-) Heike)
Die Atmosphäre kann man durchaus als "blutgeschwängert" bezeichnen. Wallon & Munsonius haben ja schon in den bereits erschienenen beiden Romanen bewiesen, daß sie lieber auf solide Action und eine interessante Story setzen.

Fazit:
Blutig-obszöne Murphy-Story, die durch ordentliche "Hau-drauf"-Action und eine nicht leicht durchschaubare Story Spannung schafft. 11 Punkte

Jack Eden: "Mitternachtsruinen"
Murphy findet die Logbuchaufzeichnungen eines Matrosen, der nach erlittenem Schiffbruch auf einer unbekannten Insel landete. Diese scheint neben den Ruinen einer uralten Zivilisation auch eine Spezies von Fischmenschen zu beherbergen.
David uns seine Freundin Corinne machen sich auf, um dem Geheimnis dieser Insel auf den Grund zu gehen.

08/15-Gruselgeschichtchen, das sich mit der Atlantis-Thematik beschäftigt. Zunächst versprechen die Andeutungen um den Ursprung der Insel eine recht interessante Geschichte, die sich jedoch bald als billiger Grusel entpuppt. Der Autor versagt bei seinen Bemühungen, so etwas wie Atmosphäre zu schaffen, und ansonsten ist die Story altbekannt. Etwas Gutes an diesem Werk?
Ja, die Kürze! Man muß sich durch gerade mal 19 Seiten quälen. 3 Punkte

Antje Ippensen: "Der Orden des Feuers" & "Wildnis - Blut in den Flammen"
Die beiden Geschichten schließen direkt aneinander an und waren wohl als Fortsetzungsgeschichte innerhalb der einstmals geplanten Murphy-Heftserie konzipiert, deshalb behandele ich sie mal, als wäre es eine einzige Geschichte.
David Murphy und einige seiner Freunde sind zu einer Pinochle-Partie in New York verabredet. Einer der Mitspieler, ein gewisser Malcolm, macht auf seiner Reise die Bekanntschaft eines merkwürdigen "Mannweibs" namens Ben Cinnamon, mit der er sehr schnell Freundschaft schließt. Schon bald merkt er, daß die heruntergekommene Person ein Geheimnis birgt, etwas, das mit ihrer verschollenen Schwester Xynthia zusammenhängt.
Derweil macht ein weiterer Mitspieler, Pater Solomon, in N.Y. die Bekanntschaft eines mysteriösen Mannes, der ihm einen kleinen Stein schenkt. Natürlich handelt es sich dabei um keinen gewöhnlichen Stein, sondern vielmehr um einen, der seine Form wechseln kann und auch ansonsten über allerlei magische Fähigkeiten verfügt.
Die Hinweise verdichten sich, daß der geheimnisvolle Fremde einen Anschlag auf die Spielrunde plant. Als Murphy und seine Freunde den Plan des Fremden durchschauen, ist es bereits zu spät. Sie werden in eine Paralleldimension entführt - ein groteskes Spiegelbild der Erde...

Antje Ippensens Stil hebt sich ganz klar von dem ihrer Mitautoren ab. Sie verzichtet auf die explizite Gewalt- und Sex-Darstellung (* Huch! Hab ich ja gar nicht gemerkt... =:-( Heike) und setzt statt dessen mehr auf ihre Charaktere, die auch wirklich das Interessanteste an der Geschichte darstellen. Trotzdem kommt die eigentliche Handlung oder Spannung nicht zu kurz. Ganz sicher ist auch dies keine sehr friedliche Geschichte, jedoch hält sich Ippensen im Vergleich zu ihren Mitautoren dezent zurück. (* Mal ganz ehrlich, mir blieb diese subtile Zurückhaltung völlig verborgen... muß SEHR subtil gewesen sein. Heike)
Der Hang zum Grotesken macht die Geschichte um so interessanter, sei es bei den Charakteren - wie beispielsweise der überaus aggressiven Ben Cinnamon - oder den Handlungsorten - hier sei vor allem die Paralleldimension erwähnt - und sorgen für die nötige Prise schwarzen Humors.
Die verschiedenen Handlungsstränge werden sehr geschickt zusammengeführt, so daß sie im zweiten Teil der Geschichte zu einem einzigen verschmelzen, ohne daß die Geschichte für den Leser durchschaubar wird. Dadurch hält sich die Spannung bis zum Schluß.

Fazit:
Der ausnehmend gute Erzählstil der Autorin machen diese Geschichte (übrigens die längste in der gesamten Anthologie) zu so ziemlich dem besten Stück Fantasyhorror, das ich in den letzten Monaten gelesen habe. Allein für diese Erzählung lohnt sich die Anschaffung der gesamten Anthologie. 14 Punkte

Michael Siefener: "Haus der Dämonen"
Murphy soll in der Nähe von Karlsruhe mal wieder den Eintritt der Dämonen in unsere Dimension verhindern. Leider hat er keine Ahnung, wonach er genau suchen muß.
Derweil müssen zwei Ehepaare in einem alten, verlassenen Haus feststellen, daß sie auf dem Quell allen Übels sitzen und so Bekanntschaft mit einigen der Dämonen machen.

