Band 2005: "Gestrandet in der NACHT"

Autor: H.G. Francis

Die SOL ist aus dem Pilzdom in Segafrendo herausgetreten und hängt immer noch im Raum über Nacht-Acht. Die Besatzung - allen voran die Aktivatorträger - kommt erst langsam wieder zu sich und muß sich direkt mit einer neuen Gefahr auseinandersetzen. Denn da ist dieser seltsame Komplex, der die SOL beschießt und mittels Traktorstrahl zu sich hinzieht.
Erst nachdem man sich einigermaßen erholt hat und alle wieder wenigstens selbständig in einem Sessel sitzen können, kann man sich der Situation widmen. Nach langem Hin und Her gelingt es endlich, der gegnerischen Station zu zeigen, daß man durchaus in der Lage ist, sich zu wehren, indem man ihnen eine Ladung Transformgeschosse "vor den Bug" setzt. Lustigerweise kommt es hier zu einem doppelten Mißverständnis, denn die Solaner glauben nicht, daß sie den Schutzschirm der Mom'Serimer knacken können, und die "Opfer" glauben, daß das fremde Raumschiff sie jederzeit vernichten kann. Auf alle Fälle handeln die Solaner. Icho Tolot und der Ertruser Tonko Kerzner werden als Risikokommando ausgesandt, um den Traktorstrahl abzuschalten. Sie dringen nach Nacht-Acht ein und sehen ein Volk mit einer überlegenden Technik, die sie aber nicht verstehen, sondern nur nutzen.
An anderer Stelle laufen mittlerweile die ersten Verhandlungen. Atlan gelingt es, Kontakt mit dem Lord-Eunuchen Crom Harkanvolter aufzunehmen. Er lädt den Herrscher auf die SOL ein, um ihm zu beweisen, daß sie nicht zu den gefürchteten Mundänen gehören. Nun gilt es, Icho Tolot und den Ertruser zu stoppen. Aber auch Crom hat nicht nur Freunde, und auf Nacht-Acht versucht der neidische Daram Hassentater, seinen Lord-Eunuchen zu sabotieren.
Doch allen widrigen Umständen zum Trotz gelingt die friedliche Verständigung. ES hat daran jedoch einen großen Anteil. Er hat der SOL in der Kommandozentrale einen Kokon hinterlassen, der der Besatzung irgendwann mitteilen soll, was sie denn hier zu tun hat. In dem Moment, da Crom und Atlan gemeinsam die Zentrale betreten, öffnet er sich und gibt den ersten Auftrag aus. Die SOL hat innerhalb von 28 Tagen Auroch Maxo-55 zu finden und dort einen Kym-Jorier zu retten. Andernfalls steht die Existenz der gesamten Menschheit auf dem Spiel...

Also, nun geht also die SOL-Ebene so einigermaßen los, auch wenn noch nicht wirklich viel Tragisches passiert ist.
Das heißt, wenn man mal überlegt, passiert den größten Teil des Romans eigentlich gar nichts. Gerade zu Beginn hält sich die "Handlung" mit so lächerlichen Details wie sexueller Belästigung und der seltsamen Eßkultur einiger Besatzungsmitglieder auf. Ich will hier ja gar nicht behaupten, daß es sich bei sexueller Belästigung um ein albernes Thema handelt, aber so, wie sie hier dargestellt wird... Es scheint, als wolle sich der Autor ein wenig über die (amerikanische) Art lustig machen, wie man damit heutzutage umgeht, bzw. wie schnell man in diesen Verdacht kommen kann. (* Das ist übrigens leider schon längst nach Deutschland rübergeschwappt, wie alles Schlechte, das aus Amerika kommt... Naja, in Orten, die mit "Bad" oder überhaupt mit "B" anfangen, vielleicht noch nicht so sehr...! ;-) Heike) Dennoch ist weder das eine noch das andere ein gutes Thema für eine Ebene, in der das ganze mal am Rande angedacht und so im Vorbeigehen abgehandelt wird. Ich fand das auf jeden Fall für absolut überflüssig. Das beschreibt aber in meinen Augen auch generell den größten Teil dieses Romans, denn wenn ich einen Haluter orientierungslos durch die Zentrale der SOL laufen sehe, der sich von Atlan dann sagen lassen muß, was zu tun ist, dann frage ich mich wirklich, in welchen Universum dieser Roman angesiedelt ist - im Perry Rhodan-Universum eher weniger.
Die Charakterisierung ist das zentrale Problem des Romans, und wenn außer den Spielereien zwischen den Charakteren nichts läuft, dann sind für den Leser in so einem Fall schwere Zeiten angebrochen.
Erst im Lauf des Romans wird die Angelegenheit dann etwas lesbarer; als nämlich Icho Tolot und Tonko Kerzner nach Nacht-Acht aufbrechen, kommt ein wenig Laune auf, weil wir dann wenigstens ein paar annehmbare Beschreibungen geboten bekommen.

