Zum
Inhalt:
König Gierich trägt nicht nur diesen Namen, sondern beutet
sein Volk auch aufs äußerste aus, auf daß es ihm das
ersehnte und geliebte Gold bringe. Als Groo des Weges kommt, nimmt
die Auseinandersetzung zwischen den Steuereintreibern des Königs
und der Bevölkerung naturgemäß ganz neue Formen an.
Der dämliche Barbar schlägt sich auf die Seite des Volkes,
bis... ja, bis sein treuer Begleiter, der Hund Rufferto (nicht
wesentlich klüger oder dämlicher als sein Herrchen)
plötzlich nicht mehr aufzufinden ist. Denn dieser wurde vom
Haus- und Hofmagier des Königs dazu verwendet, einen neuen
Zeitreisezauber zu testen, mit dessen Hilfe sich König Gierich
mitsamt seinem Gold vor der Bevölkerung seiner Stadt in
Sicherheit bringen möchte, sollte diese einmal auf den Trichter
kommen, daß sie das ganze System satt hat. Und so mischt Groo
nun auf der verzweifelten Suche nach Rufferto so ziemlich alles auf,
was ihm unter die Schwerter kommt - nicht ahnend, daß sein
treudusseliger Begleiter in unsere Zeit versetzt wurde...
Nun, immerhin, nach der ungewöhnlichen Erfahrung im ersten Band
der Groo-Reihe, in welchem man den dämlich-dusseligen Barbaren
ohne Hirn plötzlich klug erleben konnte, kehrt Groo mit diesem
Band nun zu seiner alten Geistes"stärke" zurück.
Sergio Aragonés, der neben dem kürzlich verstorbenen Don
Martin zu den schillerndsten Gestalten der MAD-Hefte gehört (die
Originalausgaben des amerikanischen MAD-Magazins bis
einschließlich Ende 1998 gibt's übrigens für "nur
noch" einen Haufen Batzen Geld auf einem Haufen Batzen CD-ROMs
inzwischen für den Compi zu erwerben...), "brilliert" hier
wieder einmal mit seinen gekonnt mißlungenen, geschluderten und
einfach nur schlechten Zeichnungen, die schon lange Kultstatus
erreicht haben.
Die Story, die der Meister des schnellen Strichs (er zeichnet
schneller, als man die Comics lesen kann) hier jedoch entwickelt, ist
im Vergleich zu anderen Groo-Stories jedoch mindestens genauso
gewöhnungsbedürftig wie unser Lieblingsbarbar im ersten
Heft, als er plötzlich intelligent wurde. Während die
Groo-Handlungsebene der vier Originalhefte, die hier zu einem Band
zusammengefaßt wurden, noch den gewohnten Standard des
blödelnden, dämlichen, nichts kapierenden Barbaren
entspricht, verfolgen Aragonés und Evanier mit der
Rufferto-Handlungsebene in unserer Jetztzeit eine gänzlich
ungewohnte Schiene. Zwar blieb auch in früheren Groo-Abenteuern
schon mal ein bißchen Zivilisationskritik in der Geschichte
hängen, doch bemühen sich die beiden hier, dem Leser diese
Kritik direkt mit dem Holzhammer einzubleuen - ohne den Umweg
über die Fantasywelt des Groo zu gehen. Dies ist schon sehr,
sehr ungewöhnlich, mindestens jedoch
gewöhnungsbedürftig - und könnte sich glatt auch noch
als Fehlgriff erweisen, wenn der Rest der Leserschaft ähnlich
verständnislos auf diese Aktion reagiert wie ich. Das Ganze ist
ja recht nett - aber wollen wir das nun wirklich innerhalb von "Groo"
lesen? Na, ich bin mir da absolut nicht so sicher. Insgesamt ist
gerade dieser Teil dann auch vom Gag-Gehalt deutlich schwächer
ausgefallen als die andere Hälfte der Handlung. Schade
eigentlich, daß man sich hierzu entschieden hat. Die
eingeflochtene Kritik war jedenfalls um einiges amüsanter als
die hier allzu ungeschminkt daherkommende.
Fazit:
Durch die Rufferto-Gegenwarts-Handlungsebene verliert die Story doch
ein wenig an Qualität - soweit man dies bei einem Groo-Comic
überhaupt behaupten kann. Der zweite Band der Serie kommt damit
insgesamt ein wenig schwächer daher als der erste - doch ich bin
recht zuversichtlich, daß Aragonés und Evanier unseren
Lieblings-Dummdödel mit den zwei Schwertern bald schon wieder in
altgewohnter Manier durch die Handlung stolpern und dämeln
lassen.
10 Punkte.