Ein ziemlicher Kontrast zu der vorherigen Erzählung. Keinerlei Atmosphäre, keine Spannung, ein Erzählstil nach dem Motto "Hinschreiben und abhaken" (d.h. viel zu schnell und ohne jegliche Gefühlsbeschreibung) und zudem ein unlogisches, an den Haaren herbeigezogenes Ende.
In diesem Fall läßt sich das Defizit an Atmosphäre (oder besser gesagt, das völlige Fehlen derselben) auch nicht durch die blutigen Actionszenen wegmachen, dafür ist der Stil des Autors zu schlecht.
Und dann ist da noch etwas Merkwürdiges: Murphy mutiert urplötzlich zum Geisterjäger mit Einsatzkoffer und Kreuz, also da komme ich mir doch wirklich irgendwie verarscht vor.
Aber das allerbeste ist noch das Ende der Geschichte. Da implodiert das Gebäude, durch welches die Dämonen auf die Erde gelangen wollten, weil sich zuviel dämonische Energie angesammelt hat. Ganz davon abgesehen, daß sich das während der gesamten Geschichte überhaupt nicht angedeutet hat, ist das einfach die billigste Lösung, die man sich einfallen lassen konnte. (* Weiß gar nicht, was Du hast - ich fand, das war die beste Story in dem ganzen Band... von der Atlantis-Story knapp gefolgt. Heike)

Fazit:
SCHUND!!! 0 Punkte

W. A. Hary: "Der Sauger"
David Murphy muß einen Dämon bekämpfen, der Menschen die Lebensenergie entzieht.

Sehr kurz zusammengefaßt, ich weiß, aber glaubt mir, mehr ist die Story nicht wert. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, so etwas wie ein leicht erweitertes Exposé vor mir zu haben. Tatsächlich erinnert "Der Sauger" mehr an einen langweiligen Akteneintrag denn an eine Horrorstory.
Auf stolzen 9 Seiten liest man sich durch eine langweilig geschriebene Passage nach der anderen. Dabei wird hier der "Hinschreiben und abhaken"-Stil noch perfektioniert. Fast scheint es so, als hätte W.A. Hary gar nicht erst versucht, eine wenigstens halbwegs ordentliche Geschichte zu schreiben; dabei möchte ich mal außer acht lassen, daß die Idee mehr als abgedroschen ist.
Daß dem Autor nicht sehr viel an der Geschichte lag, wird schon deutlich, wenn man mal betrachtet, wie Murphy diesen Fall löst. Der Held braucht eigentlich nur irgendwie blöd in die Gegend zu gucken, und schon fliegen ihm alle benötigten Antworten zu. Totaler Stuß!

Fazit:
Was soll das? Lieber diese 9 Seiten überblättern. 0 Punkte

Malte S. Sembten: "Die Handgranate Gottes / Die Diskette des Marquis de Sade"
Der Rummel aus der ersten Geschichte ist wieder da. Diesmal lassen sich die Dämonenjünger in der verschlafenen Kleinstadt Crescent Falls nieder, wo sie wiederum mehrere Einwohner in die Falle locken, diesmal jedoch aus anderem Grund.
Im Spiegelkabinett verwandeln sich die Opfer zu monströsen Zerrbildern ihrer selbst. Die Kleinstadt-Lolita in ein mythisches Sexungeheuer, der geile Polizist in einen noch geileren Bock (* War's nicht eigentlich ein Satyr? ;-) Heike) etc.
Schließlich sollen sie dem Dämonen Dr. Van de Veere in einem obszönen Theaterstück als Darsteller dienen, das in seinem Auftrag vom Marquis de Sade geschrieben wurde.
Murphy, der als Laienprediger durch die Lande zieht, sieht keinen anderen Ausweg und muß selbst teilweise auf schwarze Künste und Rituale zurückgreifen, um diesen Fall zu lösen.

Eigentlich ist das keine richtige Horrorgeschichte, sondern vielmehr eine gute, wenn auch extrem obszöne und gewalttätige Horrorkomödie. Grotesker geht es kaum noch: Murphy als koksender Laienprediger, mit einem Hang zum Masochismus, der in seiner Not sogar auf die Hilfe von Dämonen angewiesen ist, sowie wieder einmal jede Menge Sexszenen, die gerade durch ihre Frivolität äußerst komisch wirken. (* Auf mich weder frivol noch komisch... noch irgendwie nachvollziehbar oder sonstwie gerechtfertigt... Heike)
Zudem verfügt der Autor über fundiertes Geschichtswissen, was gerade die Passagen um den Marquis de Sade und das obszöne Theaterstück sehr interessant macht.

Fazit:
Schwärzester Humor, wenig gruselig, aber unterhaltsam. 12 Punkte

Gesamtfazit:
Tja, drei sehr schlechte, zwei ganz gute und eine hervorragende Story. Kein beeindruckender Schnitt für eine Anthologie. Nichtsdestotrotz eine sehr interessante Zusammenstellung, die neue Möglichkeiten für zukünftige Bände eröffnet und teilweise schon etwas erahnen läßt. Zudem enthält Murphy Band 3 auch endlich Informationen zur Entstehungsgeschichte der Serie und - wie gesagt - allein schon die Erzählung von Antje Ippensen ist es wert, daß man sich diese Anthologie anschafft. (* Reine Geschmackssache, vermute ich - mein Ding isses immer noch nicht. Heike)
7 Punkte

Danijel Majic


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