Band 1: "Der Gott aus dem Eis"

Autor: Jo Zybell

Im Jahr 2012 nähert sich ein gewaltiger, "Christopher Floyd" genannter Komet unaufhaltsam der Erde. Minuten vor dem berechneten Einschlag ist eine Jetstaffel der Air Force über Mitteleuropa unterwegs, um sich den Prachtklumpen näher anzusehen - darunter befindet sich auch Pilot Matthew Drax. Während dieser sich noch ausufernde Kommentare seines Passagiers, des durchgeknallten Wissenschaftlers Jacob Smythe, über die Schönheit des Kometen anhören muß, tritt dieser in die Erdatmosphäre ein. Drax verliert kurz das Bewußtsein. Als er danach das Flugzeug wieder unter Kontrolle bringen will, sieht er unter sich eine ihm völlig fremde Gletscherlandschaft. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm allerdings nicht mehr. Der Jet bohrt sich nämlich in eine Eisspalte, und abermals verliert Drax sein Bewußtsein. Smythe rettete sich bereits vorher mittels seines Schleudersitzes.
Man ahnt es bereits - der gute Matthew ist in die Zukunft nach dem Einschlag des Kometen verschlagen worden. Dort ist die Menschheit wieder in tiefste Barbarei zurückgefallen und zieht in Stämmen über das Land. Einem dieser Stämme gehört auch die knackige Aruula an, die nicht nur gut aussieht, sondern auch im Umgang mit dem Schwert eine gute Figur abgibt. Das ist auch ziemlich wichtig, wird ihr Stamm doch von ziemlich blutrünstigen, Taratzen genannten Rattenmenschen bedroht. Während einer Schlacht gegen diese Taratzen sehen Aruula und die übrigen Krieger, wie Matthews Jet vom Himmel stürzt. Natürlich sieht man diesen Vorgang als göttliches Zeichen an und macht sich, nachdem die Rattenmenschen panisch geflohen sind, auf die Suche nach dem Einschlagsort.
Derweil kommt Drax im Jet wieder zu sich und sieht sich zwei Taratzen gegenüber, die sich vor dem Flugzeug herumtreiben. Just in diesem Augenblick trifft auch Aruula vor Ort ein. Gemeinsam mit dem Häuptlingssohn Radaan, der überdies ein Auge auf die wackere Kriegerin geworfen hat, mischt sie die Taratzen ordentlich auf.
Der schwerverletzte Drax (der von den Barbaren, nachdem er sich als Matt Drax vorgestellt hat, den schönen Namen Maddrax erhält) wird zurück zur Siedlung geschafft und dort von Baloor, dem hiesigen Göttersprecher, sowie Aruula gesundgepflegt. Baloor indessen sieht seine Felle von hinnen schwimmen. Denn wenn man einen leibhaftigen Gott im Dorf hat, benötigt schließlich niemand mehr einen Göttersprecher. Als sich kurz darauf die Taratzen heimlich mit ihm in Verbindung setzen, deren König ebenfalls an Maddrax interessiert ist, sieht er eine gute Gelegenheit, unseren Helden loszuwerden.
Flugs setzt er sich mit Radaan zusammen, an dem - da Aruula sich ja so aufopfernd um Maddrax kümmert - die Eifersucht nagt. Nachdem Baloor ihm eingeimpft hat, daß Drax in Wirklichkeit gar kein Gott sei, schmieden die beiden ein lustiges kleines Komplott. Sie bieten Drax an, ihn zu seinem Jet zurückzuführen, damit er dort seine Notausrüstung bergen kann. Es kommt, wie es kommen muß: Drax wird von Baloor an die Taratzen ausgeliefert und deren König Rraar vorgeführt.
Derweil hat natürlich Aruula längst gemerkt, daß etwas nicht stimmt, und ist den dreien gefolgt. Nach einem zünftigen Schwertkampf mit Radaan nimmt sie erst einmal die von Drax begehrte Notausrüstung an sich und sucht hernach die Taratzensiedlung auf. Als sie sagt, zu wem sie will, wird sie bedenkenlos eingelassen und kann Maddrax seine Ausrüstung überreichen.
Nun soll unser Held erwartungsgemäß Rraar seine göttliche Macht demonstrieren. Das tut Drax dann auch - mittels einer Handvoll praktischen Plastiksprengstoffs! Nachdem der böse Taratzenkönig in die Luft gesprengt worden ist, suchen Aruula und Drax ihr Heil in der Flucht und gelangen zurück zum Stamm. Dort untermauert Maddrax ebenfalls seinen göttlichen Anspruch mit einer chemischen Fackel, woraufhin der intrigante Baloor verbannt wird.
Aus dem Epilog erfährt der geneigte Leser, daß Jacob Smythe den Absturz ebenfalls überlebt hat. Allerdings fällt er einer Horde ungemütlich aussehender Kerle mit spitz zugefeilten Zähnen in die Finger...

