Terry Brooks:

"Stadt der Dämonen"

OT: A Knight of the Word
Ü: Rainer Gladys
USA 1998
(347 Seiten, Paperback, Blanvalet 35244, ISBN 3-442-35244-4, DM 24,-)
- erschienen: Dezember 1999 -

Nest Freemark, eine junge Studentin mit magischen Kräften, ist fünf Jahre nach dem "Dämonensommer" ein weiteres Mal unterwegs, um die Welt vor den Mächten des Chaos zu retten. Ihr wird prophezeit, daß John Ross, selbst Dämonenjäger und Ritter des Wortes, der Grund für den endgültigen Sieg der Dämonen sein könnte. Dieser versucht nichts anderes, als eben diesen Kampf hinter sich zu lassen und ein ganz normales Leben zu führen. Das aber macht ihn wertvoll für die Mächte des Chaos, die alles versuchen, um ihn auf ihre Seite zu ziehen.
Nest wird ausgeschickt, um ihn zu warnen, muß allerdings feststellen, daß es einem Dämon bereits gelungen ist, John zu ködern. Johns neuer Arbeitgeber, der Leiter einer wohltätigen Organisation, scheint in diese Machenschaften verstrickt zu sein.
Dem Dämonen auf der Spur, muß Nest mitansehen, wie ein Waldschrat und ein Tatterdemalion, Verbündete des Wortes, getötet werden. Sie selbst kann sich gerade eben noch retten. Nun liegt es bei John, den eigenen Visionen zu glauben und den Kampf gegen das Chaos wieder aufzunehmen, bevor es zu spät ist...

Ich konnte es kaum glauben: Terry Brooks kann wirklich nicht von den Adjektiven lassen, was es dem fernsehverwöhnten Leser einfach macht, der Phantasie allerdings einiges vorwegnimmt. Die Charaktere sind hierdurch auf der anderen Seite sehr klar gezeichnet, und ihre Handlungen wirken nicht aufgesetzt, sondern erscheinen als für den Charakter typisch - auch wenn hier gelegentlich auf Klischees zurückgegriffen wird, wie: Die Heldin ist eine hübsches, sportliches Mädchen, das durch ihre Aufgabe als Weltretterin Schwierigkeiten im Umgang mit "normalen" Menschen hat. So und in anderer Form kennt man das zum Beispiel von... sagen wir "Buffy". (Im Original: "Demon Slayer"!)
Man muß den vorhergegangenen Band nicht gelesen haben, um bei diesem mitzukommen - die Charaktere haben in der Zwischenzeit einige Veränderungen durchgemacht, die eine erneute Charakterisierung (mit neuen Adjektiven, yeah!) ermöglicht. Die Handlung ist vom Vorgängerband größtenteils unabhängig, an einigen Stellen wird der Hintergrund kurz und unaufdringlich neu erklärt.
Der deutsche Titel, an dem der Autor wohl eher unschuldig ist, ist allerdings ein Verbrechen am Leser. Wer sich auf eine düstere Stadt gefreut hat, in der es von Dämonen wimmelt, die alles anknabbern, was ihnen vor das Maul kommt, wird enttäuscht sein. Im Buch dreht es sich im Grunde nur um einen einzigen Dämon, der alles anknabbert, was ihm vor das Maul kommt. Andere Dämonen aus der Vorgeschichte werden höchstens erwähnt, ohne aber in Erscheinung zu treten. Deswegen wäre der Originaltitel "A Knight of the Word" sicherlich passender gewesen.
Wirklich schade übrigens auch, daß ein aufmerksamer Leser nach dem ersten Drittel des Buches schon weiß, wer jener Dämon ist... Ein einziges Ablenkungsmanöver diesbezüglich bringt einen zwar nochmal kurz ins Grübeln, aber die Spannung ist raus.

Fazit:
Terry Brooks legt mit "Stadt der Dämonen" ein flüssig zu lesendes Buch vor, das trotz einiger Schwächen durchaus überzeugen kann und auf eine Fortsetzung neugierig macht.
Ideale Ferienlektüre. 11 Punkte.

Gösta Distelrath


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