Patrick Tilley:

"Erdendonner"

(Die Amtrak-Kriege - sechster Roman)
(Reihe Warp 7 - Science Fiction zum Kennenlernen)
OT: The Amtrak-Wars - Book 6: Earth-Thunder
Ü: Ronald M. Hahn
USA 1990
(592 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/7011, ISBN 3-453-16194-7, DM 16,90)
- erstmals auf Deutsch erschienen: 1992 als Heyne 06/4887 -
- erschienen: Dezember 1999 -

Einen Roman zu rezensieren, der aus einem Zyklus stammt, dessen erste Bände man gar nicht gelesen hat - noch nicht einmal vom Hörensagen kennt - ist keine leichte Aufgabe, aber ich werde es doch mal versuchen.
Wobei mir, wenn ich das Cover betrachte, unweigerlich die Frage in den Sinn kommt, ob der Zyklus um die Amtrak-Kriege wirklich SF zum Kennenlernen ist. Bei der gewaltigen Menge an Stoff, die in diesem einen Band schon verarbeitet wird, ist der Zyklus wohl eher was für Fortgeschrittene als für Anfänger.

Nach der Schlacht um die Louisiana Lady, bei der außer Cadillac der gesamte Clan der M'Call vernichtet wurde, bricht er zusammen mit Roz in die Ostländer auf. Cadillac erhofft sich durch den Sturz der dort regierenden Toh-Yotas eine engere Zusammenarbeit zwischen den Prärievölkern und den an die Macht kommenden Tama-Shitas.
Clearwater, die in die Hände der Föderation geraten ist, erwartet ihr Kind, von dem nicht nur die Föderation annimmt, daß es der versprochene Erlöser, Talisman, ist. Steve Brickman, der Vater des Kindes, ist nur kurze Zeit in ihrer Nähe. Zusammen mit Fran wird er auf eine Mission nach Ne-Issan geschickt. Ein neues Abkommen soll zwischen der Föderation und den Toh-Yotas geschlossen werden.
Um die Toh-Yotas zu stürzen, bedient sich Cadillac der Fürstin Mishiko, die durch ein Intrigenspiel, das wiederum nur Teil einer anderen Intrige ist, tatsächlich Ieyaso und den Shogun umbringt - und am Ende auch sich selbst.
Steve und Fran werden in die Wirren hineingezogen, und wenig später landen sie wieder im Föderationsgebiet. Dort hat Clearwater inzwischen ihr Kind geboren, das sofort von der Ersten Familie vereinnahmt wird.
Steve fällt einer Intrige zum Opfer, und gleichzeitig gebiert auch die sterbende Roz ein Kind.
Hat die Föderation am Ende doch gewonnen? Oder ist das Kind, das Roz zur Welt bringt, der erhoffte Erlöser Talisman, der die Prärievölker vereinigen soll?

Ich muß gestehen, ich hatte einige Schwierigkeiten mit diesem Roman. Diese Schwierigkeiten liegen wohl in der Tatsache begründet, daß ich die anderen Bände des Zyklus nicht kenne und daher etliche Details und Anspielungen auf Ereignisse, die vor diesem Roman geschehen sind, nicht verstanden habe und auch nicht verstehen konnte.
Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich die Welt, die Tilley hier aufbaut, sozusagen erleben konnte. Die postatomare Bühne, auf der die Geschicke der Menschen spielen, ist mir persönlich erst am Ende so richtig klargeworden.
Nun spielt der Großteil der Handlung in einem Reich, das sehr an das alte Japan erinnert, so daß ich ihr doch einigermaßen folgen konnte. Allerdings war es manchmal sehr schwer, den Überblick zu behalten. Zu viele Personen sind an diesem Intrigenspiel beteiligt, das sich zwischen Cadillac und Mishiko entspinnt, und diese Intrigen sind wiederum in andere Intrigen verpackt - kurz, man muß sich beim Lesen sehr konzentrieren, um den Überblick zu behalten.
Die Figuren selbst wirken am Anfang etwas hölzern, gewinnen aber an Schärfe und Detailreiche, wenn der Roman weiter fortschreitet. Tilley versteht es gekonnt, sowohl die Charaktere in Szene zu setzen als auch dem Leser ihre Gedanken und Gefühle nahezubringen.

Fazit:
Der Roman ist sicher für denjenigen etwas, der die vorhergehenden Teilbände des Zyklus kennt. Gekonnt geschrieben, ist dieser Band gewiß keine leichte Kost, aber lohnenswert.
12 Punkte

Christian Spließ


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