Frank Rehfeld:

„Die Drachenpriester“

(Die Legende von ARCANA - Band 2)
D 1999
(639 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 20376, ISBN 3-404-20376-3, DM 16,90)
- erschienen: Januar 2000 -

1) "Der Drachentempel"
Der junge Aylon wird von den Bewohnern Cavillons geschnitten, weil diese ihn nicht in ihrem Geist wahrnehmen können und seine magischen Kräfte nicht für sie erkennbar sind - ein ziemlich untragbarer Zustand in einer Festung, die von Magiern bewohnt wird. Doch Maziroc hat sich Aylons angenommen und führt ihn schließlich in den verbotenen Bereich Cavillons, der von den Damonen zerstört wurde. Dort gelingt es Aylon, den Reif Charalons zu bergen, ein magisches Artefakt, einen "Skiil", das ihm diverse Fähigkeiten verleiht. Mit diesem Reif wird er losgeschickt und soll die höfischen Gewohnheiten lernen, um danach zu einem vollwertigen Magier geweiht zu werden. Doch in Maramon begegnet er den geheimnisvollen Drachenpriestern, und kaum etwas stellt sich als das heraus, was es eigentlich nach Plan sein sollte...

2) "Die Sternenzitadelle"
In der Nacht vor seiner Magierweihe wird Aylon gekidnappt und vor ein Inquisitionstribunal gestellt. Nur das beherzte Eingreifen seiner Freunde, allen voran des "Gauklers" Floyd, rettet ihn vor dem Tod bei den geheimen und unerlaubten Machenschaften, die innerhalb Cavillons vor sich gehen. Dies aber gibt Aylon genügend Anstoß, sich zusammen mit Floyd heimlich und noch vor der Weihe auf den Weg zur Sternenzitadelle zu machen, die irgendwie mit seiner geheimnisvollen Herkunft zusammenhängt. Doch um diese noch rechtzeitig vor dem Wintereinbruch zu erreichen, müssen die beiden das Hügelland von Skant durchqueren - ein Gebiet, das von den gnadenlosen Hornmännern beherrscht wird...

Tja, was soll man hierzu schreiben? Frank Rehfelds "Drachenpriester" besteht an sich aus zwei einzelnen Romanen, die in einem Taschenbuch zusammengefaßt wurden (an sich eine Wohltat nach der zur Zeit grassierenden Sucht der Teilung von Originalromanen in mindestens zwei deutsche Ausgaben) - und beide Romane erschienen bereits in den 80er Jahren bei Goldmann, sind also faktisch eine Wiederveröffentlichung.
Nachdem Rehfeld im ersten Band der Reihe eindrucksvoll vorgeführt hat, wie man einen an sich nicht besonders guten Roman in die Länge streckt und mit keinerlei Charakterisierung versieht, hatte ich ja so meine Befürchtungen für diesen zweiten Band. Doch merkt man diesem Buch auch schnell an, daß der enthaltene Inhalt nicht mehr so ganz der Frischeste ist (die reine Quest-Fantasy ist heutzutage schon recht ausgelutscht), so überrascht dieses Buch doch deutlich in seinem Unterhaltungswert. Selten ärgert man sich über unnötig in die Länge gezogene Beschreibungen, fehlende Charakterisierungen und an den Haaren herbeigezogene Elemente, die vorher nie auch nur ansatzweise erwähnt wurden. Statt dessen zeigt der Autor, zu was er eigentlich in der Lage ist (oder sollte man nach bald anderthalb Jahrzehnten Schreibertätigkeit unter dem Namen Wolfgang Hohlbein besser sagen: "in der Lage war"?) - und ich finde tatsächlich den Grund wieder, weshalb ich Rehfeld-Romane in den 80er Jahren gemocht habe (nähere Ausführungen hierzu in der Rezension zum ersten Band, "Die Dämmerschmiede", in Flash Nr. 74).
Frank Rehfeld erfindet hier zwar sicherlich nicht die Fantasy neu, sondern vermischt größtenteils alte Elemente miteinander zu einem recht interessanten Ganzen, das man durchaus problemlos als unterhaltsame Nebenbeilektüre lesen kann. Nichts Weltbewegendes, nichts Innovatives, dafür aber unterhaltsam und größtenteils spannend. Die ideale Lektüre, um einfach nur das Gehirn abzuschalten und auszuspannen - als für den Abend als Bettlektüre oder für lange Zugfahrten geeignet. Und genau hier macht diese Roman dann auch wirklich Spaß - leichte Unterhaltung ohne den Ärgereffekt, der durch manche mißratene Handungsführung in diesem Segment so oft hervorgerufen wird. "Die Drachenpriester" sind sicherlich keine anspruchsvolle, dafür aber umso unterhaltsamere Literatur. Und genau das wollen wir ja auch schon mal lesen, oder etwa nicht?

Fazit:
"Die Drachenpriester" entpuppt sich überraschenderweise als reinste Unterhaltungslektüre im besten Sinn des Wortes. Hier zeigt Frank Rehfeld, wozu er in der Lage ist (oder vielleicht: war?) - nämlich spannende und unterhaltende Romane zu schreiben, die keinen großartigen Anspruch erheben, sondern einfach nur Spaß machen. Die ideale Lektüre für den entspannenden Abend auf der Couch nach einem anstrengenden Arbeitstag oder auf langen Bahnfahrten. Wer jedoch wirklich anspruchsvolle Fantasy sucht, ist hier sicherlich fehl am Platz.
9 Punkte.

Winfried Brand


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.


home...