"Witchblade" - Heft 1

(Infinity, 52 Seiten, Heftformat, DM 5,90)
Autoren: David Wohl, Brian Haberlin, Michael Turner
Zeichnungen: Michael Turner
Farben: Nathan Cabrera, Jonathan D. Smith
Übersetzung: Frank Neubauer
- erschienen: Februar 2000 -

Sara Pezzini ist Detective beim New Yorker Morddezernat. Bisweilen geht sie unkonventionelle Wege, um Verbrecher dingfest zu machen. So fädelt sie einen Scheinhandel mit dem Dealer Gallo ein, der eine Freundin Saras auf dem Gewissen hat. Es kommt zu einer Schießerei, doch noch bevor Verstärkung eintrifft, hat Sara die Lage wieder unter Kontrolle.
Bei dem Verhör mit Gallo erfahren Sara und ihr Partner Yee, daß der Dealer das Geld gewissermaßen als Eintritt für eine Veranstaltung im Rialto, einem alten Theater, braucht.
Sara möchte sich im Theater umsehen, während in New York eine zweite und dann dritte Frauenleiche gefunden wird. Auch ein Fall, an dem Sara eigentlich arbeitet. Jemand oder etwas schafft es, Frauen von innen zu verbrennen. Die Hülle bleibt unversehrt in einem knienden, betenden Zustand zurück.
Im Rialto veranstaltet Kenneth Irons, einer der reichsten Männer der Welt und nicht nur legale Geschäfte betreibend, einen Wettkampf.
Irons ist im Besitz der Witchblade, einer uralten, handschuhförmigen Waffe, die ihren Besitzer selber erwählt und dies auch nur einmal in jeder Generation.
Der ersten Testperson wird bei dem Versuch, die Witchblade überzuziehen, der Unterarm weggesprengt.
Kurz darauf taucht Yee auf der Bühne auf. Sara, die ungesehen das Treiben beobachtet hatte, wähnte ihren Partner im Wagen vor dem Theater. Doch dieser war ihr in das Theater gefolgt.
Irons gibt den Befehl, Yee zu töten. Sara wirft sich in die Schußlinie und wird getötet. Doch die Witchblade spürt, daß Sara die Richtige ist. Sie kriecht zu Sara, windet sich um ihre Hand, erweckt sie zum Leben und setzt ihre tödliche Kraft ein. Alle Anwesenden bis auf Irons und Nottingham, dem Leibwächter des Industriellen, werden getötet. Für Yee kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Saras Einsatz war vergebens, ihr Partner ist tot.
Als sie im Krankenhaus erwacht, sind ihre Kollegen bei ihr. Über den Vorfall im Rialto reden sie nicht.
Irons, Nottingham und ein Geschäftspartner sitzen in einem Lokal, als ein Killer der Triaden auftaucht und Irons töten will. Nottingham vereitelt das Attentat, indem er die Kugel mit bloßer Hand auffängt. Als es ihm Irons erlaubt, tötet er den Killer.
Später vollführt Irons an Nottingham ein Ritual und brennt diesem mit einem glühenden Messer ein mystisches Symbol in dessen Hand.
Sara verläßt das Krankenhaus und holt aus dem Revier die Witchblade. Mit ihr fährt sie zur Leichenkammer, um Yee auch wieder zum Leben zu erwecken. Ihr Versuch scheint zu scheitern; sie wendet sich ab. Gerade als Yee sich erhebt...

Alles neu macht Infinity. Jener Verlag, der im letzten Jahr noch ein übersichtliches Programm mit "Spawn" oder "Die Vergessenen" im Programm hatte, bekam die Rechte an den Top Cow-Comics. Und was soll ich sagen: Infinity hat die Chance genutzt.
Im Gegensatz zu Splitter gibt es hier zum gleichen Preis 2 US-Hefte.
Während die Heft/Kiosk-Serie ab der Nummer 1 quasi neu gestartet wurde und monatlich läuft (ob extra für mich, weiß ich nicht, hoffe es aber mal...), gibt die bislang unveröffentlichten Abenteuer alle 2 Monate in der Prestige-Version. Ähnlich wird man auch bei "The Darkness" verfahren.

Nun, was zeichnet "Witchblade" aus? Sara ist eine Art weiblicher "Dirty Harry". Erst schießen, dann fragen. Ob die menschliche Seite, die sie zweifelsohne hat und in der sie Gefühle zeigt (nach den Einsätzen, als sie an ihrem Tun zweifelt), in den Folgebänden bestehen bleibt, muß man sehen.
Sie ist aber definitiv nicht die 453. Superheldin - wenn sie auch eine Superwaffe besitzt.
Michael Turners Zeichenstil wirkt, als sähe man einen Action-Film. Auch wenn Saras Proportionen bisweilen schlicht unmöglich erscheinen (es ist nun mal ein Image-Titel), bietet dieses Heft satte Unterhaltung.
Für die weiteren Ausgaben bleiben viele Rätsel: Wie kam Irons an die Witchblade? Fehlt ihm auch der Unterarm? Wer ist der Frauenmörder, der durch New York zieht? Ist Yee der "alte"? Wird Irons Sara durch das Mal auf Nottinghams Hand kontrollieren können?

Mit anderen Worten: "Witchblade" ist Unterhaltung satt, ein Comic der 90er, bei dem es sich lohnt, einen Blick hineinzuwerfen.
12 Punkte.

Guido Latz

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