Soweit also der Inhalt der ersten Folge der Horror-/SF-/Fantasy-Serie MADDRAX. Das Konzept und die Story mögen nicht soo originell sein, schaut man sich diverse Comics, B-Filme etc. an, für einen Bastei-Heftroman ist die Geschichte allerdings ziemlich erfrischend.
Das fängt schon beim äußeren Eindruck an. Zum ersten Mal seit den legendären Terranauten hat man wieder ein Vollbild-Cover, und die gewaltige Zinne befindet sich seitlich des Rechtecks mit dem charmant-krakeligen Serienschriftzug. Das Cover-Motiv selbst mit seiner halbnackerten Aruula im Kampf mit den fiesen Taratzen kommt ebenfalls sehr ansprechend daher. Insgesamt ist das Erscheinungsbild von MADDRAX für den in letzter Zeit nicht gerade innovativen Bastei-Verlag ungewöhnlich, aber daher auch durchaus erfreulicher.
Stilistisch hat man die debile Primitiv-Phantastik eines Mark Hellmann mit MADDRAX gottseidank weit hinter sich gelassen. Jo Zybell (wer immer das sein mag) liefert mit seinem ersten Roman ein solides Werk ab. Während man sich über diverse Punkte in Sachen Physik durchaus streiten mag, werden die Charaktere allemal anschaulich geschildert. Der erste Band einer Serie ist naturgemäß wohl immer recht schwierig zu schreiben. Die Figuren müssen eingeführt, Begriffe wie Taratzen und Frekkeuscher erklärt werden - und nebenbei muß natürlich auch noch die Story unterhaltsam sein. Das gelingt auch durchweg.
Originell, wie oben gesagt, ist allerdings nur das äußere Erscheinungsbild. Obwohl der Roman durchaus spaßig zu lesen ist, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß einem das ganze irgendwie bekannt vorkommt. O.k., es ist zumindest neu für den Heftroman, trotzdem: in Sachen Originalität gibt's glatten Punktabzug.
Das ändert nichts daran, daß ich das Konzept von MADDRAX für durchaus entwicklungsfähig halte. Auch die legendäre VAMPIRA startete damals bekanntermaßen ziemlich durchwachsen...

Fazit:
Bis jetzt stehen MADDRAX noch alle Möglichkeiten offen. Ist der erste Band noch wenig originell, läßt er doch noch viele Fragen offen, die in den kommenden Bänden beantwortet sein wollen. Ich für meinen Teil werde jedenfalls auch die folgenden Hefte mit Interesse verfolgen.
9 Punkte.

