Band 2007: "Die Schatztaucher"

Autor: Uwe Anton

Wieder versucht die SOL den Durchbruch durch die Blockade der Mundänen am Ausgang der NACHT.
Dieses Mal wissen sie, was sie erwartet, und die Mundänen erwarten sie auf gar keinen Fall so früh zurück. Das zusammen ergibt vermutlich das kleine Quentchen Glück, das sie brauchen, um zu entkommen.
Nun sind zwei Dinge zu tun: Die Positionsbestimmung von Segafrendo und schnellste Informationseinholung über den von ES gestellten Auftrag. Dazu fliegt man ins Torm-Karaend-System.
Hier entdeckt man die Spuren einer großen Schlacht, die einmal hier stattgefunden hat. Es stellt sich heraus, daß das System schon längst zum mundänischen Einflußbereich gehört und die Bewohner in Frieden ihre zerstörte Zivilisation aufbauen wollen. Die Regierung verweigert den Suchkommandos der SOL jedoch nicht die Landung, und so machen sich etliche Teams zu dem Planeten auf, um nach Informationen über Auroch Maxo-55 und einen Kym-Jorier zu suchen.
Mit auf die Planetenoberflächen fliegen auch die Schatztaucher. 12 Besatzungsmitglieder, deren einzige Aufgabe es ist, sich durch die neuen und zerstörten Bauten im Mittelteil der SOL zu wühlen und dort nach verwertbarem Material zu suchen. Da das aber eine recht eintönige Arbeit ist, haben sie ihre Vorgesetzten lange nach einem Außeneinsatz gedrängt, den sie hier nun endlich bekommen.
Mit großem Elan machen sie sich an ihre Aufgabe und streunen über den Planeten, wobei sich die bedeutsamsten Funde in einer alten Bibliothek finden, deren alter Bibliothekar nur noch aus purem Idealismus verharrt und mit seinen Gehilfen mehr als nur begeistert ist, den Galaktikern helfen zu können. Im Gegensatz zu ihrer Regierung haben die Mom'Serimer auf der Oberfläche des Planeten weniger Hemmungen, den Fremden zu helfen.
Währenddessen sind die Herren von der Führungsetage an Bord weiter dabei, Berechnungen anzustellen, wo man sich denn befindet. SENECA findet auch eine Galaxis, die Segafrendo ähnelt, aber nicht mit ihr übereinstimmt. Es handelt sich dabei um eine Galaxis, die in den galaktischen Katalogen als Hazel 14 steht und etwa 36 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt ist. Das Rätsels Lösung liegt darin, das man Hazel etwa 20 Millionen Jahre in die Vergangenheit rechnen muß, damit sie mit Segafrendo identisch ist, was heißt, daß die SOL fast 18 Millionen Jahre in die Vergangenheit gereist ist.
Von diesen Informationen unbelastet untersuchen die Schatztaucher ein uraltes Gebäude, in dem sie einen alten Projektor finden, der sich aber nur schwer aktivieren läßt. Unglücklicherweise kommt gleichzeitig auch der Rückruf an Bord der SOL. Das können und wollen sie aber nicht akzeptieren, und so basteln sie einfach weiter - so lange, bis ihnen der Projektor schließlich um die Ohren fliegt, aber ein paar Speicherchips können sie retten und mit auf die SOL nehmen, wo sie erst einmal eine kräftige Standpauke erwartet.
Als man gerade zum Aufbruch rüstet, taucht eine Flotte der Mundänen im System auf. Die Oberbefehlshaber haben eine hohe Belohnung auf die SOL ausgesetzt, und die fanatische Kommandantin des anfliegenden Verbandes ist reichlich an dieser interessiert. Und so passiert, was passieren muß: Die SOL muß mal wieder die Waffen strecken.

