Es gibt
Dinge, die sind nie besonders beliebt. Dazu gehört auch, wenn
ein Geheimdienst etwas macht und niemandem verraten will, um was es
sich dabei handelt. So geschehen im System von Boscyks Stern. Aber
wenigstens ist es der Regierung auf Olymp gelungen, eine halbwegs
offizielle Person an Bord des ominösen Wächtergeschwaders
zu bringen, das die seltsame und streng bewachte Aagenfelt-Barriere
erzeugen soll. Dabei ist klar, daß Sackx Prakma keinen leichten
Stand haben wird, denn er ist der Besatzung der Wächter-Schiffe
aufgezwungen worden. Er wird deshalb als Spitzel betrachtet, und
verraten will ihm immer noch keiner, was hier wirklich los ist. Es
gibt nur immer wieder kleine Häppchen, die das wahre Geheimnis
aber nicht preisgeben.
Unterdessen tätigt Critta Lohffeld im Sol-System selbst einen
schweren Gang. Die Informatikerin ist auf dem Weg, ihren Posten auf
der LEIF ERIKSSON anzutreten, dem neuen Flaggschiff der LFT. Dieses
wird unter der Anwesenheit großer Prominenz vom Stapel gelassen
und von Residenzminister Bull persönlich getauft. Crittas
Nervosität in Bezug auf Schiff und Besatzung erscheint jedoch
unbegründet; letztere erinnert eher an die bunten Haufen
unterschiedlichster Charaktere zu Zeiten des Solaren Imperiums.
Gut einen Monat später ist Perry Rhodan außer sich vor
Sorge um seinen Freund Reginald Bull, der von den Arkoniden
festgehalten wird, was diese heftig dementieren, den Konflikt aber
auch nicht entschärfen; Zitat Bostich: "Was ich will, wirst du
mir nicht geben können. Ich werde es mir nehmen müssen!"
Deutlicher kann er sein Machtstreben nicht ausdrücken. Nicht,
daß das Perry Rhodan irgendwie beruhigen würde, aber er
muß sich außerdem noch sagen lassen, daß sein Sohn
Mike aus der Rehabilitation entlassen wurde und den Mond Mimas mit
unbekanntem Ziel verlassen hat. Hinzu kommt dann auch bald die
Nachricht, daß die Arkoniden nun verstärkt in der Gegend
von Olymp auftauchen.
Hier erfährt Sackx nun auch ein Stückchen mehr über
das geheimste aller Abwehrsysteme. Der Kommandant des
Wächtergeschwaders läßt nämlich mehrere
Minengürtel anlegen; darunter sind auch Minen, die einen
Paratron-Schirm besitzen. Raumschiffe, die mit diesen
zusammenstoßen, werden also in den Hyperraum gerissen. Nun wird
ihm auch stückchenweise weiter offenbart, was die Barriere
macht. Sie wird, wenn aufgebaut, anfliegende Raumschiffe aus dem
Hyperraum reißen. Die Barriere wird von mindestens 4 Schiffen
(ein Geschwader) aufgebaut, die dann aber nur einen recht geringen
Teil eines Systems abschotten können; für kompletten Schutz
benötigt man 24 Schiffe. Die Schiffe, die es durch die Barriere
oder den Minengürtel schaffen (durchschnittlich 20% der
einfliegenden Schiffe wird von der Barriere durchgelassen), werden
dann dahinter von der Heimatflotte erwartet, die besonders im Bereich
Terra durch Nathan unterstützt wird und somit den Nachteil des
Korra-Vir auszugleichen vermag.
Während man über Olymp also die letzten Vorbereitungen
vollendet, trifft Perry Rhodan daheim eine drastische Entscheidung.
Er stellt Olymp unter Quarantäne. Kein Schiff darf das System
verlassen oder einfliegen. Weiterhin befiehlt Rhodan den Einsatz der
Aagenfelt-Barriere. Diese Provokation wollen sich die Arkoniden nicht
bieten lassen, und so greift Keon'athor Zeirron mit 8000
Kampfschiffen das System an. 6400 davon scheitern bereits an der
Aagenfelt-Barriere und werden in den Anfängen der Schlacht
vernichtet. Die restlichen werden von den 3000 Einheiten der
Verteidiger bis auf wenige Schiffe vollkommen aufgerieben. Bostich
ist zwar bestürzt über die Vernichtung seiner Flotte, macht
aber keine weiteren Schritte in Richtung Frieden. So beschließt
Rhodan die Abriegelung aller mit der Aagenfelt-Barriere
ausgestatteten Systeme: Sol, Olymp, Ertrus, Epsal und Nomo. Von jetzt
an gilt Krisenfall Blockade.
Klaus N. Frick hatte ja schon gewarnt, daß das Datenblatt der
LEIF ERIKSSON dicker sein sollte als das legendäre Blatt der
MARCO POLO, und ich fürchte, daß er recht hatte. Auf der
anderen Seite: Ein großes und kultiges Schiff braucht eine
dementsprechende Einführung, und das bekommt die LEIF ERIKSSON
von Rainer Castor verpaßt, bis dem Leser der Kopf qualmt. Eine
Rißzeichnung zum neuen LFT-Raumer ist an sich kaum noch
vonnöten; es steht ja quasi schon alles in diesem Band drin.
Aber um ehrlich zu sein, irgendwann konnte ich persönlich nicht
mehr. Irgendwann habe ich dann doch den Überblick verloren,
welche Schraube jetzt welche Farbe hat, welche Ertruserin hier von
welchen Artgenossen angebaggert wird und in welchen Dezibel-Zahlen
dies geschieht. Immerhin geschah das noch in einem recht
schönen, respektlosen Ton und war daher nicht ganz so trocken,
aber für mich war's einfach irgendwann zuviel.