Michael Breuer

Scheint fast so, als hätte man beim Bastei-Verlag aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Nach dem Flop von "Mark Hellmann" im letzten Jahr wollte man bei Maddrax wohl auf Nummer sicher gehen und hat daher die Verantwortung dem allseitsbekannten Mad Mike übertragen, der die Sache meiner Meinung nach auch richtig angeht. Damit meine ich nicht nur die wirklich gut gelungene Maddrax-Website oder den Werbefeldzug im voraus (im Vergleich zu den sonstigen Werbemaßnahmen des Verlags kann man wohl ruhigen Gewissens davon sprechen), sondern die von Mad Mike sowohl im Internet als auch auf der Leserseite angekündigte Miteinbeziehung der zukünftigen Fans. Ein sehr lobenswerter Ansatz, wie ich finde. Warten wir ab, wie er umgesetzt wird!
Jetzt aber zu Band 1 der neuen Serie, bei dem man scheinbar auch auf Nummer sicher gehen wollte. Konkret sieht das so aus: Man nehme ein bißchen "Armageddon", eine kleine Portion "Mad Max", gebe noch das eine oder andere Fantasyelement dazu und mische das ganze mit "Conan, der Barbar" (* ...was man ja wohl auch noch in die Fantasy einordnen könnte, oder? Heike) - und raus kommt "Maddrax".
Das ist auch das einzige Problem des ersten Romans - er ist nicht ganz so innovativ, wie der Leser es erwartet hätte. Das trifft nicht nur auf die einzelnen Figuren zu - Riesenratten und Heuschrecken sind nun wirklich nicht neuartig - sondern auch für den ganzen Ablauf der Geschichte. Der heldenhafte, aber schwer verwirrte Matt Drax, die kämpferische Aruula oder der verräterische Schamane Baloor sind leider alles Charaktere, die man aus den bereits genannten Filmen schon kennt. Gerade das macht die Geschichte von Anfang an durchschaubar, nimmt ihr einen großen Teil ihrer Spannung und läßt sie auf der Punkteskala nach unten fallen.
Hört sich fast schon niederschmetternd an, oder? Zur allgemeinen Beruhigung kann ich sagen: Der Roman ist gut, es ist aber nunmal schade, daß man bei Bastei scheinbar nicht bereit ist, wirklich innovative Stories im Heftformat auf den Markt zu werfen, denn das ist nunmal das einzige, was dem ersten Maddrax-Band zum 'sehr gut' fehlt.
Ansonsten ist der Roman mehr als lesenswert, ich neige fast dazu, zu sagen: Auf gut getrimmt. Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, nach Science-Fiction in Maddrax zu suchen, die ist nun einmal nicht vorhanden. Statt dessen wartet bei Maddrax ein action- und temporeiches Fantasyabenteuer auf, logisch dicht und mit einigen sehr interessanten Perspektiven für den weiteren Serienverlauf. Ein paar Handlungsstränge deuten sich bereits an, wobei Matt wohl erst einmal damit beschäftigt sein wird, seine Kameraden zu suchen, ehe er sich daran macht, das Schicksal der Erde zu klären...

Fazit:
Gelungener Einstand für die neue Serie, wenn auch leicht durchschaubar. Die Geschichte macht Lust auf mehr; mal schauen, was aus dem interessanten Konzept gemacht wird.
11 Punkte

