Geisterjäger John Sinclair

Pilotfilm: "Ich töte jeden Sinclair"

D 1999
Regie: John van de Rest (auch Producer)
Drehbuch: Josine van Dalsum / Felix Meyer
Musik: Karel Svoboda
Darsteller: Kai Maertens (John Sinclair)
Urs Remond (Bill Conolly)
Jana Hora (Glenda Perkins)
Manfred Andrae (Sir James Powell)
Hans-Peter Hallwachs (Pater Ignatius)
Pilotfilm: 90 Min., 8 Serienfolgen: 45 Min. * jeweils Donnerstag 22.15 Uhr

Es ist soweit - der zweite Versuch von RTL, die Romanserie John Sinclair im Fernsehen zu etablieren, flimmert zur Zeit jeden Donnerstag um 22.15 Uhr über die Mattscheibe. Und wieder einmal beweist man bei dem Sender, daß man nichts gelernt hat und scheinbar unfähig ist, eine halbwegs vernünftige Story zu ersinnen und diese dann auch noch dramaturgisch ansprechend umzusetzen.
Während die Story bei dem ersten Versuch mit Florian Fitz, "Dämonenhochzeit", gar nicht schlecht war (auch wenn viele Möglichkeiten verschenkt wurden), stellt die Story des neuen Pilotfilms "Ich töte jeden Sinclair" alles in den Schatten. Völlig konfus und ohne irgendeine Spannung dümpelt die Handlung des Films dahin:
Duncan Sinclair, der Sohn des 4. Earl of Sinclair, wird von seinem Vater wegen der inzestiösen Beziehung zu seiner Mutter im Schloßkerker eingemauert. Diese befreit ihn mit ihren Hexenkräften, und Duncan Sinclair, unsterblich geworden, tötet seinen Vater. Fortan will er alle Sinclairs aus Rache töten - auch Johns Eltern wurden von ihm getötet. Ich weiß, der geneigte Sinclair-Leser schreit ob dieser Verfälschung auf. Doch es wird noch toller, denn gleichzeitig ist Duncan der Meinung, daß John Sinclair das eigentlich ihm zustehende Leben führt und es seine (Duncans) Aufgabe wäre, gegen die Mächte des Bösen zu kämpfen. So verlangt er von John, der durch den grausamen Mord an zwei weiteren Sinclairs und die Verwüstung des Grabs seiner Eltern zu dem Familientreffen der Sinclairs in den Ruinen von Sinclair Castle gelockt wurde, ihm das Kreuz zu übergeben. Von der Kraft des Kreuzes gepeinigt und gezeichnet, flieht Duncan, gefolgt von John, der ihn erschießen will - da wird er durch Duncans Tränen davon abgehalten und beginnt darüber zu faseln, daß Dämonen auch weinen können. - ENDE.

Sollte Jason Dark so einen Schwachsinn fabriziert haben? Ich konnte es nicht glauben und las direkt im Anschluß die beiden Hefte "Ich töte jeden Sinclair" (1025) und "Blutige Vergangenheit" (1026), die als Vorlage für den Pilotfilm dienten. Und wenn man betrachtet, was aus dieser geworden ist, fragt man sich, ob man das Drehbuch vom nächstbesten Analphabeten auf der Straße hat schreiben lassen.
Hier kurz die Story der Vorlage: Duncan Sinclair, der sich mit schwarzer Magie beschäftigte, wurde von seinem Vater aus Furcht im Turm des Schlosses eingemauert. Doch mit der Hilfe des Teufels, mit dem er einen Pakt einging, kam Duncan frei. Innerlich schon halb zum Dämon geworden, schwor er sich, alle Sinclairs, die aus seiner Linie entstammten, zu töten. Als er die Eltern von John auf der Suche nach seinen direkten Blutsverwandten befragen wollte und merkte, daß er zu spät kam, verwüstete er in einem Wutanfall deren Grab. Da er merkte, daß John ihm gefährlich werden könnte, lockte er ihn auf das Familienfest der Sinclairs, um auch ihn zu töten. (Rezensionen zu den Heften 1025 und 1026 finden sich in Flash Nr. 28)