Fazit:
Ein Roman, der im Bereich der Belanglosigkeiten verbleibt und der mich kaum zu vielen Äußerungen reizt.
1 Punkt

Alexander Haas

Tja, da liegt mit diesem Roman doch auch schon der erste Füllroman dieser noch sehr jungen Ebene vor. Denn viel anders kann man dieses Teil nicht mehr bezeichnen. Und wenn in der SOL nach dem Sprung alle noch ein wenig benommen sind, so scheint dies auch für den Autor zu gelten.
Viel Interessantes vermag der Leser diesem Roman jedenfalls nicht zu entlocken. Da haben wir zum einen eine SOL-Ebene, die nur so vor sich hinplätschert vor Belanglosigkeiten. (Jaja, wir retten zwei Damen das Leben, und zum Dank werden wir wegen sexueller Belästigung angeklagt - naja, das mag zwar durchaus als Satire auf heutige Verhältnisse angelegt sein, doch - bitteschön - genau diese Verhältnisse sind für sich genommen schon Realsatire genug. (* Wie bitte - fälschlicherweise verdächtigt zu werden, nennst Du Realsatire??? Heike) Und Realsatire satirisch zu behandeln, das kann nun mal nur in die Hose gehen...)
Und dann war da zum anderen noch die Mom'Serimer-Ebene, die zwar leicht interessanter, jedoch auch nicht so das Gelbe vom Ei ist. Irgendwie wirken die kleinen internen Spielchen hier nicht so besonders - was vielleicht auch daran liegen mag, daß sie von Francis anscheinend für diesen Roman extra herangezüchtet wurden. Denn im letzten Band hatte man nicht unbedingt den Eindruck, daß die Mom'Serimer ihr kurzes Leben auf diese Art verbringen würden. Insgesamt paßt dies also einfach nicht zur Charakterisierung des Völkchens.
Einzig und allein der Einsatz Icho Tolots und Tonko Kerzners vermag so etwas wie Interesse zu wecken - wenn er jedoch auch nicht so ganz ohne Unlogik vonstatten geht. Aber wenigstens kommt hier ein bißchen Spannung auf.
Ansonsten wirkt der Roman über weite Strecken einfach einschläfernd - was unter anderem vielleicht auch an einem Haluter liegen mag, der anscheinend nicht so ganz auf der Höhe ist. Wie er zu Anfang durch die Zentrale tolpatschert, ist jedenfalls nicht mehr lustig zu lesen. Und wenn er dann auch noch absolut untypische Ausdrücke wie "die Mannschaft liegt auf der Nase" in den Mund gelegt bekommt, ist die Charakterisierung gleich zum Teufel. In diesen Szenen wäre jedenfalls Gucky noch um einiges passender gewesen als Icho Tolot; und die beiden charakterisierungsmäßig zu verwechseln - da gehört schon eine Menge dazu.
Und es gehört auch einiges an Mut dazu, Atlan in den Mund zu legen, daß es ihm anscheinend unbekannt war, daß es an Bord der SOL Pflanzen gibt (oder wie soll man die Äußerung auf S. 21 anders deuten?). Dabei war der alte Arkonide nun wirklich lange genug an Bord des Schiffes, um das schon einmal festgestellt zu haben - naja, Atlan war halt auch noch nicht so ganz wach - wie offensichtlich der Autor ebenfalls, und nicht zu vergessen der Leser auf weiten Strecken des Romans.