Was soll man dazu sagen - noch keine 10 Bände vorbei, und schon steckt die SOL dreimal kurz vor dem absoluten Niedergang. Fast von den Mom'Serimer zerstört, von den Mundänen schon zweimal gekapert. Wenn das so weitergeht, zerlegen die die SOL noch in alle Einzelteile und schicken sie per Kosmokraten-Post wieder zurück.
Überschattet wird die ganze Handlung dazu noch dadurch, daß sie in meinen Augen bisher einfach nicht gut ist. Schon die erste Kaperaktion fand ich mehr schlecht als sonst was, aber das läßt sich ja auch in der entsprechenden Rezension nachlesen. Das ändert aber nichts daran, daß dieser Versuch hier in meinen Augen nicht viel besser dasteht. Ich kann da eigentlich nur glauben, daß auf den entsprechenden Chips, die die Schatztaucher gefunden haben, derart wichtige Informationen sind, daß man die SOL erst einmal aus der direkten Zeithandlung ziehen will, um die Angelegenheit noch ein wenig zu verknappen; vielleicht soll damit endlich ein wenig Spannung erzeugt werden, die bisher nicht vorhanden ist. Ich hoffe zumindest, daß man sich ein bißchen was anderes einfallen läßt. Schon wieder ein "Ruckzuck-raus aus der Gefangenschaft" wäre doch ein wenig einfallslos. Zum anderen ließe sich hiermit auch noch ein wenig mehr über den Hintergrund dieses Zyklus und vor allem über den Hintergrund dieses Krieges aufbauen.
Ich muß schon sagen, daß ich vom bisherigen Verlauf des Zyklus bzw. dieser Ebene hier doch enttäuscht bin, und das liegt bisher hauptsächlich daran, daß bisher weder die Handlung noch die erkennbare Konzeption oder die Romane überzeugen können. Daran ändert dieser hier auch nicht viel. Weder die Schatztaucher noch die SOL-Ebene können sich in meinen Augen bisher vom Bild des restlichen Zyklus absetzen. Allein die Ebene um die mundänische Kommandantin bringt ein wenig Farbe in den Roman - und wenn's auch nur zeigt, wie die Mundänen so alles fühlen, denken und machen. Hier geht es um das Leben und Sterben in der Gesellschaft der Mundänen.
Die Schatztaucher zeigen uns ein wenig über die Welt und die Lebensweise der Mom'Serimer. Auch wenn sich das hier doch ein wenig auf die Hektik der kleinen Wesen beschränkt, aber wenigstens haben wir hier endlich mal ein richtiges freundliches Volk, das sich auch von größten Rückschlägen nicht aufhalten läßt.
Doch was sollen die Schatztaucher denn überhaupt sein? Auf der einen Seite führen sie eine Arbeit aus, für die man gut und gerne Roboter einsetzen könnte, die diese Aufgabe schneller und nicht weniger effizient ausführen würden. Machen wir uns nichts vor - die Technik im Perry Rhodan-Universum ist schon lange soweit, daß für so eine Aufgabe hier nicht mehr unbedingt Menschen gebraucht werden würden. Auf der anderen Seite scheinen hier Charaktere vorzuliegen, mit denen Perry Rhodan eben von jenem Universum der Automatik hin zu mehr Menschen geführt werden soll. Hier fällt mir mal wieder das Stichwort von den Charakteren mit Ecken und Kanten ein. Ob's hier zum Erfolg führen wird, bleibt abzuwarten. In Bezug auf diesen Band hat es mir hier und heute nicht so gut gefallen. Aber der Weg ist in meinen Augen der richtige.

Was bleibt?
Nun, z.B. die Informationen über den Krieg in Segafrendo. Hier wird also geschrieben, daß die Mundänen seit 30 Jahren einen brutaleren Krieg führen. Heißt das "brutaler, als sie ihn früher geführt haben" oder "brutaler, als andere ihn vorher geführt haben" - denn schließlich haben wir ja das Zehntausend des Krieges (Seite 33), und irgendwie steht da noch was von 1000 Jahren Krieg.
Das erinnert doch irgendwie stark an das Jahrtausend der Kriege, das wir nun in der Milchstraße erwarten dürfen. Also, wenn das mal kein düsteres Omen ist. Oder müssen Atlan und die SOL hier vielleicht Grundlagen für das heutige Thoregon schaffen - oder aber das eine oder andere zurechtrücken? Vielleicht müssen sie auch dafür sorgen, daß hier ein richtiges Thoregon entstehen kann; oder aber es ist schon entstanden, hat aber die letzten Jahre des Krieges nicht richtig überstanden, und jetzt muß es wieder aufgebaut werden, damit es einmal in ferner Zukunft "unser" Thoregon entstehen lassen kann. Fragen über Fragen, die bisher auf nicht vielen Grundlagen stehen - die wird die Zukunft bringen.

