Rettungskreuzer Ikarus:

Band 1: "Die Feuertaufe"

Autor: Dirk van den Boom

D 1999
(88 Seiten, Paperback, Arkham-Press, DM 12,90)
- erschienen: Januar 2000 -

Zum Inhalt:
Sally MacLennane ist im Freien Raumcorps als Chefin des Rettungsdienstes abgeschoben worden - eine undankbare Aufgabe, nicht nur, weil ihr andauernd die Mittel gekürzt werden.
Sie schafft es dennoch, unbemerkt von einigen Führungsmitgliedern des Corps den Rettungskreuzer Ikarus in Dienst zu stellen - mit einer Mannschaft, die vordergründig schlechter nicht sein könnte. Trunkenbolde, Psychopathen und Versager sollen sich daran machen, in Not geratenen Raumschiffe im Bereich Vortex Outpost Hilfe zu bringen - nicht unbedingt das, was man sich als Hilfsmannschaft vorstellen würde.
Und es dauert auch nicht lange (für manchen im Corps viel zu schnell und überraschend), bis der erste Auftrag der Ikarus harrt. Der Notruf eines Edirinanischen Raumfrachters, der 31 "Somank-Kampfstiere" für die Somank-Festspiele geladen hat, bringt bereits die ersten Schwierigkeiten mit sich...