Man sollte sich den Film ansehen und die beiden Romane durchlesen, um wirklich erfassen zu können, was der Sender alles verbockt hat. Alles aufzuzählen, würde Seiten füllen. So ist zum Beispiel aus dem in den Heften funktionierenden Bösewicht im Film ein dämlicher Clown geworden, den kein Zuschauer auch nur im Ansatz ernst nehmen kann. In dem Film ist das recht interessante Finale der Vorlage, aus dem man viel hätte machen können, zu einer völlig lächerlichen Dankesrede, ohne jede Spannung oder auch nur ansatzweise Sinn, von Duncan an John Sinclair verkommen.
Und was ist mit dem Rest? Absoluter Nullpunkt. Die Darsteller, allen voran Kai Mertens als John Sinclair, sind unglaublich schlecht. Jeder Amateur-Schauspieler könnte seinen Part übernehmen, wenn er sich ein bißchen anstrengt. Und was für einen Amateurfilm o.k. ist, wenn man als Regisseur geschickt ist und den Darstellern keine Szenen schreibt, die sie nicht spielen können, ist für eine deutsche Fernsehproduktion ein absolutes Armutszeugnis. Sobald der Sinclair-Darsteller auch nur ansatzweise so etwas wie starke Emotionen zeigen muß, wird es hochgradig lächerlich - besonders in der ersten Folge nach dem Pilotfilm kann man dieses Unvermögen noch besser bewundern. Übrigens tun die Dialoge, wenn man das Gefasel so nennen kann, ein Übriges, um den Film in tiefste Tiefen zu schleudern.

P. S.: Wo ist eigentlich der Grusel, die Spannung und die Gefahr, die eine solche Serie ausmachen sollten? Leider habe ich davon auch in der ersten Episode nach dem Pilotfilm nichts gefunden, auch wenn sie hoffnungsvoll begann.

Fazit:
Da wenigstens der Kameramann sein Werk versteht und ich Amateurfilme kenne, die noch schlechter sind, bekommt der Film von mir einen Gnadenpunkt.
1 von 15

Daniel von Euw

Ich seh's schon kommen. Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der seinen Kommentar zum Sinclair-Pilotfilm abgeben wird, aber dafür werde ich einmal wieder mit meiner Meinung allein dastehen (scheint eh mein Schicksal beim "Flash" zu sein). (* Könnte man in den weitaus meisten Fällen wohl so sagen. ;-))) Heike)
"Ich töte jeden Sinclair" stellt für mich den klassischen Fall von "so schlimm war's doch gar nicht" dar. Nach den Vorberichten in der TV-Highlights sowie in diversen anderen Fernsehzeitschriften hatte ich ja nun wirklich mit einer totalen Katastrophe gerechnet, einem Film, bei dem sogar ich mich mit Grauen abwenden würde - und das ist wirklich schwer hinzukriegen.
Zugegeben, "gut" war der Film nicht, aber ich denke, daß er im Wust der deutschen Fernsehfilm-Produktionen als "mittelprächtig" einzustufen ist.
Eine mögliche Effektorgie ist ausgeblieben - dafür hat in Deutschland sowieso niemand das Geld - die Kameraführung und die Schnittechnik waren soweit in Ordnung, und die Schauspieler... nun ja, ebenfalls TV-Mittelmaß, mal abgesehen von Kai Maertens (leider Gottes Hauptfigur), der zu Beginn wirklich unterirdisch gespielt hat, sich im Verlauf des Films jedoch auch auf ein gesundes Mittelmaß steigern konnte.

