Zum
Inhalt:
Sally MacLennane ist im Freien Raumcorps als Chefin des
Rettungsdienstes abgeschoben worden - eine undankbare Aufgabe, nicht
nur, weil ihr andauernd die Mittel gekürzt werden.
Sie schafft es dennoch, unbemerkt von einigen
Führungsmitgliedern des Corps den Rettungskreuzer Ikarus in
Dienst zu stellen - mit einer Mannschaft, die vordergründig
schlechter nicht sein könnte. Trunkenbolde, Psychopathen und
Versager sollen sich daran machen, in Not geratenen Raumschiffe im
Bereich Vortex Outpost Hilfe zu bringen - nicht unbedingt das, was
man sich als Hilfsmannschaft vorstellen würde.
Und es dauert auch nicht lange (für manchen im Corps viel zu
schnell und überraschend), bis der erste Auftrag der Ikarus
harrt. Der Notruf eines Edirinanischen Raumfrachters, der 31
"Somank-Kampfstiere" für die Somank-Festspiele geladen hat,
bringt bereits die ersten Schwierigkeiten mit sich...
Nun, frei nach dem Gedanken: "Wer professionell aufgemacht über
professionelle Wege vertrieben wird, will nach professionellen
Gesichtspunkten bewertet werden", hier nun eine Rezension zum ersten
Band der Fan-Heftromanserie "Rettungskreuzer Ikarus".
Wer Libris books on demand-System kennt, wird wissen, daß an
der Aufmachung des Paperbacks (nein, es ist kein "Heftroman" -
jedenfalls nicht vom Äußerlichen her) sicherlich nichts
auszusetzen ist. Die äußerliche Aufmachung kann jedoch
nicht über einen zwar recht amüsanten und interessanten,
jedoch insgesamt eher noch etwas schwach geratenen Inhalt
hinwegtäuschen.
Die Idee insgesamt erinnert doch zu stark an ein einfaches
Fan-Projekt - ihr fehlt (zumindest in diesem ersten Band noch) der
wirkliche Tiefgang, der große rote Faden, der interessanter ist
als die einfachen Rettungsmissionen à la "Emergency Room in
Space" - was auch der Autor erkannt hat, wenn er auf den internen
Seiten des Romans (demnächst werden diese wohl als
Leserbriefseiten genutzt werden) darauf hinweist, daß dies noch
lange nicht alles ist und die größeren Zusammenhänge
bereits geplant sind. Allerdings: Es fehlt der klitzekleine Hinweis
auf die "ferne Gefahr, die kaum noch in der Erinnerung der Bewohner
dieser Galaxis vorhanden ist". Abgesehen davon, daß dies nach
"schon mal gelesen" klingt (wie zugegebenermaßen viele neue
Romane der letzten 10-20 Jahre), leider wird auch versäumt,
bereits in diesem Band die Voraussetzungen für dieses
große Mysterium zu legen - zumindest sind diese dem Leser nicht
ersichtlich. Statt dessen wird die Handlung heruntergeleiert, und
alles, was der Leser an größeren Zusammenhängen
mitbekommt, sind andeutungsweise die Auseinandersetzungen innerhalb
des Corps. Und das reicht irgendwie nicht, um den Leser wirklich zu
interessieren.
