Groo #2: "Groo & Rufferto"

USA 1998/99
Zeichnungen: Sergio Aragonés
Texte: Mark Evanier
Tusche: Tom Luth
(120 Seiten, Paperback im US-Comic-Format, Dino-Verlag, ISBN 3-89748-211-8, DM 16,90)
- erschienen: Januar 2000 -

Zum Inhalt:
König Gierich trägt nicht nur diesen Namen, sondern beutet sein Volk auch aufs äußerste aus, auf daß es ihm das ersehnte und geliebte Gold bringe. Als Groo des Weges kommt, nimmt die Auseinandersetzung zwischen den Steuereintreibern des Königs und der Bevölkerung naturgemäß ganz neue Formen an. Der dämliche Barbar schlägt sich auf die Seite des Volkes, bis... ja, bis sein treuer Begleiter, der Hund Rufferto (nicht wesentlich klüger oder dämlicher als sein Herrchen) plötzlich nicht mehr aufzufinden ist. Denn dieser wurde vom Haus- und Hofmagier des Königs dazu verwendet, einen neuen Zeitreisezauber zu testen, mit dessen Hilfe sich König Gierich mitsamt seinem Gold vor der Bevölkerung seiner Stadt in Sicherheit bringen möchte, sollte diese einmal auf den Trichter kommen, daß sie das ganze System satt hat. Und so mischt Groo nun auf der verzweifelten Suche nach Rufferto so ziemlich alles auf, was ihm unter die Schwerter kommt - nicht ahnend, daß sein treudusseliger Begleiter in unsere Zeit versetzt wurde...

Nun, immerhin, nach der ungewöhnlichen Erfahrung im ersten Band der Groo-Reihe, in welchem man den dämlich-dusseligen Barbaren ohne Hirn plötzlich klug erleben konnte, kehrt Groo mit diesem Band nun zu seiner alten Geistes"stärke" zurück.
Sergio Aragonés, der neben dem kürzlich verstorbenen Don Martin zu den schillerndsten Gestalten der MAD-Hefte gehört (die Originalausgaben des amerikanischen MAD-Magazins bis einschließlich Ende 1998 gibt's übrigens für "nur noch" einen Haufen Batzen Geld auf einem Haufen Batzen CD-ROMs inzwischen für den Compi zu erwerben...), "brilliert" hier wieder einmal mit seinen gekonnt mißlungenen, geschluderten und einfach nur schlechten Zeichnungen, die schon lange Kultstatus erreicht haben.
Die Story, die der Meister des schnellen Strichs (er zeichnet schneller, als man die Comics lesen kann) hier jedoch entwickelt, ist im Vergleich zu anderen Groo-Stories jedoch mindestens genauso gewöhnungsbedürftig wie unser Lieblingsbarbar im ersten Heft, als er plötzlich intelligent wurde. Während die Groo-Handlungsebene der vier Originalhefte, die hier zu einem Band zusammengefaßt wurden, noch den gewohnten Standard des blödelnden, dämlichen, nichts kapierenden Barbaren entspricht, verfolgen Aragonés und Evanier mit der Rufferto-Handlungsebene in unserer Jetztzeit eine gänzlich ungewohnte Schiene. Zwar blieb auch in früheren Groo-Abenteuern schon mal ein bißchen Zivilisationskritik in der Geschichte hängen, doch bemühen sich die beiden hier, dem Leser diese Kritik direkt mit dem Holzhammer einzubleuen - ohne den Umweg über die Fantasywelt des Groo zu gehen. Dies ist schon sehr, sehr ungewöhnlich, mindestens jedoch gewöhnungsbedürftig - und könnte sich glatt auch noch als Fehlgriff erweisen, wenn der Rest der Leserschaft ähnlich verständnislos auf diese Aktion reagiert wie ich. Das Ganze ist ja recht nett - aber wollen wir das nun wirklich innerhalb von "Groo" lesen? Na, ich bin mir da absolut nicht so sicher. Insgesamt ist gerade dieser Teil dann auch vom Gag-Gehalt deutlich schwächer ausgefallen als die andere Hälfte der Handlung. Schade eigentlich, daß man sich hierzu entschieden hat. Die eingeflochtene Kritik war jedenfalls um einiges amüsanter als die hier allzu ungeschminkt daherkommende.

Fazit:
Durch die Rufferto-Gegenwarts-Handlungsebene verliert die Story doch ein wenig an Qualität - soweit man dies bei einem Groo-Comic überhaupt behaupten kann. Der zweite Band der Serie kommt damit insgesamt ein wenig schwächer daher als der erste - doch ich bin recht zuversichtlich, daß Aragonés und Evanier unseren Lieblings-Dummdödel mit den zwei Schwertern bald schon wieder in altgewohnter Manier durch die Handlung stolpern und dämeln lassen.
10 Punkte.

Winfried Brand


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.


home...