Man
erinnere sich an das Ende von Murphy Band 2: David und seine
Begleiter - Luc Dumont sowie die mysteriöse Kate - sind der
schwarzen Hölle mit Mühe und Not entkommen und wollen sich
nunmehr auf den Weg zur Abtei nach Clairmont machen. Doch ein fremdes
Wesen ist ihnen gefolgt und versucht David zu töten, indem es
ihn an einer Tankstelle in der Nähe von Paris mit einem Motorrad
anfährt.
Schwerverletzt wird David ins Krankenhaus eingeliefert und kommt nur
knapp mit dem Leben davon. In den darauffolgenden Tagen wird er von
allerlei Träumen und Erinnerungen geplagt...
Al Wallon & Marten Munsonius: "Das Geheimnis des Rummels, den
es nicht gab"
Ganz Pertus Hills freut sich auf den Jahrmarkt, der an diesem
Wochenende ansteht. Bei einer der Attraktionen handelt es sich um ein
Spiegelkabinett, das - wie sich herausstellt - nichts weiter als eine
erneute Falle der Dämonenjünger ist. Diese versuchen den
Dämonen der Dämmerung durch Menschenopfer ein Tor in unsere
Welt zu öffnen.
Eine typische, von den Hauptautoren der Serie verfaßte
Murphy-Story, blutig und obszön wie immer, jedoch auf keinen
Fall in unnötiger Weise. Verglichen mit dem ersten Band von
Murphy erhalten die Gewalt- und "Sex"-Szenen in dieser Story durch
den Geschichtsverlauf ihre Rechtfertigung und werden nicht um ihrer
selbst willen präsentiert - auch wenn's mal wieder von
masturbierenden Dämonen und notgeilen Normalos nur so
wimmelt.
Die Geschichte kommt zu Beginn sehr verworren daher, wechselt
ständig die Protagonisten, dementsprechend die Perspektiven und
teilweise auch die Zeitebene. Gerade das macht die Spannung der Story
aus, führt aber auch zu jeder Menge Fragen, die auch am Ende
unbeantwortet bleiben. (* Ah, wenigstens bin ich also doch nicht
die einzige, die teils vor einem Rätsel stand... ;-)
Heike)
Die Atmosphäre kann man durchaus als "blutgeschwängert"
bezeichnen. Wallon & Munsonius haben ja schon in den bereits
erschienenen beiden Romanen bewiesen, daß sie lieber auf solide
Action und eine interessante Story setzen.
Fazit:
Blutig-obszöne Murphy-Story, die durch ordentliche
"Hau-drauf"-Action und eine nicht leicht durchschaubare Story
Spannung schafft. 11 Punkte
Jack Eden: "Mitternachtsruinen"
Murphy findet die Logbuchaufzeichnungen eines Matrosen, der nach
erlittenem Schiffbruch auf einer unbekannten Insel landete. Diese
scheint neben den Ruinen einer uralten Zivilisation auch eine Spezies
von Fischmenschen zu beherbergen.
David uns seine Freundin Corinne machen sich auf, um dem Geheimnis
dieser Insel auf den Grund zu gehen.
08/15-Gruselgeschichtchen, das sich mit der Atlantis-Thematik
beschäftigt. Zunächst versprechen die Andeutungen um den
Ursprung der Insel eine recht interessante Geschichte, die sich
jedoch bald als billiger Grusel entpuppt. Der Autor versagt bei
seinen Bemühungen, so etwas wie Atmosphäre zu schaffen, und
ansonsten ist die Story altbekannt. Etwas Gutes an diesem Werk?
Ja, die Kürze! Man muß sich durch gerade mal 19 Seiten
quälen. 3 Punkte
Antje Ippensen: "Der Orden des Feuers" & "Wildnis - Blut in
den Flammen"
Die beiden Geschichten schließen direkt aneinander an und waren
wohl als Fortsetzungsgeschichte innerhalb der einstmals geplanten
Murphy-Heftserie konzipiert, deshalb behandele ich sie mal, als
wäre es eine einzige Geschichte.
David Murphy und einige seiner Freunde sind zu einer Pinochle-Partie
in New York verabredet. Einer der Mitspieler, ein gewisser Malcolm,
macht auf seiner Reise die Bekanntschaft eines merkwürdigen
"Mannweibs" namens Ben Cinnamon, mit der er sehr schnell Freundschaft
schließt. Schon bald merkt er, daß die heruntergekommene
Person ein Geheimnis birgt, etwas, das mit ihrer verschollenen
Schwester Xynthia zusammenhängt.