Ansonsten haben wir hier naturgemäß zuerst einmal die
Vorstellungen der einzelnen Besatzungsmitglieder zu lesen - die einen
nicht unbeträchtlichen Raum innerhalb des Romans einnehmen. Da
bleibt dann für die Mission selber (die anfangs noch ein wenig
an "Alien" erinnert) nicht mehr besonders viel Spielraum, weshalb
diese dann auch knappstens abgehandelt wird - genauso wie die
Vorstellungen an sich. Wäre es hier nicht vielleicht sinnvoller
gewesen, die einzelnen Handlungsträger ein wenig stärker
vorzustellen (z.B. die Schwierigkeiten der Inbetriebstellung der
Ikarus stärker auszuarbeiten und erst im zweiten Band auf die
erste Mission zu kommen)? Nun ja, "Ikarus" soll alle 3 Monate
erscheinen (wenn Libri es denn nun zuläßt - die
Druckvorlagen für Band 1 lagen immerhin rund ein Vierteljahr bei
books on demand, was dem Herausgeber einiges an Haarprachtverlust
bereitet hat...), so daß ein langsameres Vorgehen hier wohl
unangemessen schien. Doch genau an diesen Geschehnissen kranken die
meisten Fan-Serien - zu denen auch "Ikarus" gehört. Denn der
Zyklus von 3 Monaten bedingt dann auch, daß man sich die
langsame Entwicklung kaum leisten kann - und dann fehlt hier
eindeutig das große geheimnisvolle Element der Handlung, das
diese irgendwann einmal beherrschen soll. Zu diesem Dilemma gibt's
nur eins: Entweder öfter erscheinen, oder erweiterter Umfang -
denn vier Romane pro Jahr lassen eine größer gefaßte
Entwicklung eigentlich gar nicht zu... Ein großangelegter
Zyklus von wasweißichwieviel Bänden verbietet sich hier
schon von allein. Das Maximum bei dieser Erscheinungsweise (ich
weiß, öfter ist im Fan-Bereich nicht möglich - schon
aus Zeitgründen), dürfte wohl bei vielleicht 10 Bänden
liegen. Und für einen 10bändigen Zyklus bietet dieser Band
deutlich zuwenig Einsichten in die weitergehende Handlung.
Die Eigenarten der Mannschaft sind jedoch in den Ansätzen, in
denen die Schilderung erfolgt, charakterlich gut erfaßt worden.
Hier sind sicherlich die Stärken der jungen Serie zu finden -
und diese Stärken weiter auszubauen, hätte sich sicherlich
gelohnt.
Und bezüglich der Handlung ein wenig mehr achtzugeben,
hätte sich sicherlich auch nicht schlecht gemacht. Denn dann
hätte sich der Leser vielleicht nicht die Frage gestellt, wie
denn z.B. der beschädigte Roboter zurück ins Schiff gelangt
ist - die Fähre kann er jedenfalls nicht genommen haben, sonst
wäre sie schon lange nicht mehr dagewesen. Mitten durch den
Raum? Wer von den beiden im Schiff Zurückgebliebenen hätte
ihn denn auffangen und einschleusen sollen? Naja, irgendwann war er
halt da - über das "wie" schweigt man sich jedoch aus...
Nun gut, es mag sein, daß ich mit diesem Roman viel zu hart ins
Gericht gehe - gehört doch der Herausgeber zum Flash-Team und
ein Großteil der Mitarbeiter zum erweiterten Bekanntenkreis
meinerseits, ich also evt. im Versuch, möglichst objektiv zu
sein, das Ziel in die andere Richtung überschreite (sorry,
nichts für ungut, Leute) - Tatsache bleibt jedoch, daß an
dieser Serie durchaus Potential vorhanden ist, die Arbeiten, die
nötig sind, dieses Potential auch hervorzukehren, jedoch noch
einiges in Anspruch nehmen werden. Man darf trotzdem gespannt sein,
wie sich dies denn nun weiterentwickelt, denn für ein Aufgeben
der Hoffnung ist es nach einem Band eindeutig zu früh... Und
eventuell lohnt sich ein Reinschnuppern in diesen Band schon (Preis
und Aufmachung sind für Fan-Verhältnisse jedenfalls mehr
als nur adäquat) - immerhin könnte der Rezensent hier zu
stark auf die negativen Aspekte gedrängt und nach ihnen gesucht
haben, damit ihm niemand Befangenheit bezüglich zu positiver
Bewertung vorwerfen kann...
Fazit:
Die Fehler sind im ersten Band der Serie "Rettungskreuzer Ikarus"
noch deutlich spürbar. Vor allem in der Handlungsentwicklung
sind noch deutliche Schwächen vorhanden - und die großen
Geheimnisse, die angekündigt werden, sind im Roman selber noch
nicht einmal andeutungsweise vorhanden. Für eine dreimonatliche
Serie ist dies dann doch ein bißchen wenig... "Knapp
ausreichend" ergibt:
4 Punkte.
P.S.: Der Vertrieb der Reihe erfolgt über Joachim Ottos Romantruhe - siehe Link hierunter.