Es ist
soweit - der zweite Versuch von RTL, die Romanserie John Sinclair im
Fernsehen zu etablieren, flimmert zur Zeit jeden Donnerstag um 22.15
Uhr über die Mattscheibe. Und wieder einmal beweist man bei dem
Sender, daß man nichts gelernt hat und scheinbar unfähig
ist, eine halbwegs vernünftige Story zu ersinnen und diese dann
auch noch dramaturgisch ansprechend umzusetzen.
Während die Story bei dem ersten Versuch mit Florian Fitz,
"Dämonenhochzeit", gar nicht schlecht war (auch wenn viele
Möglichkeiten verschenkt wurden), stellt die Story des neuen
Pilotfilms "Ich töte jeden Sinclair" alles in den Schatten.
Völlig konfus und ohne irgendeine Spannung dümpelt die
Handlung des Films dahin:
Duncan Sinclair, der Sohn des 4. Earl of Sinclair, wird von seinem
Vater wegen der inzestiösen Beziehung zu seiner Mutter im
Schloßkerker eingemauert. Diese befreit ihn mit ihren
Hexenkräften, und Duncan Sinclair, unsterblich geworden,
tötet seinen Vater. Fortan will er alle Sinclairs aus Rache
töten - auch Johns Eltern wurden von ihm getötet. Ich
weiß, der geneigte Sinclair-Leser schreit ob dieser
Verfälschung auf. Doch es wird noch toller, denn gleichzeitig
ist Duncan der Meinung, daß John Sinclair das eigentlich ihm
zustehende Leben führt und es seine (Duncans) Aufgabe wäre,
gegen die Mächte des Bösen zu kämpfen. So verlangt er
von John, der durch den grausamen Mord an zwei weiteren Sinclairs und
die Verwüstung des Grabs seiner Eltern zu dem Familientreffen
der Sinclairs in den Ruinen von Sinclair Castle gelockt wurde, ihm
das Kreuz zu übergeben. Von der Kraft des Kreuzes gepeinigt und
gezeichnet, flieht Duncan, gefolgt von John, der ihn erschießen
will - da wird er durch Duncans Tränen davon abgehalten und
beginnt darüber zu faseln, daß Dämonen auch weinen
können. - ENDE.
Sollte Jason Dark so einen Schwachsinn fabriziert haben? Ich konnte
es nicht glauben und las direkt im Anschluß die beiden Hefte
"Ich töte jeden Sinclair" (1025) und "Blutige Vergangenheit"
(1026), die als Vorlage für den Pilotfilm dienten. Und wenn man
betrachtet, was aus dieser geworden ist, fragt man sich, ob man das
Drehbuch vom nächstbesten Analphabeten auf der Straße hat
schreiben lassen.
Hier kurz die Story der Vorlage: Duncan Sinclair, der sich mit
schwarzer Magie beschäftigte, wurde von seinem Vater aus Furcht
im Turm des Schlosses eingemauert. Doch mit der Hilfe des Teufels,
mit dem er einen Pakt einging, kam Duncan frei. Innerlich schon halb
zum Dämon geworden, schwor er sich, alle Sinclairs, die aus
seiner Linie entstammten, zu töten. Als er die Eltern von John
auf der Suche nach seinen direkten Blutsverwandten befragen wollte
und merkte, daß er zu spät kam, verwüstete er in
einem Wutanfall deren Grab. Da er merkte, daß John ihm
gefährlich werden könnte, lockte er ihn auf das
Familienfest der Sinclairs, um auch ihn zu töten. (Rezensionen
zu den Heften 1025
und 1026
finden sich in Flash Nr. 28)
Man sollte sich den Film ansehen und die beiden Romane durchlesen, um
wirklich erfassen zu können, was der Sender alles verbockt hat.
Alles aufzuzählen, würde Seiten füllen. So ist zum
Beispiel aus dem in den Heften funktionierenden Bösewicht im
Film ein dämlicher Clown geworden, den kein Zuschauer auch nur
im Ansatz ernst nehmen kann. In dem Film ist das recht interessante
Finale der Vorlage, aus dem man viel hätte machen können,
zu einer völlig lächerlichen Dankesrede, ohne jede Spannung
oder auch nur ansatzweise Sinn, von Duncan an John Sinclair
verkommen.
Und was ist mit dem Rest? Absoluter Nullpunkt. Die Darsteller, allen
voran Kai Mertens als John Sinclair, sind unglaublich schlecht. Jeder
Amateur-Schauspieler könnte seinen Part übernehmen, wenn er
sich ein bißchen anstrengt. Und was für einen Amateurfilm
o.k. ist, wenn man als Regisseur geschickt ist und den Darstellern
keine Szenen schreibt, die sie nicht spielen können, ist
für eine deutsche Fernsehproduktion ein absolutes Armutszeugnis.
Sobald der Sinclair-Darsteller auch nur ansatzweise so etwas wie
starke Emotionen zeigen muß, wird es hochgradig lächerlich
- besonders in der ersten Folge nach dem Pilotfilm kann man dieses
Unvermögen noch besser bewundern. Übrigens tun die Dialoge,
wenn man das Gefasel so nennen kann, ein Übriges, um den Film in
tiefste Tiefen zu schleudern.
P. S.: Wo ist eigentlich der Grusel, die Spannung und die Gefahr, die
eine solche Serie ausmachen sollten? Leider habe ich davon auch in
der ersten Episode nach dem Pilotfilm nichts gefunden, auch wenn sie
hoffnungsvoll begann.
Fazit:
Da wenigstens der Kameramann sein Werk versteht und ich Amateurfilme
kenne, die noch schlechter sind, bekommt der Film von mir einen
Gnadenpunkt.
1 von 15
|
Ich seh's schon kommen. Ich bin wahrscheinlich nicht der
einzige, der seinen Kommentar zum Sinclair-Pilotfilm abgeben
wird, aber dafür werde ich einmal wieder mit meiner
Meinung allein dastehen (scheint eh mein Schicksal beim
"Flash" zu sein). (* Könnte man in den weitaus
meisten Fällen wohl so sagen. ;-))) Heike) |
|
Es ist also tatsächlich passiert: Der Sinclair
Pilotfilm wurde nun doch gesendet. Und endlich wissen wir
auch, warum sich Jason Dark immer so zufrieden mit den
Dreharbeiten gezeigt hat. Die dümmlichen Dialoge, das
Alzheimer-Geschwafel der wenig begnadeten Hauptdarsteller
und der krude Plot entsprechen schließlich exakt
seinem Stil. ;-) |