Ansonsten bleibt festzuhalten, daß, wenn das "Mühlchen" (Muel-Chen) anderweitig beschäftigt ist, die SOL manövrierunfähig ist. Anscheinend hat man niemanden, der das Teil auch nur behelfsmäßig fliegen kann. Okay, nicht per SERT-Haube - aber Handsteuerung sollte doch zumindest drin sein - denn sonst kann man jegliche Aufträge gleich abschreiben. Sagen wir einmal so: Daß man komplett ohne einen (wenn auch nur Behelfs-) Zweitpiloten losgeflogen sein will, um Thoregon, die Menschheit und was weiß ich nicht noch alles zu retten, will mir jedenfalls nicht in den Kopf...
Jedenfalls scheint man sich nun auch auf dieser Ebene komplett von allen syntronbasierten Geräten verabschiedet zu haben - hier holt die Ebene also das bereits auf den anderen Ebenen gelesene erst einmal auf. Es scheint der Expo-Factory bis auf weiteres also recht ernst zu sein mit dem Herunterschrauben der Technik und der Wiederbelebung der alten Zeiten. Aber dies war ja schon abzusehen.
Bei all der Langeweile, die im Laufe des Romans aufkommt, sollte man jedoch die letzten paar Seiten nicht einfach überlesen. Denn hier tut sich ausnahmsweise doch noch, wenn schon nichts wirklich Interessantes, so doch wenigstens etwas recht Wichtiges für den Handlungsfortlauf. Wie ES dazu kommt, mit ESTARTUS Zeichen zu den Mom'Serimern zu sprechen, werden wir wohl später hoffentlich noch erfahren. Die SOL bekommt jedenfalls ihren ersten Auftrag (ganz im Sinne der Tendenz in Richtung der Wiederbelebung der alten Zeiten) und darf nun erst einmal blind durch die Gegend reisen, ohne zu wissen, was sie denn eigentlich sucht.
Daß ES jedoch das Zeichen ESTARTUs verwendet, läßt noch Raum für Spekulationen. Könne es vielleicht sein, daß die Mom'Serimer die ganze Zeit mit ES statt ESTARTU Kontakt hatten? Dies würde zumindest die scheinbaren Widersprüche in der zeitlichen Abfolge der Ereignisse erklären. Doch wenn dem so sein sollte? Wieso hat ES dies getan? Sind die Mom'Serimer vielleicht Bewohner einer Galaxis, die zu ESTARTUS Mächtigkeitsballung gehörte, bevor diese in Richtung Tarkan verstreut wurde? Dabei wäre denkbar, daß niemand merken sollte, wer denn wirklich die Befehlsgewalt über die Mom'Serimer und die NACHT hat. Denn ESTARTU konnte bis zu der Zeit, als die SI sich angeblich von den Mom'Serimern zurückgezogen hat, sicherlich nicht darüber beschweren, daß jemand anders in ihrem Namen handelte. Und wenn ES dies geschickt angestellt hat, könnte er auch die Kosmokraten getäuscht haben. Dies ist jedoch nur reine Spekulation - aber ich finde, man sollte diesen Gedanken einmal im Hinterkopf behalten, auch wenn er wahrscheinlich an den Ideen der Expo-Factory wieder einmal meilenweit vorbeigeht.

Fazit:
Viel Leere bleibt nach diesem Roman. Die Handlung kommt nur schleppend weiter, und die Charaktere sind, wenn überhaupt, einfach nur seltsam bis unpassend charakterisiert. Einzig und allein das Einsatzkommando auf Nacht-Acht vermag noch so halbwegs zu gefallen. Und am Ende gibt's noch ein kleines Rätsel und den ersten Auftrag für die SOL. Das war insgesamt dann doch bei weitem zu wenig für einen ganzen Roman - hier hätten fünf bis zehn Seiten auch genügt - schade eigentlich.
3 Punkte.

