Rom,
1527.
Die Truppen von Kaiser Karl V. sind in Rom eingefallen und belagern
dort den Papst. Ludwig ist einer der Soldaten vor Ort - und ein
Vampir. In einer Vollmondnacht sucht er eines der Elendslager auf, um
seinen Durst zu stillen. Als er sich über eine zierliche
Blondine hermachen will, muß er jedoch schnell merken,
daß er an die Falsche geraten ist. Das Mädchen namens Nona
verwandelt sich in eine Werwölfin und bricht ihm kurzerhand das
Genick. Dies war ihr erster Kampf mit einer vampirischen
Dienerkreatur, obgleich sie nicht zum ersten Mal solchen
Geschöpfen begegnet ist. Ohne zu ahnen, daß der durch das
Ableben des Vampirs ausgestrahlte Todesimpuls schon bald Artgenossen
herbeirufen wird, beginnt sie sich an ihre Kindheit zu
erinnern...
Perpignan, 1511.
In einer Vollmondnacht fällt eine hochschwangere
Krämerstochter offenbar einem Wolf zum Opfer. Die Überreste
des Ungeborenen werden indessen nicht gefunden. Stattdessen findet
Pierre, der nicht eben der Hellste ist, aber ein gutes Herz hat (mit
Manfred Weinlands Worten: ein Idiot), am nächsten Morgen ein
fieberndes neugeborenes Mädchen auf seiner Türschwelle.
Fürsorglich kümmert er sich um die Kleine, hält den
Fund aber geheim, da er befürchtet, daß man sie ihm
wegnehmen könnte. Er tauft sie schließlich auf den Namen
Nona. Als er vom dem Tod der Krämerstochter erfährt, ist er
naturgemäß verwundert, denn so ein Depp, daß er
glauben würde, der Wolf habe ihm das Mädchen vor die
Tür gelegt, ist er nun auch wieder nicht. Pierre grübelt
jedoch nicht weiter darüber nach.
Als Nona sich ihrem vierten Lebensjahr nähert, erkennt er
schließlich, daß er ihre Existenz nicht mehr länger
geheimhalten kann; er beschließt, Perpignan gemeinsam mit
seiner Ziehtochter hinter sich zu lassen.
Erst in Marseille wird das ungleiche Paar vorerst wieder
seßhaft. Dort jedoch gerät Pierre in den Bann einer
Vampirin...
Ursprünglich, das ist bekannt, sollte der vorliegende Nona-Roman
außerhalb der Reihe "Das Volk der Nacht" als eigene Serie
erscheinen. Der Umstand, daß man das Buch nun in die
eigentliche Reihe eingegliedert hat, ist bedauerlich, zumal "Erbin
des Fluchs" direkt nach dem Cliffhanger-Ende des Vorbandes "Die achte
Plage" plaziert wurde.
Das ist jedoch nicht der einzige Punkt, der diesen Band für mich
zu einem zwiespältigen Leservergnügen gemacht hat. Die
ersten ca. 100 Seiten des Romans sind dem mit VAMPIRA vertrauten
Leser nämlich bereits bestens bekannt. Sie entstammen dem Ende
1996 erschienenen VAMPIRA-Taschenheft Nr. 4, "Der Pfad der
Wölfin". Neulesern dürfte das natürlich ziemlich
schnurz sein, und eigentlich war ja auch damit zu rechnen. Als Basis
einer eigenen Serie um Nona hätte die Geschichte ihrer Herkunft
nun einmal nicht fehlen dürfen. Sie jedoch noch einmal in der
Hauptserie aufgewärmt zu sehen, gefällt mir nicht so gut,
obgleich Weinland diverse schon bekannte Begebenheiten, wie z. B.
Nonas Kelchtaufe, hier noch einmal vertieft darfstellt, also kein
bloßes Recycling betreibt.
Ungefähr nach der Hälfte des Buches folgt dann die zweite,
ganz ähnliche Überraschung: Nona (und mithin der staunende
Leser) erfährt das Geheimnis um den Ursprung der Werwölfe.
Die vierzig Seiten, die sich diesem Komplex widmen, sind dem
Taschenheft Nr. 46, "Wolfslegende", entnommen. Das Geschilderte fand
ich jedoch damals schon etwas banal, angesichts der damaligen
Äußerungen, das Geheimnis um besagten Ursprung sei so
furchtbar, daß Nona mit diesem Wissen keine Minute mehr
weiterleben wolle. Warum nun auf Biegen und Brechen noch einmal der
damalige Text aufgewärmt mußte, vermag ich nicht zu sagen.