Danijel Majic

Der Komet Christopher Floyd rast im Jahr 2012 auf die Erde zu. Der Versuch, ihn zu bombardieren, damit er in mehrere Brocken zerfällt, mißlingt.
Drei Kampfjets mit den erfahrenen Piloten Matthew Drax, Irvin Chester und Jennifer Jensen, ergänzt mit den Wissenschaftlern Jacob Smythe, dessen Assistenten David MacKenzie und Copilot Hank Williams, befinden sich in der Luft, als der Komet in die Atmosphäre eintaucht und die Menschheit kurz vor ihrem Ende steht.
Bei dem Aufprall des Kometen glaubt Commander Matthew Drax für kurze Zeit, doppelt zu sehen. Dann wird ihm schwarz vor Augen.
Als er wieder erwacht, sieht er um sich herum eine bizarre Eislandschaft. Er merkt, daß er verletzt ist, kann sich jedoch nicht aus dem Sitz befreien. Sein Copilot, Professor Smythe, hatte sich vor dem Aufprall mit dem Schleudersitz retten können; von ihm fehlt jede Spur.
Nach einiger Zeit bemerkt Drax sich nähernde Gestalten, deren Aussehen er auf die Auswirkungen seiner Verletzungen schiebt. Es sind abnorm vergrößerte Ratten, die sich ihm auf den Hinterbeinen laufend nähern.
Bei den Ratten handelt es sich um Taratzen unter ihrem König Rraar, der eigentlich Jagd auf einen Stamm Menschen macht, der sich in Richtung Süden bewegt und den die Taratzen erst vor kurzem überfallen haben.
Rraar hatte sie ausgeschickt, nach dem Donnervogel zu sehen. Doch auch ein Stamm Menschen hatte den Gott vom Himmel fallen sehen. Sorban führt ihn an, sein Sohn und Nachfolger heißt Radaan. Aufgenommen in die Gemeinschaft hat der Stamm den Göttersprecher Baloor, der in Leder gekleidet ist. Und eine Frau von einer Insel weit im Norden, die als kleines Mädchen zu ihnen stieß und Aruula heißt. Sie besitzt die Fähigkeit des "Lauschens", kann die Gefühle und Gedanken anderer Wesen auch über größte Entfernungen aufnehmen.
Aruula und Radaan können die Taratzen töten und bringen Matthew zu ihrem Stamm. Dort wird er versorgt und als Gott verehrt. Im Lauf der Zeit wird Aruula mehr und mehr zu seiner Pflegerin; der Göttersprecher wird neidisch auf sie und beginnt eine Intrige zu spinnen. Er hetzt Radaan, der ein Auge auf Aruula geworfen hat, gegen diese auf. Er macht ihm klar, daß der Mann, den sie Maddrax nennen, gar kein Gott ist und daß jener die Frau stehlen wird.
Rraar, der Taratzenführer, nimmt Kontakt zu Baloor auf. Auch er kann den Gott gut gebrauchen. Und so sieht Baloor eine gute Gelegenheit gekommen, den falschen Gott aus dem Weg zu räumen, als dieser zu seinem Jet will, um verschiedene Gegenstände zu holen.
Baloor und Radaan sollen ihn auf riesigen Heuschrecken, die sie als Transport- und Reisemittel nutzen, dorthin bringen. Die mißtrauisch gewordene Aruula setzt ihre Fähigkeit ein und erkennt in den Gedanken Baloors, daß dieser Maddrax den Taratzen ausliefern will. Sie folgt ihnen, wird jedoch von Radaan in einen Kampf verwickelt, so daß sie Drax zunächst nicht helfen kann. Er tappt in die Falle Rraars und wird in dessen Höhlensystem verschleppt.
In den Gedanken von Maddrax hatte Aruula gesehen, was er aus seinem Donnervervogel benötigt. Sie holt die Gegenstände und begibt sich zum Nest der Ratten, wo sie ihren Frekkeuscher (die Heuschrecke) als Opfer gibt und verkündet, daß sie dem Gott etwas zu geben hat. Die Taratzen führen sie zu Maddrax, dem man erst den Kühlschrank der Taratzen gezeigt hatte (Menschen und andere... Wesen, die in einem Erdloch gefangenen gehalten werden) und dann eine Eule zeigte, die so groß wie ein Elefant und nebenbei der Erzfeind der Taratzen ist. An ihr soll Drax sein Können demonstrieren. Just in dem Moment taucht Aruula auf, und mit der Pistole und dem Sprengstoff befreit er das Wesen, das bei seiner Flucht aus der Höhle die Taratzen massakriert.
Aruula und Maddrax machen sich auf den beschwerlichen Weg zurück ins Dorf, wo der Göttersprecher verbannt wird, als seine Intrige ans Licht kommt.
Aber nicht nur Matthew Drax hat den Sturz überlebt, sondern auch der Wissenschaftler Jacob Smythe. Sein Sitz hat sich in einer Eiswand verfangen. Auch er kann sich nicht allein befreien. Nach einiger Zeit hört er Geräusche unter sich. Ein Nest junger Tiere, wie er sie noch nie gesehen hat, befindet sich dort. Bei ihnen scheint es sich um eine Kreuzung aus Känguruh, Otter und Vielfraß zu handeln. Vor allem um letzteres, denn die Biester versuchen, Smythe zu fressen.
Gerettet wird er - zunächst - von Wesen, die auf den ersten Blick aussehen wie Menschen, die jedoch eine mumienartige Haut aufweisen und die Bestien unter ihm selber roh zu fressen scheinen. Danach wenden sie sich Smythe zu...