Fazit:
Mir hat's einigermaßen gefallen, auch wenn es wirklich kein Highlight der deutschen TV-Geschichte war, und wenn es den Chefredakteur stört, soll er mich aus dem Rezensenten-Team schmeißen. (* Wenn Du jemals in das Impressum des Flash geschaut hättest, würdest Du da gelesen haben, daß die Beiträge nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen müssen. Wenn so viele VERSCHIEDENE Meinungen wie möglich zusammenkommen, umso besser! Heike) In Anbetracht dessen, was einem im deutschen Fernsehen schon alles an Eigenproduktionen vorgesetzt worden ist (z. B. Operation Phoenix) (* Ja - wuhahahahahaaaa! ;-) Heike), war der Film wirklich nicht schlecht.
8 Punkte

Danijel Majic

Es ist also tatsächlich passiert: Der Sinclair Pilotfilm wurde nun doch gesendet. Und endlich wissen wir auch, warum sich Jason Dark immer so zufrieden mit den Dreharbeiten gezeigt hat. Die dümmlichen Dialoge, das Alzheimer-Geschwafel der wenig begnadeten Hauptdarsteller und der krude Plot entsprechen schließlich exakt seinem Stil. ;-)
Aber im Ernst: Nach den zahlreichen Warnungen der selbsternannten RTL-Insider und anonymen Besserwisser hatte ich damit gerechnet, einen Film in der Tradition und Qualität von "Plan 9 from Outer Space" vorgesetzt zu bekommen, und wurde in dieser Hinsicht angenehm enttäuscht. Sooooo furchtbar schlecht war dieser Pilot dann doch nicht.
Gestört haben mich aber vor allem drei Dinge:

1.) Die kaum vorhandene Spannung.
Der Film war leider ziemlich langweilig. Dies mag daran liegen, daß sich das Drehbuch zu genau an den ebenfalls recht langweiligen und zeilenschindenden Roman angelehnt hat, ändert aber nichts an dem hohen Gähnfaktor. 90 Minuten waren für diese Geschichte einfach zu lang.

2.) Die Hauptdarsteller.
Über äußerliche Unähnlichkeiten mit den Romanfiguren kann man gewiß trefflich streiten. Doch das hölzerne Auftreten und das offensichtlich mangelnde Talent der Herrschaften Hora und Maertens wirkte sich in meinen Augen viel störender auf die Qualität des Filmes aus. Für mich unverständlich, warum die meisten Nebenrollen sehr viel besser besetzt waren als die der Haupt-Protagonisten.

3.) Der Plot.
Gemeine Sinclair-Leser sind ja inzwischen an wenig logische Handlungsführungen und unsinnige Auflösungen gewöhnt. Doch hätte es den Drehbuchautoren gut angestanden, sich in dieser Beziehung etwas weniger stark den Intentionen des Herrn Rellergerd anzunähern. Insbesondere das Ende des Films verdient das Prädikat "doof".

Allerdings muß ich zugeben, im deutschen Fernsehen schon sehr viel Schlechteres gesehen zu haben. Die Entscheidung, den Film nun doch auszustrahlen, zumal auf diesem Sendeplatz, war sicherlich richtig. Auch hat mir der Film deutlich besser gefallen als die zuletzt erschienen Sinclair-Romane, die sprachlich und stilistisch aber auch einen Tiefpunkt in der Geschichte des Heftromans darstellen. Die vorab geäußerte Kritik bezüglich der "amateurhaften Effekte" des Films kann ich übrigens nicht teilen. Schließlich sind nur sehr wenige Special-Effects verwendet worden, und diese waren in meinen Augen ganz in Ordnung.
Ich glaube aber, daß dieser Streifen seine Zukunft in der Bedeutungslosigkeit des RTL-Archivs fristen wird. Die insgesamt nur sehr durchschnittliche Qualität des Films wird die Programmverantwortlichen wahrscheinlich nicht zu häufigen Wiederholungen animieren. Auch wird "Ich töte jeden Sinclair" wohl kaum in die Hall of Fame der Trash-Klassiker gelangen. Hierfür ist der Film ganz einfach nicht schlecht genug.
Schade. ;-)

6 Punkte.

Christoph Neumann

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