Nun, frei nach dem Gedanken: "Wer professionell aufgemacht über professionelle Wege vertrieben wird, will nach professionellen Gesichtspunkten bewertet werden", hier nun eine Rezension zum ersten Band der Fan-Heftromanserie "Rettungskreuzer Ikarus".
Wer Libris books on demand-System kennt, wird wissen, daß an der Aufmachung des Paperbacks (nein, es ist kein "Heftroman" - jedenfalls nicht vom Äußerlichen her) sicherlich nichts auszusetzen ist. Die äußerliche Aufmachung kann jedoch nicht über einen zwar recht amüsanten und interessanten, jedoch insgesamt eher noch etwas schwach geratenen Inhalt hinwegtäuschen.
Die Idee insgesamt erinnert doch zu stark an ein einfaches Fan-Projekt - ihr fehlt (zumindest in diesem ersten Band noch) der wirkliche Tiefgang, der große rote Faden, der interessanter ist als die einfachen Rettungsmissionen à la "Emergency Room in Space" - was auch der Autor erkannt hat, wenn er auf den internen Seiten des Romans (demnächst werden diese wohl als Leserbriefseiten genutzt werden) darauf hinweist, daß dies noch lange nicht alles ist und die größeren Zusammenhänge bereits geplant sind. Allerdings: Es fehlt der klitzekleine Hinweis auf die "ferne Gefahr, die kaum noch in der Erinnerung der Bewohner dieser Galaxis vorhanden ist". Abgesehen davon, daß dies nach "schon mal gelesen" klingt (wie zugegebenermaßen viele neue Romane der letzten 10-20 Jahre), leider wird auch versäumt, bereits in diesem Band die Voraussetzungen für dieses große Mysterium zu legen - zumindest sind diese dem Leser nicht ersichtlich. Statt dessen wird die Handlung heruntergeleiert, und alles, was der Leser an größeren Zusammenhängen mitbekommt, sind andeutungsweise die Auseinandersetzungen innerhalb des Corps. Und das reicht irgendwie nicht, um den Leser wirklich zu interessieren.
Ansonsten haben wir hier naturgemäß zuerst einmal die Vorstellungen der einzelnen Besatzungsmitglieder zu lesen - die einen nicht unbeträchtlichen Raum innerhalb des Romans einnehmen. Da bleibt dann für die Mission selber (die anfangs noch ein wenig an "Alien" erinnert) nicht mehr besonders viel Spielraum, weshalb diese dann auch knappstens abgehandelt wird - genauso wie die Vorstellungen an sich. Wäre es hier nicht vielleicht sinnvoller gewesen, die einzelnen Handlungsträger ein wenig stärker vorzustellen (z.B. die Schwierigkeiten der Inbetriebstellung der Ikarus stärker auszuarbeiten und erst im zweiten Band auf die erste Mission zu kommen)? Nun ja, "Ikarus" soll alle 3 Monate erscheinen (wenn Libri es denn nun zuläßt - die Druckvorlagen für Band 1 lagen immerhin rund ein Vierteljahr bei books on demand, was dem Herausgeber einiges an Haarprachtverlust bereitet hat...), so daß ein langsameres Vorgehen hier wohl unangemessen schien. Doch genau an diesen Geschehnissen kranken die meisten Fan-Serien - zu denen auch "Ikarus" gehört. Denn der Zyklus von 3 Monaten bedingt dann auch, daß man sich die langsame Entwicklung kaum leisten kann - und dann fehlt hier eindeutig das große geheimnisvolle Element der Handlung, das diese irgendwann einmal beherrschen soll. Zu diesem Dilemma gibt's nur eins: Entweder öfter erscheinen, oder erweiterter Umfang - denn vier Romane pro Jahr lassen eine größer gefaßte Entwicklung eigentlich gar nicht zu... Ein großangelegter Zyklus von wasweißichwieviel Bänden verbietet sich hier schon von allein. Das Maximum bei dieser Erscheinungsweise (ich weiß, öfter ist im Fan-Bereich nicht möglich - schon aus Zeitgründen), dürfte wohl bei vielleicht 10 Bänden liegen. Und für einen 10bändigen Zyklus bietet dieser Band deutlich zuwenig Einsichten in die weitergehende Handlung.
Die Eigenarten der Mannschaft sind jedoch in den Ansätzen, in denen die Schilderung erfolgt, charakterlich gut erfaßt worden. Hier sind sicherlich die Stärken der jungen Serie zu finden - und diese Stärken weiter auszubauen, hätte sich sicherlich gelohnt.
Und bezüglich der Handlung ein wenig mehr achtzugeben, hätte sich sicherlich auch nicht schlecht gemacht. Denn dann hätte sich der Leser vielleicht nicht die Frage gestellt, wie denn z.B. der beschädigte Roboter zurück ins Schiff gelangt ist - die Fähre kann er jedenfalls nicht genommen haben, sonst wäre sie schon lange nicht mehr dagewesen. Mitten durch den Raum? Wer von den beiden im Schiff Zurückgebliebenen hätte ihn denn auffangen und einschleusen sollen? Naja, irgendwann war er halt da - über das "wie" schweigt man sich jedoch aus...
Nun gut, es mag sein, daß ich mit diesem Roman viel zu hart ins Gericht gehe - gehört doch der Herausgeber zum Flash-Team und ein Großteil der Mitarbeiter zum erweiterten Bekanntenkreis meinerseits, ich also evt. im Versuch, möglichst objektiv zu sein, das Ziel in die andere Richtung überschreite (sorry, nichts für ungut, Leute) - Tatsache bleibt jedoch, daß an dieser Serie durchaus Potential vorhanden ist, die Arbeiten, die nötig sind, dieses Potential auch hervorzukehren, jedoch noch einiges in Anspruch nehmen werden. Man darf trotzdem gespannt sein, wie sich dies denn nun weiterentwickelt, denn für ein Aufgeben der Hoffnung ist es nach einem Band eindeutig zu früh... Und eventuell lohnt sich ein Reinschnuppern in diesen Band schon (Preis und Aufmachung sind für Fan-Verhältnisse jedenfalls mehr als nur adäquat) - immerhin könnte der Rezensent hier zu stark auf die negativen Aspekte gedrängt und nach ihnen gesucht haben, damit ihm niemand Befangenheit bezüglich zu positiver Bewertung vorwerfen kann...

Fazit:
Die Fehler sind im ersten Band der Serie "Rettungskreuzer Ikarus" noch deutlich spürbar. Vor allem in der Handlungsentwicklung sind noch deutliche Schwächen vorhanden - und die großen Geheimnisse, die angekündigt werden, sind im Roman selber noch nicht einmal andeutungsweise vorhanden. Für eine dreimonatliche Serie ist dies dann doch ein bißchen wenig... "Knapp ausreichend" ergibt:
4 Punkte.

Winfried Brand

P.S.: Der Vertrieb der Reihe erfolgt über Joachim Ottos Romantruhe - siehe Link hierunter.

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