Ein Band, der gleich Lust macht auf mehr. Leider kommt die neue Bastei-Serie nur alle 14 Tage...
Mehr als einmal hatte ich beim Lesen Déja-Vu-Erlebnisse. Etwas Neues bietet die Serie zwar nicht, es gibt vermutlich Dutzende von Parallelen zu anderen Serien und Büchern, sei es in Buch oder Serie, gedruckt oder im Film.
Aber das ist zweitrangig; auch der Wiedererkennungseffekt zählt, und wenn man an Sachen wie "Planet der Affen", "Armageddon", "Charity" oder Hohlbeins Welt aus "Die Töchter des Drachen" erinnert wird, geht das in Ordnung.
Der Roman ließ sich durchgängig gut lesen, zu meckern gibt es nichts, er bot kurzweilige, spannende Unterhaltung. Und genau das erwarte ich von einem Heftroman. Wobei höchstens die Frage ist, welchen Sinn es macht, drei Jets hochzuschicken, um den Aufprall des Kometen zu verfolgen, wenn sie eh nicht mehr runterkommen, weil unter ihnen in Kürze alles platt sein wird...
Zwei Sachen haben mir besonders gefallen. Zum einen, daß die Taratzen nicht nur eine gewisse Intelligenz besitzen, sondern daß sie es sind, die die Menschen jagen, welche sich auf der Flucht befinden.
Absoluter Höhepunkt aber war der Epilog um Jacob Smythe - das war schon ziemlich gruselig, zumal er abseits der eigentlichen Handlung lief.
Befriedigend Plus

Guido Latz

Ausgangssituation: Im Jahre 2012 kommt es zur globalen Katastrophe, als ein gewaltiger Komet auf der Erde einschlägt. Die menschliche Zivilisation wird größtenteils vernichtet.
Der Held der Serie, Commander Matthew "Matt" Drax, ist einer der Piloten einer Staffel von Düsenjägern, die in der Stratosphäre sind, um den Kometen zu beobachten. Der Kometeneinschlag löst eine gigantische Druckwelle aus und verzerrt das Raum-Zeit-Gefüge. Matt Drax gerät mit seinem Jet in diese Verzerrung und findet sich in einer fernen Zukunft wieder. Das Flugzeug ist irreparabel beschädigt und stürzt ab. Matt Drax' Schleudersitz funktioniert nicht, und so bringt er die Maschine in einer Notlandung herunter. Drax überlebt, ist aber verletzt.
Auch Menschen haben die Katastrophe überlebt, sind aber in die Barbarei zurückgefallen. Die Welt hat sich beträchtlich verändert (vgl. hierzu die Karte im Internet, die in einer der nächsten Ausgaben präsentiert werden soll).

