Nest
Freemark, eine junge Studentin mit magischen Kräften, ist
fünf Jahre nach dem "Dämonensommer" ein weiteres Mal
unterwegs, um die Welt vor den Mächten des Chaos zu retten. Ihr
wird prophezeit, daß John Ross, selbst Dämonenjäger
und Ritter des Wortes, der Grund für den endgültigen Sieg
der Dämonen sein könnte. Dieser versucht nichts anderes,
als eben diesen Kampf hinter sich zu lassen und ein ganz normales
Leben zu führen. Das aber macht ihn wertvoll für die
Mächte des Chaos, die alles versuchen, um ihn auf ihre Seite zu
ziehen.
Nest wird ausgeschickt, um ihn zu warnen, muß allerdings
feststellen, daß es einem Dämon bereits gelungen ist, John
zu ködern. Johns neuer Arbeitgeber, der Leiter einer
wohltätigen Organisation, scheint in diese Machenschaften
verstrickt zu sein.
Dem Dämonen auf der Spur, muß Nest mitansehen, wie ein
Waldschrat und ein Tatterdemalion, Verbündete des Wortes,
getötet werden. Sie selbst kann sich gerade eben noch retten.
Nun liegt es bei John, den eigenen Visionen zu glauben und den Kampf
gegen das Chaos wieder aufzunehmen, bevor es zu spät ist...
Ich konnte es kaum glauben: Terry Brooks kann wirklich nicht von den
Adjektiven lassen, was es dem fernsehverwöhnten Leser einfach
macht, der Phantasie allerdings einiges vorwegnimmt. Die Charaktere
sind hierdurch auf der anderen Seite sehr klar gezeichnet, und ihre
Handlungen wirken nicht aufgesetzt, sondern erscheinen als für
den Charakter typisch - auch wenn hier gelegentlich auf Klischees
zurückgegriffen wird, wie: Die Heldin ist eine hübsches,
sportliches Mädchen, das durch ihre Aufgabe als Weltretterin
Schwierigkeiten im Umgang mit "normalen" Menschen hat. So und in
anderer Form kennt man das zum Beispiel von... sagen wir "Buffy". (Im
Original: "Demon Slayer"!)
Man muß den vorhergegangenen Band nicht gelesen haben, um bei
diesem mitzukommen - die Charaktere haben in der Zwischenzeit einige
Veränderungen durchgemacht, die eine erneute Charakterisierung
(mit neuen Adjektiven, yeah!) ermöglicht. Die Handlung ist vom
Vorgängerband größtenteils unabhängig, an
einigen Stellen wird der Hintergrund kurz und unaufdringlich neu
erklärt.
Der deutsche Titel, an dem der Autor wohl eher unschuldig ist, ist
allerdings ein Verbrechen am Leser. Wer sich auf eine düstere
Stadt gefreut hat, in der es von Dämonen wimmelt, die alles
anknabbern, was ihnen vor das Maul kommt, wird enttäuscht sein.
Im Buch dreht es sich im Grunde nur um einen einzigen Dämon, der
alles anknabbert, was ihm vor das Maul kommt. Andere Dämonen aus
der Vorgeschichte werden höchstens erwähnt, ohne aber in
Erscheinung zu treten. Deswegen wäre der Originaltitel "A Knight
of the Word" sicherlich passender gewesen.
Wirklich schade übrigens auch, daß ein aufmerksamer Leser
nach dem ersten Drittel des Buches schon weiß, wer jener
Dämon ist... Ein einziges Ablenkungsmanöver
diesbezüglich bringt einen zwar nochmal kurz ins Grübeln,
aber die Spannung ist raus.
Fazit:
Terry Brooks legt mit "Stadt der Dämonen" ein flüssig zu
lesendes Buch vor, das trotz einiger Schwächen durchaus
überzeugen kann und auf eine Fortsetzung neugierig macht.
Ideale Ferienlektüre. 11 Punkte.