Na gut, es füllt die Seiten, aber solche Praktiken hat der Roman
eigentlich nicht nötig, gelingt es Weinland doch, aus dem Text
von Taschenheft 4 und der nachfolgenden Handlung ein geschlossenes
Ganzes zu schaffen, das sich sehr angenehm liest.
Der Untertitel "Historischer Roman" fällt dagegen wieder in die
Kategorie der Zaubermond-typischen Bauernfängerei (Horror
mutiert zu einem ganz anderen Genre, nämlich Dark Fantasy, und
eine Serie, die schon 100 Bände auf dem Buckel hat, wird
wunderlicherweise zu einer "brandneuen Roman-Reihe"). Der
Gesamteindruck, den das Cover im Zusammenspiel mit dem Untertitel auf
mich macht, ist der, daß man offenbar vehement auf eine andere
Käuferklientel schielt. Jene Leser/innen, die auf den Untertitel
hereinfallen, dürften sich allerdings völlig zu Recht
veräpfelt (* Verpferdeäpfelt? ;-) Heike) vorkommen,
wenn sie nach der Lektüre der ersten Seiten bemerken, daß
sie statt des begehrten historischen Romans ein Epos um Werwölfe
und Vampire erstanden haben. Sei's drum, solche Praktiken sind dem
Zaubermond-Kunden nichts Neues.
Ziehen wir ein Fazit:
Obgleich man weiter oben vielleicht diesen Eindruck gewinnen konnte,
ist der vorliegende Roman nicht eigentlich schlecht. Nona ist einer
der interessantesten Charaktere der "brandneuen" Serie, und Weinland
schafft es problemlos, aus den bereits vorhandenen Textpassagen einen
für diejenigen, die die Taschenheftreihe nicht kennen, durchaus
unterhaltsamen und stimmungsvollen Roman zusammenzuzimmern. Daß
er für mich als Altleser dabei kaum etwas Neues bot und mich von
daher kaum zu Jubelstürmen hinriß, liegt in der Natur der
Sache. Neue Leser könnten beherzt zugreifen - einen reinen
historischen Roman, wie ihn der Untertitel impliziert, sollten sie
allerdings besser nicht erwarten.
8 Punkte
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Fangen wir außen an... Das Auffälligste an
diesem Roman ist sicherlich, daß man ihn
seltsamerweise als "historischen Roman" "beuntertitelt" hat
- sicherlich ein Versuch, über Weltbild (immerhin
sollte dieser ja wohl auch dort zu haben sein) an eine
andere Klientel zu kommen. Hierfür spricht auch das
eher moderat-romantische Titelbild; einzig und allein der
Klappentext bietet einen vagen Hinweis darauf, was den Leser
denn nun erwartet. Sicherlich wird man mit dieser Taktik
eine gewisse Klientel ansprechen können - ob diese
jedoch nach der Lektüre des Romans noch weiterhin bei
der Reihe bleibt, dürfte zumindest fraglich sein.
Immerhin bietet die "Erbin des Fluchs" nun etwas leicht
anderes als einen "historischen Roman" (für den das
Buch schlicht und ergreifend auch einfach zu dünn
geraten ist... grins...), so daß neugewonnene
Käufer sich wohl eher mit Grausen wieder abwenden
werden, statt noch einen zweiten Roman der Serie zu kaufen.
Für einen "historischen Roman" fehlt eindeutig das
"historische" Element, bzw. dieses tritt zu stark in den
Hintergrund. Die Welt des Mittelalters wird hier kaum
näher beleuchtet, vielmehr geht Manfred Weinland auf
den phantastischen Teil der Geschichte ein. Passender
wäre hier dann wohl der Begriff "historische
Phantastik" gewesen, der sicherlich eine eher daran
interessierte Klientel angesprochen hätte - und der
seit Kai Meyer auch einen deutlichen Aufschwung erfahren
hat. |
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Manfred Weinland legt mit "Erbin des Fluchs" den
langerwarteten Nona-Sonderroman vor, der eigentlich der
Anfang einer neuen Romanserie sein sollte. Die Frage, warum
der Roman wieder in die "Das Volk der Nacht"-Reihe
eingegliedert worden ist, kann nur Thomas Born allein
beantworten. Sicherlich waren da verkaufstechnische
Argumente im Spiel - oder gab Nonas Leben so wenig für
eine Subserie her?
Fazit: |