Larry Niven:

„Flatlander“

(Abenteuer aus dem Ringweltuniversum)
OT: Flatlander
Ü: Axel Merz
USA 1995

1) „Tod durch Extase“
OT: Death By Ecstasy

2) „Die wehrlosen Toten“
OT: The Defenseless Dead

3) „ARM“
OT: ARM

4) „Die Patchwork-Frau“
OT: Patchwork Girl

5) „Die Frau im Del-Rey-Krater“
OT: The womand in Del Rey Crater

6) „Nachwort“

(509 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 24266, ISBN 3-404-24266-1, DM 16,90)
- erschienen: Dezember 1999 -

1. Tod durch Ekstase
(Death by Ecstasy)
Gil "Der Arm" Hamilton wird hinzugezogen, um den seltsamen Tod eines alten Freundes zu untersuchen. Dieser war nach sechs Monaten verschrumpelt, vertrocknet und mit einem Stromstecker im Kopf in einem Appartement aufgefunden worden. Alles deutet auf einen skurrilen Selbstmord hin, doch dann führt die Spur in den Dunstkreis einer berüchtigten Organpanscherbande.

2. Die wehrlosen Toten
(The Defenseless Dead)
Das zweite Freezergesetz, welches die Organentnahme aus eingefrorenen Patienten erlaubt, steht kurz vor dem Beschluß. Die Bevölkerung ist natürlich dafür, denn die staatlichen Organbanken sind mal wieder leer. Außerdem verspricht dieses Gesetz ein reiches Erbe für die Nachkommen solcher Personen, die durch das Gesetz für tot erklärt und verwertet werden.
Auf Gil Hamilton wird ein Mordanschlag verübt. Die Spur führt zu dem Kopf einer ehemaligen Organpanscherbande.

3. ARM
(ARM)
Zwei bis auf die Knochen verbrannte Leichen werden auf dem Gehsteig entdeckt.
Doktor Raymond Sinclair wird in seinem Appartement ermordet unter seiner neuesten Erfindung aufgefunden. Diese ist noch eingeschaltet und hat innerhalb weniger Stunden den Verfall der Leiche bewirkt. Eine Zeitmaschine...?
Stecken wieder die Organpanscher dahinter?

4. Die Patchwork-Frau
(Patchwork Girl)
Gil Hamilton ist Delegierter des ARM bei der Konferenz zur Revision der Lunaren Gesetze auf dem Mond. Ein Abgeordneter der Belter-Delegation kommt bei einem Mordanschlag nur knapp mit dem Leben davon. Eine Verdächtige ist schnell gefunden, verurteilt und eingefroren. Aber ist sie auch die Attentäterin? Gil macht sich auf die Suche. Währenddessen gelingt ein zweiter Anschlag auf diesen Delegierten.

5. Die Frau im Del-Rey-Krater
(The Woman in Del Rey Crater)
Im Del-Rey-Krater auf dem Mond, einem nuklearen Endlager der irdischen Kernkraftwerke, wird beim Abbau des Atommülls die Leiche einer Frau mitten in der Strahlungshölle entdeckt. Wer war sie, und was hatte sie dort zu suchen?

Der Klappentext sagt aus (Zitat): "In diesem Buch hat L. N. erstmals alle Hamilton-Erzählungen zusammengestellt, eine neue Geschichte sowie eine Rahmenhandlung hinzugeschrieben und die einzelnen Erzählungen miteinander verknüpft, so daß ein spannender Roman um den berühmten Agenten entstanden ist."
Die ersten beiden Behauptungen kann ich nicht nachprüfen, aber der Rest ist schlichtweg falsch. Niven hat keine Rahmenhandlung geschrieben, und es ist auch kein spannender Roman entstanden. Das Buch ist einfach die gesammelte Veröffentlichung der Hamilton-Erzählungen. Nicht mehr, aber allerdings auch nicht weniger.
Gil "Der Arm" (wegen seines imaginären dritten Armes (muß man selbst lesen, für eine Erklärung reicht hier der Platz nicht aus)) Hamilton ist Agent bei der ARM, der Alliierten Regional-Miliz, einer Art UN-Polizei. Sein Spezialgebiet ist die Jagd nach illegalen Organpanschern. In einer Welt, in der trotz extrem verschärfter Gesetzgebung (z.B. führt Parken im Halteverbot stückweise in die Organbank) (* Gute Idee! Mit sowas läßt sich die überfüllte Welt sicher schnell zum großen Teil entvölkern... und endlich gäbe es genügend Second-Hand-(oder eher Second-Body-?)Organe. (Ich wollte hier einen Lächler hinsetzen, aber eigentlich finde ich das gar nicht lustig. Und zu diesem hier =:-( fehlt mir noch ein Emotidingsda für einen erhobenen Zeigefinger... :-( Heike) gute Organe Mangelware sind, ist ein blühender Untergrundhandel mit Organen aus entführten und zerlegten Menschen entstanden. Und wer es sich leisten kann, umgeht natürlich die Wartezeiten.
Ich weiß nicht, wann Larry Niven diese Geschichten im Einzelnen geschrieben hat, aber Parallelen zum "Wahren Leben" sind ja wohl nicht zu übersehen.
Dieses Buch hat im Großen und Ganzen recht wenig mit den übrigen Ringwelt-Romanen zu tun, da es zu einem viel früheren Zeitpunkt spielt. Allerdings sind einige Entwicklungen und Erfindungen (z.B. die Monofaser) bereits zu entdecken.
Die einzelnen Geschichten sind futuristische Detektiverzählungen in einer etwas weiterentwickelten Zivilisation. Die Stories sind durchweg spannend, und die Logik ist meist durchkonstruiert. Allerdings ähneln sich alle auch ein wenig. Hier hätte Niven ein wenig Zeit darauf verwenden sollen, die teilweise identischen Absätze mit Erklärungen zu den Aufgaben der ARM in den verschiedenen Episoden zu bereinigen.
Ein augenfälliges Manko ist die plötzliche Lösung und der abrupte, gelegentlich etwas zu sehr konstruierte Abschluß manches Falles. Als Pluspunkt läßt sich anführen, daß der oder die Täter stets in der Handlung präsent sind und nie erst am Ende aus dem Nichts auftauchen.
In einem Nachwort äußert sich der Autor zur Entstehung dieser Geschichten im Besonderen und zu Kriminalgeschichten im SF-Bereich im Allgemeinen.

Fazit:
Sherlock Holmes 2120
Spannende SF-Krimis, die ohne Ausnahme viel Spaß bereiten. Abzüge gibt es für die Ähnlichkeit der Geschichten und für die Lüge auf dem Klappentext. Und wenn ich nicht annehmen müßte, daß der Autor niemals "Der Samenbankraub" oder "Wer stiehlt schon Unterschenkel" von Gert Prokop gelesen hätte, würde ich glatt sagen: Geklaut.
11 Punkte

Frank Schulze


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