Winfried Brand

Zu diesem Roman kann man an sich nicht viel sagen. Nur wenig mehr als ein Lückenfüller.
Die Mom'Serimer halten die SOL aufgrund der von Vincent Garron verursachten Parafronten für ein feindliches Schiff. Es kommt zu einer klassischen Pattsituation. Die SOL kann nicht entkommen, da die von einem Fesselfeld gefangengehalten wird, und Atlan will die (noch unbekannten) Angreifer nicht vernichten (man ist halt friedlich, gell?). Diese ihrerseits können die SOL nicht vernichten. So bemüht man sich um Verständigung. Um das Fesselfeld zu zerstören, werden Icho Tolot und der Ertruser Tonko Kerzner losgeschickt. Während sie unterwegs sind, werden die Probleme schließlich anderweitig im Sinne einer Verständigung gelöst. Die der SOL von ES mitgegebene Plombe wird durch das Auftauchen der Mom'Serimer in der Zentrale geöffnet, und damit hat das Schiff seinen ersten (Teil-)Auftrag.
H. G. Francis bemüht sich, die zugegeben etwas dünne Handlung zu retten, doch das gelingt ihm leider nicht immer. Zwar ist der Roman routiniert geschrieben, doch kleine Schwächen ziehen sich durch die gesamte Handlung. So habe ich eines nicht begriffen: Während die SOL unter schwerem Feuer liegt, philosophiert Tonko Kerzner mit einem Techniker über Marzipan und Pizza. (* Das liegt nur daran, daß er Ertruser ist. Die haben ständig Hunger... ;-) In dem Zusammenhang muß ich immer wieder an das Wort "Ochsenviertelchen" denken... >:-))) Heike) Vorher rettet er noch zwei weiblichen Besatzungsmitgliedern das Leben, und diese glauben doch tatsächlich, er wolle ihnen an die Wäsche, und zerren ihn wegen sexueller Belästigung später vor das Bordgericht. Unlogisch und überzogen. (* Nein, sondern "tüpisch teutsch"... die Darstellung der Frauen, meine ich. Ich glaube schon, daß man (selbst wenn man geschlechtsbezogene Verständnisprobleme in die Situation einbezieht ;-) ) in der Lage sein sollte, "Lebensretten" und "an die Wäsche gehen" auseinanderzuhalten. :-( Heike)
Auch Tolot wirkt (dafür, daß er ein Planhirn hat) seltsam unschlüssig. So versucht der Haluter, einige Informationen über die Mom'Serimer zu erlangen, die man ja noch nicht kennt. Dazu will er einen Computer anzapfen. Da heißt es dann nur (Zitat:) "Gleich darauf gelang es ihnen, ein passendes Gerät zu finden, es zu bedienen und eine Fülle von Informationen ... daraus zu gewinnen." Und das bei einer völlig fremden Technik, die jener der Galaktiker zudem noch überlegen sein soll, und außerdem bei einer fremden Sprache, die man gerade erst im Translator hat? Das wirkt doch ziemlich weit hergeholt. Und mit den Deflektoren klappt es auch nicht so richtig. Erinnern wir uns - die machen unsichtbar. (Vgl. hierzu schon Arndt Ellmer, PR 2002.)
Das Gefühl einer wirklichen Bedrohung, die die Existenz des Schiffes gefährdet, vermag denn auch nicht aufzukommen. Wie schon sehr früh im Roman erwähnt wird, besitzt die SOL eine Carit-Umhüllung, die auch die Auswirkungen des Beschusses der Mom'Serimer weitgehend neutralisiert. Das Ganze wirkt arg gestreckt und wird durch die internen Streitereien der Mom'Serimer nur bedingt aufgelockert.
Der einzige Protagonist, der auf der SOL wirklich so etwas wie Initiative zeigt, ist Atlan. Alle anderen Besatzungsmitglieder wirken wie reine Befehlsempfänger. Auch von Ronald Tekener hören wir leider wenig. Was weiter auffällt, ist, daß auch auf dieser Handlungsebene offenbar die Syntrons komplett über Bord geworfen werden. Alle syntronischen Anlagen wurden während des Transits von DaGlausch nach Segafrendo vernichtet.

Fazit:
Routinierte Perry Rhodan-SF ohne große Höhen, mit kleinen Schwächen, aber ohne wesentliche Tiefen. Ein durchschnittlicher Roman, an den man sich in einigen Monaten weder positiv noch negativ erinnern wird.
7 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

home...