Einen Roman
zu rezensieren, der aus einem Zyklus stammt, dessen erste Bände
man gar nicht gelesen hat - noch nicht einmal vom Hörensagen
kennt - ist keine leichte Aufgabe, aber ich werde es doch mal
versuchen.
Wobei mir, wenn ich das Cover betrachte, unweigerlich die Frage in
den Sinn kommt, ob der Zyklus um die Amtrak-Kriege wirklich SF zum
Kennenlernen ist. Bei der gewaltigen Menge an Stoff, die in diesem
einen Band schon verarbeitet wird, ist der Zyklus wohl eher was
für Fortgeschrittene als für Anfänger.
Nach der Schlacht um die Louisiana Lady, bei der außer Cadillac
der gesamte Clan der M'Call vernichtet wurde, bricht er zusammen mit
Roz in die Ostländer auf. Cadillac erhofft sich durch den Sturz
der dort regierenden Toh-Yotas eine engere Zusammenarbeit zwischen
den Prärievölkern und den an die Macht kommenden
Tama-Shitas.
Clearwater, die in die Hände der Föderation geraten ist,
erwartet ihr Kind, von dem nicht nur die Föderation annimmt,
daß es der versprochene Erlöser, Talisman, ist. Steve
Brickman, der Vater des Kindes, ist nur kurze Zeit in ihrer
Nähe. Zusammen mit Fran wird er auf eine Mission nach Ne-Issan
geschickt. Ein neues Abkommen soll zwischen der Föderation und
den Toh-Yotas geschlossen werden.
Um die Toh-Yotas zu stürzen, bedient sich Cadillac der
Fürstin Mishiko, die durch ein Intrigenspiel, das wiederum nur
Teil einer anderen Intrige ist, tatsächlich Ieyaso und den
Shogun umbringt - und am Ende auch sich selbst.
Steve und Fran werden in die Wirren hineingezogen, und wenig
später landen sie wieder im Föderationsgebiet. Dort hat
Clearwater inzwischen ihr Kind geboren, das sofort von der Ersten
Familie vereinnahmt wird.
Steve fällt einer Intrige zum Opfer, und gleichzeitig gebiert
auch die sterbende Roz ein Kind.
Hat die Föderation am Ende doch gewonnen? Oder ist das Kind, das
Roz zur Welt bringt, der erhoffte Erlöser Talisman, der die
Prärievölker vereinigen soll?
Ich muß gestehen, ich hatte einige Schwierigkeiten mit diesem
Roman. Diese Schwierigkeiten liegen wohl in der Tatsache
begründet, daß ich die anderen Bände des Zyklus nicht
kenne und daher etliche Details und Anspielungen auf Ereignisse, die
vor diesem Roman geschehen sind, nicht verstanden habe und auch nicht
verstehen konnte.
Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich die Welt, die Tilley hier
aufbaut, sozusagen erleben konnte. Die postatomare Bühne, auf
der die Geschicke der Menschen spielen, ist mir persönlich erst
am Ende so richtig klargeworden.
Nun spielt der Großteil der Handlung in einem Reich, das sehr
an das alte Japan erinnert, so daß ich ihr doch
einigermaßen folgen konnte. Allerdings war es manchmal sehr
schwer, den Überblick zu behalten. Zu viele Personen sind an
diesem Intrigenspiel beteiligt, das sich zwischen Cadillac und
Mishiko entspinnt, und diese Intrigen sind wiederum in andere
Intrigen verpackt - kurz, man muß sich beim Lesen sehr
konzentrieren, um den Überblick zu behalten.
Die Figuren selbst wirken am Anfang etwas hölzern, gewinnen aber
an Schärfe und Detailreiche, wenn der Roman weiter
fortschreitet. Tilley versteht es gekonnt, sowohl die Charaktere in
Szene zu setzen als auch dem Leser ihre Gedanken und Gefühle
nahezubringen.
Fazit:
Der Roman ist sicher für denjenigen etwas, der die
vorhergehenden Teilbände des Zyklus kennt. Gekonnt geschrieben,
ist dieser Band gewiß keine leichte Kost, aber lohnenswert.
12 Punkte