Sheri S. Tepper:

„Das dreizehnte Talent“

(Dritter Roman der Trilogie „Das Wahre Spiel“)
OT: The True Game - Wizard’s Eleven
Ü: Christian Lautenschlag
USA 996
(285 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9045, ISBN -453-15614-5, DM 12,90)
- erschienen: Oktober 1999 -

Argh! Da hatte ich so eine schöne Rezi geschrieben - und dann greife ich, statt zu speichern, anschließend irrtümlich auf eine ganz andere Datei zurück, die dann unter dem Namen der Tepper-Rezi gespeichert wurde... Aber jetzt weiß ich wenigstens, wie mir vorher die Rezensionen abhanden gekommen sind. (Was für ein Trost... :-((( )

Nein, die Schreibfehler führe ich diesmal nicht auf. Ich habe keine Lust, sie jetzt nochmal alle rauszusuchen; nur soviel: Es waren (und bestimmt nicht nur für meinen ganz persönlichen Geschmack) vielzuviele. Ich habe mit dem Neuschreiben sowieso reichlich zu lange gewartet, also mach' ich's jetzt mal ganz kurz.

Im vorherigen Roman wurde der Seher Windlow zu einem "Blauen", also einer Spielfigur für das Wahre Spiel, umfunktioniert. Ohne den anderen davon zu erzählen, hat Peter diese Figur seinen anderen "Blauen" (den sogenannten Spielfiguren von Barish, die er in Band 1 im Gebiet der Unveränderlichen gefunden hatte) hinzugefügt. Eines schönen Tages nimmt der junge Wandler diese Figur mal wieder in die Hand - und plötzlich hat Windlow eine Vision. Da er sie durch Peter wahrnehmen muß, ist sie sehr vage, und da der Seher ja schon ziemlich alt war, entfällt ihm auch sogleich wieder das eine oder andere Detail. Dennoch kann er Peter überzeugen, zusammen mit Chance und der Heilerin Seidenhand in den Norden zu reisen, wo etwas Wichtiges erledigt werden muß - so wichtig, daß Windlow darauf besteht, selbst mitgenommen zu werden, und auch die anderen Spielfiguren soll Peter auf seiner Reise bei sich haben. Aber ungefährlich ist das Ganze nicht: Schon bald werden Chance und Peter in ein Spiel verwickelt. Und es scheint ganz so, als seien diesmal zwei Parteien hinter dem jungen Wandler her...

Tja, das ist mal dieser Minimal-Handlungsanriß. Ich kann wirklich nicht mehr sagen, ob er meiner ursprünglichen Rezi entspricht... leider. Ich weiß nur zwei Dinge: Einerseits kann man weder diesem Roman noch der gesamten Trilogie mit Rezis irgendwie gerecht werden. Alles ist logisch aufgebaut (auch wenn sich einem vieles erst ganz zum Schluß erschließt und man zwischendurch teilweise einfach nicht weiß, was man nun davon zu halten hat) und liest sich so interessant und spannend, daß man das Buch vor Ende gar nicht mehr zur Seite legen will. Andererseits enthielt gerade dieser dritte Band dermaßen viele Schreibfehler, daß jemand, der ähnlich intensiv liest wie ich (bei Sheri S. Tepper sollte man das übrigens immer, sonst verpaßt man wichtige Details!), sich wirklich wieder und wieder schwarzärgert. Ein paar sprachliche oder stilistische Ungereimtheiten, die einfach nicht "richtig" übersetzbar sind (weil schon im Original falsch...), laste ich ja nun durchaus der Autorin an, aber in der Menge - sorry, da haben Übersetzer und Lektor nun wirklich ziemlich geschlampt, und das hat Sheri Tepper absolut nicht verdient; meiner Meinung nach schreibt sie einfach nur genial. Tut mir ja echt leid, Leute, aber mir fällt sowas nun mal auf, und möglicherweise bin ich da noch nicht mal die Einzige. So gut mir der Zyklus (und gerade auch dieser Roman) ansonsten gefallen hat - ein kleines bißchen mehr Sorgfalt hätte man schon aufwenden können, finde ich. Just my 0,02 Euro...

Fazit:
Der wirklich sehr gute Roman (der allerdings auch nicht alle Fragen beantwortet bzw. gleich ein paar neue aufwirft - fast will ich hoffen, daß das hier nicht das letzte war, das es über das "Wahre Spiel" zu lesen gab und geben wird!) wird dadurch heruntergezogen, daß man bei der Nachbearbeitung der Übersetzung etwas schlampig vorgegangen ist, sprich: wahrscheinlich gar keine durchgeführt hat. (Achtung, bloße Vermutung!) Wer darüber hinweglesen kann, wird es wahrscheinlich lieben, und das nicht nur, weil sich mal mehr und mal weniger versteckt auch Parallelen zu unserer Welt finden.

Romanwertung: 10 Punkte
Gesamtwertung der Trilogie: 13 Punkte (trotz aller Fehler und scheinbarer(!) Unlogik)

Heike Brand


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