Fazit:
Uwe Anton in meinen Augen ungewohnt schwach, was aber im Moment zur Handlungsebene paßt.
5 Punkte

Alexander Haas

Nun ist die SOL also aus der NACHT entkommen - das hätte man auch einen Roman früher haben können, wenn denn das Expo mitgespielt hätte.
Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, dieses Stückchen Weiterkommen in der Handlung mit einem wirklich guten Roman gleichzusetzen - hierfür fehlte dann im Exposé einfach die Grundvoraussetzung. Uwe Anton gelingt es zwar wieder einmal, mehr oder weniger das beste aus dem Material zu machen - was auch einen annehmbaren bis guten, jedoch keinen sehr guten Roman ergibt.
Dafür fehlt es dann doch eindeutig noch im Exposé, das auf den Knaller hinauslief, daß man sich mit der SOL in einer 18 Millionen Jahre zurückliegenden Vergangenheit befindet. Wer Band 2000 und 2006 sorgfältig gelesen hat, konnte dies jedoch auch schon daraus schließen, von einer Überraschung für den Leser kann man hier also nicht mehr sprechen.
Allerdings gelingt es Uwe Anton, aus diesem eher mäßigen Stoff einen interessanten Roman zu stricken, der hauptsächlich von seinen Charakteren lebt, die wirklich anschaulich geschildert sind. Die Schatztaucher blödeln zwar an manchen Stellen ein wenig zu albern herum, bieten aber doch recht interessante Figuren, von denen wir wohl noch mehr hören werden (und nebenbei gesagt: Diese Gruppe eignet sich sicherlich auch noch für das eine oder andere Taschenbuch - so es irgendwann einmal wieder selbige geben sollte - immerhin läßt das Mittelteil der SOL viele, viele Möglichkeiten offen, wirklich schöne Romane zu schreiben, die nicht unbedingt innerhalb der Serie erscheinen müssen...).
Selbst auf der Seite der Mundänen gelingt es Anton, mal ein wenig mehr von deren Gefühlswelt zu zeigen, als dies bisher der Fall gewesen ist. Zwar bleiben deren Motivationen immer noch im Dunkeln (die Karrieregeilheit verbunden mit Kriegslust allein kann es ja wohl nicht sein), doch läßt sich ja schon fast vermuten, daß es auch zu einem Thoregon noch ein Gegenstück (vielleicht eine Art "4. Weg"?) gibt - eine Macht, die statt für Frieden für Krieg kämpft. Immerhin wurde auch den aktuellen Thoregon-Völkern das "Jahrtausend der Kriege" prophezeit. Vielleicht sind es aber doch wieder die Kosmokraten und Chaotarchen, die hier eingreifen - diesmal jedoch indirekt. Immerhin haben sie auch dem derzeitigen Thoregon nur zugesichert, daß sie die Heimatgalaxien der Thoregonvölker nicht beeinflussen. Das schließt jedoch wohl nicht aus, daß sie eventuell Völker in Nachbargalaxien in der Hinsicht beeinflussen, daß sie sich gegen die Thoregon-Galaxien stellen, oder? Und hierfür muß das Ziel ja eigentlich noch nicht einmal wirklich benannt werden; eine Art von undefinierter "Kriegslust" reicht hier ja auch aus. Gegen wen diese sich dann richtet - dafür können die Komsokraten ja schließlich nichts, womit auch die Zusicherung eingehalten wäre... Aber dies werden uns die Autoren sicherlich noch beizeiten erklären, und wahrscheinlich auch wieder ganz anders, als es sich zur Zeit darstellt.
Aber kommen wir zu dem Roman zurück. Dieser läßt uns als Cliffhanger die Aussicht auf die neuerliche Kapitulation der SOL offen - wollen wir hoffen, daß diese sinnvoller beschrieben wird als die letzte.
Im nächsten Roman geht es jedenfalls erstmal in der Milchstraße weiter. Mal sehen, was uns Arndt Ellmer auf dieser Ebene beschert.

Fazit:
Uwe Anton zeigt, wie man aus einem recht uninteressanten Exposé immer noch einen guten Roman hervorzaubern kann. Der "Gefühlsmechaniker" hat hier wieder zugeschlagen und seine Stärken in der Charakterisierung der Personen voll ausgespielt. Mehr hätte man hieraus wohl kaum machen können.
9 Punkte.

