Howard
Barton ist unterwegs nach Mendocino an der Westküste, um
für das kleine Museum, in dem er angestellt ist, eine
Reispapierskizze von Hokusai, dem berühmten japanischen
Holzschnitzer des 19. Jahrhunderts, abzuholen. Dort möchte er
auch gleichzeitig die Freundschaft zu seiner Cousine Sylvia erneuern
und möglichst vertiefen, seinen alten Onkel Roy besuchen und
etwas Urlaub machen.
Nach seiner Ankunft erfährt er von dem exzentrischen Mr.
Jimmers, daß Mr. Graham, der Besitzer der Skizze, kürzlich
verstorben ist. Die folgende Nacht verbringt Howard eingesperrt auf
Mr. Jimmers Speicher. Er wird erst am nächsten Morgen von seiner
Cousine abgeholt.
Sein Onkel Roy, wieder mal in Geldnot, arbeitet schon wieder an einem
neuen, verrückten Projekt, einem Spukhaus.
Die Skizze aber ist verschwunden, und anscheinend möchte auch
niemand mit Howard darüber reden. Dann ist mit einemmal alle
Welt hinter der Skizze her, allen voran die mysteriöse und
durchtriebene Vermieterin Heloise Lamey. Es entwickelt sich ein
Wettlauf, in dem auch vor Gewalt und Mord nicht zurückgeschreckt
wird.
Was hier klingt wie die Inhaltsangabe zu einem zweitklassigen
Kriminalroman, ist eine ziemlich verquere Fortsetzung zur Artussage.
Der Gral ist nämlich kein Holz- oder Silberbecher, sondern etwas
völlig anderes (wer des Englischen mächtig ist,
erfährt schon mehr aus dem Originaltitel). Zudem hat dieser auch
noch außergewöhnliche Fähigkeiten, wenn ihn nur der
richtige "Bewahrer" in den Händen hält. Howard ist solch
ein "Bewahrer". Und Howard wurde gerufen.
Howard stolpert nun in dieses Ringen hinein und weiß bis kurz
vor Ende nicht, um was es überhaupt geht. In einer
ähnlichen Situation befindet sich auch der Leser. Zusammen mit
diesem stolpert Howard von einer haarsträubenden Angelegenheit
in die nächste Peinlichkeit. Die ganze Gegend scheint von
Exzentrikern belebt zu sein, und allgegenwärtig ist ein gewisser
Humpty-Dumpty. (* Das "Ei" aus "Alice im Wunderland"? In
irgendeiner deutschen Übersetzung (keine Ahnung, von wem die war
- ist zu lange her...) las ich mal "Goggelmoggel"... Heike) Zu
Beginn scheint das Buch noch aus zwei Parallelhandlungen zu bestehen,
die aber schon im dritten Kapitel zusammenfließen und im
Verlauf des Romans immer weiter ausufern.
Der Roman erschließt sich dem Leser erst langsam. Es vergeht
schon einige Zeit, bis die Ereignisse ins Rollen kommen. Trotzdem ist
das Buch zu keiner Zeit langweilig. Die Gespräche der
Protagonisten, allen voran Onkel Roy und Mr. Jimmers, sind voller
"Metaphern und Euphemismen" (Zitat) und bersten vor Skurrilität.
Gelegentlich ging dem Autor auch schon mal die Feder durch, und er
erfindet Sätze, von denen das Ende nicht mehr weiß, wem
der Anfang gehört hat. (* Sowas passiert auch gern schon mal
den Übersetzern, wenn die Autoren ihre Sätze allzusehr
verschachteln. Da hat man sich schnell vertan. Heike) Das kann
man zwar halbwegs problemlos verschmerzen, muß aber manchen
Satz doch zweimal lesen, um ihn wirklich zu verstehen. Es kommt
allerdings nicht allzu häufig vor, und wenn man sich erst mal
hineingelesen hat, ist das Buch eines von denjenigen, bei denen man
nachts um eins noch das nächste Kapitel aufschlägt, obwohl
man am nächsten Morgen zeitig raus muß. Die einzelnen
Kapitel enden meist mit einem Cliffhanger der Art "und eine Hand
packte ihn an der Schulter" oder "langsam fuhren sie die neblige
Straße hinunter".
Nur, in welche Schublade sortiert man diesen Roman denn nun ein? Am
ehesten könnte ich ihn mit Kim Stanley Robinson vergleichen,
wenn jemand schon mal von ihm gehört hat; ansonsten ist es eine
hintergründig witzige Geschichte, die den Fantasyanteil
weitestgehend im Hintergrund behält, ohne ihn allerdings jemals
zu verleugnen. Somit nichts für Fans von Zauberern, Zwergen und
Elfen, aber für jeden, der eine amüsante Geschichte zu
schätzen weiß.
Dem Übersetzer (oder Autor??) scheint allerdings der 'Zauberer
von Oz' nicht bekannt zu sein, denn er schreibt auch schon mal vom
'Zauberer von Ooze' und des öfteren vom sogenannten
'Patchwork-Monster'. (* Das müßte man mal mit dem
Original vergleichen... Heike)
Fazit:
Ein Buch, das sich nicht auf den ersten Blick präsentiert.
Steckt man jedoch erst einmal drin, kommt man so schnell nicht mehr
heraus. Der Roman steckt voller Dialogwitz, ohne jemals in
Albernheiten abzugleiten, so daß es richtigen Spaß macht,
so etwas mal wieder zu lesen.
Wegen einiger Unzulänglichkeiten gibt es ein paar Abzüge in
der B-Note, deshalb nur 11 Punkte.