Derweil macht ein weiterer Mitspieler, Pater Solomon, in N.Y. die
Bekanntschaft eines mysteriösen Mannes, der ihm einen kleinen
Stein schenkt. Natürlich handelt es sich dabei um keinen
gewöhnlichen Stein, sondern vielmehr um einen, der seine Form
wechseln kann und auch ansonsten über allerlei magische
Fähigkeiten verfügt.
Die Hinweise verdichten sich, daß der geheimnisvolle Fremde
einen Anschlag auf die Spielrunde plant. Als Murphy und seine Freunde
den Plan des Fremden durchschauen, ist es bereits zu spät. Sie
werden in eine Paralleldimension entführt - ein groteskes
Spiegelbild der Erde...
Antje Ippensens Stil hebt sich ganz klar von dem ihrer Mitautoren ab.
Sie verzichtet auf die explizite Gewalt- und Sex-Darstellung (*
Huch! Hab ich ja gar nicht gemerkt... =:-( Heike) und setzt statt
dessen mehr auf ihre Charaktere, die auch wirklich das
Interessanteste an der Geschichte darstellen. Trotzdem kommt die
eigentliche Handlung oder Spannung nicht zu kurz. Ganz sicher ist
auch dies keine sehr friedliche Geschichte, jedoch hält sich
Ippensen im Vergleich zu ihren Mitautoren dezent zurück. (*
Mal ganz ehrlich, mir blieb diese subtile Zurückhaltung
völlig verborgen... muß SEHR subtil gewesen sein.
Heike)
Der Hang zum Grotesken macht die Geschichte um so interessanter, sei
es bei den Charakteren - wie beispielsweise der überaus
aggressiven Ben Cinnamon - oder den Handlungsorten - hier sei vor
allem die Paralleldimension erwähnt - und sorgen für die
nötige Prise schwarzen Humors.
Die verschiedenen Handlungsstränge werden sehr geschickt
zusammengeführt, so daß sie im zweiten Teil der Geschichte
zu einem einzigen verschmelzen, ohne daß die Geschichte
für den Leser durchschaubar wird. Dadurch hält sich die
Spannung bis zum Schluß.
Fazit:
Der ausnehmend gute Erzählstil der Autorin machen diese
Geschichte (übrigens die längste in der gesamten
Anthologie) zu so ziemlich dem besten Stück Fantasyhorror, das
ich in den letzten Monaten gelesen habe. Allein für diese
Erzählung lohnt sich die Anschaffung der gesamten Anthologie. 14
Punkte
Michael Siefener: "Haus der Dämonen"
Murphy soll in der Nähe von Karlsruhe mal wieder den Eintritt
der Dämonen in unsere Dimension verhindern. Leider hat er keine
Ahnung, wonach er genau suchen muß.
Derweil müssen zwei Ehepaare in einem alten, verlassenen Haus
feststellen, daß sie auf dem Quell allen Übels sitzen und
so Bekanntschaft mit einigen der Dämonen machen.
Ein ziemlicher Kontrast zu der vorherigen Erzählung. Keinerlei
Atmosphäre, keine Spannung, ein Erzählstil nach dem Motto
"Hinschreiben und abhaken" (d.h. viel zu schnell und ohne jegliche
Gefühlsbeschreibung) und zudem ein unlogisches, an den Haaren
herbeigezogenes Ende.
In diesem Fall läßt sich das Defizit an Atmosphäre
(oder besser gesagt, das völlige Fehlen derselben) auch nicht
durch die blutigen Actionszenen wegmachen, dafür ist der Stil
des Autors zu schlecht.
Und dann ist da noch etwas Merkwürdiges: Murphy mutiert
urplötzlich zum Geisterjäger mit Einsatzkoffer und Kreuz,
also da komme ich mir doch wirklich irgendwie verarscht vor.