Winfried Brand

Die Handlungsebene mit der SOL soll wohl den "kosmischen" Teil des laufenden Zyklus ausmachen, soviel dürfte nach diesem Roman feststehen. Da ist man nun 18 Millionen Jahre in der Vergangenheit gelandet (schluck!), mit einer Aufgabe, die für die Entstehung der Superintelligenzen ES und ESTARTU und vermutlich auch für Thoregon von entscheidender Bedeutung ist. Das läßt ja eigentlich hoffen. Doch die Handlung schleppt sich nur träge voran. Das passende Wort für diese Ebene bisher ist: LANGATMIG. Jaaa! Der Rezensent weiß auch, daß wir erst am Anfang des Zyklus sind, doch wenn man in diesem Tempo weitermacht, dann ist der erste TEILAUFTRAG der SOL erst mit PR 2025 erledigt, und das wäre doch arg gestreckt. Hoffentlich kommt hier nicht der nächste PR-Großzyklus mit 200 Bänden auf uns zu, denn das hieße, der Thoregon-Komplex würde auf insgesamt 400 Romane ausgedehnt. Das sind nach terranischer Standardzeit des 20./21. Jahrhunderts schlappe acht(!) Jahre. Puuuh. Weniger ist manchmal mehr...
Nun sind wir seit vier Romanen in der Galaxis Segafrendo, doch passieren will eigentlich so recht nichts. Die ersten drei Bände hätte man lässig auf anderthalb zusammenkürzen können, ohne daß irgend etwas gefehlt hätte. Na ja, große kosmische Rätsel gibt es genug, aber die eigentliche Handlung kommt nur schwerfällig in Gang. Immerhin gelingt es der SOL jetzt recht rasch, den PULS zu verlassen. Was im ganzen letzten Roman nicht gelang, schafft Uwe Anton hier locker auf vier Seiten. Die Mundänen werden trotz ihrer riesigen Wachflotte rasch ausgetrickst. Dann schaut man sich in Segafrendo um. Man kommt in Kontakt mit den Vettern der Mom'Serimer, den Serimern. Daß dieses eher pazifistische Volk den Terranern auf offizieller Ebene nicht weiterhelfen will, ist nicht weiter verwunderlich, denn die Mundänen haben ihnen vor nicht allzu langer Zeit ganz schön zugesetzt. Und endlich, so will es scheinen, gibt es mit der Bergung eines Datenträgers auf dem Planeten Pragaend den ersten echten Fortschritt. Doch schon hat man die Mundänen, die die ganze Galaxis Segafrendo nach der SOL absuchen, wieder auf dem Hals.
Uwe Anton macht mal wieder vor, wie man gute Romane schreiben kann.
Die anarchischen Umweltangepaßten vom Planeten Doo XIII werden souverän und mit trockenem, slapstickartigem Humor geschildert, ohne daß das Ganze gleich in Klamauk abdriftet. Köstlich: Nekker Ravved, einer von ihnen, hat als Freundin eine fünfzehn Zentner schweren Ertruserin. Beim Sex, der mit Hilfe von Antigravfeldern stattfindet (* "(seufz!) Willst Du etwa schon wieder oben liegen, Schatzi?" :-))) Heike), verunglückt er und verletzt sich erheblich (Rippenprellungen usw.). (* Trotz Antigravfeldern??? Bei denen muß es aber wild zugehen... ;-) Heike) Dann versucht er noch krampfhaft, die Ursache seiner Verletzungen vor der Bordärztin zu verheimlichen. Das stand bestimmt nicht im Exposé. Wie kommt man auf so etwas??? (* Bestimmt nicht durch Privatsendergucken... >:-))) Heike) Klasse.
Bei der Darstellung der Fremdvölker beweist der Autor einen hervorragenden Blick für's Detail: Sowohl die Serimer als auch die feindlichen Mundänen sind (im Gegensatz zu den beiden vorangehenden Romanen) gut ausgearbeitet und wirken plastisch.
Und dann sind da noch die Besatzungsmitglieder der SOL (allen voran Atlan), die es nicht fassen können, als SENECA ihnen eröffnet, wo (nein, besser: WANN) sie sich jetzt befinden. Auch hier merkt man, daß der Autor sich Gedanken um deren Befindlichkeit macht, und die Fassungslosigkeit und Panik, die bei einer solchen Erkenntnis naturgemäß entstehen müssen, setzt er dann einfühlsam um.
Und was ist mit den Logikfehlern, nach denen jeder Rezensent so verzweifelt sucht??? Fehlanzeige.

Ach ja, da fällt mir noch etwas auf, äh, ein: Nach dem Ende dieses Zyklus könnte man die SOL in der Vergangenheit lassen und die ganze Besatzung in Kältetiefschlaf versetzen. 18 Millionen Jahre spätet bietet sich dann die einmalige Gelegenheit, Atlan dreimal gleichzeitig auftauchen zu lassen (der schläft dann ja auf Traversan und gleichzeitig noch auf Terra). DAS wäre doch ein Plot!!! (Aber das gehört eigentlich nicht hierher...)

Fazit:
Uwe Anton hat aus einer recht durchschnittlichen Handlung das Maximum herausgeholt. Vom Exposé her kein Highlight, aber viele gute Einfälle. Der bisher beste Roman dieser Ebene.
12 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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