1) "Der
Drachentempel"
Der junge Aylon wird von den Bewohnern Cavillons geschnitten, weil
diese ihn nicht in ihrem Geist wahrnehmen können und seine
magischen Kräfte nicht für sie erkennbar sind - ein
ziemlich untragbarer Zustand in einer Festung, die von Magiern
bewohnt wird. Doch Maziroc hat sich Aylons angenommen und führt
ihn schließlich in den verbotenen Bereich Cavillons, der von
den Damonen zerstört wurde. Dort gelingt es Aylon, den Reif
Charalons zu bergen, ein magisches Artefakt, einen "Skiil", das ihm
diverse Fähigkeiten verleiht. Mit diesem Reif wird er
losgeschickt und soll die höfischen Gewohnheiten lernen, um
danach zu einem vollwertigen Magier geweiht zu werden. Doch in
Maramon begegnet er den geheimnisvollen Drachenpriestern, und kaum
etwas stellt sich als das heraus, was es eigentlich nach Plan sein
sollte...
2) "Die Sternenzitadelle"
In der Nacht vor seiner Magierweihe wird Aylon gekidnappt und vor ein
Inquisitionstribunal gestellt. Nur das beherzte Eingreifen seiner
Freunde, allen voran des "Gauklers" Floyd, rettet ihn vor dem Tod bei
den geheimen und unerlaubten Machenschaften, die innerhalb Cavillons
vor sich gehen. Dies aber gibt Aylon genügend Anstoß, sich
zusammen mit Floyd heimlich und noch vor der Weihe auf den Weg zur
Sternenzitadelle zu machen, die irgendwie mit seiner geheimnisvollen
Herkunft zusammenhängt. Doch um diese noch rechtzeitig vor dem
Wintereinbruch zu erreichen, müssen die beiden das
Hügelland von Skant durchqueren - ein Gebiet, das von den
gnadenlosen Hornmännern beherrscht wird...
Tja, was soll man hierzu schreiben? Frank Rehfelds "Drachenpriester"
besteht an sich aus zwei einzelnen Romanen, die in einem Taschenbuch
zusammengefaßt wurden (an sich eine Wohltat nach der zur Zeit
grassierenden Sucht der Teilung von Originalromanen in mindestens
zwei deutsche Ausgaben) - und beide Romane erschienen bereits in den
80er Jahren bei Goldmann, sind also faktisch eine
Wiederveröffentlichung.
Nachdem Rehfeld im ersten Band der Reihe eindrucksvoll
vorgeführt hat, wie man einen an sich nicht besonders guten
Roman in die Länge streckt und mit keinerlei Charakterisierung
versieht, hatte ich ja so meine Befürchtungen für diesen
zweiten Band. Doch merkt man diesem Buch auch schnell an, daß
der enthaltene Inhalt nicht mehr so ganz der Frischeste ist (die
reine Quest-Fantasy ist heutzutage schon recht ausgelutscht), so
überrascht dieses Buch doch deutlich in seinem
Unterhaltungswert. Selten ärgert man sich über unnötig
in die Länge gezogene Beschreibungen, fehlende
Charakterisierungen und an den Haaren herbeigezogene Elemente, die
vorher nie auch nur ansatzweise erwähnt wurden. Statt dessen
zeigt der Autor, zu was er eigentlich in der Lage ist (oder sollte
man nach bald anderthalb Jahrzehnten Schreibertätigkeit unter
dem Namen Wolfgang Hohlbein besser sagen: "in der Lage war"?) - und
ich finde tatsächlich den Grund wieder, weshalb ich
Rehfeld-Romane in den 80er Jahren gemocht habe (nähere
Ausführungen hierzu in der Rezension zum ersten Band, "Die
Dämmerschmiede", in Flash Nr. 74).
Frank Rehfeld erfindet hier zwar sicherlich nicht die Fantasy neu,
sondern vermischt größtenteils alte Elemente miteinander
zu einem recht interessanten Ganzen, das man durchaus problemlos als
unterhaltsame Nebenbeilektüre lesen kann. Nichts Weltbewegendes,
nichts Innovatives, dafür aber unterhaltsam und
größtenteils spannend. Die ideale Lektüre, um einfach
nur das Gehirn abzuschalten und auszuspannen - als für den Abend
als Bettlektüre oder für lange Zugfahrten geeignet. Und
genau hier macht diese Roman dann auch wirklich Spaß - leichte
Unterhaltung ohne den Ärgereffekt, der durch manche
mißratene Handungsführung in diesem Segment so oft
hervorgerufen wird. "Die Drachenpriester" sind sicherlich keine
anspruchsvolle, dafür aber umso unterhaltsamere Literatur. Und
genau das wollen wir ja auch schon mal lesen, oder etwa nicht?
Fazit:
"Die Drachenpriester" entpuppt sich überraschenderweise als
reinste Unterhaltungslektüre im besten Sinn des Wortes. Hier
zeigt Frank Rehfeld, wozu er in der Lage ist (oder vielleicht: war?)
- nämlich spannende und unterhaltende Romane zu schreiben, die
keinen großartigen Anspruch erheben, sondern einfach nur
Spaß machen. Die ideale Lektüre für den entspannenden
Abend auf der Couch nach einem anstrengenden Arbeitstag oder auf
langen Bahnfahrten. Wer jedoch wirklich anspruchsvolle Fantasy sucht,
ist hier sicherlich fehl am Platz.
9 Punkte.