Die Idee ist nicht unbedingt originell, bietet jedoch genug Entwicklungsperspektiven. Aber immerhin, gut geklaut ist besser als schlecht erfunden. Und wer hat schon im Heftbereich etwas WIRKLICH Neues erwartet? Als Genre wird für die Serie der Begriff »postatomare Horror-Fantasy-SF« angegeben. Der Begriff ist selbsterklärend. Man will wohl auf alle drei Gattungen zurückgreifen, wenngleich der erste Band überwiegend der Fantasy zuzuordnen sein wird. Aber auch aus Versatzstücken läßt sich etwas Ordentliches machen.
Als erstes fällt das Cover auf. Das war zwar schon lange auf der Maddrax-Seite im Internet zu bestaunen, trotzdem ist der Stil gewöhnungsbedürftig.
Autor des Romans ist Jo Zybell. Nie gehört, aber wahrscheinlich handelt es sich eh um ein Pseudonym. Der Roman ist annehmbar geschrieben (flüssig lesbar, und das ist doch schon etwas), doch die Story ist sehr voraussehbar. Die Figuren wirken auch nicht gerade innovativ, sind aber ebenfalls ausbaufähig. Die Namensgebung "Maddrax" soll wohl Assoziationen zum Film "Mad Max" wecken, doch die beiden Welten unterscheiden sich doch zu deutlich voneinander. Für meinen Geschmack verfehlt, aber das ist Ansichtssache.
Daß die ersten Gegner mutierte und intelligente Riesenratten sind, ist auch nicht gerade eine Revolution. Sie scheinen stärker zu sein als Menschen und vermehren sich zudem recht rasch. (* Wenn man die Körperkraft der uns bekannten Ratten im Verhältnis zu ihrer Körpergröße betrachtet und dies dann mit dem Menschen vergleicht, ergeben sich schon auffällige Unterschiede - das ist aber bei vielen Tieren so (z. B. können auch Ameisen ein Vielfaches ihres Körpergewichts tragen, woran bei den meisten Menschen nicht zu denken ist.) Und wenn die Ratten ihre ursprüngliche Vermehrungsrate (mehrmals im Jahr durchschnittlich 7 Junge oder so?) beibehalten haben und dazu noch ein bißchen intelligenter geworden sind... das dürfte wohl keine Menschheit überleben, schon allein platzmäßig... ;-) Heike) Dann gibt es noch dieses eulenartige Monster, das im Alleingang eine ganze Horde dieser Riesenratten aufmischt. (* Noch nie gehört? Eulen fressen nun mal ganz gerne Ratten - und wenn die Eule dann auch noch in der gleichen Größenordnung gewachsen ist...? ;-) Wer sonst sollte wohl die Vermehrung solcher Viecher stoppen können? Heike)
Wenn weiterhin derart starke Monster auftauchen, sollten Menschen auf der Entwicklungsstufe, auf der sie sich befinden, bereits ausgestorben sein. (* SPÄTESTENS dann. >:-))) Heike) Das sollte schon zu denken geben.
Überhaupt: Mutanten und Mutationen, wohin man schaut. (Soll DAS das Horror-Element sein?) So ist auch Maddrax' neue Freundin Aruula wohl eine Telepathin.
Daß im ersten Roman noch nicht DIE großen Konflikte auftauchen, ist verständlich. Zunächst muß eine Grundlage geschaffen werden, auf der die spätere Handlung entwickelt werden kann. Der grobe Rahmen für die Serie wird in diesem Band 1 ganz ordentlich abgesteckt.
Natürlich kann man noch nicht sagen, wie sich die Serie weiterentwickeln wird; bevor man sich ein weitergehendes Urteil bilden kann, muß man noch einige Bände lesen.