Aber das allerbeste ist noch das Ende der Geschichte. Da implodiert
das Gebäude, durch welches die Dämonen auf die Erde
gelangen wollten, weil sich zuviel dämonische Energie
angesammelt hat. Ganz davon abgesehen, daß sich das
während der gesamten Geschichte überhaupt nicht angedeutet
hat, ist das einfach die billigste Lösung, die man sich
einfallen lassen konnte. (* Weiß gar nicht, was Du hast -
ich fand, das war die beste Story in dem ganzen Band... von der
Atlantis-Story knapp gefolgt. Heike)
Fazit:
SCHUND!!! 0 Punkte
W. A. Hary: "Der Sauger"
David Murphy muß einen Dämon bekämpfen, der Menschen
die Lebensenergie entzieht.
Sehr kurz zusammengefaßt, ich weiß, aber glaubt mir, mehr
ist die Story nicht wert. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, so
etwas wie ein leicht erweitertes Exposé vor mir zu haben.
Tatsächlich erinnert "Der Sauger" mehr an einen langweiligen
Akteneintrag denn an eine Horrorstory.
Auf stolzen 9 Seiten liest man sich durch eine langweilig
geschriebene Passage nach der anderen. Dabei wird hier der
"Hinschreiben und abhaken"-Stil noch perfektioniert. Fast scheint es
so, als hätte W.A. Hary gar nicht erst versucht, eine wenigstens
halbwegs ordentliche Geschichte zu schreiben; dabei möchte ich
mal außer acht lassen, daß die Idee mehr als abgedroschen
ist.
Daß dem Autor nicht sehr viel an der Geschichte lag, wird schon
deutlich, wenn man mal betrachtet, wie Murphy diesen Fall löst.
Der Held braucht eigentlich nur irgendwie blöd in die Gegend zu
gucken, und schon fliegen ihm alle benötigten Antworten zu.
Totaler Stuß!
Fazit:
Was soll das? Lieber diese 9 Seiten überblättern. 0
Punkte
Malte S. Sembten: "Die Handgranate Gottes / Die Diskette des
Marquis de Sade"
Der Rummel aus der ersten Geschichte ist wieder da. Diesmal lassen
sich die Dämonenjünger in der verschlafenen Kleinstadt
Crescent Falls nieder, wo sie wiederum mehrere Einwohner in die Falle
locken, diesmal jedoch aus anderem Grund.
Im Spiegelkabinett verwandeln sich die Opfer zu monströsen
Zerrbildern ihrer selbst. Die Kleinstadt-Lolita in ein mythisches
Sexungeheuer, der geile Polizist in einen noch geileren Bock (*
War's nicht eigentlich ein Satyr? ;-) Heike) etc.
Schließlich sollen sie dem Dämonen Dr. Van de Veere in
einem obszönen Theaterstück als Darsteller dienen, das in
seinem Auftrag vom Marquis de Sade geschrieben wurde.
Murphy, der als Laienprediger durch die Lande zieht, sieht keinen
anderen Ausweg und muß selbst teilweise auf schwarze
Künste und Rituale zurückgreifen, um diesen Fall zu
lösen.
Eigentlich ist das keine richtige Horrorgeschichte, sondern vielmehr
eine gute, wenn auch extrem obszöne und gewalttätige
Horrorkomödie. Grotesker geht es kaum noch: Murphy als koksender
Laienprediger, mit einem Hang zum Masochismus, der in seiner Not
sogar auf die Hilfe von Dämonen angewiesen ist, sowie wieder
einmal jede Menge Sexszenen, die gerade durch ihre Frivolität
äußerst komisch wirken. (* Auf mich weder frivol noch
komisch... noch irgendwie nachvollziehbar oder sonstwie
gerechtfertigt... Heike)
Zudem verfügt der Autor über fundiertes Geschichtswissen,
was gerade die Passagen um den Marquis de Sade und das obszöne
Theaterstück sehr interessant macht.
Fazit:
Schwärzester Humor, wenig gruselig, aber unterhaltsam. 12
Punkte
Gesamtfazit:
Tja, drei sehr schlechte, zwei ganz gute und eine hervorragende
Story. Kein beeindruckender Schnitt für eine Anthologie.
Nichtsdestotrotz eine sehr interessante Zusammenstellung, die neue
Möglichkeiten für zukünftige Bände eröffnet
und teilweise schon etwas erahnen läßt. Zudem enthält
Murphy Band 3 auch endlich Informationen zur Entstehungsgeschichte
der Serie und - wie gesagt - allein schon die Erzählung von
Antje Ippensen ist es wert, daß man sich diese Anthologie
anschafft. (* Reine Geschmackssache, vermute ich - mein Ding isses
immer noch nicht. Heike)
7 Punkte