Nett fand ich aber auf jeden Fall die Schiffstaufe, die einmal so
richtig die Größendimensionen deutlich gemacht hat. Bull
irgendwo in weiter Ferne mit seiner Sektflasche - eine nette
Vorstellung. In seiner Rede wird dann einmal mehr deutlich, wie weit
man zur Zeit in der Handlung in die Vergangenheit greift. Ich glaube,
es gibt kein System, das man an Bord der LEIF ERIKSSON nicht
verwendet hat - egal, mit was für einer Technik die bösen
Feinde kommen werden: Irgendwoher können die Techniker der LEIF
ERIKSSON ein anderes Backup-System zaubern. Den ganz großen
nostalgischen Touch habe ich allerdings gespürt, als Bull die
Teleskop-Landestützen beschrieben hat. Das war für mich die
Krönung des Back-to-the-roots-Weges, aber bestimmt noch nicht
das Ende. Auf jeden Fall scheint mir klar, daß dieses Schiff
erst einmal einen festen Platz in der Serie bekommen wird, denn sonst
würde sich dieser Band hier im Nachhinein als völlig
sinnlos erweisen. Allein der Entwurf der ganzen Charaktere muß
schon eine Heidenarbeit gewesen sein. Ich kann mir nun wirklich nicht
vorstellen, daß man sich diese umsonst gemacht hat. Ich glaube
es nicht, und ich hoffe es auch nicht, denn so manch einer von denen
könnte mir noch viel Freude bereiten. Auch wünsche ich den
Autoren bei ihrem Experiment "Rückgriff auf die alte Zeit -
komme was da wolle" viel Erfolg. Im Moment sieht es ja noch ganz
vielversprechend aus.
Überhaupt scheint man sich bei der Konzeption des jetzigen
Zyklus eine ganze Menge Gedanken gemacht zu haben. Das zeigt schon
die Entwicklung der Aagenfelt-Barriere, die einige Dinge der
Vergangenheit - auch der jüngeren - wieder mit in die Serie
bringt, z.B. die toten Zonen, die unter Garantie bei der Entwicklung
Pate standen. Ich meine mich auch an einen Hinweis im Roman zu
erinnern, kann das aber jetzt nicht beschreien.
Nun, der erste Einsatz ging ja recht erfolgreich vonstatten; und auch
wenn Imperator Bostich über eine gigantische Flotte
verfügt, so dürfte er doch schlucken, daß die
Terraner so nebenbei einfach 8000 Schiffe auf den Schrott geschickt
haben. Dennoch kann ich nicht so richtig glauben, daß die
Barriere einen wirklichen Großangriff auf das Sol-System
aufhalten würde. Hier dürfte der Spruch Masse statt Klasse
doch einiges wettmachen, und wenn Bostich einfach mit genügend
Schiffen angreift, dann dürfte auch der
Nathan-unterstützten Heimatflotte ganz schön warm ums Herz
werden. Aber wir wissen ja eh, daß etwas ganz grausam
schiefgehen wird. Nur leider wissen wir nicht was. Ich
persönlich mag nicht glauben, daß es zu einer Besetzung
Terras kommen wird. (Außerdem: Kann sich einer die Terraner als
ein Widerständler-Volk vorstellen? Also, ich nicht so
richtig...) Wenn das passieren sollte, na dann gute Nacht, Erde. Eher
vermute ich ein technisches Durchbrennen oder etwas in dieser
Richtung. Eine technische Katastrophe, die vielleicht einen ganzen
Sektor der Milchstraße vom Netz nimmt. Was den Terranern nicht
gerade zu viele Sympathien einbringen würde.
Zum Schluß noch ein paar Worte zu Perry Rhodan. Da opfert er
sich wieder für seine Terraner auf, und was hat er davon? Nur
Scherereien: Einen Krieg hat er am Hals, seinen einen Sohn verloren -
und den anderen noch gar nicht gesehen. Man läßt hier
wirklich nichts aus, dafür ist es aber auch schön
dramatisch.
Fazit:
Immer noch fehlt bei mir so richtig das Gefühl, daß ich
eher sterbe, als daß ich es bis zum nächsten Wochenende
schaffe, um mir den nächsten Band zu kaufen. Und doch hat mir
die Serie schon lange nicht mehr so viel Spaß gemacht. Dazu
trägt auch dieser Band bei. Der war zwar nicht wirklich spannend
(mal von der kurzen Schlacht am Ende abgesehen), und die LEIF
ERIKSSON-Ebene fand ich dann irgendwann auch ein wenig
überladen, aber im großen und ganzen war der Roman
wirklich in Ordnung.
11 Punkte
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Nun haben wir also den nächsten Krisenfall - das
Kristallimperium versucht, Olymp zu vereinnahmen; und die
Aagenfelt-Barriere kommt zu ihrem ersten (und in dieser Form
wahrscheinlich auch letzten, denn vor der Entdeckung des
Schwachpunkts wird sie wohl nicht abgebaut werden) Einsatz.
Die wichtigsten Systeme der LFT sind mit einem Bluff
geschützt - die Rückgriffe in die Frühzeit
der Serie werden immer stärker spürbar. |
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Um das Ergebnis gleich vorwegzunehmen: Rainer Castor
zeigt sich in diesem Band (wieder einmal mehr) in
Höchstform. Der Roman schildert zum einen die
Inbetriebnahme des neuen Flottenflaggschiffes der LFT, zum
anderen den ersten echten Angriff der Arkoniden auf eine der
Welten der LFT, nämlich Olymp. |