Fazit:
Viel fällt zur eigentlichen Handlung nicht auf. Das Ganze ist zwar nicht besonders einfallsreich, aber brauchbar. Ich bin noch skeptisch, lasse mich aber gern positiv überraschen. Der Roman selbst verbleibt auf durchschnittlichem Heft-Niveau. Die Liste der Autoren für die nächsten Bände, insbesondere Ronald M. Hahn und Timothy Stahl, läßt hoffen. Schau'n wir mal, wie es weitergeht.
6 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Die lange Zeit des Wartens und Ausharrens ist vorbei, der erste Maddrax ist endlich erschienen. Viel ist ja bereits im Vorfeld über diese Serie gesagt und geschrieben worden, wobei unter anderem auch die Hoffnung aufklang, Maddrax könnte so etwas wie ein neuer Macabros werden.
Nun, dies ist sicher ein etwas sehr hochgestecktes Ziel, und auch wenn die neue Bastei-Serie zwar ein ähnliches Konzept (Genremix) und einen doch ziemlich ähnlichen Schriftzug aufweist, so glaube ich persönlich nicht daran, daß sich irgendeine Serie der Gegenwart qualitativ noch einmal in einer derartigen Weise entwickeln wird, wie seinerzeit Macabros. Aber auch wenn die Macher diesen Vergleich wahrscheinlich sowieso nicht ziehen werden, eines zumindest hat Maddrax bereits geschafft: Der erste Band ist schon mal eindeutig besser als damals der erste Macabros, aber das ist, wie die meisten von uns wissen, auch nicht gerade ein Kunststück.
Der Autor - wer auch immer sich hinter dem bescheuerten Pseudonym verbirgt - scheint sein Handwerk aber zumindest rein handwerklich zu verstehen. Der Schreibstil ist flott, man kommt ohne irgendwelche Streckmittel wie unnötig langgezogene Dialoge oder langatmige Füllszenen aus, und die Charaktere sind durchaus gelungen und wirken keineswegs hölzern oder flach. Sogar der Held selbst kommt weniger machohaft rüber, als man hätte befürchten können, sieht man mal von einer einzigen wirklich überflüssigen Bemerkung ab. ("Er wußte eine Frau zu nehmen, wenn ihm danach war" oder so.)
Was die Handlung anbelangt, so kann man dazu noch nicht allzuviel sagen, da das ganze ja wohl mal wieder zyklisch aufgebaut werden soll. Ich persönlich glaube allerdings, daß man damit auch diesmal wieder baden gehen wird, denn was bei Pabel mit Mythor nicht geklappt hat (wenn dies auch reine Fantasy war), das klappt gerade heutzutage auch bei Bastei ganz sicher nicht, wie man ja bereits am Beispiel von Vampira sehen konnte.
Nur soviel: Die Story vom Helden, der in einer fremden Umgebung von irgendwelchen Primitivlingen als Gott verehrt wird, mag für Bastei vielleicht eine Innovation sein. Leser einer gewissen Weltraum-Serie haben solche und ähnliche Handlungen während der letzten 40 Jahre allerdings schon zigmal, ach was sag ich, hundertmal vorgesetzt bekommen. Aber sei's drum. Spannend ist der Roman trotzdem, und wenn man auch mit irgendwelchen mutierten Rattenviechern wohl heutzutage niemanden mehr beeindrucken kann, so war die Idee einer gutgefüllten, "buntgemischten" Speisekammer doch immerhin recht originell und der finale Kampf gegen die Unholde ziemlich gelungen.
Alles in allem steckt auf jeden Fall Potential in dem Konzept. Bleibt nur abzuwarten, was das Autorenteam daraus machen wird, und es bleibt zu hoffen, daß man bei aller Action und Fantasy die Sciene Fiction nicht zu kurz kommen läßt...

Fazit:
Der erste Maddrax bietet von jedem etwas, eine Prise Science, ein Teelöffel Horror und zwei Eßlöffel Fantasy; das ganze nach einem Rezept, das zwar durchaus aufgeht, dessen Seiten jedoch unverkennbar aus den ältesten Kochbüchern des phantastischen Heftromans zusammengeklaut sind... Immerhin bietet der Erstling kurzweilige Unterhaltung auf recht ordentlichem Niveau. Dem unsäglichen ersten Mark Hellmann ist er somit schon mal drei Nasenlängen voraus...
8 Punkte

Stefan Robijn

Lange angekündigt, nun ist er erschienen: Der erste Band zur neuen Bastei-Serie "Maddrax".
An sich ging ich diesen Roman eher mit zwiespältigen Gefühlen an - denn so innovativ und neuartig, wie er angekündigt wurde, ist er nun wirklich nicht ausgefallen. Die Versatzstücke aus anderen Serien sind deutlich bemerkbar, wobei die Spanne irgendwo von Mad Max über Buck Rogers und den Planeten der Affen bis hin zu Dragon oder auch Mythor geht. Etwas wirklich Neues hat man hier also nun ernsthaft nicht zu bieten.
Dafür jedoch vermag die Mischung durchaus zu überzeugen - und auch Jo Zybells Stil (Wer ist das eigentlich?) weiß zu gefallen. Wenn er auch natürlich nichts literarisch Hochwertiges bietet, so liegt er stilistisch doch auf gutem Heftromanniveau (und wer jemals einen Hellmann gelesen hat, weiß, daß es noch weit, weit darunter geht...).
Wie immer bei einem ersten Band geht es natürlich hauptsächlich darum, die Personen zu charakterisieren, die schließlich in den nächsten Bänden noch häufiger auftreten sollen. Und genau dies gelingt dem Autor in recht annehmbarer Form - auch wenn hier die nächsten Bände sicherlich noch Folgearbeit leisten müssen. Er nimmt sich seiner Charaktere an und entwickelt sie langsam im Rahmen einer Story, die zudem auch noch durchaus zu gefallen vermag und in der Lage ist, beim Leser den Appetit auf mehr zu wecken.
Denn interessant ist das vorgegebene Szenario auf jeden Fall - auch wenn mir solche Endzeitversionen eigentlich gar nicht so recht liegen. Doch diese Serie hat was - was denn nun genau, das müssen die nächsten Bände zeigen, denn nach einem einzigen Roman ist die Bewertung der ganzen Serie naturgemäß noch nicht möglich.
Zudem ist in diesem Roman der Genremix nur andeutungsweise vorhanden. Vor allem die SF und der Horror sind recht unterdurchschnittlich vertreten - zumindest für meinen Geschmack möchte ich das Endzeitszenario als solches nicht unbedingt als SF bezeichnen, sondern eher der Fantasy zuordnen. Ebenso wie die Taratzen und all die anderen Viecherchen auch weniger im Horror-Bereich, sondern ebenfalls hier angesiedelt sind. Doch es ist wohl zu vermuten, daß sich hier mit den nächsten Bänden noch einiges ändern wird - spätestens wenn Ronald M. Hahn oder Timothy Stahl in die Handlung eingreifen.
Erwähnenswert - weil die einzige wirkliche Innovation (zumindest für Bastei-Verhältnisse) - ist jedenfalls auch noch die Covergestaltung, bei der man sich erstmals seit den Terranauten (jedenfalls ist mir hier keine andere Heftromanserie bekannt) entschieden hat, das Titelbild nicht in einen Rahmen zu setzen, der von der unsäglichen Zinne dominiert wird. (* Also, wenn ich mich recht erinnere, war bei "Jessica Bannister" - nicht, daß das viel mit Qualität zu tun hätte >:-) - auch nur oben die Zinne angedeutet... Heike) Das schafft Raum für das Bild - das zumindest recht ordentlich gelungen ist.

Fazit:
Eine größtenteils positive Überraschung. Dieser erste Band der neuen Serie bietet reichlich Ansätze für die weitere Entwicklung der Serie, der man gespannt entgegensehen kann. Für einen Einstiegsroman ist er durchaus als gelungen zu betrachten, wenn auch der Hintergrund der Serie aus nicht viel mehr als reinen Versatzstücken besteht. Doch die Mischung stimmt größtenteils - und so wird das eigentliche Ziel mit diesem Roman durchaus erfüllt: Ein gut und flüssig zu lesender Unterhaltungsroman, der einfach Spaß macht - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.
8 Punkte.

Winfried Brand

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